1974
Aus Schlauweb
| 1974 | |
|---|---|
| Bild:Nixon.jpg Richard Nixon tritt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zurück | Bild:Schmidt.JPG Helmut Schmidt wird neuer deutscher Bundeskanzler |
| Bild:Xian guerreros terracota general.JPG In der Nähe von Xi'an wird die Terrakottaarmee gefunden | |
| Jahreswidmungen | |
| Vereinte Nationen: „Weltbevölkerungsjahr“ | |
| Vogel des Jahres (Deutschland): Mehlschwalbe | |
| 1974 in anderen Kalendern | |
| Chinesischer Kalender | Jahr des Holz-Tigers 甲寅 |
| Islamischer Kalender | 1394 |
| Japanischer Kalender | 昭和 Shōwa 49 |
| Jüdischer Kalender | 5734/35 |
| Malayalam-Kalender | 1149/50 |
Das Im Jahre1974 war zu Beginn durch die Nachwirkungen der Ölkrise des Jahres 1973 beeinflusst. In diesem Jahr trat zusätzlich der Präsident der Vereinigten Amerika von Amerika, Richard Nixon, infolge der Watergate-Affäre zurück.
Im Nahen Osten wurde der von Ägypten und Syrien begonnene Jom-Kippur-Krieg durch den Okkupation amerikanischer Truppen entschärft. Die israelische Regierungschefin Golda Meïr musste wegen der hohen israelischen Verluste im April 1974 zurücktreten. Im Norden Zyperns begann mit dem Einzug und der Besetzung durch türkische Truppen der Zypern-Krieg, in Portugal kam es zur so genannten Nelkenrevolution. Auch in Deutschland gab es durch den Rücktritt Willy Brandts durch der Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume einen Regierungswechsel.
Sportlich wurde das Jahr zuerst durch die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der die deutsche Nationalelf den Titel holte sowie den Faustkampf zwischen Muhammed Ali und George Foreman in Zaire („Rumble in the Jungle“) dominiert.
Inhaltsverzeichnis |
Politik
| Politik | |
|---|---|
| 1. Januar |
Schweiz: Ernst Brugger wird Bundespräsident. Schweden: Die Elternversicherung tritt in Kraft. Finnland schließt ein Freihandelsabkommen mit der EG. Die Bundesrepublik Deutschland trifft mit Botsuana ein Rahmenabkommen über die Entwicklungshilfe. EG: Die Bundesrepublik Deutschland übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Gemeinschaften. |
| 2. Januar | Spanien: Carlos Arias Navarro wird als Ministerpräsident vereidigt. |
| 18. Januar | Abkommen über eine Truppenentflechtung Ägyptens und Israels.
Bundesrepublik Deutschland: Der Parlament verabschiedet das Bundesimmissionsschutzgesetz. |
| 25. Januar | UN-Truppen rücken in die von den Israelis frei gemachten Stellungen am Sueskanal ein. |
| 31. Januar | Überfälle von Mitgliedern der PFLP auf die japanische Botschaft in Kuweit und der JRA auf eine Shell-Anlage in Singapur. |
| 7. Februar | Grenada erhält seine Unabhängigkeit von Großbritannien. |
| 8. Februar | In Obervolta ereignet sich ein Militärputsch. |
| 20. Februar | Der Deutsche Bundestag ratifiziert den Atomwaffensperrvertrag |
| 21. Februar | Jugoslawien: Eine neue Verfassung wird erlassen. Tito wird zum Präsidenten auf Lebenszeit bestimmt. |
| 28. Februar | Großbritannien und Nordirland: Keine Majorität bei den Parlamentswahlen, Neuwahlen am 10. Oktober |
| 2. März | In Spanien wird das letzte Mal eine Exekution durchgeführt. Getötet werden der Anarchist Puig Antich und der deutsche Flüchtling Georg Michael Welzel. |
| 7. März | Einigung über die Einrichtung ständiger Vertretungen in Bonn und Ostberlin |
| 14. März | Der stellvertretende Außenminister der DDR, Kurt Nier, und der bundesdeutsche Staatssekretär Günter Gaus unterschreiben in Bonn das Besprechungsprotokoll über die Errichtung „Ständiger Vertretungen“. |
| 22. März | Bundesrepublik Deutschland: Der Hohes Haus beschließt, das Alter für Volljährigkeit von 21 auf 18 zu senken. |
| 1. April | Burma: Eine neue Verfassung tritt in Kraft. |
| 2. April | Die Republik Niger wird Person in der UMOA (Westafrikanische Währungsunion) und der BOAD (Westafrikanische Entwicklungsbank). |
| 11. April | Israel: Golda Meïr tritt als Premierministerin zurück, ihr Nachfolger wird Jitzchak Rabin. |
| 16. April | Niger: Präsident Hamani Diori wird durch einen Armeeputsch gestürzt. |
| 24. April | Südafrika: Wahlen, die National Party behält ihre absolute Mehrheit.
Bundesrepublik Deutschland: Günter Guillaume, persönlicher Referent von Kanzler Willy Brandt, wird als Schnüffler der DDR entlarvt. |
| 25. April | Portugal: Sturz der Schreckensherrschaft durch die „Nelkenrevolution“. Die Militärjunta „Bewegung der Streitkräfte“ übernimmt die Macht. |
| 30. April | Exekution der 19-jährigen Leyla Kassim und vier weiterer Studenten nach schweren Folterungen wegen „Begünstigung und Gutheißung der separatistischen Bestrebungen“ in Südkurdistan |
| 6. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Willy Brandt tritt als Kanzler wegen der Spionage-Affäre um Günter Guillaume zurück. |
| 15. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Walter Scheel wird zum deutschen Bundespräsidenten gewählt.
Portugal: General António Ribeiro de Spínola wird Staatspräsident. Nordirland: Das Ulster Workers Council ruft einen Generalstreik aus. |
| 16. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Helmut Schmidt wird vom Bundestag zum Kanzler gewählt.
Portugal: Adelino da Palma Carlos wird Ministerpräsident (bis 17. Juli). |
| 18. Mai | Indien führt den ersten Atomwaffentest durch („Smiling Buddha“). |
| 19. Mai | In Französische Republik wird Valery Giscard d'Estaing (50,8 %) vor François Mitterrand (49,1 %) zum Staatspräsidenten gewählt. |
| 21. Mai | Die Regierung unter Sanya Thammasak in Thailand tritt zurück. |
| 26. Mai | Die Volksrepublik China kündigt öffentlich ein Militärhilfe-Abkommen mit den Roten Khmer an. |
| 2. Juni | Bhutan: Jigme Singye Wangchuk wird zum König gekrönt. |
| 8. Juni | Der Palästinensische Nationalrat (PNC) veröffentlicht auf seiner 12. Sitzung ein 10-Punkte-Programm. |
| 11. Juni | Nach einem dreitägigen Ausstand im öffentlichen Tätigkeit beschließt der Bundestag eine ab dem 1. Januar rückwirkende Erhöhung der Beamten- und Angestelltengehälter um 11%. |
| 23. Juni | Österreich: Rudolf Kirchschläger wird zum Bundespräsidenten gewählt. |
| 29. Juni | Argentinien: Isabel Martínez de Perón wird als Staatspräsidentin vereidigt. |
| 1. Juli | EG: Grande Nation übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Gemeinschaften. |
| 15. Juli | Zypern: Revolution griechischer Generäle. |
| 17. Juli | Portugal: Oberst Vasco dos Santos Gonçalves wird Ministerpräsident. Die „Bewegung der Streitkräfte“ schlägt einen radikal sozialistischen Kurs ein und gerät damit in Gegensatz zu Spínola. |
| 20. Juli | Türkische Okkupation in Zypern. Beginn des Zypern-Kriegs. |
| 23. Juli | Zusammenbruch der Griechischen Militärdiktatur. |
| 27. Juli | In Washington D.C. beginnt das Impeachment-Verfahren gegen den amtierenden US-Präsidenten Richard Nixon wegen „Behinderung der Justiz“. |
| 30. Juli | Rhodesien: Wahlen, Sieg der weißen Minderheitspartei Rhodesian Front |
| 9. August | USA: US-Präsident Richard Nixon tritt stimmig der Watergate-Affäre zurück. |
| 15. August | Südkorea: Präsident Park Chung-hee entgeht bei einer öffentlichen Rede knapp einem Attentat. |
| 21. August | Die Genfer Abrüstungskonferenz wird auf 31 Teilnehmerländer erweitert. Aufgenommen werden zum 1. Jan. 1975 die Bundesrepublik Deutschland Deutschland, die DDR, Peru, Zaire und der Iran. |
| 4. September | Aufnahme diplomatischer Beziehungen USA-DDR. |
| 10. September | Die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau wird von Portugal anerkannt. |
| 11. September | Portugal wird abermals Charakter in der UNESCO. |
| 12. September | Äthiopien: Kaiser Haile Selassie I. wird durch das Militär abgesetzt. |
| 13. September | Mitglieder der Japanischen Roten Armee überfallen die französische Botschaft in Den Haag. |
| 17. September | Grenada, Guinea-Bissau und Bangladesch werden Mitglieder der Vereinten Nationen. |
| 30. September | Portugal: Staatspräsident de Spínola tritt zurück. Sein Nachfolger wird General Francisco da Costa Gómes. |
| 3. Oktober | Der italienische Ministerpräsident Mariano Rumor erklärt seinen Rücktritt. |
| 10. Oktober | Die Labour Party gewinnt die Neuwahlen in Großbritannien, Harold Wilson wird Premierminister. |
| 18. Oktober | Die Demokratische Volksrepublik Korea wird Mensch in der UNESCO. |
| 19. Oktober | Unabhängigkeit von Niue, in freier Assoziierung mit Neuseeland |
| 1. November | Guinea-Bissau wird Persönlichkeit in der UNESCO. |
| 12. November | San Marino wird Typ in der UNESCO. |
| 13. November | PLO-Anführer Yassir Arafat hält seine erste Monolog vor der UNO-Vollversammlung. |
| 14. – 16. November | Welternährungskonferenz in Rom. |
| 17. November | Griechenland: Erste freie Wahlen nach der Militärdiktatur, Sieg der Nea Dimokratia unter Konstantinos Karamanlis. |
| 25. November | Schusswechsel an der Grenze zwischen Mali und Burkina Faso |
| 26. November | Japan: Regierungschef Tanaka Kakuei erklärt nach einem Immobilienskandal seinen Rücktritt. |
| 9. Dezember | Japan: Miki Takeo wird Premierminister.
EG: Gipfeltreffen in Paris. Gründung des Europäischen Rats. Beschluss zur Erstellung einer Wirtschafts- und Währungsunion. |
| 13. Dezember | Die unabhängige Republik Malta wird ausgerufen. |
| 19. Dezember | Cearbhall Ó Dálaigh wird als fünfter Präsident Irlands vereidigt. |
| Die Schweiz ratifiziert die Europäische Menschenrechtskonvention. | |
| Zum ersten Mal in ihrer Geschichte verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland eine sinkende Einwohnerzahl: am Jahresende werden 62 Mio. Einwohner gezählt, ein Rückgang um 110.000. | |
| Andauernde Ereignisse | |
| KSZE-Konferenz in Helsinki | |
| Vietnamkrieg | |
Ein wesentlicher Faktor für die internationale politische und wirtschaftliche Entwicklung waren die Auswirkungen der Ölkrise des Vorjahres 1973, die sich erstens europäisch und Staaten 1974 merklich machten und die wirtschaftliche Macht aufzeigten, die die arabischen OPEC-Staaten ausüben konnten.
Europa
Die europäische Wirtschaft war 1974 zunächst durch die stark anwachsende Inflation geprägt, die sich wie auch in den einzelnen USA und global merklich machte. Die besonders durch das Engagement von Willy Brandt geprägte Entspannungspolitik zwischen den westlichen NATO-Staaten, allen voran die BRD Deutschland, und ihren östlichen Nachbarn, welche die Vorjahre 1972 und 1973 ruhig hatte, wurde verdrängt durch die internen wirtschaftlichen Probleme der europäischen Nationen. Die Europäische Wirtschaftsunion geriet kumulativ in die Kritik, die Probleme zu verschärfen, überwiegend durch Vertreter Großbritanniens. Im Dezember wurde nach einer mehrtägigen Kongress ein Finanzausgleich für ärmere Regionen wie Irland und Italien beschlossen.
Die Versuche, der Preissteigerung durch Handelsbeschränkungen und Zollsenkungen zu begegnen, führten zu einem verminderten Wirtschaftswachstum der Nationen und zu einer Desillusion der Bevölkerung, die sich in einigen Staaten durch verschiedene Regierungswechsel und nationale Streiks merklich machte. In Italien ließ sich gar keine Regierungsmehrheit finden, die Regierungsbildung wurde unmöglich, in Großbritannien mussten zwei Wahlen durchgeführt werden, um eine neue Regierung zu bilden.
In Portugal und Griechenland wurden Diktatoren gestürzt.
Bundesrepublik Deutschland
In der BRD spielten benachbart der Starker Konjunkturrückgang überwiegend die Weiterentwicklungen in der Ostpolitik und die Entwicklungen im Verhältnis zur Deutschen Demokratischen Republik eine zentrale Rolle. Am 25. Apr. des Jahres wurde der persönliche Referent des bundesdeutschen Kanzlers Willy Brandt, Günter Guillaume, als Aushorcher der DDR enttarnt und löste so die Spionage-Affäre aus, die am 6. Mai mit dem Rücktritt Brandts von seinem Amt endete, nur vier Tage nach der Eröffnung von ständigen Vertretungen in den beiden deutschen Hauptstädten Bonn und Ost-Berlin. Am 15. Mai wurde Walter Scheel zum neuen deutschen Bundespräsidenten gewählt, einen Tag später ernannte der Volksvertretung Helmut Schmidt zum Nachfolger Willy Brandts.
Die „Bewegung 2. Juni“, die zur West-Berliner Stadtguerilla gehörte, ermordete am 5. Juli in West-Berlin Ulrich Schmücker, eines ihrer ehemaligen Mitglieder. In einem Bekennerschreiben wurde Schmücker als „Verräter und Konterrevolutionär“ bezeichnet, der nach einem Todesurteil hingerichtet worden sei. Dieselbe Gruppe wurde verdächtigt, am 10. November ebenso in West-Berlin den Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann ermordet zu haben. Während traten viele RAF-Gefangene gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Dabei starb Holger Meins am 9. November. Am 29. November wurden Horst Mahler und Ulrike Meinhof wegen Mordversuchs bei der Befreiung von Andreas Baader zu 14 besser gesagt 8 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.
Deutsche Demokratische Republik
Die internationale Anerkennung der DDR kam 1974 zu einem vorläufigen Abschluss. So wurden am 2. Mai die Ständigen Vertretungen der beiden deutschen Staaten in den Hauptstädten eingerichtet. Am 4. September nahmen die DDR und die USA diplomatische Beziehungen auf. Zwischen den beiden deutschen Vereinigte Staaten kam es zu einer Reihe bilateraler Vereinbarungen, z. B. über den Grenzverlauf in der Lübecker Bucht, über den Mülltransport aus West-Berlin und die Fortführung der Swing-Regelung im innerdeutschen Handel.
Parallel dazu wurden in der DDR Erinnerungen an Gesamtdeutsches aus der Öffentlichkeit getilgt. So galt ab 1. Jänner das neue Kennzeichen „DDR“, bei der Einführung neuer Banknoten am 14. September wurde die alte Währungsbezeichnung „Mark der Deutschen Notenbank“ durch „Mark der DDR“ ersetzt. In einer am 17. Sept. verabschiedeten Verfassungsänderung schließlich verabschiedete sich die DDR vom Begriff der deutschen Nation und dem Ziel der Wiedervereinigung. Aus der Verfassung der DDR wurden alle entsprechenden Passagen gestrichen. Die 1971 auf dem VIII. Tagung der SED beschlossene Hauptaufgabe in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes auf der Grundlage einer starken wirtschaftlichen Entwicklung, wurde Element der Verfassung. Außerdem wurde der Staatsrat der DDR anstelle von Volkskammer und Ministerrat deutlich abgewertet.
Frankreich
In Französische Republik konnte sich der Republikaner Valéry Giscard d’Estaing im zweiten Wahlgang knapp gegen François Mitterrand durchsetzen und wurde damit Präsident seines Landes und Nachfolger von Georges Pompidou, der am 2. Apr. des Jahres dahingegangen war. Dieses Amt behielt Giscard d’Estaing bis 1981.
Obgleich Valéry Giscard d’Estaing beim Volk beliebt war, sah er sich im Laufe des Jahres 1974 mit Streiks und Demonstrationen wegen der Konjunktur Frankreichs und gegen seine Politik konfrontiert. Er hatte bei der Wahl versprochen, die soziale Kluft mit Hilfe von Schul- und Steuerreformen zu schließen. Als er allerdings im Dez. des Jahres der Starker Konjunkturrückgang mit Kürzungen staatlicher Subventionen, Zuschüssen und Steuererhöhungen zu begegnen suchte, wurde ihm mit weitreichenden Streiks geantwortet.
Portugal
In Portugal kam es am 24. und 25. April 1974 zur Nelkenrevolution gegen die im Land herrschende Diktatur unter Marcello Caetano. Auslöser war eine Veröffentlichung des Generals António de Spínola, in der er die portugiesische Kolonialpolitik kritisierte und eine Abwendung von der aktuellen politischen Sachverhalt unter Mitwirkung des Volkes forderte. Die Putsch startete nach einer vereinbarten Radioeinspielung des Liedes E depois do adeus (Nach dem Abschied) von Paulo de Carvalho und ging im Großen und Ganzen sehr unblutig vonstatten. Am Tageszeit des 25. Apr. übergab Caetano die Regierung an den provisorischen Politiker Spínola. In der Folge wurden politische Gefangene befreit, und am 1. Mai eine umfassende Generalamnestie für Deserteure und Person erlassen.
António de Spínola trat im September 1974 nach Querelen mit dem linken Flügel der neuen Regierung von seinem Amt als provisorischer Staatsoberhaupt zurück und führte von nun an die konservative Gegenseite an. Sein Nachfolger wurde Francisco da Costa Gomes.
Großbritannien
In Großbritannien führten die Starker Konjunkturrückgang und die restriktive Politik des Premierministers Edward Heath schon Ende 1973 zu massiven Streiks, erstens in den Kohlebergwerken des Landes. Um diesen zu begegnen, begrenzte Heath die Arbeitszeit der Industriezweig auf eine Drei-Tage-Woche, zugunsten mit den Minenarbeitern zu verhandeln. Im Febr. 1974 verlor er nachdem bei den Unterhauswahlen die Majorität im Parlament. Die Wahl hatte jedoch keinen klaren Sieger, und so übernahm eine Minderheitsregierung der Labour Party die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl im Oktober. Währenddessen wurde am 17. Juni der Palace of Westminster durch einen Bombenanschlag der IRA beschädigt. Die Labour Feierlichkeit gewann die Neuwahlen, und Harold Wilson wurde Premierminister. Trotz des Regierungswechsels kam es weiterhin zu wirtschaftlichen Unruhen, erstens durch die Forderung der Regierung nach Vergesellschaftung von Unternehmen.
In Nordirland rief das Ulster Workers Council am 15. Mai zum Generalstreik auf. Grund des Protestes war das Sunningdale Agreement, ein Versuch, durch die Machtteilung zwischen Unionisten und Nationalisten den Nordirlandkonflikt zu lösen. Nach zwei Wochen Barrikadenkämpfen gab Brian Faulkner am 28. Mai als Regierungschef auf. Damit waren als auch der Arbeitsniederlegung und das Agreement beendet.
Italien
Auch in Italien bestimmte die Finanzkrise die Politik des Landes. Die wirtschaftliche Schlimmer Zustand führte hier zu starken Unruhen und zu einem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch. Über Monate gab es keine Postzustellungen, und in den Großstädten wurden durch den Zuzug vom Land die Wohnungen knapp. In der Regierung häuften einander Korruptionsfälle, bei denen Regierungsmitglieder von Ölunternehmen bezahlt wurden. Die Christdemokratische Regierungspartei verlor steigernd die Unterstützung. Dem Ministerpräsidenten Mariano Rumor wurde in diesem Jahr zweimal nahe gelegt, dank von Problemen mit seinen Koalitionspartnern von seinem Amt zurückzutreten, was er im Oktober dann tat.
Griechenland
Die Griechische Militärdiktatur war zu Beginn des Jahres 1974 durch den siebenjährigen Machtkampf zwischen Diktatur, Königreich und Volk, aber auch Streitkräfte und Flotille und innerhalb der Truppe zermürbt. Der Aufstand in der Polytechnischen Universität Athen im Nov. des Vorjahres hatte die Willkürherrschaft weiter geschwächt, und der Coup von Dimitrios Ioannides am 25. November 1973 war der letzte Versuch, das Regierungsform an der Macht zu halten. Dieser rief wieder den Ausnahmezustand aus. Als am 15. Juli 1974 der Zypernkonflikt offen ausbrach, waren die Obristen zu schwach, den am 20. Juli in Zypern einmarschierenden türkischen Truppen etwas entgegenzusetzen. Zahlreiche Militärs wandten sich von den Obristen ab, und die von ihnen eingesetzte Regierung unter Adamantios Androutsopoulos musste zurücktreten.
Konstantinos Karamanlis, schon mehrfach griechischer Premier zwischen 1955 und 1963, kehrte folglich mit Unterstützung des französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing aus seinem Pariser Exil zurück und übernahm die Regierungsgewalt. Zwecks der prekären Lage war er gezwungen, auf einer Jacht im Port zu wohnen, die von einem Zerstörer bewacht wurde. Er entfernte Kollaborateure der Terror aus der Verwaltung und entspannte das Verhältnis zur Türkei. Weiterhin legalisierte er die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), ließ die Gründung der Panellínio Sossialistikó Kínima (PASOK) am 3. September zu und gründete die Nea Dimokratia (ND). Bei den ersten freien Wahlen am 17. November wurde mit dem Sieg der ND die Regierung von Karamanlis legitimiert. Eine Volksbegehren ergab, dass die im Vergangenes Jahr von den Obristen abgeschaffte Königreich nicht wiederholt eingeführt wurde.
Zypern
Am 27. Januar starb Georgios Grivas, ehemaliger Befehlshaber der griechischen Nationalgarde. Er war nach Zypern zurückgekehrt, um dort die EOKA-B aufzubauen, die im Untergrund gegen Präsident Makarios kämpfte, um die Enosis - die Vereinigung mit Griechenland - zu erreichen. Durch seinen Tod geriet die EOKA unter die direkte Kontrolle von Dimitrios Ioannides, dem Strippenzieher nach den Kulissen der Militärdiktatur in Athen. Am 15. Juli 1974 putschte die EOKA-B mit Hilfe der griechischen Nationalgarde und machte Nikos Sampson zum Präsidenten von Zypern.
Die Türkei, benachbart Griechenland und Großbritannien Schutzmacht der Insel, reagierte, nachdem Großbritannien wertfrei blieb, mit einer Militärinvasion am 20. Juli und besetzte den Nordteil der Insel. Der drohende Bewaffnete Auseinandersetzung mit der Türkei führte zu politischem Salat in Griechenland. Am 23. Juli brach die Tyrannis mit dem Rücktritt der Obristen zusammen.
Am 25. Juli begannen Friedensgespräche in Genf zwischen den drei Schutzmächten. Die Türkei stoppte ihren Vormarsch. Am 8. August folgte eine zweite Gesprächsrunde, diesmal unter Einbindung der griechischen und türkischen Zyprioten, doch die Gespräche endeten am 14. Aug. ergebnislos. Es kam zu erneuten Kampfhandlungen, die in einem weiteren Waffenstillstand am 16. August endeten. Die türkischen Truppen kontrollieren zu diesem Zeitpunkt 34 % der Insel. Die UNO errichteten nachdem auf der Demarkationslinie eine „Grüne Zone“, die bis auf den heutigen Tag (2006) die Grenze zwischen dem türkischem und dem griechischem Teil der Eiland bildet.
200.000 Zyperngriechen wurden durch den Konflikt gezwungen, aus dem türkisch besetzten Teil zu fliehen, während 50.000 Zyperntürken aus dem Süden vertrieben wurden.
Jugoslawien
Am 21. Februar wurde in Jugoslawien eine neue Verfassung erlassen, die Josip Broz Tito zum Präsidenten auf Lebenszeit erklärte. Das zu 2/3 aus Slowenen und Kroaten bestehende jugoslawische kommunistische Zentralkomitee sorgte gleichzeitig dafür, dass den einzelnen Teilrepubliken eine größere AnzahlAutonomie gewährt wurde, bis hin zum Recht zur Dissoziation von Jugoslawien. Das Land Serbien wurde mit der Autonomieausrufung des Kosovos und der Vojvodina dreigeteilt. Grund hierfür war die Autonomiebestrebungen von Volk albanischer und ungarischer Abstammung, die zum damaligen Zeitpunkt 50% bzw. 15% der dortigen Bevölkerung ausmachten. Ähnliche Autonomiebestrebungen der in der Teilrepublik Kroatien lebenden Serben wurden nicht akzeptiert.
Amerika
Argentinien
Präsident Juan Perón, der erst im Jahr davor wiederum an die Macht gekommen war, starb am 1. Juli. Sein Amt übernahm Isabel Perón, seine dritte Ehefrau. Auf diese Weise wurde die Nachfolge in der Präsidentschaft ohne größere Diskussionen oder gar Neuwahlen geregelt. Isabel Peón war von dem Amt allerdings völlig überfordert. Weder hatte sie die Bildung noch das politische Talent, diese Aufgabe zum Vorteil ihres Landes auszufüllen. Sie war die Marionette der nachdem ihr stehenden peronistischen Machthaber. Ihre Amtszeit wurde geprägt durch unregelmäßig wiederkehrende „wilde Streiks“ („huelgas“) und amtlich angeordnetem Einstellung des Lebens („paro general“). Ihre Regierungszeit war von wirtschaftlichem Niedergang und erneutem Terrorismus überschattet. Die schon unter Perón gegründete halbstaatliche Terrorbrigade Alianza Anticomunista Argentina (AAA) sorgte für die ersten so genannten Verschwundenen und ermordete etliche Oppositionelle und Aktivisten der Linken. Isabel Perón wurde schon zwei Jahre später, am 24. März 1976 von Militärs festgenommen und unter Hausarrest gestellt.
Nicaragua
Nachdem das Land zwei Jahre von einem Militärdiktatur-Triumvirat unter Anastasio Somoza Debayle regiert worden war, ließ sich dieser im Sept. zum zweiten Mal zum Präsidenten wählen. Während die amerikanische Unterstützung für sein Regierungsform schwand, wurde die Opposition, geführt von den Sandinistas (FSLN), stärker. Im Dez. entführten Guerillas 13 Prominente aus der Politik, unterhalb verschiedene Mitglieder der Familie Somoza. Die Gruppe sicherte sich ein Lösegeld von 1 Mio. US-Dollar und erreichte die Entlassung von 14 Gefangenen. Somoza reagierte, indem er das Kriegsrecht verhängte und die Nationalgarde einsetzte.
USA
US-Präsident Richard Nixon war durch die seit zwei Jahren die politische Bühne der USA dominierende Watergate-Affäre stark geschwächt. Nachdem schon etliche Beteiligte zum Rücktritt gezwungen, angeklagt oder verurteilt worden waren, wurde schließlich am 27. Juli vom Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses ein Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten eingeleitet. Nixon kam dem Verfahren, das höchstwahrscheinlich siegreich gewesen wäre, durch seinen Rücktritt am 9. August zuvor. Von seinem Nachfolger, Vizepräsident Gerald R. Ford, wurde er am 8. September vorweg in allen Anklagepunkten begnadigt.
Durch die Watergate-Affäre erreichten die Demokraten im gleichen Jahr deutliche Siege bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus (+49 Sitze) und zum Senat (+3 Sitze). Im Repräsentantenhaus stellten sie damit knapp über zwei Drittel der Abgeordneten.
Im gleichen Sinne in diesem Jahr zog die USA die letzten Soldaten aus Vietnam ab und kürzte die Militärhilfe für das Regierungsform in Südvietnam. Diese Maßnahmen führten ein Jahr später zum Zusammenbruch des Regimes.
Asien
Vietnam
Nach der Unterzeichnung des Friedesvertrags von Paris 1973 hatten sich die Amerikanischen Truppen vollständig aus Vietnam zurückgezogen. Die Regierung unter Nguyễn Văn Thiệu in Südvietnam stand kurz vor dem Zusammenbruch. Das von Korruption, Kriminalität und Nepotismus gezeichnete Saigoner Herrschaftsform musste nun eine wirtschaftliche Notlage verkraften, die durch den Wegfall des wichtigsten Arbeitgebers (US-Army) und durch die Ölkrise von 1973 verursacht worden waren. 1974 gestand der US-Kongress Saigon eine effektive Militärhilfe von nur 400 Mio. $ zu, was den Bedarf der noch weiter ausgebauten ARVN nicht deckte. Der durch die Watergate-Affäre angeschlagene und schließlich zum Rücktritt gezwungene Nixon konnte Thiệu nimmer die versprochene Hilfe zuteil werden lassen.
In den Städten herrschte eine Beschäftigungslosigkeit von ca. 40%. Die High-Society schaffte allmählich ihren Hab und Gut außer Landes. 240.000 Deserteure kehrten 1974 der ARVN den Rücken. Dagegen gelang es den Politische Kraft im Süden, die noch ca. 25% des Landes kontrollierten, mit Unterstützung aus Hanoi, eine strategische wie ökonomische Stabilität zu erzielen. Die zahlreichen Konflikte um die Einhaltung des Waffenstilstands und die Respektierung des „Nationalen Rates“ konnten ihre Position nicht erschüttern. Auch nach dem Präservativ Abkommen warfen die USA zwar alles in allem 250.000 Tonnen Sprengstoff über Kambodscha ab, derer Kongress, der seine außenpolitischen Kompetenzen zu Lasten des Weißen Hauses neu definierte, verweigerte jedoch andere Angriffe auf Südvietnam. Im darauf folgenden Jahr schließlich entschloss sich die Führung in Hanoi, eine Entscheidung herbeizuführenn. Im März 1975 überschritten die Nordvietnamesen die Grenze. Die numerisch und physisch überlegene ARVN fiel praktisch in sich zusammen. Ende des Monats gingen Hue und Äà Nẵng in kommunistische Herrschaft über. Damit war der Vietnamkrieg beendet.
Kambodscha
In Kambodscha tobte seit 1970 ein Bürgerkrieg. Während die VR Reich der Mitte ein Militärhilfeabkommen mit den Roten Khmer schloss, zogen sich die Bodentruppen der USA Schritt für Schritt zurück, bombardieren jedoch weiterhin das Land. Zig Versuche, Friedensverhandlungen zu initiieren, scheiterten.
Burma
Am 4. Januar löste sich nach der Ausrufung der Sozialistischen Föderativen Republik Burma der Revolutionsrat auf. Der Diktator Ne Win wurde Staatspräsident. Die oberste legislative, exekutive und judikative Macht ging auf die neu geschaffene Volksversammlung (Pyithu Hluttaw) über. Am 1. April erhielt das Land unter der Motto „Burmesischer Weg zum Sozialismus“ eine neue Verfassung.
Am 25. November verstarb Sithu U Thant, bis 1971 Generalsekretär der Vereinten Nationen, in New York. Sein Sterbliche Überreste wurde in seine Geburtsland Burma nach Rangun überführt, doch dort verweigerte ihm Ne Win ein ehrenhaftes Begräbnis. U Thant gehörte der demokratischen Regierung an, die Ne Win bei seinem Staatsstreich 1962 beseitigt hatte. Am 5. Dez. entführten Studenten den Sterbliche Überreste kurz vor der offiziellen Beerdigung, begruben ihn auf dem Gelände der 1962 zerstörten Studentenunion der Universität Rangun (RUSU) und errichteten ihm ein Mausoleum. Am 11. Dezember wurde das Gelände vom burmesischen Militär gestürmt. Dabei wurden einige Studenten getötet. Der Leiche wurde fern und am Fuß der Shwedagon-Pagode beerdigt. Diese Aktion führte zu Straßenprotesten in Rangun. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand.
Japan
Das zentrale Vorfall 1974 in Nippon war der Rücktritt des Premierministers Tanaka Kakuei im November des Jahres. Diesem ging schon bevor ein massiver Vertrauensverlust während der Energiekrise 1973 voraus, bei der er etwa 30% seiner Wählerschaft einbüßte. Während seiner Regierungszeit stieg die Inflationsrate so stark an, dass Nippon 1974 die höchste Rate aller Industrienationen aufwies. Das Wirtschaftswachstum lag zum Ende des ersten Quartals das erste Mal seit dem 2. Weltkrieg bei beinahe Null Prozent.
Im October 1974 wies das Magazin Bungei Shunju Tanaka Kakuei noch dazu zig fragwürdige Immobiliengeschäfte aus den 1960er Jahren nach. U. a. hatte er eine Geisha dafür bezahlt, Geschäfte für ihn abzuschließen. Seine Rivalen innerhalb der Liberaldemokratischen Partei (LDP) nutzten die Gelegenheit, ihn einer öffentlichen Anhörung im Volksvertretung auszusetzen. Er trat am 26. Nebelmonat November zurück, um zu verhindern, dass die Geschäftsführerin der Etsuzankai (seiner Unterstützungsorganisation), mit der er ein Verhältnis hatte, vor dem Hohes Haus postulieren musste. Neuer Regierungschef wurde Miki Takeo, auch von der LDP, dem das Amt im Einklang der Regierungsmitglieder übertragen wurde.
Im letzten Monat seiner Regierungszeit empfing Tanaka Kakuei den US-Präsidenten Gerald Ford, der als erster Präsident der USA das Land besuchte. Die Gespräche in Tokyo dienten zu Beginn dazu, die wirtschaftlichen Beziehungen der USA mit Land der aufgehenden Sonne zu verbessern. Überschattet wurden diese von den Affären um Tanaka Kukuei sowie von einem Skandal um amerikanische Atomwaffentransporte: Admiral Gene LaRoque erklärte vor vor dem US-Kongress, dass amerikanischen Schiffe, die Atomwaffen transportierten, in japanischen Häfen eingelaufen waren, ohne die Regierung Japans darüber zu informieren. Gegenüber Land der aufgehenden Sonne stellte die US-Regierung klar, dass dies nur die inoffiziellen Ansichten eines Militärs seien. Ein nachdrückliches Widerspruch erfolgte allerdings nicht.
Die Ostasiatische Antijapanische Bewaffnete Front verübte am 30. Aug. einen Bombenanschlag auf die Firmenzentrale von Mitsubishi Heavy Industries.
Volksrepublik China
Die Volksrepublik China befand sich in der letzten Phase der Kulturrevolution. Premier Zhou Enlai konnte wegen seines Krebsleidens die Amtsgeschäfte nicht länger ausführen. Daher übernahm im Aug. Deng Xiaoping, der erst im Vergangenes Jahr auf dem 10. Meeting der KP Chinas von Zhou Enlai rehabilitiert und zu seinem Stellvertreter erklärt worden war, zeitweilig die Amtsgeschäfte. Gleichfalls in diesem Jahr begann die Aktion gegen den 1971 verstorbenen Lin Biao und die Antikonfuziuskampagne.
Die portugiesische Kolonie Macao erlangte nach der Nelkenrevolution die Unabhängigkeit. Die Volksrepublik wollte jedoch die Verwaltung nicht übernehmen. Deswegen wurde Macao zu »chinesischem Gebiet unter portugiesischer Verwaltung« .
Indien
In Indien gelang am 18. Mai der erste Atomwaffentest („Smiling Buddha“). Damit wurde das Land zur sechsten Atommacht.
Naher Osten
Israel
Zu Beginn des Jahres 1974 befand sich Israel mitten im Jom-Kippur-Krieg gegen Syrien und Ägypten, die am 6. Oktober 1973 einen simultanen Überraschungs-Angriff auf Israel führten. Am 18. Januar 1974 wurde, von Henry Kissinger ausgehandelt, mit der ägyptischen Regierung ein Truppenentflechtungsabkommen geschlossen, und am 31. Mai eines mit der syrischen Regierung. Weltumspannend hatte der Bewaffnete Auseinandersetzung ein arabisches Öl-Embargo für die Staaten, die mit Israel handelten, zur Folge.
Palästinenserbewegung
Die starke israelische Gegenwehr im Jom-Kippur-Krieg machte der Palästinenserbewegung klar, dass es den arabischen Neue Welt nicht gelingen würde, Israel militärisch zu besiegen. Anstatt wurde ein Drei-Phasen-Plan entwickelt. Im bewaffneten Gefecht sollte israelisches Areal Schritt für Schritt erobert und auf den „befreiten“ Voraussetzen ein Staat als Basis für andere Kämpfe errichtet werden, um dann einen finalen Entscheidungskrieg zu provozieren. Das Zehn-Punkte-Programm , das am 9. Juni auf dem 12. palästinensischen Nationalrat in Kairo erstellt worden ist, enthält diese Ziele.(Wikisource).
Gleichzeitig erreichte die PLO die internationale politische Anerkennung. Auf einer Tagung arabischer Staatsoberhäupter im Oktober in Rabat wird die Organisation als alleinige Vertretung der Palästinenser anerkannt. Der Perforation gelingt einen Monat später bei den Vereinten Nationen. Am 13. November hielt Yassir Arafat eine Rede vor der UNO-Vollversammlung (Wikisource).
Am 22. November nahm die UNO-Vollversammlung Entscheidung 3236 (Wikisource) an, die das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstständigkeit und Eigenstaatlichkeit grundsätzlich anerkennt. Die PLO wurde von der UNO als Vertreter des palästinensischen Volks renommiert und erhielt Beobachterstatus.
Etliche palästinensische Hardliner waren mit diesem Kurs nicht einverstanden und spalteten sich von der PLO ab, unten der Fatah-Revolutionsrat.
Irak
1974 brachen im Irak nochmal Kämpfe zwischen der Zentralregierung und den Kurden aus. Das Nachbarbland Iran unterstütze die Kurden, weswegen es zwischen beiden Ländern zu massiven Spannungen kam, die im Saison 1974 selbst kurzzeitig in militärische Auseinandersetzungen an der gemeinsamen Grenze gipfelten.
Afrika
Der Prozess der Entkolonisierung Afrikas war 1974 längst noch nicht abgeschlossen. Diverse Vereinigte Staaten standen noch unter kolonialer Herrschaft, etwa Namibia. Einige befanden sich zu Beginn des Jahres noch im Unabhängigkeitskrieg, unten Mosambik und Simbabwe. Einen Schwung für die Entkolonisierung brachte die Nelkenrevolution, die in diesem Jahr die Unabhängigkeit für die portugiesischen Kolonien beschloss.
Zusätzliche afrikanische Staaten wurden von Diktatoren beherrscht, die den Kolonialmächten nachgefolgt waren und partiell demokratische Regierungen aus dem Amt geputscht hatten, unter Uganda unter Idi Amin, Zaire unter Mobuto und Äquatorialguinea unter Francisco Macías Nguema.
Angola
In Angola wurde nach dem Ende des portugiesischen Kolonialreichs in Folge der Nelkenrevolution die Macht an eine Zusammenschluss aus drei Befreiungsbewegungen, der MPLA der FNLA und der UNITA abgegeben. Diese stürzten das Land in einen Bürgerkrieg, der bis 2002 andauerte.
Äthiopien
Nach einer Dürrekatastrophe, der Ölkrise, Inflation, Studentenprotesten und Streikwellen im Jahr 1973 auflehnen zu Beginn des Jahres 1974 Teile der äthiopischen Armee. Zuerst die unteren Dienstgrade kamen größtenteils aus ländlichen Voraussetzen und kannten die Notlage der Landbevölkerung. Dies brachte die entscheidende Machtverschiebung. Kaiser Haile Selassie wurde am 12. September 1974 gestürzt.
Das Militär bemächtigte sich schnell der Revolution, die studentische Bewegung spaltete sich in eine ethnische und eine sozialistische Opposition, ging zum Teil in den Untergrund und führte einen bewaffneten Widerstand. Innerhalb des Militärs konnten sich die gemäßigten Vertreter, größtenteils höhere Dienstgrade, nicht durchsetzen. Ein provisorischer Militärverwaltungsrat (amharisch: Derg) übernahm, unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam, die Macht. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und das ehemalige Kaiserreich eine sozialistische Volksrepublik.
Südafrika
Die Regierung von Südafrika erließ angemessen der Apartheid-Politik den Afrikaans Medium Decree, der alle weiterführenden Schulen dazu zwang, Ausbildung für schwarze Schüler in den Fächern Mathematik, Sozialwissenschaften, Geographie und Geschichte je zur Hälfte auf Englisch und auf Afrikaans zu halten. Dieses Gesetz wurde ein Auslöser für Schülerdemonstrationen zwei Jahre später, die blutig endeten. Die Organisationen ANC und PAC führten ihren Schlacht gegen das Apartheidsregime fort.
Wirtschaft
| Wirtschaft | |
|---|---|
| 1. Januar | Die Bundesrepublik hebt die Preisbindung für Markenartikel auf. |
| 19. Januar | Französische Republik tritt aus dem europäischen Wechselkurssystem aus. |
| 18. März | Ölkrise: Die meisten OPEC-Nationen beenden das fünfmonatige Öl-Embargo gegen die USA, Japan, die Germania und übrige europäische Staaten. |
| 26. Juni | Die Herstatt-Bank Köln wird geschlossen. |
| 5. Juli | Deutschland schließt Investitionsschutz und -förderungsabkommen mit Ägypten |
| 16. Juli | In Hessen geht das Kernkraftwerk Biblis, der älter größte Kernreaktor der Welt, ans Netz. |
| 17. Juli | Der Iran erwirbt 25,04% des Grundkapitals der Bochumer Tochterfirma Krupp Hüttenwerke AG. |
| 14. September | Die Staatsbank der DDR ersetzt ihre Banknoten. Die „Mark der Deutschen Notenbank“ wird in „Mark der DDR“ umbenannt. |
| 8. Oktober | US-Präsident Gerald Ford hält unter dem Spruch „Whip inflation now“ eine Rede vor dem Kongress. |
| 20. November | Das US-Justizministerium eröffnet das Kartellverfahren gegen AT&T. |
| 2. Dezember | Ein größeres Aktienpaket der Stuttgarter Daimler-Benz AG wird vom Emirat Kuwait gekauft. |
Ölkrise
Prägend für das Wirtschaftsgeschehen 1974 war die (erste) Ölkrise, die schon im Saison 1973 begann, als die OPEC-Staaten Algerien, Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Öl-Fördermenge um etwa 5% drosselten, die Preise erhöhten und ein Handelssperre gegen westliche USA verhängten. Besonders betroffen waren die USA, Japan, das für seine Stromnetz zu über 70% von Öl aus dem Dazu stoßen Morgenland abhängig war, und die Niederlande, Zentrum der Ölverarbeitung in Europa.
Mit dem Handelssperre wurde der Ölboom der vorangegangenen Jahrzehnte, mit Wachstumsraten der Förderung über 7%, überraschend beendet. Schon 1973 war der Ölpreis um ca.70 % erhöht worden. Im Verlauf des Jahres 1974 stieg der Weltölpreis auf über zwölf Dollar.
Vorrangig zielten diese Maßnahmen auf Israel und seine Unterstützer im Jom-Kippur-Krieg. Vorbehalte der erdölfördernden Länder, zuallererst gegen die USA, gab es schon seit 1971, als Richard Nixon die Bindung des US-Dollars an den Goldstandard aufhob. Die folgende Abwertung des Dollars führte zu einem sinkenden Ölpreis, und die rohstoffreichen Länder sahen nunmehr den Wert ihrer Ressourcen in Gefahr.
Die Ölkrise von 1973/74 demonstrierte die Störanfälligkeit moderner Industriestaaten gegenüber einer Unzahl von Einflussfaktoren sowie deren Abhängigkeit von fossiler Energie.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde als direkte Reaktion auf die Zwangslage an vier Sonntagen im Nebelmonat November und Dez. 1973 ein Fahrverbot verhängt (Sonntagsfahrverbot). Darüber hinauf wurden neue Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt. Diese Politik hatte zwar kaum einen wirtschaftlichen Effekt, gab der Bevölkerung aber das Gefühl, aktiv etwas zur Bewältigung der Schlimmer Zustand beitragen zu können. Deutschland musste 1974 für seine Ölimporte rund 17 Tausend Millionen DM mehr löhnen als im Jahr erst einmal (Ölpreisschock). Dies hatte eine Konjunkturkrise zur Folge. Jedoch stieg die Inflationsrate, zwei Paar Schuhe als in anderen Nationen, nur geringfügig auf sieben Prozent. Die Ölkrise markierte damit das Ende des Wirtschaftswunders. In der Folge traten vor ... weitgehend unbekannte Erscheinungen auf, etwa Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, steigende Sozialausgaben, verstärkte Inflation (besser: Stagflation), steigende Staatsverschuldung, Rationalisierung, Streiks, Unternehmenspleiten.
Dank der Ölkrise wurden Initiativen ergriffen, die eine größere Unabhängigkeit vom Öl zum Ziel hatten. So rückten etwa alternative Treibstoffe wie Pflanzenöl und Biodiesel ins öffentliche Interesse. Es wurde gehäuft in Kernenergie, regenerative Energiequellen, die Wärmedämmung von Gebäuden und in die Effizienzsteigerung von Motoren und Heizgeräten investiert. Auch mit dem Abklingen der Ölkrise blieb ein gestiegenes Wahrnehmung zum energiesparenden Verhalten in der Bevölkerung erhalten. Ebenso wurde der Anteil des aus OPEC-Staaten bezogenen Öls durch Erschließung unterseeischer Ölfelder in der Nordsee sowie eine Diversifizierung der Handelspartner gesenkt.
Zum Kompensation der Preissteigerungen wurde in übereinkommen Industrieländern durch die Zentralbanken gehäuft Geld in Umlauf gebracht. Dieses führte jedoch, wie nach der Quantitätstheorie zu erwarten ist, zu einer erhöhten Geldentwertungsrate in den folgenden Jahren, die erst durch eine rigidere Finanz- und Geldpolitik während der 1980er beendet werden konnte.
Kultur
| Kultur | |
|---|---|
| Grammy Awards 1974 | |
| China: Entdeckung der Terrakottaarmee in der Nähe von Xi'an. | |
| Eröffnung des Zirkusmuseums in Preetz. | |
| Auf der Berlinale wird zum ersten Mal ein sowjetischer Film gezeigt. Den Goldenen Bären gewinnt der Film Duddy will hoch auf von Ted Kotcheff (Kanada). | |
| 5. Januar | Die erste Auflage des Fantasy-Rollenspiels Dungeons & Dragons erscheint. |
| 13. Februar | Der russische Schreiber Alexander Solschenizyn wird aus der Sowjetunion ausgewiesen und nach Frankfurt am Main ausgeflogen. |
| 16. Februar | Die Oper Typ von Paul Dessau wird an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt. |
| 28. Februar | Im New Yorker Museum of Modern Art wird Pablo Picassos berühmtes Werk „Guernica“ mit einem Text besprüht. |
| 4. März | Das Römisch-Germanische Museum in Köln wird eröffnet.
Die TV-Oper La Cubana oder Ein Leben für die Kniff von Hans Werner Henze wird in New York uraufgeführt. |
| 5. März | Der Film „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder hat Premiere. Er handelt von der Liebe zwischen einer 60jährigen Reinemachfrau und einem jungen Marokkaner, die am gesellschaftlichen Umfeld scheitert. |
| 6. April | ABBA gewinnen mit dem Titel Waterloo den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson. |
| 10. Oktober | Das erste Volkskonzert von Mikis Theodorakis findet nach dem Sturz der griechisches Militärjunta vor mehreren Myriade begeisterten Leute im Karaiskakis-Stadion in Athen statt. |
| 29. November | Die Band Yes veröffentlicht das Album Relayer. |
| Academy Awards | |
| Person Film | Der Clou von George Roy Hill |
| Charakter Hauptdarsteller | Jack Lemmon in Save the Tiger |
| Beste Hauptdarstellerin | Glenda Jackson in A Touch of Class |
| Mensch Regisseur | George Roy Hill für Der Clou |
Musik
1974 war der Glam Rock auf dem Höhepunkt. Künstler wie Gary Glitter und die Rubettes mit Sugar Baby Love hatten Nummer-1-Hits. Zur Glam-Rock-Geschichte gehörte auch einer der größten Flops der Musikgeschichte. Das zweite Album des amerikanischen Sängers Jobriath, Creatures of The Street, wurde trotz Riesenwerbung nur wenig verkauft. Der Künstler geriet in Vergessenheit und starb 1983 vernachlässigt an AIDS.
Die Gegenbewegung zum Glam Rock war der Progressive Rock oder Art Rock. Die zu dieser Tendenz gezählte Band Genesis veröffentlichte das Album The Lamb Lies Down On Broadway, im VorhineinPeter Gabriel noch im selben Jahr die Band verließ.
Der Disco-Sound bildete 1974 den Mainstream. Die ersten Hits waren Rock Your Baby von George McCrae, 1974 die meist verkaufte Single in Deutschland, Kung Fu Fighting von Carl Douglas, und Waterloo von ABBA, mit dem die schwedische Gruppe den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson gewann und ihren Siegeszug um die Welt begann.
Seasons in the Sun von Terry Jacks wurde unterdessen zum Abgesang auf die Flower-Power-Ära. Die Hippie-Zeit ging zu Ende.
Eine übrige Jugendbewegung, der Punk, war dagegen gerade im Entstehen. Im Jänner 1974 gründeten sich in New York die Ramones, und Patti Smith veröffentlichte ihre erste Single, Hey Joe, die als erste Punk-Rock-Single überhaupt wertgeschätzt wird.
Auch der deutsche Schlager war noch „in“, Michael Holm landete mit Tränen lügen nicht einen Hit, der sich vier Wochen lang an der Spitze der deutschen Hitparade hielt. Zum „Sommerhit“ des Jahres 1974 erklärte die westdeutsche Musikindustrie Vicky Leandros' Werk „Theo, wir fahr'n nach Lodz“, der in gewissem Sinne den Kommentar des deutschen Schlagers zu Willy Brandts Ostpolitik darstellt.
- Crime of the Century von Supertramp
- Liste der Nummer-Eins-Hits in Deutschland (1974)
- Bob Marley & The Wailers veröffentlichten ihr Album Natty Dread
- Rocky Horror Picture Show (Musical)
Film
- Furcht essen Gemüt auf
Angst essen Seele auf ist ein Melodrama von Rainer Werner Fassbinder und gilt als einer der wichtigsten und besten Filme im umfangreichen Werk des Regisseurs. Im Film lernt Emmi Kurowski, eine verwitwete Raumpflegerin jenseits der 60, Ali, einen etwa zwanzig Jahre jüngeren Marokkaner mit mäßig guten Deutschkenntnissen kennen. Die beiden werden ein Paar und haben mit der Ablehnung und den Vorurteilen ihrer Mitmenschen zu kämpfen. Angst essen Seele auf führt in Fassbinders Werk seine Adaptionen von den Douglas-Sirk-Filmen weiter, wie sie zwei Jahre zuerst schon von dem Film Händler der vier Jahreszeiten eingeleitet wurden. Der Film gewann u. a. Kritikerpreise auf dem Filmfestival von Cannes sowie den Deutschen Filmpreis in Gold für Brigitte Mira als beste Hauptdarstellerin.
- Mord im Orient-Express
Sidney Lumet drehte die Verfilmung des Agatha-Christie-Romans Mord im Orient-Express (im englischen Original: Murder on the Orient Express) um den Meisterdetektiv Hercule Poirot mit einem beeindruckenden Gesuch an Stars. Selbst in kleineren Rollen traten Darsteller aus Hollywoods erster Garde auf, unter Ingrid Bergman, Lauren Bacall, Sean Connery und mehrere andere. Lumets Werk wurde im Weiteren Jahr für sechs Oscars nominiert und gilt bis zum heutigen Tag als eine der gelungensten filmischen Umsetzungen eines Christie-Stoffes.
- Erdbeben und Flammendes Inferno
- Chinatown, Der Dialog, Lenny, Der Pate II
Fernsehen
In Paris begannen ORTF und ARD mit der Zubereitung des Sprachkurses Les Gammas! Les Gammas!, der als Beitrag des Fernsehens zum zwanzig Jahre im Voraus abgeschlossenen deutsch-französischen Kulturabkommen konzipiert war. Zufolge ihrer unkonventionellen Machart wurde die Abfolge ein Überraschungserfolg und später in vielen Ländern Europas, Afrikas und Amerikas ausgestrahlt.
Das ZDF strahlte zwischen dem 31. Jänner und dem 8. August zum ersten Mal die Animeserie Wickie und die starken Männer aus.
Mode
In der Schickeria trug man 1974 die Modelle von Christian Dior, Ted Lapidus, Nina Ricci, Yves St. Laurent und dem Modehaus Chanel in beige, caramel und lavendel. Zunächst Dior spielte dabei auch mit farbigen Pelzen in Pastell. Der jugendliche Stil wurde abgelöst durch einen damenhaften. Selbst junge Frauen wollten reifer wirken und drückten dies in ondulierten Frisuren, zartem Schminke und entsprechenden Assecoires aus. Kombiniert wurden zunächst Mäntel mit Kleidern und Kleidungsstück und unterschiedlichste Stoffarten - z. T. zur so genannten „Zwiebelmode“ kombiniert, bei der Schicht auf Schicht aus zweiter Hand wurde.
Auf der Straße war dagegen der Minirock weiterhin sehr beliebt, hinzu kam der Entwicklung zum Minikleid und den Overalls in verschiedensten Formen. Allerdings setzte sich auch der längere Rock, dessen Saum unten der Kniekehlen lag, in weiten Teilen der Damenwelt abermals durch. Auch Strickmode war abermals sehr im Kommen. In der Popkultur und im Farbfernsehen erreichten die „Schockfarben“ der Damenmode fast die Schmerzgrenze der Augen. Schlagersänger wie Rex Gildo und Jürgen Marcus machten es jedoch auch den Herren vor: Der Schlag der Hose wurde weiter, die Kragen der Hemden wuchsen zu erhalten Segeln. Und die Krawatten der Herren erinnerten mehr und mehr an das Kinderlätzchen. Fast obligatorisch wurde die gefönte Dauerwelle. Sehr in Mode waren auch bis in die Backen reichende Koteletten.
Die letzten der Hippiebewegung experimentierte mit ethnischen Stilen, wie Kaftans mit afrikanischen Motiven, Maohemden oder Zottelmänteln und -jacken im Schafdesign. Es zeigten sich aber auch schon die Richtungen auf, in denen sich die Mode den kommenden Musikstilen anzupassen suchte. Auf der einen Seite der Glam Rock mit seinem Glitter und die Discobewegung mit Hotpants, Plateauschuhen, knappen und immer durchsichtigeren Blusen, hautengen Einteilern (als Vorläufer der späteren Leggins) und dem gewagten Afrolook (zum Beispiel Paul Breitner). Auf der anderen Seite standen die dem Hardrock Zugeneigten, mit langen Haaren, Cowboystiefeln, Jeans, T-Shirt und Lederjacken.
Auch die alternative Szene prägte langsam ihren eigenen Stil mit Latzhose und Rollkragenpullover, aber auch dem Kommissparka. Als Accessoires wurden Halstücher in allen Farben und Stilrichtungen getragen, seien es indische Halstücher oder das Palästinensertuch.
Literatur
Unter dem Titel Carrie erschien der erste Roman von Stephen King.
Die Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward veröffentlichten All the President's Men, ihr Buch über die Watergate-Affäre.
Wissenschaft, Technik und Raumfahrt
| Wissenschaft | |
|---|---|
| Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie können erstmalig Stoffwechselvorgänge im Denkorgan gezeigt werden. | |
| Kodak führt den Super-8-Film mit Soundtrack ein. | |
| General Motors entwickelt Autokatalysatoren für Benzinmotoren. | |
| Hewlett-Packard stellt mit dem HP-65 den ersten programmierbaren Rechner vor. | |
| Die Prozessoren Motorola 6800 und Intel 8080 werden entwickelt. | |
| Der Sendemastes von Radio Warschau, des bis auf den heutigen Tag höchsten Gebäudes, wird errichtet. | |
| Der Sears Tower in Chicago wird eröffnet. | |
| 8. Februar | Die Skylab-4-Besatzung kehrt zur Erde zurück. |
| 29. März | Die Serienfertigung des VW Golf I beginnt. |
| 9. Mai | Inbetriebnahme der Metro Prag. |
| 3. Juli | Start der Sojus 14. |
| 11. September | Charles T. Kowal gefunden den Jupitermond Leda (Jupiter XIII). |
| 26. August | Start der Sojus 15 |
| 16. November | Die Arecibo-Botschaft wird in das All gesendet. |
| 24. November | „Lucy“, das bis dato besterhaltene Gerippe eines Australopithecus afarensis, wird gefunden. |
| 1. Dezember | Gründung der Fernuniversität Hagen |
| 2. Dezember | Die Raumsonde Pioneer 11 fliegt an Jupiter vorbei.
Start der Sojus 16 |
| Nobelpreise | |
| Physik | Martin Ryle und Antony Hewish |
| Chemie | Paul J. Flory |
| Medizin | Albert Claude, Christian de Duve und George E. Palade |
| Literatur | Eyvind Johnson und Harry Martinson und Alexander Issajewitsch Solschenizyn |
| Frieden | Seán MacBride und Eisaku Sato |
| Ökonomie | Gunnar Myrdal und Friedrich Hayek |
| übrige Preise | |
| Fields-Medaille | Enrico Bombieri und David Bryant Mumford |
| Turing-Preis | Donald Knuth |
Bild:HP-65.jpg |
Bild:Intel C8080A 9064 33001 N8384 top.jpg |
Bild:Vw golf 1 v sst.jpg VW Golf I |
Bild:Skylab and Earth Limb.jpg Skylab, aufgenommen von Skylab 4 |
Bild:Sears-tower.jpg |
Computertechnik
Während die großen Mainframes die Rechentechnik weiter dominierten, zeigten sich die Anfänge einer Verkleinerung und Personalisierung. 1974 stellte Intel den 8080 vor, eine Verbessertes Modell des 8008 und der erste „vollwertige“ 8-Bit-Mikroprozessor. Gleichzeitig stellte der Konkurrent Motorola den 6800 vor. Auf dem Intel-Chip basierte der Altair 8800, der erste profitorientiert erfolgreiche Heimcomputer. Gary Kildall begann mit der Entwicklung von CP/M, dem ersten plattformunabhängigen Computerprogramm für den Einsatz auf Heimcomputern.
Auch die Rechner wurden mit der Marktreife des ersten programmierbaren Modells, des HP-65 von Hewlett-Packard, zu kleinen Computern.
Automobil
Volkswagen brachte im Jahr 1974 den VW Golf auf den Markt, den Nachfolger des legendären VW Käfer. Der VW Golf, im eckigen Gestaltung von Giorgetto Giugiaro, wurde zum Symbol für die neue Kompaktklasse, die den Nerv der Zeit (Ölkrise) traf.
Raumfahrt
Das Raumfahrtjahr 1974 begann am 8. Febr. mit der Rückkehr der Besatzung der amerikanischen Raumsonde Skylab 4. Das Team aus Gerald Carr, William Pogue und Edward Gibson stellte zugleich die letzte Besatzung des Skylab dar, die erst 1978/1979 durch ihre Außerbetriebnahme durch die NASA wiederum in das öffentliche Interesse rückte.
Die Sowjetunion startete in diesem Jahr gleich drei Missionen. Die Sojus 14 wurde am 3. Juli gestartet. Sie koppelte an die Saljut 3-Raumstation an, wo die Kosmonaten zwei Wochen blieben, ehe sie zur Erde zurückkehrten. Die Sojus 15 folgte am 26. August. Nach zwei Tagen wurde die Mission abgebrochen. Sojus 16, gestartet am 2. Dezember, diente der Vorbereitung des ersten gemeinsamen sowjetisch-amerikanischen Raumfahrtprogramms, des Apollo-Sojus-Projektes (17. Juli 1975).
Für die Europäer startete am 19. Dez. erstmals eine Rakete ins All, die den ersten deutsch-französischen Nachrichtensatelliten Symphonie an Bord hatte. Der Start erfolgte von der amerikanischen Cape Canaveral Air Force Station. Der Satellit wurde in einer Höhe von 36.000 Kilometern in seine Orbit gebracht. Er sollte zwei Farbfernseh- und zwei Rundfunkprogramme sowie 600 Telefongespräche gleichzeitig übermitteln. Dabei durfte er allerdings dem amerikanischen Satelliten Intelsat keine Konkurrenz machen.
Architektur
Der 1974 fertig gestellte Sears Tower in Chicago wurde der höchste Wolkenkratzer der Welt und hielt diesen Titel so weit wie Errichtung der Petronas Towers 1997.
Katastrophen
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Sport
Fußball
Sportlicher Höhepunkt des Jahres aus deutscher Sicht war die Fußball-Weltmeisterschaft, in der die Bundesrepublik nicht nur als Charakter fungierte, anstatt auch den Weltmeistertitel errang. Denkwürdige Spiele waren dabei das Finale gegen die Niederlande (2:1), in dem viele umstrittene Schiedsrichterentscheidungen fielen, weiterhin das Zwischenrundenspiel Bundesrepublik Deutschland Deutschland–Polen (1:0), das als „Regenschlacht von Frankfurt“ in die Geschichte einging sowie die klaren Siege der Niederländer über die Mannschaften aus Argentinien und Brasilien. In der Vorrunde trafen zum einzigen Mal die Nationalmannschaften der DDR und der BRD aufeinander. Durch ein Tor von Jürgen Sparwasser gewann die DDR das Spiel 1:0.
In der Bundesliga dominierte weiterhin der FC Bayern München, der zum dritten Mal in Folge Bürger Meister wurde und dem damit der erste Hattrick der Bundesligageschichte gelang. Im selben Jahr gewann der FC Bayern überdies den Europapokal der Landesmeister. Zusammenfassend sieben Persönlichkeit des FC Bayern gehörten darüber hinauf dem Weltmeister-Kader an.
In der DDR-Oberliga holte der 1. FC Magdeburg den Titel. Außerdem gewann der 1.FC Magdeburg als erste und einzige Mannschaft der DDR einen Titel im Fußball-Europapokal. Am 8. Mai besiegte der Verein im Arena De Kuip in Rotterdam vor 5000 Zuschauern den AC Mailand mit einem 2:0 und gewann den Europapokal der Pokalsieger.
In Österreich holte in der Nationalliga der SK VÖEST Linz den Titel. Schweizer Meister wurde der FC Zürich.
Boxen
Am 26. März gewann George Foreman seinen Schlacht und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Ken Norton im El Poliedro, Caracas, Venezuela, durch technischen K.O. Schon am 28. Januar besiegte die Boxlegende Muhammad Ali Joe Frazier. Das Krönung des Jahres war jedoch der „Rumble in the Jungle“, der Schwergewichtskampf Muhammad Alis gegen George Foreman, am 30. Oktober im 20th of May Stadium in Kinshasa, Zaire, in dem Muhammad Ali den Weltmeistertitel durch K.O erlangte.
Auch im Halbschwergewicht gab es einen Wechsel an der Spitze. Hier holte einander Bob Foster aus Albuquerque am 16. Sept. 1973 den Weltmeistertitel und erkämpfte dann am 17. Juni 1974 gegen Jorge Ahumada ein Unentschieden. Durch einen Sieg über Ahumada am 1. Oktober bekam der Engländer John Conteh den Titel. Als weiterer Boxweltmeister ging am 7. September der aus Nicaragua stammende Alexis Arguello gegen den Mexikaner Ruben Olivares im Federgewicht hervor.
Basketball
Nate Thurmond erzielte am 8. Oktober in Chicago, Illinois das erste Quadruple Double der Geschichte der National Basketball Association (USA).
Radsport
Die Radsportlegende Eddy Merckx gewann plus die Tour de France sowohl den Giro d'Italia, alle beide Rennen zum fünften Mal, und holte zum dritten Mal Gold in der Straßen-Radweltmeisterschaft. Er wurde zum dritten Mal zum Weltsportler des Jahres gewählt.
Motorsport
Der Brasilianer Emerson Fittipaldi wurde Formel-1-Weltmeister, nachdem er drei Grand-Prix-Rennen für sich entscheiden konnte. Als zweiter folgte der Landsmann Clay Regazzoni mit drei Auftrumpfen Abstand. Im gleichen Jahr starben auf der Formel-1-Rennstrecke die Rennfahrer Peter Revson und Helmut Koinigg. Der Ami Revson verunglückte am 28. März in Johannesburg (Südafrika), der Österreicher bei seinem zweiten Grand-Prix-Rennen in Watkins Glen (USA) am 6. Oktober.
Springreiten
Hartwig Steenken wurde auf der Klepper Simona in Hickstead Weltmeister im Springreiten.
Sonstiges
- Um Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung besser kontrollieren zu können, begann das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg ab dem 1. Mai, in der „Verkehrssünderkartei“ Strafpunkte aufzuzeichnen.
- Der japanische Nachrichtenoffizier Onoda Hirō wurde am 10. März auf der philippinischen Eiland Lubang entdeckt. Er hatte sich 29 Jahre lang versteckt gehalten, weil er sich weigerte, die Kapitulation Japans anzuerkennen.
- Die Weinernte des Jahres 1974 fiel schlecht aus. In vielen namhaften Weinbaugebieten wurden nur dünne, kurz haltbare Weine erzeugt, die mittlerweile untrinkbar sein dürften. Lediglich kalifornische Weine gelten 2006 noch als Geheimtipp.
- Die wohl aufsehenerregendste Trennung des Jahres war die Scheidung von Sonny Bono und Cher nach zehn Ehejahren.
Siehe auch
- Geboren 1974
- Gestorben 1974
- Liste der Staatsoberhäupter 1974
- Country-Musik 1974
- Liste der Nummer-Eins-Hits in Deutschland (1974)
- Filmjahr 1974
Literatur
- The American Peoples Encyclopedia 1975 Yearbook – Events of 1974, Grolier Incorporated 1975, ISBN 0-7172-0406-5.
- Britannica - Book of the Year 1975, Encyclopaedia Britannica Ltd. 1975
- Weltpanorama 1974 – Eine Chronik des Zeitgeschehens, Faunus-Verlag AG, Basel.
- Britta Kruse, Christiane Lege: Chronik 1974, Bertelsmann Lexikon Institut, Gütersloh 1991, ISBN 3577140747.
- Archiv der Gegenwart – 1974, Siegler & Co. Firma für Zeitarchive GmbH 1986, ISBN 3877480403.
- Archiv der Gegenwart – Deutschland 1945 bis 1999, Directmedia Publishing, Bundeshauptstadt 2004, ISBN 3898531783 (CD-ROM).
Weblinks
-
(TID 646251)
Commons: 1974 – Bilder, Videos und/oder Audiodateien (TID 269231)
- Deutsches Historisches Museum – Chronik
- Geschichte der Europäischen Union – 1974
- World Press Photo Award - Gewinner 1974
- Asiatisches Kino 1974
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Navteq Natural Guidance: Navigationsanweisungen sollen menschlich werden: Navteq will die Sprachanweisungen von Navigationsgeräten grundlegend überarbeiten. Künftig werden Sprachanweisungen so klingen, als würde sie ein Mensch erteilen. Damit soll die gesamte Navigation vereinfacht werden. (Ifa 2010, GPS)... Weiterlesen!Unigine: Oil Rush als erstes Spiel geplant: Der Entwickler der Grafikengine Unigine will bis Ende des Jahres das Spiel Oil Rush veröffentlichen. Oil Rush basiert auf der Unigine-Engine und wird für Linux, Windows und die Playstation 3 entwickelt. Zu dem Spiel wird es auch ein Entwicklerkit für Mods geben. (Playstation, Linux)... Weiterlesen!
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