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Altgriechische Sprache

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Übersicht: Griechische Sprache
(siehe auch: Griechische Schrift / Griechisches Alphabet)
Mykenisch (ca. 1600–1100 v. Chr.)
Altgriechisch (ca. 800–300 v. Chr.)
Dialekte:
Äolisch, Arkadisch-Kyprisch,
Attisch, Dorisch, Ionisch
Koiné (ca. 300 v. Chr.–300 n. Chr.)
Byzantinisches Griechisch (ca. 300–1453)
Neugriechisch (seit 1453)
Dialekte:
Griko, Jevanisch, Kappadokisch,
Pontisch, Tsakonisch, Zypriotisch

(TID 684477)


Altgriechisch (Ἑλληνικὴ γλῶττα

(TID 362993)

) hellēnikē glōtta ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft bestünde nur zur makedonischen Sprache, wenn diese selbst nicht als altgriechischer Regionale Sprachvariante aufgefasst wird. Im engeren Sinne bezieht sich die Bezeichnung Altgriechisch auf den attischen Mundart des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. Diese Sprachform wurde von den wichtigsten Autoren der Antike verwendet und galt bis in die Spätantike als Norm für das klassische Griechisch. Danach Sinne umfasst Altgriechisch alle griechischen Dialekte, die zwischen der Einführung der griechischen Schrift (ca. 800 v. Chr.) und dem Beginn der hellenistischen Ära (ca. 300 v. Chr.) verwendet wurden. Zu diesem Punkt zählt nahe dem Attischen auch das Ionische, Dorische (das etwa Herodot schrieb), Äolische und Arkadisch-Kyprische sowie die Kunstsprache der homerischen Epen. In Grenze zum Neugriechischen werden meist auch die hellenistischen (ca. 300 v. Chr. bis 300 n. Chr.) und spätantik-frühbyzantinischen (ca. 300 bis 600) Sprachformen zum Altgriechischen gezählt. Das mittelalterliche Griechisch (ca. 600 - 1453) wird dann fallweise als "Mittelgriechisch" bezeichnet.

Eine Pulk von altgriechischen Wörtern werden in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in verschiedene moderne Sprachen gefunden.

Der Sprachcode nach ISO 639 für Altgriechisch (bis 1453) ist grc.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

siehe Griechische Sprache

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Grammatik

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samothrake schrieb eine technē grammatikē des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die technē grammatikē des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Lautstruktur und Wortstruktur einschließlich der Wortarten umfasst. Die Satzstruktur ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Satzbau und adaptierten sie.

Die Syntax des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und weitere satzwertige Konstruktionen(AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Büffeln des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Satzbau hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, zum Beispiel sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – z. B. werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft unähnlich verwendet als im Lateinischen.

Im Abendland und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis auf den heutigen Tag die griechischen Originalbegriffe aus der technē grammatikē des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Zu diesem Punkt zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie in Kraft sein aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:

Numeri

Genera

  • (allgemeine) Regeln:
    • Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
    • Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
    • Neutrum: dient u. a. zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
  • Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
  • Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.

Kasussystem

Von den acht Fall des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Fall des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dritter Fall und den Zweiter Fall verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.

Grundfunktionen der Kasus:

  • Akkusativ
    • echter Akkusativ (direktes Objekt)
    • adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
  • Genitiv
    • echter Genitiv (Bereich)
    • Separativ (Herkunft)
    • Genitivus Absolutus (übernimmt Funktion des Abl. Abs. im Lateinischen)
  • Dativ
    • echter Dativ (indirektes Objekt)
    • Soziativ (Gemeinschaft)
    • Instrumental (Mittel)
    • Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem

Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; woraus die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.

Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, wiederholend oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Dauern einer Handlung ausgedrückt.

Beispiele:

  • νοσεῖν

    (TID 362993)

= (krank sein = ) krank darniederliegen
  • (ἀπο)θνῄσκειν

    (TID 362993)

= sterben ( = im Sterben liegen)


Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung realiter punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.

Beispiele:

  • ingressiv: νοσῆσαι

    (TID 362993)

= krank werden oder erkranken
  • effektiv: (ἀπο)θανεῖν

    (TID 362993)

= sterben (als Augenblick des Dahinscheidens)


Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.

Beispiele:

  • τεθνηκέναι (τεθνάναι)

    (TID 362993)

= (gestorben und nun) tot sein
  • πεποιθέναι

    (TID 362993)

= vertrauen


Mit der Methode dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte Gültigkeit haben nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Wirklichkeitsform gibt (bis auf das Futur. siehe unten).

Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Wirklichkeitsform auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Vorvergangenheit und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Wirklichkeitsform nie ausgebildet.)

Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.

Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:

Tempusstamm: Haupttempora Nebentempora
Präsensstamm: Präsens Imperfekt
Aoriststamm: - Aorist
Perfektstamm: Perfekt und Perfektfutur Plusquamperfekt
Futurstamm: Zukunft -

Modussystem

Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.

Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.

Mit dem Wirklichkeitsform drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.

In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.

Der Imperativ drückt einen Befehl aus.

Der Möglichkeitsform drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Aussicht (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was andersherum für das Zukunft in Relation auf den Möglichkeitsform auch gilt).

Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.

Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)

Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.

Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.

Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung verwickelt ist, oder an ihr schaulustig ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Noch dazu kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll kryptisch ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:

Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. So gesehen die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium angrenzend der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei bzw. Fähigkeit der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)

Beispiele:

  • Aktiv: er löst (etwas)
  • transitives Medium: er löst (etwas) für sich
  • intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
  • Passiv: er wird gelöst (von jdm.)

Numeri

Personen

Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Hauptwort im Einzahl / sie, Hauptwort im Plural).

Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders ausdrücklich werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stillstehen – die Kasusendung ausreichend aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

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Siehe auch

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Literatur

  • Geschichte:
    • Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
    • Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
  • etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
    • Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
    • Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
    • Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
  • Wörterbücher (altgriechisch):
    • Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
    • Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Aplomb 1954)
  • Grammatiken (altgriechisch):
    • Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
    • Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Bundeshauptstadt 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
  • Historische Grammatik:
    • Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

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Weblinks

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(TID 646251)

Wikibooks: Altgriechisch – Lern- und Lehrmaterialien

(TID 318133)

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(TID 646251)

Wikiquote: Griechische Sprichwörter – Zitate

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