Bildung
Aus Schlauweb
Bildung ist die Entfaltung oder Entwicklung der Fähigkeiten eines Volk aus seinen Anlagen, beflügelt und gesteuert durch seine Erziehung.
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Bildung ist ein sprachlich, kulturell und geschichtlich bedingter Begriff mit einer sehr komplexen Bedeutung.
Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert. Es kann aber keinen perfekten Leute geben; individuelle Betriebsanlagen sowie zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen setzen der Erreichung eines sowie immer definierten Bildungs-Ideals Grenzen.
Nach Daniel Goeudevert ist Bildung „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, in dessen glücklichem Verlauf eine selbstständige und selbsttätige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“. Bildung kann daher nicht auf Wissen komprimiert werden: Wissen ist nicht das Ziel der Bildung, aber schon ein Hilfsmittel. Darüber hinauf setzt Bildung Urteilsvermögen, Reflexion und kritische Distanz gegenüber dem Informationsangebot voraus; anderweitig handelt es sich eher um Halbbildung.
Eine alternative Begriffserklärung findet sich bei Kössler: "Bildung ist der Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Leute im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil in Empfang nehmen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen. Man kann für auch sagen, Bildung bewirke Identität..." (Henning Kössler 1989, S. 56).
Während in unserem Alltagsdenken und -handeln der Bildungsbegriff stark mit Begriffen wie "Belehrung", "Wissensvermittlung" etc. verbunden ist, haftet seither Wilhelm von Humboldt in der Konzept und der Programmatik "dem Wort Bildung das Augenblick der Selbständigkeit, also des Sich-Bildens der Persönlichkeit" an (Hartmut von Hentig). Nach Humboldt ist Bildung die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.
Das Wort Bildung selbst ist ein typisch deutsches Wort, es steht in spezifischer Beziehung zu "Erziehung". Diese in der deutschen Sprache unterschiedlich belegten Begriffe sind im Englischen als "education" zusammengefasst.
Die historische Entwicklung des Bildungsbegriffs
Der Begriff der Bildung erfuhr während seiner Entwicklung ein paarmal einen Bedeutungswandel.
Die Anfänge
Obschon die Antike noch nicht den Begriff Bildung verwendete, waren die Ideen, die diesen Begriff prägen sollten, doch schon präsent. In Platons „Politeia“ finden sich geeignet seiner Erklärung der Bildung zu einem Philosophenkönig - besonders im Höhlengleichnis - Gedanken zur Bildung, die noch unser heutiges Verständnis prägen. Der deutsche Begriff entstand im Mittelalter, wahrscheinlich als Begriffsschöpfung Meister Eckharts passend der Imago-Dei-Lehre. Der Begriff ist also theologischen Ursprungs. Bilden wird verstanden als gebildet werden durch Gott, nach dem Abbild Gottes. Die menschliche Innenleben wird gebildet qua von "nachgebildet". Bildung ist also ein Prozess, auf den der Einzelne keinen Einfluss hat. Es ist nicht die Aufgabe des Menschen, sich zu bilden. Der Prozess wird von außen an den Leute herangetragen. Das angestrebte Ziel dieses Prozesses ist in der Schöpfung festgelegt und damit durch Gott bestimmt.
Der Einzug des Begriffs Bildung in die Pädagogik
Angesichts der Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges erhofft gegenseitig Comenius eine friedliche Ordnung der Welt daraus, dass Leute von Kindheit an zu menschlichem Verhalten angeleitet werden. So hält der Begriff Bildung Einzug in die Pädagogik. Das einstmals verwendete lateinische Wort eruditus – gebildet, aufgeklärt bedeutet etymologisch <ent-roht>. Solchen Ausgang des Volk aus seiner ursprünglichen Rohheit typischerweise Comenius (288 Jahre vor Ludwig Wittgenstein) von Genauigkeit beim Denken und Sprechen:
- Nosse rerum differentias et posse unumquodque suo insignare nomine.
- Den Unterschied der Dinge kennen und jedes mit seinem Namen bezeichnen können.
- (Ianua linguarum reserata – Eröffnete SprachenThür 1631).
Das im 18. Jahrhundert entstehende neue Menschenbild eines aufgeklärten, in wissenschaftlichen Kategorien denkenden und handelnden Volk formt auch den Begriff der Bildung um. Durch die Auseinandersetzung deutscher Autoren mit Shaftesbury wird der Begriff säkularisiert. Die theologische Bedeutung weicht einer Bedeutung, die sich der platonischen nähert. Der Mensch soll sich nun nicht länger zum Abbild Gottes entwickeln, stattdessen das Ziel ist die menschliche Vervollkommnung. Diese Idee findet sich u. a. bei Pestalozzi (Abendstunde eines Einsiedlers), Herder (Ideen), Schiller und Goethe (Wilhelm Meister). Immanuel Kant präzisiert in seiner Schrift „Über Pädagogik“ die Aufgabe von Bildung wenn er schreibt:
- „Die Pädagogik oder Erziehungslehre ist entweder physisch oder praktisch. [...] Die praktische oder moralische ist diejenige, durch die der Mensch soll gebildet werden, damit er wie ein frei handelndes Wesen leben könne. [...] Sie ist Erziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens, das sich selbst erhalten, und in der Gesellschaft ein Glied ausmachen, für sich selbst aber einen innern Wert haben kann.“
Güter die Bildungsziele vor der Aufklärungsepoche noch durch Gott gegeben, so sind sie nun bestimmt durch die Bedingung des Leute in einer Gesellschaft zu leben. Es geht darum die „Rohmasse“ Mensch so zu formen, dass er ein nützliches Typ der Gesellschaft werden könne. In diesem Formungsprozess werden vorhandene Betriebsanlagen entwickelt. Doch nach wie vor werden die Bildungsziele nicht durch das Individuum festgelegt, anstatt sind Idealvorstellungen die unabhängig vom einzelnen ewige Wert fordern (vgl. Ideenlehre) und von aussen an das Individuum herangetragen werden.
Die Wende zur Subjektivität
Der deutsche Idealismus wendet den Bildungsbegriff zum Subjektiven. Bildung wird verstanden als Bildung des Geistes, der sich selber schafft. Dieser bei Fichte beschriebene Prozess lässt sich in der Rezept fassen: Das Ich als Werk meiner Selbst. Außerdem ist es Fichte, der seinen Bildungsbegriff das erste Mal auf objektives Faktenwissen begründet. Ziel ist wie bei den Denkern der Aufklärung die Genese einer vollkommenen Persönlichkeit. Vollkommen ist die Person, wenn eine Harmonie zwischen „Herz, Geist und Hand“ besteht.
Die Programmatische Wende
Humboldt schließlich erhebt Bildung zum Programm. Das Bedürfnis sich zu bilden sei im Inneren des Leute angelegt und müsse nur geweckt werden. Jedem soll Bildung zugänglich gemacht werden. Diese Forderung mündet zu meinem Bedauern noch nicht in der Umsetzung „Gleiche Bildung für Alle!“. Humboldt erschafft ein mehrgliedriges Schulsystem in dem jedweder nach seinen Fähigkeiten und nach den Anforderungen, die die Gesellschaft an ihn stellt, gefördert wird. Allerdings geht es beim humboldtischen Bildungsideal nicht um empirisches Wissen, anstelle weiterhin um die Ausbildung/Vervollkommnung der Persönlichkeit und das Erlangen von Individualität. Dieses „Sich-bilden“ wird nicht betrieben, um ein materielles Ziel zu erreichen, zugunsten um seiner selbst willen.
Bürgerliches Statussymbol und messbares Gut, das am praktischen Leben orientiert sein muss, wird Bildung erst mit der Bürokratisierung, fit von Gymnasiallehrplänen. Bildung genügt sich nicht länger allein, an Stelle soll Nutzen und möglichst auch Gewinn bringen. Damit wird Bildung zum Statussymbol der Gesellschaft und zum sozialen Abgrenzungskriterium. Man gehört entweder dazu, ist gebildet oder eben nicht. So schreibt Friedrich Paulsen 1903:
- „Wenn ich mein Sprachgefühl ganz gewissenhaft erforsche, so finde ich dieses: gebildet ist, wer nicht mit der Hand arbeitet, sich richtig anzuziehen und zu benehmen weiß, und von allen Dingen, von denen in der Gesellschaft die Rede ist, mitreden kann. Ein Zeichen von Bildung ist auch der Gebrauch von Fremdwörtern, das heißt der richtige: wer in der Bedeutung oder der Aussprache fehlgreift, der erweckt gegen seine Bildung ein ungünstiges Vorurteil. Dagegen ist die Bildung so gut wie bewiesen, wenn er fremde Sprachen kann [...]. Damit kommen wir dann auf das letzte und entscheidende Merkmal: gebildet ist, wer eine 'höhere' Schule durchgemacht hat, mindestens bis Untersekunda [10. Klasse. Anmerkung des Verfassers], natürlich mit 'Erfolg'.“(Lit.: Paulsen, 1903)
(TID 204267)
Und zur Bewertung von Bildung schreibt er weiter:
- „Und um über den Erfolg, also über den Besitz der Bildung keinen Zweifel bestehen zu lassen, besteht in Deutschland jetzt allgemein die Einrichtung, daß der Schüler beim Abschluss der Untersekunda geprüft und ihm über die Bildung eine Bescheinigung ausgestellt wird.[...] Damit hätten wir denn auch einen von Staats wegen festgesetzten Maßstab der Bildung: es gehört dazu, was in den sechs ersten Jahreskursen der höheren Schulen gelernt wird;[...]“(Lit.: Paulsen, 1903)
(TID 204267)
An der Geschichte des Bildungsbegriffs lässt sich verfolgen, dass dieser im Laufe der Zeit nicht eine, für viele Konnotationen erhalten hat. Angebrochen bei der religiösen Bedeutung über die Persönlichkeitsentwicklung bis hin zur Ware Bildung. In heutigen gesellschaftlichen Debatten wird der Bildungsbegriff mit allen diesen Konnotationen zugleich oder in Teilen verwendet, je nach dem, in welchem Kohärenz die Äußerung steht. Mögliche Kontexte sind zum Beispiel: soziale Abgrenzung, wirtschaftliche Interessen oder politische Ziele. Alles einschließend kann eigentlich nur gesagt werden, dass die meisten Definitionen auf den Mündigkeitsaspekt des Begriffs „Bildung“ hinweisen. Zu den Begriffen und Begriffsschöpfungen, die im gemeinten Zusammenhang zur Sprache kommen, gehören Bildungssystem, Bildungsmisere, Allgemeinbildung, Bildungspolitik, bildungsferne Anhäufen u.a.m. Wie nicht zuletzt die Diskussion um die Pisa-Studie zeigt, werden in diesen Tagen auch die allgemeinbildenden Schulen mit immer größerer Selbstverständlichkeit unter dem Gesichtspunkt der "Optimierung von Lernprozessen im Auffassung auf deren Relevanz für ökonomisch verwertbare Arbeit" (Ribolits, 13) bewertet.
Lernen, Erziehung, Bildung
Die Fähigkeit des Menschen, studieren zu können, ist die Grundlage für Erziehung und Bildung. Beim Erziehungsprozess werden Bälger und Jugendliche durch die pädagogisch Verantwortlichen (Eltern, Erzieher, Lehrer, Jugendleiter) in die Welt der Erwachsenen eingeführt. Sie büffeln dabei Regeln, Normen und Verhalten, aber auch selbständiges Denken und Handeln. Der Weg zum Selbstverstehen führt über das Fremdverstehen, d.h. über das Begreifen und Aneignen der umgebenden Welt.
Während Bildung eher äußere Steuerungsimpulse der Persönlichkeitsentwicklung meint, bezieht sich Bildung wesentlich auf Prozesse und Ergebnisse der individuellen Weiterverarbeitung und Aneignung. Bildung ist im Gegensatz zu Ausbildung respektive Berufsbildung nicht unmittelbar an ökonomische Zwecke gebunden. Der Erwerb allgemeinbildender Abschlüsse, gerade des Abiturs, ist jedoch oft Voraussetzung für den Zugang zu gut bezahlten Berufen. Zum Problem der Konkurrenz von Bildung und Ausbildung äußerte sich Johann Heinrich Pestalozzi folgendermaßen: „Allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Leuteweisheit ist allgemeiner Zweck der Bildung auch der niedrigsten Menschen. Übung, Anwendung und Benutzung seiner Kraft und Gelehrtheit in den besonderen Lagen und Umständen der Menschheit ist Berufs- und Standesbildung. Diese muss immer dem allgemeinen Zweck der Menschenbildung untergeordnet sein ... Wer nicht Mensch ist, dem fehlt die Grundlage zur Bildung seiner näheren Bestimmung.“ Johann Gottfried von Herders Gedanken ähneln denen von Pestalozzi: „Menschen sind wir eher, als wir Professionisten werden! Von dem, was wir als Leute wissen und als Jünglinge gelernt haben, kommt unsere schönste Bildung und Nützlichkeit für uns selbst her, noch ohne zu ängstliche Rücksicht, was der Staat aus uns machen wolle. Ist das Klinge gewetzt, so kann man allerlei damit schneiden.“
Da allgemeine Schulpflicht (Deutschland) besteht, werden Bildungsprozesse zumindest zunächst nicht freiwillig initiiert. Weil in unserer Gesellschaft Wissen verlangt wird, besteht lebenslang ein äußerer Druck, möglichst jede Menge Angaben aufzunehmen. Wissen und Pauken allein ergeben jedoch noch keine Bildung, daher kann auch ein wissensbasierter Bildungskanon nimmer sein als ein wichtiges Hilfsmittel der Förderung von Bildung. Friedrich Paulsen äußert sich im enzyklopädischen Handbuch der Pädagogik von 1903 zu diesem Thema folgendermaßen: „Nicht die Masse dessen, was [man] weiß oder gelernt hat macht die Bildung aus, zugunsten die Kraft und Eigentümlichkeit wobei [man] es sich angeeignet hat und zur Auffassung und Beurteilung des ihm Vorliegenden zu nutzen versteht. ... Nicht der Stoff entscheidet über die Bildung, stattdessen die Form.“
Demnach ist schon lange klar, dass Schulabschlüsse, die hauptsächlich Lernleistungen prämieren, nur bedingt als Bildungsnachweise tauglich sind.
Eine gute Symbolik für die elementaren Aspekte der Bildung, die im schulischen Ausbildung fächerübergreifend erlernt werden (sollen), ergibt sich aus einem gleichseitigen Dreieck, da hier jede Seite gleichgestellt ist. Die drei Seiten stillstehen dabei symbolhaft für Wissen, Denken und Kommunikationsfähigkeit. Wissen umfasst dabei die Wissensinhalte (deklaratives Wissen), dass Denken im Gegensatz dazu die unterschiedlichen Strategien des Erkenntisgewinns wie Problemlösen, Beschreiben, Erklären, Deuten usw. Unter Kommunikationsfähigkeit kann in diesem Zusammenhang die Fähigkeit eines Volk verstanden werden seine Gedanken, Ideen, Thesen usw. anderen transparent zu machen und invers sich in die Gedankenwelt anderer aktiv hineinzuversetzen. Ein alternatives Bild würde sich zumal durch einen dreibeinigen Stuhl ergeben, bei dem jedes Bein für einen der genannten Aspekte der Bildung steht. Ist ein Bein länger (kürzer) als die anderen beiden Beine, dann wird der Sitzgelegenheit in seinem Fokus instabil. Diese grundlegenden Aspekte der Bildung etablieren gleichermaßen die Basis für alle weitergehenden Aspekte der Bildung, wie moralisches Denken und Handeln, Kreativität und künstlerische Fähigkeiten oder instrumentelle Fertigkeiten. In diesem Sinne können diese drei Aspekte als Elementarkompetenzen der Bildung bezeichnet werden.
Bild:Bildungsdreieck.png
Frühe Bildung
Zunehmende Bedeutung, auch mit Rückwirkungen auf die Diskussion über schulische Bildung, gewinnt die frühe Bildung von Kindern in den ersten Lebensjahren. Während man noch in den 50er und 60er Jahren vom "dummen ersten Jahr" sprach und damit die Bildungsunfähigkeit weniger Nachwuchs beschreiben wollte, ist dieser Tage allgemeiner Kenntnisstand, dass Bildung spätenstens mit der Geburt beginnt und dann in höchstem Tempo die wesentlichen Voraussetzungen aller späteren Bildungsprozesse gelegt werden. Wichtige Impulse hat dieser Prozess durch die Hirnforschung erfahren sowie durch vergleichende internationale Bildungsstudien (z.B. PISA-Studien) und das schlechte Abschneiden des deutschen Bildungssystems. (siehe auch Vorschule)
Bildung und soziale Ungleichheit
In der Regel in Zusammenhang bringen in fast allen Gesellschaften sozialer Status und formale Bildung positiv miteinander. Das bedeutet, dass niedrige Bildungsabschlüsse (oder das Fehlen derselben) erstmal in den unteren Bevölkerungsschichten anzutreffen sind. Durch Erwerb von Bildung ist sozialer Aufstieg möglich.
Mit "Bildung" und dem Zusatz des Bildungssystems war in der Vergangenheit häufig die Hoffnung verbunden, soziale Ungleichheiten abzubauen. Daß es sich bei der ersehnten "Chancengleichheit" um eine Illusion handelt, haben die französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron schon in den 60er Jahren gezeigt. Dabei gibt es nationale Unterschiede. Im internationalen Vergleich bestimmt in Deutschland die soziale Herkunft in besonders hohem Maß den Bildungserfolg. Diverse Schulleistungs-Studien (LAU-Studie, IGLU-Studie, PISA-Studie, AWO-Studie) haben belegt, das Nachwuchs ungebildeter Erziehungsberechtigte selbst dann häufig eine geringere Schulformempfehlung kriegen als Blagen von Erziehungsberechtigte mit höherer Bildung, wenn die kognitive, die Lese- und Mathematikkompetenz gleich ist. Das Bildungswesen kann unter solchen Voraussetzungen dazu dienen, soziale Ungleichheit zu nachvollziehen und zu legitimieren, da das "Versagen" im Bildungssystem häufig als individuelle Unfähigkeit interpretiert und erlebt wird.
In Deutschland sind gegenwärtig in besonderer Weise Blagen und Jugendliche aus Einwandererfamilien von Bildungsbenachteiligung betroffen. Darauf reagiert eine Fachdiskussion zu der Frage, was Erfordernisse einer angemessenen Bildungspolitik und Bildungspraxis in der Einwanderungsgesellschaft sind.
Siehe auch: Bildungsparadox, Chancengleichheit, Reproduktion (Bildung), Arbeiterkinder, Bildungsbenachteiligung, DSW-Sozialerhebung
Bildungsziele
Einem eng gefassten Kanon von Bildungszielen stillstehen der individuelle Charakter alle Bildung, die plurale Verfasstheit menschenrechtlich begründeter Demokratien und das breite kulturelle Spektrum der sich ausbildenden Weltgesellschaft entgegen. Daher sind die unten genannten Ziele nicht als allgemeinverbindliches Bildungsideal aufzufassen, für eher als elementare Richtungsweiser. Auch stillstehen sie in einer gewissen Spannung zur vorherrschenden Funktion des Bildungs- und Ausbildungssystems, auf die Berufstätigkeit vorzubereiten, in der oft ganz zusätzliche Fähigkeiten und Einstellungen verlangt werden. Wenn aber die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wenn Brüderlichkeit der Volk untereinander und ein gleiches Recht für alle als Daseinsnormen der menschenwürdigen Existenz zur Bedeutung gebracht werden sollen, wird man in Ausbildung und Bildung die nachstehenden Ziele nicht preisgeben dürfen:
- Mannigfache Fähigkeiten der Lebens- und Alltagsbewältigung einschließlich praktischen und für das Arbeitsleben qualifizierenden Könnens sowie der Beherrschung elementarer Kulturtechniken;
- Kreativität und Selbstbeherrschung; Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft
- Toleranz, besonders als Achtung vor der Individualität und Überzeugung des anderen;
- Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn und Fähigkeit zu solidarischem Handeln;
- Aufgeschlossenheit für die Sphären des Wahren, Guten und Schönen;
- Anteilnahme am kulturellen Leben, an Kunst und Musik;
- Gesundheitsbewusstsein und entsprechende Körperpflege;
- selbstbestimmtes Handeln, Urteils- und Kritikfähigkeit, politische Kompetenz;
- Kompromiss- und Friedensfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Ehrfurcht zu Beginn Lebendigen, dessen Teil wir sind.
Der pädagogisch begleitete Bildungsprozess (Klafki)
In Klafkis Sicht zielt Bildung auf die Vermittlung und den Erwerb von drei grundlegenden Zielen:
Bildung solle in allen Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten von statten gehen, d. h. über kognitive Funktionen hinaus:
- handwerklich-technische Bildung
- Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten
- ästhetische Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit
- ethische und politische Handlungsfähigkeit.
Im Bildungsprozess seien spezifische Einstellungen und Fähigkeiten zu vermitteln und zu erwerben:
- Kritikbereitschaft und -fähigkeit, einschl. Fähigkeit zur Selbstkritik
- Argumentationsbereitschaft und - fähigkeit
- Empathie
- Fähigkeit zu vernetztem Denken
Fragen zur Bildung
- Wie kann man Bildung messen?
- Wie kann man die Qualität der Schulbildung vergleichen? Siehe zu diesem PunktSchulleistungsuntersuchungen, Zentralabitur, ...
- Was hat Lesen mit Bildung zu tun? Siehe zu diesem Punkt[1] Kategorie Lesen und Schule
Zitate
- Bildung gleich Warten können. Theodor W. Adorno
- Es ist ein Beweis hoher Bildung, die größten Dinge auf die einfachste Art zu sagen. Ralph Waldo Emerson [1803-1882]; amerik. Philosoph und Verfasser
- Gebildet ist, wer Parallelen zu sehen vermag. Dummköpfe sehen immer wieder etwas ganz Neues. Sigmund Graff
- Bildung ist ein durchaus relativer Begriff. Gebildet ist jeder, der das hat, was er für seinen Lebenskreis braucht. Was darüber, das ist vom Übel. Friedrich Hebbel
- Die Festschreibung einiger (notwendigerweise spezieller) Inhalte als »allgemeinbildend« verkehrt den Sinn von Allgemeinbildung. Denn eine inhaltlich kanonisierte »allgemeine Bildung«, die erstrebt wird, um gebildet zu sein und um vor anderen gebildet zu erscheinen, deformiert die Bildung zum Statussymbol, ist ungehemmte Begierde, ist mithin ein Nichts. Georg Wilhelm Friedrich Hegel
- Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. (Wilhelm von Humboldt 1791/92 in: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen).
- Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung. John F. Kennedy
- Warum dich durch die Außendinge zerstreuen? Nimm dir Zeit, etwas Gutes zu lernen, und höre auf, dich wie im Wirbelwind umhertreiben zu lassen. Mark Aurel
- Bildung ist nicht Wissen, sondern Interesse am Wissen. Hans Margolius
- Ziel heutiger Bildung ist die Akzeptanz des post-fordistischen Legitimationsmusters, daß das Recht der Partizipation an den grundsätzlich knappen Früchten der gesellschaftlichen Arbeit nur jenen zusteht, die ihre grundsätzliche Austauschbarkeit akzeptiert haben und, aus diesem Bewußtsein heraus, sich permanent um ihre zusätzliche und bessere Vermarktbarkeit bemühen. Erich Ribolits
- Bilden kann man sich nur selbst. K. Steinmetz
- Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor. Peter Ustinov
Siehe auch
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(TID 223246)
- Analphabetismus
- Arbeit (Sozialwissenschaften)
- Bildung in Deutschland
- Bildungstheorie
- Bildungsmanagement
- Berufsbildung
- Bildungsbürgertum
- Deutschsprachige Studiengänge
- Emanzipation
- Pädagoge, Lernen
- Erwachsenen- und Weiterbildung
- Fernunterricht, Fernschule, Fernuniversität
- Französisches Bildungssystem
- Habitus
- Humboldtsches Bildungsideal
- Humanismus
- Kindheit, Jugend
- Liste ausländischer Universitäten mit deutschsprachigen Studiengängen
- Schule, Hochschule, Universität
- Student, Studiengebühren, Studentenprotest
- Vernor Muñoz
Literatur
- Armin Bernhard: Bildung. In: Armin Bernhard, Lutz Rothermel (Hrsg.): Handbuch Kritische Pädagogik. Stuttgart 2001, ISBN 3825282147
- Herwig Blankertz: Bildung im Zeitalter der großen Industrie. Hannover 1969
- Georg Bollenbeck: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996 (suhrkamp taschenbuch, 2570)
- Pierre Bourdieu, Jean-Claude Passeron: Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs. Klett, Stuttgart 1971
- Anja Durdel: Der Bildungsbegriff als Konstruktion. Verlagshaus Dr. KovaÄ, Hamburg 2002 (Erziehung-Unterricht-Bildung, 93), ISBN 3-8300-0570-9
- Ernst Peter Fischer: Die andere Bildung. Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte. Hamburg 2001 ISBN 3-548-36448-9
- Herbert Frohnhofen: Bildung im Niemandsland. Die verlorene Einheit in der Wahrheit (pdf)
- Manfred Fuhrmann: Bildung. Europas kulturelle Identität. Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-018182-8
- Manfred Fuhrmann: Der europäische Bildungskanon des bürgerlichen Zeitalters. Frankfurt/Main, Leipzig 1999. ISBN 3-458-16978-4
- Daniel Goeudevert: Der Horizont hat Flügel. Die Zukunft der Bildung, München 2001, ISBN 3-548-75086-9
- Hartmut von Hentig: Bildung. Ein Essay. München, Wien 1996
- Hartmut von Hentig: Die überschätzte Schule. Warme Würstchen Rundschau, 11. Mai 2004 [2]
- Heinz-Joachim Heydorn: Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft. 1970 (Band 3 Heydorn-Studienausgabe 2004: ISBN 3-88178-333-4)
- Ulrike Hormel und Albert Scherr: Bildung für die Einwanderungsgesellschaft. Wiesbaden 2004'
- Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Henning Kössler: Bildung und Identität. In: H. Kössler (Hrsg.): Identität : fünf Vorträge. Erlangen 1989 (Erlanger Forschungen, Reihe B; Bd. 20), S. 51-65
- Rudolf Lennert, Diethelm Michel u.a.: Bildung. In: Theologische Realenzyklopädie 6 (1980), 568-635 - v.a. (Begriffs-)Geschichte
- Friedrich Paulsen: Bildung. In: W. Rein (Hrsg.): Encyclopädisches Handbuch der Pädagogik. 2. Auflage, Langensalza 1903. S. 658-670
- Erich Ribolits: Die Arbeit hoch? Berufspädagogische Streitschrift wider die Totalverzweckung des Menschen im Post-Fordismus. München und Wien: Profil 1995
- Gerd E. Schäfer (Hrsg.): Bildung beginnt mit der Geburt, Weinheim, Basel, Berlin, 2003, ISBN 3-407-56226-8
- Dietrich Schwanitz: Bildung. Alles was man wissen muß Frankfurt/Main 1999, ISBN 3-82-180818-7
Populärwissenschaftliche Literatur
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung. Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8,http://waidfeld.de.tk/index.html
Weblinks
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(TID 222120)
- Wie wäre es, gebildet zu sein? (pdf) Festrede von Dozent Dr. Peter Bieri
- Fachportal Pädagogik
- Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin
- Das schweizerische Bildungssystem
- Das österreichische Bildungssystem
- AK Bildungsperspektiven: Alternative Bildungsvorstellungen
- Deutscher Bildungsserver
- Glossar für das Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschlandan:Educazión
ar:تعليم ast:Educación bg:Образование bn:শিক্ষা ca:Educació da:Uddannelse en:Education eo:Eduko es:Educación fa:آموزش fr:Éducation ga:Oideachas he:חינוך ia:Education id:Pendidikan it:Educazione iu:ᐃᓕᓐᓂᐊᖅᑐᓕᕆᓂᖅ ja:教育 ko:교육 lb:Educatioun li:Ongerwies mk:Образование ms:Pendidikan nl:Onderwijs no:Dannelse pl:Edukacja pt:Educação ro:Educaţie ru:Образование simple:Education sl:Izobraževanje sr:Образовање th:การศึกษา tl:Edukasyon tr:EÄitim uk:Освіта vo:Dugäl
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