Deutsche Sprache
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(TID 277694)
Die deutsche Sprache gehört dem westlichen Zweig der germanischen Sprachen an.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort „deutsch“
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich aus dem germanischen Wort thioda (Volk) - (Adjektiv thiodisk, diutschiu) hervor und bezeichnete die Sprache der germanischen Stämme Mitteleuropas (im Gegensatze zur Sprache der angrenzenden romanischen Bevölkerung und zum Latein).
Die Bezeichnung Deutschland stammt im 15. Jh. von der früheren Pluralform diutschiu lant, d. h „deutsche Länder“, gemeint waren damit die Länder mit einer „deutschsprachigen Bevölkerung“.
Man findet es zum ersten Mal im Jahre 786 n.Chr. im Synodenbericht des päpstlichen Nuntius Gregor von Ostia. Dieser Bericht wurde als auch auf lateinisch und in der Volkssprache verlesen. Die „theodisca lingua“ war seit Karl dem Großen die amtliche Bezeichnung für die altfränkische Volkssprache.
Das lateinische theodiscus (zum Volk gehörig) ist ein Wort der Gelehrtensprache; ihm liegt das westfränkische theudisk zugrunde, aber es wird auch mit gotisch „thiuda“, althochdeutsch „diot“ (Volk), in Verbindung gebracht.
Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht länger eindeutig zu, nachdem zum einen die westfränkische Hautevolee im späteren Frankreich den romanischen Mundart der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Baiern, die Thüringer und die Sachsen umfasste.
Die althochdeutsche Form „diutisc“ begann seit dieser Zeit das mittellateinische „theodiscus“ zu verdrängen; es setzte sich jedoch nur zögernd durch. Erst um 1090 (im Annolied aus dem Kloster Siegburg) wird „diutisc“ auf Sprache, Volk und Land angewendet:
- »Diutschin sprechin, Diutschin liute in Diutischemi lande.«
- (Deutsch sprechen deutsche Leute in deutschen Landen.)
Das Althochdeutsche ist die älteste schriftlich überlieferte Sprachform der Völker, die sich als deutsch bezeichnen. Es war nicht einheitlich, an Stelle bestand aus vielen Mundarten. Erst um die Mittelpunkt des 12. Jahrhunderts entwickelte sich im mittelrheinischen Gebiet eine mittelhochdeutsche Dichter- und Literatursprache, die uns in der klassisch höfischen Ritterliteratur begegnet, in der auch keltisches Sagengut bearbeitet wurde. Begründet und aus zweiter Hand wurde diese Dichtung an erster Stelle vom aufstrebenden Adel, der sich damit vom Volk abheben wollte.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Die deutsche Sprache ist in zwei Sprachkategorien aufgeteilt, in Hochdeutsch und in Niederdeutsch. Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung engagiert waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die kontinentalwestgermanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (Niedersächsisch und Niederfränkisch).
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den romanisch- oder slawischsprachigen Nachbarländern in dem Land der Deutschen (deutscher Sprachraum) stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die teilweise extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Herangehensweise zu einem überregionalen Kompensation der Mundarten hat man teils in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teils das Bemühen der Urheber zu erkennen, nur regional verständliches Sprachschatz und dialektale lautliche Spezialitäten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Autor zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minorität der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunstgriff hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Mundart der jeweiligen Ort hervorgegangen ist, stellt die heutige Hochdeutsche Sprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
In Norddeutschland hat das Hochdeutsche, zu Beginn im Person der Reformation als Amts- und Schulsprache, das einheimische Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) größtenteils verdrängt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Lingua franca im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache gehört als Niederfränkisch zur niederdeutschen Sprache. Auf Grund der Eigenstaatlichkeit und der teilweisen Herauslösung aus dem Reichsverband konnte es hier dem Hochdeutschen nicht länger gelingen, die einheimischen niederdeutschen Dialekte zu verdrängen. Aus diesen entwickelte sich die niederländische Sprache heraus.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich einmal noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Betrachtung auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache stark überschätzt wurde. Schon seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Formation der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seit in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der (hoch-)deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Erteilung des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1861 vollendet wurde, aber seitdem einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die hochdeutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts kumulativ normiert. Ein Perforation zu einer hochdeutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Orthographie erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
Auch im 20. Jahrhundert gab es starke Einflüsse auf die deutsche Sprache. Einerseits wurde durch die weite Verbreitung audiovisueller Massenmedien eine natürliche Tendenz zur Normung gefördert, zum anderen wurde in ländlichen Voraussetzen bewusst eine Umschulung von der Dialektsprache zum Hochdeutsch vorangetrieben. Hinzu kommt der Einfluss des zweiten Weltkrieges, der dazu geführt hat, dass deutsche Sprachinseln Osteuropa weitgehend zerstört wurden, dass zahlreiche Sprecher der jüdischen Dialekte des Deutschen und der dem Deutschen dazu kommen jiddischen Sprache starben oder als sprachliche Minorität außerhalb der deutschen Sprachzone leben und dank der Überlegenheit der umgebenden Sprachen die Verwendung des Deutschen bzw. des Jiddischen mehr und mehr verliehren. Auch hat die Trennung Deutschlands zu einer unterschiedlichen Entwicklung des Vokabulars und der Ausdrucksformen geführt. Dem vs. steht eine nochmals vereinheitlichende Tendenz durch die gemeinsamen Medien und die personelle Mobilität in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Nicht zu unterschätzen ist weiters der englische Einfluss auf die deutsche Sprache, namentlich in Westdeutschland, der sich nicht nur im Vokabular, für auch in der Satzbau zeigt. Da Medien steigernd auf der Übersetzung englischsprachiger Texte ihre Inhalte aufbauen, ist auch für die Futur ein starker Einfluss der englischen Sprache auf die deutsche Sprache zu erwarten.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.
Besondere Regelungen Gültigkeit besitzen für die dänische Minorität in Das nördlichste Bundesland sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache.
In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
In Liechtenstein ist Hochdeutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.
Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)
- Belgien (auf gesamtstaatlicher Ebene mit Niederländisch und Französisch; in den Kantonen Eupen und Sankt Vith alleinige Amtssprache)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene bei Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache anliegend anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweilig mit Italienisch)
- Dänemark: in Erfordern der deutschen Minorität (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- früher: Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch; seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nur eine größere AnzahlVerkehrssprache)
- Russland: Anerkannte Lingua franca der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
Hochdeutsch (Deutsch) ist im Übrigen eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen.
Dass Hochdeutsch nahezu Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).
Als Minderheitensprache
Vorabbemerkung: Die hier angegeben Blechen beruhen zum Großteil nicht auf der tatsächlichen Zahl der aktiven Sprecher - welche so gut wie nie wirklich erfasst werden kann, an Stelle auf Hochrechnungen, Nationalitäten-Zugehörigkeiten, alten Auswanderungszahlen etc. Deshalb liegen einige Blechen möglicherweise weit über den anzunehmenden tatsächlichen Werten.
- Argentinien 350.000
- Australien 200.000 oder mehr (2 Mio. Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 etwaig deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein weniger Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Mio. Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 386.000, in den Niederlanden lebende Deutsche
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- Südafrika 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch (60 Mio. Deutschstämmige)
Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
Als Fremdsprache
Teutonisch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; europäisch ist es nach Engl. am weitesten entfernt verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Russland, im Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien und Montenegro, Ungarn, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Partiell gilt Teutonisch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Teutonisch oft an Schulen unterrichtet.
In anderen Ländern, so beispielsweise in Frankreich und den USA, verliert Germanisch steigernd an Bedeutung gegenüber Spanisch.
In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Teutonisch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der unter anderem das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500 (3,26%)
- Polen: 2.202.708 (5,70 %)
- Frankreich: 1.603.813 (2,52 %)
- Tschechien: 799.071 (7,80 %)
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274
Teutonisch ist dieser Tage die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Reichlich acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch. (Internetseiten auf Englisch: Zirka 50 %)
Nach Darstellung der Eurobarometer-Umfrage 2006 sprechen mehr Volk Teutonisch als Französisch. Sämtliche zweite Europäer kann Englisch, mindestens sämtliche Dritte Deutsch, nur jeglicher Vierte Französisch. Erstens in der Slowakei, in Ungarn, Tschechien, aber auch Polen und Dänemark ist die Deutsche Sprache im Vormarsch.
Als Kreolsprache
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das global einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten. Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea so weit wie 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.
Aussprache
Siehe dazu Aussprache der deutschen Sprache.
Grammatik
Siehe dazu Deutsche Grammatik.
Rechtschreibung
Siehe dazu Deutsche Rechtschreibung.
Textsammlungen
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält reichlich 2000 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter,
Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Varietäten
Die im deutschen Sprachgebiet gesprochenen Varietäten weisen eine erhebliche Unterscheidung auf. Wenngleich alle am kontinental-westgermanischen Dialektkontinuum teilhaben, sind oft nur die benachbarten Varietäten gegenseitig verständlich. Im gleichen Sinne sind zig Varietäten für einen Sprecher der Standardsprache nur schwer oder überhaupt nicht verständlich.
Die Einteilung der deutschen Varietäten beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann vielerorts eine Formation von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Zentrum des 20. Jahrhunderts verdrängen besonders in Deutschland die Umgangssprachen die alten Dialekte. Entscheidenden Einfluss darauf hatten die Flüchtlingsströme am Ende des zweiten Weltkriegs, sowie erstens die stark anwachsende Verbreitung von Hörfunk und Fernsehen.
Eine Grobeinteilung der Varietäten erfolgt üblicherweise vorwärts der Benrather Linie in die niederdeutschen Varietäten im Norden, die nicht von der 2. deutschen Lautverschiebung betroffen wurden, und die hochdeutschen Varietäten im Süden, wo die 2. deutsche Lautverschiebung Wirkungen gezeitigt hat. Allerdings ist dies keine scharfe Sprachgrenze, anstatt ein Übergang innerhalb eines Dialektkontinuums.
Hochdeutsche Varietäten
Die hochdeutschen Varietäten sind diejenigen, wo die 2. deutsche Lautverschiebung Wirkungen gehabt hat. Das Ausmaß variiert jedoch erheblich zwischen den verschiedenen hochdeutschen Varietäten: Von Hoch- und Höchstalemannische sowie Tirolerisch, die als einzige Varietäten die 2. deutsche Lautverschiebung vollständig durchgeführt haben, bis hin zu Ostbergisch und Mölmsch, wo allein das Wort ik zu ich verschoben ist. In den meisten Varietäten ist die 2. hochdeutsche Lautverschiebung nur partiell durchgeführt, so auch in den ostmitteldeutschen Varietäten, auf denen die Standardsprache beruht.
- Mitteldeutsch
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
- Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch, Hasselbächisch)
- Ostmitteldeutsche Sprache
- Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
- Ostfränkisch, salopp "Fränkisch"
- Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
- Alemannisch
- Schwäbisch
- Elsässisch
- Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
- Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
- Bairisch
- Alemannisch
Niederdeutsche Varietäten
Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen sind diejenigen Varietäten, die von der hochdeutschen Lautverschiebung nicht berührt worden sind. Sie bilden jedoch zusammen mit den hochdeutschen Varietäten ein gemeinsames Dialektkontinuum.
Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Plattdeutsch oder Platt (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst.
Mittlerweile hat das Niedersächsische adäquat der Sprachencharta des Europarats in Deutschland und in den Niederlanden einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten. Darüber hinauf ist es den Niederlanden offizielle Amtssprache geworden. Zuerst hatten die Holland und die bundesdeutschen Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet.
Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen wie auch niederfränkische sowie mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den mitteldeutschen und den niederfränkischen Mundarten.
Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache
Durch ihre zentrale Lage europäisch wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch sonstige Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es zuallererst die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind zahlreiche alltägliche Wörter, zuerst aus Architektur, Theismus und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster) aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Lehre und Philosophie stark gelenkt (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta).
Später war es dann erstens die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch, das nach Voltaire nur zur Informationsaustausch mit Soldaten und Pferden getragen wurde, kamen zuerst Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre).
Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole, Gurke), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel (Magazin, Tarif, Tara), Botanik (Orange, Kaffee, Ingwer), Medizin (Elixier, Balsam), Mathematik (Algebra, Algorithmus, Ziffer), Chemie (Alkalimetalle, Alkohol, Natrium) und Astronomie (Almanach, Zenit, Rigel) ermöglichen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im MA z. B. durch die Kreuzzüge nach Okzident und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade gewähren einander arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.
Ab Mittelpunkt des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische steigernd Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von verständigen auf wachsam betrachtet, besonders dann, wenn es genügend deutsche Synonyme gibt. Kritiker merken auch an, es handle sich häufig (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch.
Auch technische Zwänge bei der Synchronisierung englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die vor allem im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z. B. „Oh mein Gott“ sondern „Um Gottes Willen“ als Übersetzung für „Oh my God“). „Verdeckte" Anglizismen“ gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der in diesen Tagen sehr gebräuchliche Ausdruck „nicht wirklich“ die wortwörtliche Übersetzung von „not really“ und bedeutet somit soviel wie „eigentlich nicht“ – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt.
Eine Sprachpolitik, wie sie u. a. in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Bereicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Zentrum des 20. Jahrhunderts nicht länger statt.
Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache
- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Betrieb Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004
Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt
Zufolge der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt.
Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber angesichts ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen.
1. Aus dem protogermanischen Wort für Volk:
(TID 587295) (dé[yìzhì] = Lautübertragung des Wortes „deutsch“; yǔ „Sprache“)
(TID 587295) „Sprache“; Äức(TID 587295) ist die [sino-]vietnamesische Aussprache desselben Sinographems 德(TID 587295) wie im chinesischen Namen)
(TID 587295) (doitsu = Lautübertragung des Wortes „deutsch“; go „Sprache“)
(TID 587295) →일 il, 語(TID 587295) →어 eo. Die drei Sinographeme 獨逸語(TID 587295) wurden im Japanischen inzwischen zu 独逸語(TID 587295) vereinfacht), auch dogilmal.
)
Anmerkung: In der Vergangenheit war die englische (angelsächsische/ altsächsische) Form dutch für die „Deutschen der niederen Landen“ (Niederdeutsche oder Niederländer) üblich, die selbst ihre Sprache noch bis vor 100 Jahren als Nederduitse Taal bezeichneten. Genau hieß es bis ca. 1900 de düütsche Taal van den nederen Landen. Dieser Tage sind damit nur die Niederländer gemeint, die ihre niederfränkischen oder niedersächsischen Sprachdialekte früher als dutsche vielmehr düütsche taal bezeichneten. Das englische Wort dutch wird daher statt mit „deutsch“ nur sinngemäß mit (gemeint) „Niederländisch“ ins Hochdeutsche übersetzt. | 2. Vom Wort „Germanen“ abgeleitet:
(germanit)
| 3. Vom Wort „Sachsen“ abgeleitet: |
4. Aus dem slawischen Wort für „stumm“:
| 5. Vom Wort „Alamannen“ abgeleitet:
(almāniyya)
(ālmānī)
| 6. Bei den baltischen Sprachen:
|
(TID 587295)
üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană(TID 587295)
benutzt. Das ungarische német(TID 587295)
ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name für die deutschen Österreicher im Arabischen, an-Nimsā (النمسا(TID 587295)
).
Siehe auch
- Jiddisch
- Rotwelsch
- BRD-Sprachgebrauch und DDR-Sprachgebrauch, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache
- Alemañol
- Wissenschaftssprache
Weblinks
- Deutscher Sprachrat – dem Deutschen Sprachrat gehören die Gesellschaft für deutsche Sprache, das Goethe-Institut und das Institut für Deutsche Sprache an
- Institut für deutsche Sprache (IDS), Mannheim
- Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden
- Rat für deutsche Rechtschreibung
- Wortschatzlexikon der Universität Leipzig
- Grimm, Deutsches Wörterbuch
| (TID 646251) | Wikiquote: Deutsche Sprache – Zitate |
(TID 223246)
| (TID 646251) | Wikinews: Deutsche Sprache – aktuelle Nachrichten |
(TID 342006)
pdc:Modern Hochdeitschaf:Duits (taal) als:Deutsche Sprache ang:ÞÄodisc sprǣc ar:لغة ألمانية ast:Alemán be:Нямецкая мова br:Alamaneg bs:NjemaÄki jezik ca:Alemany cs:NÄmÄina cv:НимÄç чÄлхи cy:Almaeneg da:Tysk (sprog) el:Γερμανική γλώσσα en:German language eo:Germana lingvo es:Idioma alemán et:Saksa keel eu:Alemaniera fa:زبان آلمانی fi:Saksan kieli fo:Týskt mál fr:Allemand ga:Gearmáinis gd:Gearmailtis gl:Lingua alemá he:גרמנית hi:जर्मन भाषा hr:NjemaÄki jezik hu:Német nyelv ia:Lingua german id:Bahasa Jerman ilo:Pagsasao nga Aleman io:Germaniana linguo is:Þýska it:Lingua tedesca ja:ドイツ語 ko:독일어 kw:Almaynek la:Lingua Theodisca lb:Däitsch li:Duits ln:Lialémani lt:VokieÄių kalba lv:VÄcu valoda mk:Германски јазик ms:Bahasa Jerman nds:Düütsche Spraak nl:Duits nn:Tysk språk no:Tysk språk oc:Alemand pl:JÄzyk niemiecki pt:Língua alemã rm:Lingua tudestga ro:Limba germanÄ ru:Немецкий язык scn:Lingua tudisca se:Duiskkagiella simple:German language sk:NemÄina sl:NemšÄina sq:Gjuha Gjermanishte sr:Немачки језик sv:Tyska th:ภาษาเยอรมัน tl:Wikang Aleman tr:Almanca tt:Alman tele vi:Tiếng Äức
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