Abendmahl
Aus Schlauweb
Das Abendmahl (je nach Konfession auch Eucharistie, heilige Kommunion, Herrenmahl, Altarsakrament, Brotbrechen oder Gedächtnismahl genannt) gehört zusammen u.a. mit der Taufe zu den gottesdienstlichen Handlungen, die alle christlichen Kirchen praktizieren.
In der römisch-katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche ist Eucharistie der übliche Begriff für dieses Sakrament, das auf das letzte feierliche Gericht Jesu mit den zwölf auserwählten seiner Jünger (Apostel) am Vorabend seines Todes zurückgeht. Dieses Mahl wird im Neuen Testament in verschiedenen Fassungen geschildert und gedeutet, die sich partiell auf Jesu stellvertretenden Opfertod beziehen oder so gedeutet werden können. Wörtlich bedeutet das griechische Wort ευχαριστειν eucharistein Dank sagen, vgl ευχαριστησας in 1. Kor 11:24: "Er nahm das Brot, dankte und brach es und gab es seinen Jüngern ..."
Die Jerusalemer Urgemeinde feierte das Brotbrechen, das an Jesu Tod und Auferstehung erinnerte und seine Wiederkunft (Parusie) vorbereitete und ersehnte, von Anfang an täglich in den Häusern der Christen als gemeinsame Sättigungsmahlzeit. Bei diesem sogenannten Liebesmahl (Agape) wurde auch Nahrung an Bedürftige verteilt. Nachdem es dabei in Korinth aus seiner Sicht zu Missständen kam, empfahl Paulus seiner Gemeinde, das gemeinsame "Herrenmahl" im Messe vom Sättigungsmahl im eigenen Haus zu trennen (1. Kor 11,17-34).
Während die Liturgie der orthodoxen Kirchen aus dem ersten Millennium stammt, hat sich in den westlichen Kirchen die heutige Eucharistiefeier erst im ausgehenden Mittelalter voll ausgebildet. Jede Konfession beruft sich bei der heutigen Gestaltung und Auslegung ihrer Form des Altarsakramentes auf bestimmte Aspekte der biblischen Abendmahlsüberlieferung.
Inhaltsverzeichnis
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Biblische Grundlagen
Hebräische Bibel
In der Heiligen Schrift des Judentums, die weitgehend mit dem Alten Testament der Christen wie ist, hat das gemeinsame Mahl einen hohen Stellenwert. Es ist ein zentrales Element der Gastfreundschaft vollkommen Orient. Wer einen Reisenden empfängt, der dient seinen Bedürfnissen, teilt mit ihm sein Brot und gewährt ihm damit wie einem eigenen Angehöriger Schutz, Segen und Hilfe (z.B. 1. Mose 18,1-8).
Das abendliche häusliche Festmahl im Kreis der ganzen Familie, genannt Seder (deutsch: "Ordnung"), ist auch der Anfang des einwöchigen Pessachfestes. Es folgt einem genauen Ablauf, der auf 2. Buch Mose 12,3-20 zurückgeht und mit symbolischen Speisen an den Exodus des jüdischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten erinnert: dem Opferlamm, dem ungesäuerten Brot (hebräisch: Mazzen), den Bitterkräutern (Ysop) und Wein. Ganz Familienvater liest die Haggada (Erzählung) vom Auszug, spricht den Segen über die Speisen und zerstreut sie dann an die Anwesenden.
In der Prophetie Israels ist das gemeinsame Mahl ein häufiges Bild für den endzeitlichen Schalom Gottes mit seinem Volk und den Völkern (Frieden, Heil, Erlösung).
Neues Testament
Das letzte Mahl Jesu wird in den drei synoptischen Evangelien beschrieben:
In allen drei Berichten stillstehen die sogenannten Einsetzungsworte Jesu im Zentrum. Ihre wohl älteste Fassung bietet Markus (v. 22ff):
- Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es ihnen und sprach: Nehmt, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich ich sage euch: Ich werde fortan nicht trinken vom Gewächs des Weinstocks bis zu dem Tag, an dem ich neu trinke im Reich Gottes.
Paulus überliefert in 1. Korintherbrief 11,23-26 eine alternative Fassung dieser Worte, die er "vom Herrn" empfing und wohl wie das Urcredo (1. Kor 15,3-8) aus der Urgemeinde übernahm:
- Der Herr Jesus in der Nacht, als er verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmt, esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; solches tut, so oft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis er kommt.
An der Stelle, wo die Synoptiker vom letzten Mahl Jesu berichten, steht im Johannesevangelium die Szene der Fußwaschung (Joh 13,1-20). Sie wird gefolgt von einer Brotausteilung Jesu an Judas Iskariot, die dessen Denunziation einleitet (Joh 13,21-30).
Hinzu kommen Texte in den Evangelien, die ein gemeinsames Mahl Jesu mit verschiedenen Gruppen des jüdischen Volkes beschreiben und oft auf das Abendmahl trüb werden (Mk 2,15-17, Mk 6,35-44, Joh 6,1-14, Mk 8,1-9, Mt 15,32-37).
Einige Ostertexte der Evangelien verbinden eine Erscheinung des Auferstandenen mit einem Mahl mit seinen Jüngern:
- Lk 24,13-35: Die Emmausjünger erkennen Jesus erst, als er das Brot brach.
- Joh 21,1-13: Jesus offenbart sich sieben seiner Jünger am See Genezareth und hält mit ihnen das Mahl.
Das Brotbrechen in der Urgemeinde und die Abendmahlspraxis in Korinth beschreiben
- Apostelgeschichte 2,42 und 2,46 und
- 1. Kor 10 und 11.
Die Motive des Abendmahls und ihre Bedeutung
Seit den Forschungen von Joachim Jeremias (Die Abendmahlsworte Jesu, 1. Auflage 1935) nimmt man an, dass nach den Berichten der Synoptiker und des Paulus eine Urform stand, die auf Erlöser selbst zurückgeht und nach seinem Tod in der Gottesdienst-Liturgie der Jerusalemer Urgemeinde ausgeprägt wurde. Sie enthielt gemeinsame Motive der Mahlberichte:
- Jesu Abendmahl fand im Rahmen eines Passahmahls statt. Die Jünger werden zum Zubereiten des Passahlamms (2. Mose 12,3-6) an vorherbestimmtem Ort in der Ort gesandt (Mk 14,12-16). Damit steht das Mahl unter dem Vorzeichen der Erinnerung an Gottes Befreiungstat für sein Volk Israel.
- Zur Rahmenhandlung gehört zudem der Verrat des Judas Iskariot, mit dem Jesu Passion beginnt.
- Jesus übernahm die Rolle des jüdischen Hausvaters, der den ungesäuerten Brotfladen (Mazzen) in die Hand nimmt, Gott dafür dankt - wahrscheinlich mit dem jüdischen Lobspruch zu Beginn jedweder Mahlzeit: "Gepriesen bist Du, der das Brot aus der Erde heranwachsen lässt" - , es in Stücke bricht und diese den Anwesenden herumreicht.
- Der Kelch mit Wein entsprach dem ersten Segensbecher bei einem Passahmahl, der gegen Ende der Mahlzeit gereicht wurde.
- Während sie aßen und tranken, deutete Jesus das Geschehen. Brot- und Kelchwort waren wahrscheinlich wie in 1. Kor 11 annähernd parallel gebaut und als direkte Anrede an die Essenden formuliert:
- Das ist mein Leib - für euch gegeben. Das ist mein Blut - für die Vielen vergossen.
- "Leib" (griechisch σωμα / soma, aramäisch guph) steht für die ganze Person: Eine Trennung von Körper und Innenleben war dem Judaismus fremd. "Blutvergießen" weist auf Jesu bevorstehenden Tod hin, der - wie das Blut des Passahlamms, mit dem die Israeliten die Türpfosten bestrichen - das Volk Israel, hier vertreten durch die zwölf Jünger, und darüberhinaus "viele" aus Gottes Zorngericht retten soll.
- Der "neue Bund", der in Jesu Sterben begründet ist, ist keine Ablösung des ersten "alten" Bundes Gottes mit seinem Volk, sondern dessen endgültige Bekräftigung - gerade weil er über diesen hinausgeht. So wurde auch der Sinaibund mit dem Blut des Opfertieres besiegelt (2. Mose 24,8). Der Person Jeremia versprach dem Volk Israel nach der Zerstörung des ersten Tempels seine Erneuerung (Jer 31). Für die Urchristen war Jesu Tod die Erfüllung dieser Verheißung (Hebräerbrief 8,8-12). Indem Gott durch ihn auch den Völkern Anteil am Heil schenkte, wurde Israels Hoffnung auf Friede mit den Völkern neu begründet.
- "(dahin)gegeben" ist eine feste liturgische Redewendung: Das griechische Verb παραδιδοναι / paradidonai steht für das hebräische Wort für "ausliefern" und erinnert an Jesu Leidensankündigungen (Mk 9,31 par.):
- Der Menschensohn wird [von Gott] in die Hände der Menschen ausgeliefert werden.
Der "Menschensohn" erinnert an die apokalyptische Heilserwartung des Buches Daniel vom Kommen des Menschenähnlichen nach dem Endgericht über die Gewaltimperien (Dan 7,13f). Aber zugleich widersprach Mensch dieser Erwartung: Der Menschensohn werde selbst das Endgericht erdulden und so zum "Lösegeld für die Vielen" (Mk 10,45) werden.
- "Für Viele" meint im Aramäischen "die Vielzahl" als Gesamtheit aller Menschen. Der Ausdruck spielt auf die im Alten Testament einzigartige Verheißung vom stellvertretenden Sühneleiden des "Gottesknechts" an (Jesaja 53; v.11f).
- Darum wurden Brot- und Kelchwort "für euch gegeben" von den Urchristen schon bald mit dem Bekenntnis beantwortet: "dahingegeben um unserer Übertretung willen" (Röm 4,26), "gestorben für unsere Sünden gemäß der Schrift" (1. Kor 15,3). Das letzte Mahl Jesu begründete die nachösterliche Sinndeutung seines Todes. An allen Stellen des Neuen Testaments, die eine Kurzer Satz mit "für euch" (gegeben/gelitten/gestorben/geschlachtet) enthalten, ist der erlösende Gerichtstod Jesu gemeint.
- Hinzu kommt bei Markus der endzeitliche Schwur: "Wahrlich ich sage euch ..." Damit stellte Jesus sein bevorstehendes Leiden und Sterben in die Perspektive der kommenden Gottesherrschaft. Die erhoffte Befreiung aus der Leibeigenschaft sollte also nicht auf das Volk Israel begrenzt bleiben, anstelle alle Völker und die ganze Schöpfung einschließen. Der Abschied Jesu von seinen Jüngern ist endgültig, aber er enthält Hoffnung über den Tod hinaus: Weil er für sie starb, ist ihnen allen - auch dem Verräter Judas! - die Sünde schon vergeben (sofern sie die Vergebung annehmen), die kommende Verwandlung der Welt schon geschenkt und gewiss.
- Die paulinische Version betont das Wiederholungsmotiv: "Solches tut, so oft ihr trinket, zu meinem Gedächtnis." Im Gedenken an sein letztes Mahl ist Jesus fortan gegenwärtig unter seinen Nachfolgern.
Unterschiede der verschiedenen Einsetzungstexte
Die verschiedenen Abendmahlsberichte des Neuen Testaments setzen jedes Mal besondere theologische Akzente:
- Bei Markus steht das Kelchwort im Mittelpunkt und damit die heilstiftende Wirkung des vergossenen Blutes Jesu ("der neue Bund in meinem Blut").
- Matthäus hebt hervor, dass Jesu Blut vergossen wird "zur Vergebung eurer Sünden".
- Lukas legt seinen besonderen Schwerpunkt auf die eschatologische Bedeutung der letzten Mahlfeier Jesu. Wichtig ist ihm allerdings auch der Hinweis Jesu, dass die Jünger vor Anfechtung, Irreführung und Schuld nicht sicher sind. Selbst Petrus (griechisch: das Felsgestein) kann sich seines Glaubens nicht sicher sein. "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Überzeugung nicht aufhört!" sagt Charakter zu seinem Apostel. Auffällig beim lukanischen Abendmahlsbericht ist auch die Erwähnung von zwei Kelchen, die beim Abendmahl gereicht werden - einer zu Beginn und einer als Abschluss der Mahlfeier.
- Bei Johannes wird die Mahlfeier nur im Vorübergehen erwähnt; anstelle des Abendmahls wird die Fußwaschung ausführlich beschrieben.
- In der paulinischen Fassung des Abendmahlsberichtes (1. Korinther 11,23-26) wird auf den Verkündigungscharakter des Abendmahls hingewiesen. Auch wird im Anschluss (ab Vers 27) vor einer "unwürdigen" Teilnahme am Abendmahl ausdrücklich gewarnt. Krankheit und Tod - so Paulus - können die Folge sein.
Teilnehmer am letzten Abendmahl
Da in den Berichten über das letzte Abendmahl in den verschiedenen Evangelien und deren Übersetzungen anliegend Jesus von Nazareth überwiegend von „den zwölf Jüngern“, „den Zwölf“ und von „den Aposteln“ berichtet wird, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die Subjekt des letzten Abendmahles nur die zwölf Apostel und keine anderen Jünger Jesu waren.
Somit nahmen anliegend Persönlichkeit von Nazareth folgende Männer am letzten Abendmahl teil:
- Simon Petrus (Bruder des Andreas)
- Andreas (Bruder des Simon Petrus)
- Jakobus (Jakobus der Ältere; Bruder des Johannes und Sohn des Zebedäus)
- Johannes (Bruder des Jakobus der Ältere und Sohn des Zebedäus)
- Philippus
- Bartholomäus (Beiname; höchst wahrscheinlich ebenso mit „Nathanael“)
- Thomas
- Matthäus (Bruder des Jakobus des Jüngeren und Sohn des Alphäus)
- Jakobus (Jakobus der Jüngere; Bruder des Matthäus und Sohn des Alphäus)
- Thaddäus (auch: Judas Thaddäus)
- Simon Kanaanäus (auch: Simon Zelotes)
- Judas Ischariot (beging Freitod nach dem Denunziation an Jesus)
Urchristliche Abendmahlspraxis
Die Mahlfeier nahm im Urchristentum einen wichtigen Platz im Gemeindeleben ein. Die Apostelgeschichte nennt als eine der vier "Grundsäulen" christlicher Gemeinschaft "das Brechen des Brotes" (Apostelgeschichte 2,42). Dieser Tage unterscheidet man diese urchristlichen Agapefeiern von den Abendmahlsfeiern. Paulus spricht vom Abendmahl als einem selbstverständlichen Gemeindegeschehen (1. Korinther 10 und 11). Nach Apostelgeschichte 2,46 sind die Häuser der Gemeindemitglieder die ursprünglichen Orte der Abendmahlsfeier. Vermutlich wurde zumindest an jedem ersten Tag der Woche, dem "Tag des Herrn", die Eucharistie gefeiert (Apostelgeschichte 20,7) - wahrscheinlich eingebunden in ein gemeinsames Essen (1. Korinther 11,21ff; 33). Der Zeitpunkt der gemeindlichen Mahlfeier lag wohl am Tageszeit des Tages, wonach die schon genannten Stellen aber auch das in den Notieren verwendete griechische Wort für Mahl (deipnon) hinweist; es bezeichnet ein feierlich gestaltetes Mahl zum Tagesabschluss. Es gibt Hinweise, dass beim Abendmahl - ähnlich wie beim Passah-Mahl - die Heilsgeschichte Gottes in Erinnerung gerufen und gleichzeitig verkündigt wurde. Bei der christlichen Mahlfeier wird es wohl (1. Korinther 11,26) die Passionsgeschichte Jesu gewesen sein.
Ein besonderer Priesterdienst wird in den neutestamentlichen Abendmahlsberichten nirgends erwähnt. Auch in den apostolischen Vorschriften für die Presbyter und Diakone (zum Beispiel 1. Timotheusbrief 3,1-10) ist von einer besonderen Rolle bei der "Sakramentsverwaltung" nicht die Rede. Allerdings könnte das Geräuschlosigkeit darüber auch darauf hindeuten, dass es als selbstverständlich erachtet wurde, dass der Eucharistiefeier die Apostel bzw. deren Nachfolger vorstanden.
Frühchristliche Tradition
Frühe Zeugnisse eines sakramentalen Verständnisses des Abendmahls sind:
- Ignatius von Antiochien († ca. 107-110). Er nannte das Abendmahl eine "Arznei der Unsterblichkeit" und meint in seinen Zuschrift an die Smyrnäer: Sie halten sich von Eucharistie und Gebet fern, weil sie nicht bekennen, dass die Eucharistie das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus ist, der für unsere Sünden gelitten hat.
- Um das Jahr 100 spricht die Didache: Am Tage des Herrn versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr vorher eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei. Jeder aber, der mit seinem Freund einen Streit hat, soll nicht mit euch zusammenkommen, bis sie sich versöhnt haben, damit euer Opfer nicht entweiht werde.
- Justin der Märtyrer (ca. 110 - ca. 165). Er verstand Brot und Wein im Abendmahl als Leib und Blut Jesu und ist die älteste erhaltene schriftliche Quelle für den Gedanken des Messopfers, das durch einen Priester dargebracht werden muss (d. h. nicht von Laien).
Abendmahlsverständnis
Es zulassen sich zwei Hauptgruppen des Eucharistieverständnisses unterscheiden:
- Die Vertreter der einen Gruppe lehren, dass in den Elementen von Brot und Wein Christus mit seinem Leib und seinem Blut real gegenwärtig ist (Realpräsenz) und die Teilnehmenden am Abendmahl durch das Essen und Besaufen leiblich an Christus Anteil bekommen. Die Eucharistiefeier ist eine Christus vergegenwärtigende Gedächtnisfeier. Dieses sakramentale Abendmahlsverständnis geht auf die frühchristliche Brauch zurück. Dies ist die Auffassung der orthodoxen, der katholischen, der anglikanischen, der methodistischen und der lutherischen Kirchen.
- Die Vertreter der anderen Gruppe lehren, dass die Elemente von Brot und Wein nur Zeichen oder Symbole sind, die Christi Leib und Blut "bedeuten", aber nicht "sind". Das Abendmahl ist hier eine reine Gedächtnis- bzw. Erinnerungsfeier und beruht auf der Interpretation der neutestamentlichen Mahlfeier. Diese Auffassung vertreten die Kirchen in der reformierten Tradition, die meisten baptistischen Kirchen und Pfingstgemeinden. Ebenso wird diese Auffassung von manchen Neuoffenbarern und neuoffenbarerischen Gruppen vertreten.
Für Details siehe auch Kommunion.
Brot und Wein
Die Eucharistie wird in der Regel mit Brot und Wein gefeiert.
Brot
Für das beim Abendmahl verwendete Brot gibt es zwei Traditionen:
- Hostien aus ungesäuertem Teig, (d.h. unfermentiertem Teig, also auch keine Hefen oder Backpulver) in der katholischen und lutherischen Kirche. Diese Brauch führt sich theologisch auf das jüdische Passahmahl zurück.
- normales (Weiß-)Brot in den Ostkirchen und in den Kirchen der reformierten Tradition (unierte Kirchen, Freikirchen)
In sich verständigen auf Kirchen, z. B. in der anglikanischen Kirche und manchen Freikirchen, ist die Art des Brots nicht vorgeschrieben und sowie Hostien sowohl gesäuertes Brot können verwendet werden.
Wein
Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Eucharistie überall mit Wein gefeiert, vor der Erfindung moderner Konservierungsmethoden war das in den meisten Jahreszeiten gar nicht divergent möglich. Bis zum heutigen Tag wird das von der katholischen, orthodoxen, anglikanischen und lutherischen Kirche so gehalten.
Im 19. Jahrhundert kam zuerst durch die Heiligungsbewegung und die mit ihr verbundene Abstinenzbewegung in den Vereinigten Neue Welt der Brauch auf, aus Rücksicht auf Bälger und Alkoholiker keinen Wein, stattdessen Traubensaft zum Abendmahl zu reichen. Das ist in diesen Tagen in der evangelisch-methodistischen Kirche, in vielen Kirchen der reformierten Überlieferung und manchen unierten Landeskirchen üblich.
Während die jeweilige Brauch in den meisten Kirchen keine hitzigen Debatten bewirkt, gibt es auf beiden Seiten auch leidenschaftliche Protektionist der eigenen Tradition, die mit biblischen und theologischen Argumenten für ihre Sichtweise kämpfen:
- Vertreter des Traubensafts, insbesondere in amerikanischen evangelikalen Kirchen, argumentieren, dass in allen neutestamentlichen Texten, die die Abendmahlsthematik berühren, zwar vom Brot gesprochen wird, nicht aber vom Wein als alkoholischem Getränk. In den Abendmahlsberichten ist vom Kelch die Rede, an anderen Stellen vom "Gewächs des Weinstocks".
- Vertreter des Weins, beispielsweise in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) argumentieren, dass Christus bei der Einsetzung des Verehren Abendmahls sicher keinen Traubensaft verwandt hat (Begründung u.a. Konservierungsmöglichkeit war nicht gegeben, beim Passamahl wird bis zum heutigen Tag Wein verwendet). Sie stellen auch in Frage, ob ein Abendmahl mit Traubensaft zufolge des Stifters Erlöser Christus ist und ob durch die Veränderung des Elementes (Wein zu Traubensaft) die Kommunikanten die Gewissheit haben, Leib und Blut Christi zur Vergebung der Sünden zu empfangen (Realpräsenz). Alkoholkranken wird bei der Distribution nur die konsekrierte Hostie gereicht (Kommunion unter einer Gestalt).
Liturgie
Trotz aller Unterschiede gibt es in der Abendmahlsliturgie etliche Elemente, die - in mehr oder weniger festgelegter Form und Reihe - in den meisten Konfessionen vorkommen. Manche dieser Elemente sind schon aus Liturgien des zweiten und dritten Jahrhunderts überliefert.
- Schuldbekenntnis und Absolution
- Präfation (großes Dankgebet) Sursum Corda - Erhebt eure Herzen zum Herrn
- Tersanctus (Dreimal Heilig - Heilig, heilig, heilig) mit Benedictus qui venit
- Anamnese (Griechisch für Erinnerung)
- Mysterion (Geheimnis des Glaubens): Priester: Geheimnis des Glaubens; Gemeinde: Deinen Tod oh Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit.
- Epiklese (die Konsekration)
- Vaterunser
- Fraktion (das zeremonielle Brechen des Brotes)
- Kommunion Verteilen von Brot und Wein
- Agnus dei Christe, Du Lamm Gottes
- Friedensgruß
- Gebet
- Segen und Entlassung
Zulassung zum Abendmahl
Die Approbation zum Abendmahl wird je nach Konfession unterschiedlich gehandhabt - bezüglich Kirchenmitgliedschaft und ebenso bezüglich Teilnahme von Kindern (Kinderabendmahl). Bei der Approbation zum Abendmahl gibt es zwei grundlegende Prinzipien mit konfessionell unterschiedlichen Ausprägungen:
Offene Kommunion
Bei Kirchen, die offene Kommunion praktizieren, sind auch Nichtmitglieder der betreffenden Kirche zum Abendmahl zugelassen. Je nach Kirche gibt es dabei gewisse Einschränkungen:
- In der Alt-Katholischen Kirche gilt die Ladung zur Eucharistie für alle Christen nach Erstkommunion oder Konfirmation
- In den evangelischen Landeskirchen sind alle getauften Christen zugelassen, die auch in ihrer eigenen Kirche zum Empfang der Eucharistie oder des Abendmahles zugelassen sind, in der Regel die Angehörigen der eigenen Konfession jedoch erst nach Katechese und Konfirmation, wobei hier ein Wandel hin zum "Abendmahl für alle Getauften" feststellbar ist. In manchen evangelischen Landeskirchen wird das Abendmahl auch Ungetauften gereicht, wenn sie hinzutreten.
- Ausdrücklich sind in den Reformierten Kirchen der Schweiz alle zum Abendmahl eingeladen, die sich zu Persönlichkeit Christus bekennen.
- Die Evangelisch-methodistische Kirche kennt keine Einschränkungen in der Approbation zum Abendmahl, ganz der es wünscht, kann teilnehmen. Sie argumentieren, dass der Typ Persönlichkeit Christus selbst sei, und es deshalb keinem zustehe, Einschränkungen vorzunehmen.
- In vielen evangelischen Freikirchen sind alle zugelassen, die sich als wiedergeborene Christen verstehen
- In einigen evangelischen Freikirchen sind die zugelassen, die aufgrund eines persönlichen Bekenntnisses ihres Glaubens an Jesus Christus getauft worden sind (Glaubenstaufe)
Geschlossene Kommunion
Bei Kirchen, die geschlossene Kommunion praktizieren, beschränkt sich die Approbation zum Abendmahl auf Mitglieder der betreffenden Kirche und Mitglieder von Kirchen, mit denen sie in voll von Kirchengemeinschaft steht.
- In der Römisch-Katholischen Kirche sind Katholiken nach der Erstkommunion und Christen der mit Rom unierten Kirchen zum Eingang der Kommunion zugelassen, sowie alle Getauften (römisch-katholisch), die kirchenrechtlich nicht daran gehindert sind. Von daher sind Angehörige der protestantischen und orthodoxen Kirchen im Regelfall nicht zur katholischen Eucharistie eingeladen. Der Zustand schwerer Sünde hindert am Kommunionempfang (Problematik zum Beispiel der wiederverheirateten Geschiedenen, wobei in diesem Fall noch das Problem eines öffentlichen Verharrens in diesem Zustand hinzu kommt - nur in solchen Fällen darf die Kommunion vom Spender verweigert werden).
- In der Orthodoxen Kirche können nur getaufte orthodoxe Christen die Kommunion empfangen, diese allerdings ohne Altersbegrenzung.
- In einigen Freikirchen, z.B. Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, werden nur Christen der eigenen Kirche zugelassen, oder solche die zu einer Kirche gehören, mit der volle Kirchengemeinschaft festgestellt wurde.
- In einigen Freikirchen, z.B. Brüdergemeinde werden nur Christen der eigenen Kirche zugelassen.
Abendmahlsgemeinschaft zwischen Kirchen
Mehrere Kirchen haben eine Abendmahlsgemeinschaft, d. h. alle Mitglieder der beteiligten Kirchen können am Abendmahl teilnehmen. So besteht Abendmahlsgemeinschaft z. B.
- zwischen den lutherischen, reformierten und weiteren evangelischen Kirchen in Europa, die der Leuenberger Konkordie angeschlossen sind
- zwischen der Alt-Katholischen Kirche, den Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland und Anglikanischen Kirchen
- zwischen der lateinischen und den uniert-ostkirchlichen katholischen Kirchen (d.h. die römisch-katholische Kirchengemeinschaft unter dem Primat des Papstes)
- zwischen Anglikanern und der indisch-orthodoxen Mar Thoma Kirche
- zwischen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) und der Evangelisch-Lutherischen Missouri-Synode
- zwischen der Church of England und der Britischen Methodistenkirche
Glaubwürdig ist eine gemeinsame Fest von evangelischen Christen und römischen Katholiken aktuell nicht möglich (siehe auch Interzelebration, Konzelebration), jedoch können unter besonderen Umständen für einzelne Personen Ausnahmen gestattet sein. (Vgl. zu diesem Punkt den Briefverkehr zwischen Akademiker Gotthold Hasenhüttl und der durch Kardinal Ratzinger vertretenen "Congregatio pro Doctrina Fidei", http://www.ikvu.de/oekt/hasenhuettl-bestaetigung-suspendierung-2004.html).
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen christlichen Abendmahlsverständnisses ist die Lima-Erklärung des Weltkirchenrates.
Zulassung von Kindern
In den orthodoxen Kirchen sind orthodox getaufte Brut gleich welchen Alters zum Abendmahl zugelassen. In den Reformierten Kirchen der Schweiz kennt man das Kinderabendmahl seit Jahrzehnten und es hat seinen Ort in der Praxis gefunden. Dieser Brauch wird auch von immer mehr Kirchen außerhalb der Helvetien übernommen.
Konfessionelle Ausprägungen
Hier werden an einigen Beispielen die Unterschiede bei Abendmahlsverständnis, Liturgie und Zulassungspraxis verschiedener Konfessionen gezeigt:
Römisch-katholische Kirche
Siehe auch: Heilige Messe
Die römisch-katholische Kirche bezeichnet das Abendmahl meist als Eucharistie, wobei dieser Ausdruck sowohl .... als auch für die gesamte Messfeier, sowie für einen ihrer Teile stillstehen kann. Im letzteren Fall steht sie nach der Eröffnung, dem Wortgottesdienst und vor dem Abschluss an dritter Stelle.
In der Eucharistiefeier, die als zeremonielle Rotation des letzten Abendmahles verstanden wird, werden Brot und Wein entsprechend der katholischen Geisteswissenschaft durch Jesus Christus selbst in sein wahres Viktualien und Blut verwandelt. Deshalb spricht der Pfarrer an Christi sondern (in persona Christi) die Einsetzungsworte "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut".
Nach katholischem Verständnis vergegenwärtigt die Eucharistie (deshalb auch „Messopfer“ genannt) in unblutiger Weise das eine Kreuzesopfer, das Christus für die Leute dargebracht hat, für die Vergebung der Sünden (siehe auch Geheimnis des Glaubens). Dieser Opfergedanke ist für die katholische Kirche zentral, die Erfahrung der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus dagegen zweitrangig: Wer sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wirkliches und eigentliches Opfer dargebracht, oder die Opferhandlung bestehe in nichts anderem, als dass uns Christus zur Speise gereicht werde: der sei (aus der Kirche) ausgeschlossen. (Quelle?)
Die katholische Kirche lehrt die Realpräsenz bei der Eucharistie. Durch das vom Priester gesprochene eucharistische Hochgebet, speziell durch die Epiklese (Anrufung des Vergöttern Geistes) und die Konsekrationsworte, vollzieht sich die Transsubstantiation, die geheimnisvolle Wesensverwandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Für die katholische Kirche ist also in der konsekrierten Hostie Gottessohn real gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Opferfeier, aus welchem Grund die Hostien im Tabernakel verschlossen und auch als Repräsentation Jesu angebetet werden -- nicht nur verehrt wie die bildlichen Darstellungen von Jesus.
Nach katholischem Glauben ist Messias Christus wie auch unter der Gestalt des Brotes und unter der Gestalt des Weines ganz und lebendig mit Leib und Blut, Innenleben und Gott enthalten. Somit ist die Kommunion unter beiden Gestalten theologisch betrachtet nicht notwendig. Aus diesem Glauben entwickelte sich seit dem Hochmittelalter die Eucharistiepraxis, dass der Kelch von den Laien mehr und mehr gemieden und ihnen schließlich entzogen wurde; nur der Seelsorger trank den Wein, damit nichts verschüttet wurde (s. Laienkelch). Dieser Tage ist der Aufnahme der Kommunion unter beiderlei Gestalt wiederum möglich, wird aber nicht immer und überall praktiziert.
Das Sakrament wirkt durch seinen korrekten, der Einsetzung gemäßen Vollzug, ex opere operato. Da Jesu Auftrag, Brot und Wein zu seinem Gedächtnis zu teilen, an die Apostel erging, kann die Konsekration nach katholischer Auffassung nur von ordinierten Priestern gültig umgesetzt werden, da nur diese durch ihre Weihe Stellvertreter der Bischöfe sind, welche wiederum Nachfolger der Apostel sind.
Voraussetzung für die Kommunion ist der Vertrauen an die Realpräsenz Christi, weswegen kleine Blagen (außer in den katholischen Ostkirchen) nicht verständigen dürfen, da sie die Hostie noch nicht von normalem Brot unterscheiden können. Weiterhin muss der Kommunizierende auch frei von schweren Sünden sein - gegebenenfalls muss er sich vor der Kommunion in der Beichte mit Gott versöhnen.
Die katholische Kirche empfiehlt die häufige und selbst tägliche Kommunion. Der Aufnahme der Eucharistie verstärkt die Liebe Gottes, bewahrt dadurch vor der Anhänglichkeit an die Sünde und bewirkt die Vergebung leichterer Sünden. Indem das in der Kirche vereinte Volk Gottes beim Mahl des Herrn den Leib Christi empfängt, wird es selbst zum "Leib Christi".
Orthodoxe Kirchen
Auch die orthodoxen Kirchen sind der Auffassung, dass Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi sind. Die Liturgie hat Parallelen zum jüdischen Tempelgottesdienst. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Eucharistielehre gibt es für die orthodoxe Geisteswissenschaft jedoch keine konkrete Formel, durch die der Seelsorger die Wandlung vollzieht -- das Mysterium des Abendmahls geschieht durch die Liturgie als Ganzes, wobei die Anrufung des Heiligen Geistes über den Gaben in der Epiklese eine zentrale Stellung einnimmt. Auf eine philosophische Klärung des "wie" der Wandlung wird verzichtet, der Ausdruck Transsubstantiation wird nicht verwendet, teils selbst eindringlich abgelehnt. Die Eucharistie, die bei den byzantinischen Kirchen auch als Göttliche Liturgie bezeichnet wird, gilt auch hier als Opfer, besser gesagt als Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi. Der Eingang der Eucharistie durch nicht-orthodoxe Christen gilt als unmöglich, da nach orthodoxem Glauben der Teilnehmerkreis der Eucharistie (und nichts anderes) per definitionem die Kirche ist, und nicht-orthodoxe somit praktisch automatisch zur Orthodoxen Kirche überträten wenn sie teilnähmen. Wenn ein Gläubiger die Eucharistie empfangen möchte, meldet er sich üblicherweise am Vortag beim Vikar an; dies gilt erst einmal für Auswärtige, die der Geistlicher nicht persönlich kennt. Voraussetzung für den Eingang der Eucharistie ist weiters die Beichte.
Die Gegenwart von Gläubigen ist für die Party der Eucharistie unveränderlich — eine eucharistische Liturgie ohne Gläubigen ist so wenig möglich wie ohne Priester. Ein Kleriker darf die Eucharistie höchstens einmal am Tag feiern, sie darf auch in jedem Kirchengebäude nur einmal am Tag stattfinden und ein Gläubiger gleichfalls höchstens einmal am Tag daran teilnehmen. Tägliche Eucharistiefeier ist jedoch in der Rechtgläubigkeit auch für Pfaffe ziemlich unüblich, gewöhnlich ist eher der wöchentliche Rhythmus, zu Beginn die Festakt am Sonntag. Alle getauften orthodoxen Christen dürfen die Eucharistie empfangen, auch Kleinkinder, da die orthodoxe Kirche "Glauben" vorerst entsprechend eines Vertrauens versteht, zu dem auch kleine Blagen schon fähig sind, weniger entsprechend eines "Für-wahr-Haltens", das einen entwickelten Verstand voraussetzen würde. Allerdings verlangen einige Kirchen von erwachsenen Teilnehmern eine vollständige Bekenntnis am Vorabend, was dazu geführt hat, dass in manchen orthodoxen Kirchen die Erwachsenen gewöhnlich nur einige Male im Jahr selbst die Eucharistie empfangen, während sie anderweitig nur als Mitbetende oder Sänger teilnehmen. Es gibt zur Zeit jedoch Bestrebungen, den wöchentlichen Rezeption nochmals zur Norm zu machen.
In den Orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus wird der Mittelteil eines runden, gesäuerten, beim Backen mit christlichen Symbolen gestempelten Brotlaibs (Prosphore) — Sauerteig gilt als Parabel des Reiches Gottes — verwendet, sowie durch Beigabe von ein wenig kochendem Wasser (Zeon) ungefähr auf Blutwärme erwärmter Rotwein. Der Mittelteil wird auch als Lamm bezeichnet. Allein dieses Lamm und der Wein werden konsekriert. Leib und Blut Christi werden vor der Ausgabe an die Gläubigen im Kelch gemischt und diese Mischung wird dann mit Hilfe eines goldenen Löffels an die Gläubigen ausgegeben. Die im Europa mittlerweile wiederum übliche Handkommunion ist hier nicht bekannt, die Gläubigen empfangen die Kommunion in den Mund. Bleibt ein Rest, wird dieser nach der Kommunionspendung vom Diakon oder vom Vikar verzehrt. Für die Krankenkommunion wird allzeit ein kleines Stück des konsekrierten Lammes, das mit einem Tropfen konsekriertem Wein getränkt wird, aufbewahrt im sogenannten, dem Tabernakel ähnlichen Artophorion. Eine Verehrung und Anbetung der Eucharistie außerhalb der Göttlichen Liturgie ist nicht üblich.
Wie das Lamm, das später konsekriert wird, so werden auch einige alternative Teile während der Proskomidie aus der Prosphore mit Hilfe eines als Lanze bezeichneten Messers herausgeschnitten; dieser Name erinnert an die Lanze, die ein römischer Soldat nach dem Bericht des Johannesevangeliums in den leblosen Körper des Gekreuzigten stieß, um festzustellen, ob er schon tot war. Beim ersten piksen der Waffe fordert der Diakon den Priester auf: "Schlachte, Gebieter!"; hier wird die Opfersymbolik sehr deutlich.
Die oben erwähnten anderen Teile des Brotes stellen während der Liturgie die Gottesmutter Maria, die Heiligen und alle lebenden und verstorbenen Gläubigen dar, werden aber nicht konsekriert. Nach der Kommunionausteilung werden sie auch in den Kelch feststehend und verzehrt. Der restliche, äußere Teil des Brotlaibs und zusätzliche Brotstücke werden nach der Konsekration des Lammes und des Weines gesegnet, aber eben nicht konsekriert. Dieses sogenannte Antidoron wird nach der Liturgie an die Gläubigen diffus und von diesen sofort gegessen oder - etwa für daheimgebliebene kranke oder ältere Leute - mit nach Hause genommen. Dieses Antidoron wird auch an nicht-orthodoxe ausgeteilt.
Lutherische Kirche
Martin Luther hat am römischen Verständnis des Sakramentes an entscheidenden Stellen Besprechung geübt und es mit Berufung auf das Evangelium neu interpretiert.
Allerdings hält Luther an der bleibenden Präsenz Christi in den konsekrierten Elementen fest. Noch über Luthers Tod aufwärts werden die konsekrierten Hostien in der Monstranz und in einer Sakramentsnische oder einem Tabernakel auch in lutherischen Kirchen aufbewahrt und von den unkonsekrierten unterschieden. Luther und die ihm folgenden Theologen ("Gnesiolutheraner") zogen Pfarrer, die konsekrierte von nichtkonsekrierten Hostien nicht deutlich unterschieden, zur Rechenschaft. Sie wurden z. T. ihres Amtes enthoben. Luthers persönlicher Vertrauen an die Realpräsenz wurde auch in seinem vorsichtigen Umgang mit dem konsekrierten Wein sichtbar. Er verwarf es jedoch, "den leib Christi in prozeßionen umherzutragen und anzubeten" (dies geschieht zum Beispiel an Fronleichnam). Noch dieser Tage ist es in sich verständigen auf Gemeinden der Selbständig-Evangelisch-Lutherischen-Kirche (SELK) üblich, die konsekrierten Hostien im Tabernakel aufzubewahren.
Da nach Luthers Überzeugung Christi wahrer Leib und sein wahres Blut im Abendmahl real präsent sind, wird Jesu Leib und Blut in der Party sowohl .... als auch von Gläubigen plus von Ungläubigen empfangen (sog. manducatio impiorum), wobei die Ungläubigen (diejenigen, die nicht glauben, wirklich Christi Leib und Blut zu empfangen) sich das selbst das Mahl zum Gericht annehmen und schuldig am Leib und Blut des Herrn werden (vgl. 1. Kor. 11,27-29). Nicht der Vertrauen macht das Sakrament, an Stelle Christi Zusage: "Das ist mein Leib - Das ist mein Blut". Durch die vom Glauben unabhängige Gegenwart Christi können die Partner in ihrer Heilsgewissheit gestärkt werden. Das Sakrament schafft den Glauben, nicht umgekehrt.
Liberale Theologie
Ein zeitgenössisches Verständnis des Abendmahles ist z. B. das des evangelischen Theologen Ernst Lange (1927-1974). Er definiert Abendmahl qua des Satzes "Geber und Gabe des Abendmahls ist Mensch Christus selbst" folgendermaßen:
- Im Abendmahl geschieht nichts und wird nichts mitgeteilt, was nicht auch in den anderen Akten des christlichen Gottesdienstes geschieht. Nicht Sachen, heilige Dinge, heilige Substanzen sind Gabe des Abendmahls, statt eine Person. Die Art und Weise, wie eine Person sich der anderen mitteilt, ist die Weise der Liebe. "Das Abendmahl ist eine in eine Gleichnishandlung gefasste Liebeserklärung Christi". Das Abendmahl ist nicht der besondere Moment, in dem Subjekt zur Gemeinde tritt, an Stelle in dem die Gemeinde und der Einzelne zu Messias treten. Das bedeutet, das Abendmahl unterscheidet sich von den Akten christlichen Gottesdienstes wie Wort (Bibellesung, Predigt) und Taufe nicht dem Inhalt, stattdessen nur der Funktion nach.
Umstrittene Kirchentagsliturgie
Während des evangelischen Kirchentages am 14.-17. Juni 2001 gab es einen Versuch, eine neue Abendmahlsliturgie einzuführen. Begründet wurde dies dadurch, dass Christen Anstoß an der Vorstellung, Christi Essen zu essen und Blut zu saufen genommen hatten. In dem Liturgievorschlag des Kirchentags zur Abendmahlfeier hieß es: "Wir lizenzieren die Vorstellung, Esswaren zu essen und Blut zu trinken, endgültig nachdem uns." Anstatt der traditionellen Einsetzungsworte "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut", sollte es nach neuer Liturgie heißen: "Mein Leben für Euch".
Als auch von Seiten der Römisch-Katholischen Kirche sowohl von vielen protestantischen Gläubigen wurde dies massiv kritisiert, sodass sich die Kirchentagsleitung am Ende von diesem Vorschlag distanzierte und in den meisten der 120 Gemeinden zum Kirchentag die "korrekte" Liturgie verwendet wurde.
Eine Modifikation ist es, zum Brechen des Brotes die Worte "Mein Leben für Euch", und zum Austeilen des Weines die Worte "Der Kelch des Heils" zu verwenden. Die genannte Kirchentagsliturgie ist mittlerweile praktisch bedeutungslos, wird aber zeitweise von Laien erbeten.
Anglikanismus
In der englischen Kirche wurde schon bald nach der Neuausrichtung um die Lehre von der Transsubstantiation heftige Debatten geführt. Zunächst hielt man, nachdem Heinrich VIII. mit der römischen Kirche gebrochen hatte, noch eine Weile an der katholischen Auffassung fest. Doch unter Edward VI. kam der deutsche Reformator Martin Bucer nach Cambridge, wurde dort Prof. und beeinflusste die Geisteswissenschaft der Kirche von England maßgeblich. Zu dieser Zeit hatte Kleriker Thomas Cranmer anfänglich eine lutherische, sein Kollege Nicholas Ridley eine reformierte Position vertreten. Bucer versucht zwischen diesen Einstellungen zu vermitteln, wie er es auch schon auf dem Erdteil getan hatte. Er lehnte auf der einen Seite eine durch die Sinne wahrnehmbare Gegenwart Christi im Abendmahl ab, andererseits vertrat er die Auffassung, dass Christus in den Elementen Brot und Wein gegenwärtig sei.
Bucer unterscheidet dafür zwischen dem Äußerlichen und dem Geistlichen oder Innerlichen und ist in seinem Denken damit den Mystikern näher. Er kommt zu dem Schluss, dass das Zeichen des Leibes Christi, d.h. das Brot, dem Munde gereicht wird. Gleichzeitig wird der wahre Leib Christi der Gemüt dargeboten. Diese Aussage Bucers findet sich später in den Gebeten des Book of Common Prayer wiederholt und zeigt sehr schön, dass er eine eigenständige Abendmahlstheologie vertrat. Man wird dem „englischen“ Bucer nicht gerecht, wenn behauptet wird, er habe die Auffassung Zwinglis geteilt. Geprägt von dieser mystischen Position Bucers sagt dann Cranmer später: „...is the very body of Christ inwardly by faith indeed eaten of all them that come thereto as they ought to do, with eating nourisheth unto everlasting life.“
Doch Cranmer unterscheidet sich in seinen Formulierungen von Bucer, weil er sich nicht ausschließlich einer „biblischen“ Sprache bedient. Seine Aufstellen wirken von daher klarer und deutlicher.“We say not...that the body of Christ is corporally, naturally and carnally either in the bread and wine or forms of bread and wine, or in them that eat and drink there-of: but we say that he is corporally in heaven only, and spiritually in them that worthily eat and drink the bread and wine.“ Cranmer weist in seinem Denken ähnlich mystische Tendenzen auf wie Bucer, was beispielsweise in seiner Antwort auf die Fragestellung deutlich wird, ob es eine würdige und unwürdige Teilnahme am Abendmahl gibt: „All men eat not Christ‘s body nor drink his blood - Christ is spiritually eaten of all faithful christian men, not only when they receive the sacrament, but continually, so long as they be members of Christ‘s spiritual body.“
Diese differenzierte Haltung von Bucer und Cranmer fand ihren Wetterereignis in den 39 Glaubensartikel ("Articles of Religion") von 1571, in denen die obengenannte Haltung wiedergegeben wird. Auch in diesen Tagen hält der Katechismus der Episcopal Church in the USA diese duale Natur des Sakraments fest: eine äußere Form und eine innere, geistige Gnade. Durch diese Anerkennung beider Realitäten wird die via media als charakteristisch anglikanische Lösung auch auf Fragen der Eucharistie angewandt. [1]
Radikalere Theologen, die den Anglikanismus stärker in eine reformiert-puritanische Neigung ziehen wollten, verglichen die Vorstellung des Verspeisens des Leibes Christi beim Abendmahl selbst mit Kannibalismus. Erzbischof John Tillotson ging in seinem Discourse against Transubstantiation (1684) so weit, den Begriff hocus pocus vom lateinischen hoc est corpus abzuleiten und schrieb, dass es lächerlich und ein Skandal sei, daran zu glauben, dass man beim Abendmahl das Essen des Menschensohns esse und sein Blut trinke: "what can any man do more unworthily towards a friend? How can he possibly use him more barbarously, than to feast upon his living flesh and blood?" Das Pendel der theologischen Mode in der anglikanischen Kirche schwang im 19. Jahrhundert allerdings erneut mit der sog. Oxford-Bewegung (John Henry Newman) zurück. Die Realpräsenz wurde wiederholt betont, in einer Weise, die näher an der römisch-katholischen Auffassung erinnerte (Anglo-Katholizismus). Dieser Tage wird innerhalb der anglikanischen Kirche ein breites Spektrum an Auffassungen vertreten.
Methodistische Kirche
Die aus der anglikanischen und calvinistischen Gepflogenheit kommende methodistische Kirchegeht von der wirklichen, persönlichen, und lebendigen Gegenwart von Typ Christus im Abendmahl aus, ohne diese vollständig erklären zu wollen. Die Lehre von der Transsubstantiation wird abgelehnt. Das Abendmahl ist Sakrament, Eucharistie (Dank), Gemeinschaft der Kirche, Erinnerung und Gnadenmittel. Es ist auch ein Opfer, allerdings nicht als Wiederauftauchen des Opfers Christi zugunsten als Wieder-Darstellung, wobei sich die Kirche in Einheit mit Christus als Opfer gibt (Römer 12,1).
Das Abendmahl ist für die Methodisten eine Fest der ganzen Kirche - alle Christen sind willkommen, auch nicht getaufte, die im Glauben daran teilnehmen wollen. Kein Mensch darf wegen Alters oder mangelnden Verständnisses abgelehnt werden. Das Abendmahl ist eine liturgische Feier, bei der immer ein ordinierter Subjekt präsidiert. Die methodistische Kirche war im 19. Jahrhundert aktiver Teil der Abstinenzbewegung und verwendet aus dieser Gepflogenheit hervor Traubensaft und keinen Wein.
Reformierte Kirchen
Kirchen, die der Lehre von Zwingli und Calvin folgen, vertreten die Auffassung, Brot und Wein seien nur Zeichen für Jesus. Wenn Typ sagt: "Das ist mein Leib", dann sei dieses ist als bedeutet zu verstehen, so Ulrich Zwingli (1484-1531). Das Abendmahl gilt als ein reines Gedächtnismahl zum Andenken an den Opfertod Christi. Für Zwingli ist das Esswaren nach Joh. 6, 63 "nichts nütze", es könne unseren Geist nicht nähren. Gott handle vielmehr als Geist im Geiste des Menschen. Die Vorstellung von der Transsubstantiation ist für ihn daher ein Wahn. Auch für Calvin sind Brot und Wein beim Abendmahl allein "Zeichen und Zeugnisse" der Gegenwart Christi, den wir leiblich aber nur in der "Höhe", im Himmel finden. Dort allein ist er zuhause. Es hat daher keinen Sinn, ihn hier auf Erden im Brot und Wein zu suchen. Erfahrbar wird der himmlische Leib Christi allein durch den Glauben an ihn und durch das Band des Heiligen Geistes.
Zum Abendmahl gehört nach reformierten Ritus, dass das Abendmahl "unter beiderlei Gestalt" (Brot und Wein) von allen empfangen wird. Zur Liturgie, die nicht für alle Fälle genau festgelegt ist, gehören ein Abendmahlsgebet, ein Dankgebet und die Einsetzungsworte (meistens nach 1. Kor 11,23-26).
Das Abendmahl kann durch Pfaffe und Älteste in den Reihen gereicht, Brot und Kelch werden dem Nachbarn weitergegeben, es ist aber auch möglich, dass die Gemeinde nach voraus kommt, um das Abendmahl zu empfangen. Im ersteren Fall liegt die Betonung auf der gemeinsamen Priesterschaft aller Gläubigen, im zweiten Fall auf der Vorladung zum Abendmahl durch Messias und der Antwort des Gläubigen durch hervortreten.
Täufer
In den Schleitheimer Artikeln von 1527 wird erklärt, dass das Abendmahl nur von denen gemeinsam gefeiert werden kann, die auch durch die Glaubenstaufe zur Gemeinde Gottes gehören.
Baptisten
Das reformierte Abendmahlsverständnis wird auch von vielen Freikirchen, namentlich von den Baptisten, geteilt. Baptisten die Korken knallen lassen ihr Abendmahl so, wie es nach ihrer Überzeugung zur Zeit der urchristlichen Gemeinde geschah: an einem Tisch, dem "Tisch des Herrn". Die Gemeinde Jesu feiert hier das Abendmahl in Erinnerung an das "allgenugsame" Opfer Jesu am Kreuz. Baptisten betonen dabei den Gemeinschaftscharakter des Abendmahls stärker als ihre reformierten Schwesterkirchen: Die Ortsgemeinde versammelt sich um den Tafel des Herrn, um aus der Hand des erhöhten Christus Brot und Kelch als Zeichen seiner Liebe zu empfangen. Dies wird auch in der formalen Gestaltung der baptistischen Abendmahlsliturgie deutlich: Baptisten auf ihren Plätzen; Brot und Kelch werden ihnen durch die Diakone gebracht. Sie selbst reichen dann - oft mit einem Segenswort verbunden - das Abendmahl an ihren Sitznachbarn weiter. Wer nicht teilnehmen möchte, lässt Brot und Kelch an sich vorüber gehen. Ein besonderes bzw. vermittelndes Priestertum ist aus baptistischer Sicht nicht nötig; es widerspricht selbst dem eigentlichen Charakter des Abendmahls: "Hier muss unmissverständlich deutlich werden: Einer ist euer Meister: Subjekt Christus; ihr aber seid Brüder!"
Brüderbewegung
In den Gemeinden der Brüderbewegung wird das Abendmahl, Brotbrechen genannt, als Erinnerungmahl gefeiert. Brot und Wein werden als "Zeichen der Liebe Gottes" verstanden.
Die Gemeinde versammelt sich in aller Stille um den Abendmahlstisch, auf dem sich Brot und Wein befinden. Es gibt keine festgeschriebenen Liturgie, der Heilige Geist soll die Festakt gestalten. Er bewegt nach Auffassung der Brüdergemeinden verschiedene Männer der Gemeinde, zur Gestaltung der Fest beizutragen. So werden in nicht festgelegter Rangfolge Bibeltexte gelesen, freie Gebete gesprochen, gemeinsam zu singende Lieder vorgeschlagen und z.T. auch kurze Ansprachen gehalten oder Erfahrungen mit Gott berichtet.
Am Abendmahl teilnehmen kann in der Regel nur, wer von der Gemeinde dazu zulässig wurde. Auswärtige Abendmahlsteilnehmer haben in übereinkommen Gemeinden ein Referenz ihrer Heimatgemeinde vorzuzeigen oder mindestens glaubhaft zu versichern, dass sie dort zum Abendmahl legal sind.
Offene Brüdergemeinden pflegen inzwischen allerdings häufig eine "offene Abendmahlsgemeinschaft", in der alle wiedergeborenen Christen, auch anderer Konfessionen, zum Brotbrechen eingeladen sind.
Brüdergemeinden die Korken knallen lassen das Abendmahl i.d.R. jeden Sonntag.
Siebenten-Tags-Adventisten
Die deutschen Adventisten zelebrieren das Abendmahl offen und in der Regel nur vierteljährlich. Das Abendmahl wird in reformierter Brauch als Zeichen und als Ausdruck des Glaubens verstanden. Zur Vorbereitung gehören Selbstprüfung, Reue und Sündenbekenntnis. Vor dem eigentlichen Abendmahl findet innerhalb des Gottesdienstes eine Fußwaschung statt.
Heilsarmee
Die Heilsarmee lehnt alle Sakramente als unnötige Äußerlichkeiten ab, feiert daher auch keine Eucharistie.
Mormonen
Bei den Mormonen wird das Abendmahl einfach als "das Sakrament" bezeichnet. Es wird wegen des Alkoholverbots dieser Konfession mit Brot und Wasser durchgeführt, wobei das Wasser in einzelnen kleinen Voll laufen lassen an die Gläubigen diffundiert wird. Der Vorgang findet jeden Tag des Herrn in den Gemeindehäusern statt, nicht in den Tempeln. Die Segnung und Distribution ist den niedrigeren Graden des vielstufigen mormonischen Priestertums (den Diakonen, Lehrern und Priestern) zugehörend und wird daher meist von (ausnahmslos männlichen) Jugendlichen Mitgliedern der Kirche durchgeführt, die bisherig nur die entsprechenden niedrigeren Weihen empfangen haben.
Zeugen Jehovas
Zeugen Jehovas begehen nur einmal jährlich das Abendmahl (von ihnen auch als "Gedächtnismahl" bezeichnet). Wein und Brot werden als Symbole verstanden. Die Feierlichkeit fällt auf den 14. Tag des Monats Nisan des jüdischen Kalenders, der sich nicht am Zeitangabe der jüdischen Pessach-Feier für nach einer internen Anweisung pro Jahr neu berechnet wird. Dabei richtet man sich danach, wie die Juden zur Zeit Christi vermutlich den Tag des Passahs berechneten. Anno dazumal orientierte man sich offensichtlich an der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche. Der 1. Nisan begann nach Sonnenuntergang, wenn die Halbmond nach dem ersten Halbmond erkennbar war. Nun brauchte man einzig bis zum 14. Nisan weiterzuzählen. Die Halbmond war 2006 in Jerusalem am 30. März nach Zwielicht am westlichen Abendhimmel zu beobachten. Somit beginnt der 14 Nisan, am 12. Apr. 2006 nach Sonnenuntergang.
Nur eine kleine Gruppe von Zeugen, die sich als von Heiligem Geist Berufene verstehen (die sog. "144.000" aus der Johannesoffenbarung (Apokalypse)), verzehrt dabei Brot und Wein, die übrigen Machen und eventuelle Gäste sind als Beobachter der Feierlichkeit anwesend. Da fast alle der "144.000" inzwischen nicht mehr sein sind, empfängt in den meisten Gemeinden in diesen Tagen kein Mensch mehr Brot und Wein.
Literatur
Geschichtliche Aspekte
- Åke V. Ström, Gerhard Delling, Georg Kretschmar u.a.: Art. Abendmahl I. Das sakrale Mahl in den Religionen der Welt II. Urchristliches Mahl-Verständnis III. Das Abendmahlsverständnis in der Geschichte der christlichen Kirchen: III/1. Alte Kirche III/2. Mittelalter III/3. Reformationszeit III/4. Von 1577 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts IV. Das Abendmahlsgespräch in der ökumenischen Theologie der Gegenwart V. Das Abendmahl als Tischgemeinschaft nach ethischen Gesichtspunkten. In: Theologische Realenzyklopädie 1 (1977), S. 43-229 (umfassender Überblick mit weiterer Lit.)
- Jens Schröter: Das Abendmahl. Frühchristliche Deutungen und Impulse für die Gegenwart. Stuttgarter Bibelstudien 210. Verl. Katholisch Bibelwerk, Stuttgart 2006 ISBN 3-460-03104-2
Abendmahlsverständnis
katholische Abendmahlslehre
- Reinhard Meßner: Einführung in die Liturgiewissenschaft. Kapitel III: Die Eucharistie. UTB 2173, Paderborn 2001, ISBN 3825221733.
- Theodor Schnitzler: Was die Messe bedeutet. Hilfen zur Mitfeier. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3451176890.
- Katechismus der katholischen Kirche. Rdz 1322-1419: Das Sakrament der Eucharistie. R. Oldenbourg Verlag, München 2003, ISBN 3486566369
lutherische Abendmahlslehre
- Hardt, Tom G.A.: Venerabilis et adorabilis Eucharistia. Eine Studie über die lutherische Abendmahlslehre im 16. Jahrhundert, Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, Band 42, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1988 (Deutsche Übersetzung von Hardts auf Schwedisch verfasster Dissertation). ISBN 3-525-55149-5
- Diestelmann, Jürgen: Actio Sacramentalis. Die Verwaltung des Heiligen Abendmahles nach den Prinzipien Martin Luthers in der Zeit bis zur Konkordienformel, Groß Oesingen: Betrieb der Lutherischen Laden Heinrich Harms, 1996. ISBN 3-86147-003-9
- ders.: Über die Lutherische Messe. Gemeindevorträge und Abhandlungen, Groß Oesingen: Verlagshaus der Lutherischen Handlung Heinrich Harms, 1998. ISBN 3-861-47006-3
- Jobst Schöne, Um Christi sakramentale Gegenwart, Bundeshauptstadt 1966
- ders.: Luthers Bekenntnis vom Altarsakrament, Bundeshauptstadt 1970
- Wittenberg, Martin: Kirchengemeinschaft und Abendmahlsgemeinschaft, Neuendettelsau
- Hermann Sasse: Kirche und Herrenmahl, Fürth 1990
- ders.: This is my body, Adelaide 1977
- ders.: Corpus Christi, Hermannsburg 1979
- ders.: Vom Sakrament des Altars
- Leuenberg Konkordie oder Diskordie? Düsseldorf 1974
reformierte / unierte Abendmahlslehre
- Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland: Das Abendmahl. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Abendmahls in der evangelischen Kirche. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2003 ISBN 3-579-02378-0
- Michael Welker: Was geht vor beim Abendmahl? 2., vollst. überarb. und erw. Aufl. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004 ISBN 3-579-06406-1
baptistische Abendmahlslehre
- Popkes, Wiard: Abendmahl und Gemeinde. Das Abendmahl in biblisch-theologischer Sicht und in evangelisch-freikirchlicher Praxis, Wuppertal und Kassel, 1981, ISBN 3-7893-7881-X
Abendmahlsfeier
- Gert Kelter: Gott ist gegenwärtig. Anregungen für die Feier des lutherischen Gottesdienstes. Lutherische Beiträge Beiheft 5. Groß Oesingen 2003, ISBN 3-86147-254-6,
- Georg Kretschmar, Hans Bernhard Meyer, Alfred Niebergall: Art. Abendmahlsfeier I. Alte Kirche II. Mittelalter III. 16. bis 19. Jahrhundert IV. 20. Jahrhundert. In: Theologische Realenzyklopädie 1 (1977), S. 229-328
- Wolfgang Erich Müller, Enno Konukiewitz (Hrsg.): Abendmahl heute. Reflexionen zur theologischen Grundlegung und zeitgemäßen Gestaltung. Gottesglauben in der Öffentlichkeit 6. Lang, Frankfurt a.M. 2002 ISBN 3-631-38103-4
- Erhard Domay (Hrsg.): Abendmahl. Modelle, Berichte, Anregungen aus der Praxis. Gottesdienstpraxis Aufeinanderfolge B. Gütersloher Verlag Mohn, Gütersloh 2004 ISBN 3-579-03122-8
Siehe auch:
- Deutsche Messe (Gottesdienst)
- Das Abendmahl
- Abendmahlsstreit
- Agende
- Fronleichnam
- Realpräsenz
- Eucharistie
- Kommunion
- Eulogie
Weblinks
| (TID 646251) | Wikiquote: Abendmahl – Zitate |
(TID 223246)
- Eucharistie (Lexikon der christlichen Moral)
- SELK: Videoklipp: Ablauf einer lutherischen Abendmahlsfeier im Rahmen einer lutherischen Messe
- Aktuelle Literatur zur Eucharistie/Abendmahlslehre
- Impulse zum Jahr der Eucharistie
- Weiterführende Aspekte lutherischer Abendmahlstheologie
- Darstellung des Abendmahls in Cusco, Peru
- Das Abendmahlcs:Eucharistie
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