Feudalismus
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Der Ausdruck Feudalismus (v. lat. feudum Lehen) bezeichnet in den Sozialwissenschaften zuallererst die Gesellschaftsform des europäischen Mittelalters. Das Wort Feudalismus fand seine Verbreitung als Kampfbegriff in der Französischen Revolution 1789. Féodalité kennzeichnete das gesamte Privilegienwesen über das Lehnswesen.
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Merkmale
Eine idealtypische feudale Gesellschaft kann durch folgende Spezialitäten beschrieben werden: Die Fabrikation war stark von der Naturalwirtschaft geprägt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bestand aus Bauern. Sie waren aber nicht Eigentümer des von ihnen bestellten Landes. Dieses Land war Habseligkeiten des Grundherren. Die Bauern befanden sich im Zustand der Leibeigenschaft, sie waren also persönlich abhängig vom Grundherren und unfrei.
Das bedeutete:
- Sie waren an die Scholle gebunden (glebae adscripti) und hatten nicht das Recht, das von ihnen bestellte Land zu verlassen.
- Sie waren der Rechtsprechung ihres Herren unterworfen.
- Sie schuldeten den Grundherren Abgaben, sowohl in Form von Arbeitsleistungen (Fron) auf dem direkt vom Grundherren bestellten Land (Salland), sowohl gut in Form von Naturalabgaben, die aus demjenigen Stück Land sauer werden mussten, das sie selbst bewirtschafteten. Die Frondienste oder die Naturalabgaben konnten im Verlauf der Entwicklung auch durch Geldabgaben abgelöst werden.
Das Habseligkeiten des Grundherren war auch nur bedingt, denn er hatte es als Lehen von einem höhergestellten Adligen erhalten, dem er dafür Kriegsdienste schuldete. Er war also sein Vasall. Die Kette dieser abhängigen, mit Dienst am Vaterland verbundener Lehensgut reichte bis zum König, dessen hoheitliche Domäne letztlich was auch immer Land war. Die politische Souveränität war nach unten hin eigentlich parzelliert. Der König war in einem solchen System nur das Oberhaupt seiner Vasallen, an die er durch gegenseitige Bande der Lehnstreue abhängig war, aber er hatte keinen direkten Zugang zu seinen Untertanen. Diese Parzellierung der Souveränität war typisch für die gesamte feudale Epoche. Hieraus ergaben sich eine bestimmte Entwicklungsdynamik :
- Aus der germanischen Zeit überlebte das dörfliche Gemeindewiese oder die Allmende. Die Zerteilung der Souveränität verhinderte die Aneignung dieses Landes durch die Feudalherren und stärkte die Stellung der Bauern.
- Die Parzellierung der Souveränität erlaubte die autonome Existenz und Entwicklung von Städten. Die Stadtbürger beschäftigten sich mit Handwerk und Handel und regierten sich selbst als autonome Kommunen.
- Die Zersplitterung der Souveränität kann zu anarchischen Zuständen führen und damit den Bestand des feudalen Staates gefährden. Deshalb waren die Könige bestrebt, ihre Rechte über die reinen Feudalbeziehungen hinaus auszuweiten und direkte Beziehungen zu ihren Untertanen zu etablieren, z.B. in Form des Rechtes der Steuererhebung. Dadurch gerieten sie in einen Gegensatz zum Adel.
- Die Kirche, im Prähistorie ein Teil des Staatsapparates, wurde im Mittelalter eine selbständige Institution, die sich gleichermaßen feudalisierte. Daraus resultieren häufige Spannungen zwischen weltlichen und religiösen Herrschaften, die zu einem Riss in der feudalen Legitimität führen konnten. Ein Beispiel hierfür ist der Investiturstreit.
Entstehung
Die feudale Gesellschaft entstand im Frühmittelalter durch eine Verschmelzung der sich auflösenden antiken Gesellschaft und der germanischen Gesellschaften. Nach der Völkerwanderung entstanden auf dem Gebiet des ehemaligen römischen Reiches etliche germanische Königreiche. Die oben beschriebenen feudalen Institutionen entwickelten sich aber erst nach dem Jahr 800 im Reich der Franken, als eine vormalig teils freie Bauernschaft durch ständige Kriege und Invasionen der Wikinger, Sarazenen, Magyaren etc. ökonomisch abgewirtschaftet und so in die Abhängigkeit von den Feudalherren forciert wurde.
- Die Kernregion des europäischen Feudalismus war der Norden des heutigen Frankreich, das dem idealtypischen Feudalsystem sehr viel reichlich jede zusätzliche Region entsprach. Hier existierte eine einzigartig dichte Lehnshierarchie mit vielfältigen Ebenen der Subinfeudation.
- In Südeuropa (Spanien, Languedoc, Italien) waren die Überbleibsel der Antike stärker. So war verhältnismäßig mehr Land absolutes, nicht lehnsgebundenes Eigentum. Im Übrigen verschwanden die Städte nicht so weitgehend wie in Nordeuropa und sie erlebten im Languedoc und in Italien schon ab dem 10. Jahrhundert eine neue Blütezeit.
- In Nordeuropa (Sachsen, England, Skandinavien) mit stärkeren Überresten der germanischen Gesellschaften dauerte es viel länger, bis es zur Etablierung der Leibeigenschaft kam. In Sachsen und partiell auch in anderen Bedürfen Deutschlands bis zum 12. Jahrhundert; in Schweden konnte sie sich nie vollständig durchsetzen. In England dagegen verschwand die autonome Volksgerichtsbarkeit nie vollständig. Aus ihr entwickelte sich das Common Law.
Siehe auch
Literatur
- Perry Anderson: Von der Antike zum Feudalismus, Frankfurt am Main 1978
- Marc Bloch: Die Feudalgesellschaft, Stuttgart 1999
- Jan Dhont: Das frühe Mittelalter (Fischer Weltgeschichte 10), Frankfurt am Main 1968af:Feodalisme
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Weblinks
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