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Germanen

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Bild:Germane.png
Germane. Römisches Triumphalrelief im Vatikanischen Museum zu Rom.
Bild:Germanen 50 n. Chr.png
Karte der Germanischen Stämme um 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)

Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit ähnlicher Sprache, Kultur, Abstammung und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Millennium a. Chr. bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich zunächst nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich im dünn besiedelten Mitteleuropa während der längsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Von den Römern wurden sie oft als große Menschen mit goldenem Haar bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge

Bild:Germanische-ratsversammlung 1-1250x715.jpg
Germanische Ratsversammlung - Relief an der Marc-Aurel-Säule zu Rom.

Die historischen Überlieferungen über die Germanen starten mit den Berichten antiker Verfasser im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus, namentlich der Germania von Tacitus.

Erst seit dieser Zeit kann sicher von den Germanen als Völkerfamilie auf einem klar bestimmbaren Gebiet gesprochen werden. Dennoch ist die Geschichte der germanischen Völker außer Zweifel älter, wie besonders der linguistische Befund zeigt.

Ein direktes "Rückrechnen" und die Ermittlung nach frühgeschichtlichen Ur-Germanen der Kupfer- und Bronze- und frühen Eisenzeit war in der archäologischen Wissenschaft früher kommissarisch üblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland behelfsmäßig ganz verworfen. Dieser Tage wird mit der gebotenen wissenschaftlichen Vorsicht wiederum versucht, archäologische und linguistische Befunde der prähistorischen Zeit zu einem widerspruchslosen Gesamtbild zusammenzuführen.

Tacitus beschreibt um das Jahr 98 n.Chr. eine relativ einheitliche germanische Kultur auf einem Gebiet ungefähr vom Rhein im Abendland bis zur Weichsel im Orient und von der Nordsee im Norden so weit wie Donau und Moldau im Süden. Hinzu kommen die - von Tacitus nicht beschriebenen - germanischen Siedlungsgebiete in Skandinavien. Bei diesem Sachlage am Beginn der historischen Überlieferung der germanischen Völker steht der gesicherte linguistische Befund einer ziemlich homogenen germanischen Sprache vermutlich seit Mitte/Ende des dritten, spätestens aber seit der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus.

Vor diesem Fond gilt die Zugehörigkeit der bronzezeitlichen Kultur des Nordischen Kreises (Nordische Bronzezeit, ca. 1800 bis 500 v. Chr.) zu den Germanen als gesichert, während eine Identität der so genannten Streitaxtleute (ca. 2800 bis 2200 v. Chr.; auch Schnurkeramiker genannt) mit den frühen Germanen bzw. ihren west-indoeuropäischen Ahnen zur Debatte stehend ist. Am ehesten waren die Träger dieser Kultur die Ahnen mehrerer Zweige der indoeuropäischen Völker, unten auch der Germanen. Eine indogermanische Ethnizität noch früherer Kulturen wie etwa der schon Ackerbau betreibenden Trichterbecherkultur (ca. 3500 bis 2800 v. Chr.), einer Megalithkultur, gilt dennoch als annähernd ausgeschlossen.

Herkömmlich wird als ursprüngliches Zentrum der Germanen das Gebiet des heutigen Dänemark sowie Südschweden und Norddeutschland angenommen. Von hier aus hätten sich die Germanen seit etwa Mitte/Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. erstens nach Süden und Südosten ausgebreitet. Begründet wird diese Berechnung (1.) mit dem Fehlen einer vorgermanischen Schicht an Toponymen (Ortsnamen) in diesem Gebiet und (2.) mit der archäologisch nachweisbaren Ausbreitung typisch germanischer Funde im späten 2. und im 1. Millennium a. Chr. n. in Tendenz Süden.

Der Kern teutonisch einzuordnender Gewässer- und Ortsbezeichnungen weist jedoch nach dem Onomastiker Dozent Jürgen Udolph in den südniedersächsischen Raum, an den Nordrand der deutschen Mittelgebirge. Diese noch junge Spekulation hat in letzter Zeit an Zustimmung gewonnen, wird aber von der Majorität der Mensch (bislang) nicht geteilt.

Ganz sicher kann von Germanen im archäologischen Sinne sowieso erst zu der Zeit gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen.


Begriffsbildung

Bild:Germanentaufe 1-1200x880.jpg
Germanentaufe (historisierende Darstellung aus dem frühen 20. Jahrhundert)

Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmalig vom griechischen Chronist Poseidonios um das Anno 80 v. Chr. überliefert. Bedeutung und Herkunft dieses Wortes sind nach wie vor umstritten. Es werden folgende Interpretationen diskutiert:

  • Es handelt sich ursprünglich um den Namen eines einzelnen, nicht näher bekannten Stammes. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie übertragen worden sein.
  • Historisch gesichert ist, dass Gaius Julius Caesar in seinem Werk De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.) den Namen durch Dokumente belegt festgeschrieben und damit auch weiter üblich hat. Damit wurde der Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker angewendet. Bis nachher wurden die in Mitteleuropa ansässigen Völker durch die Griechen in Kelten (Westeuropa) und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten auch die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um einen Teil der Kelten handelte, statt um eine eigene Völkerfamilie.
  • Die Etymologie ger-mann - zu ger "Wurfspieß, Speer" - war lange weit verbreitet, aber nicht haltbar.
  • Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von "Ger" ist bisher weder überliefert noch erschlossen. Somit wäre unwahrscheinlich, dass der Begriff aus einer (germanischen) Selbstbezeichnung abgeleitet wurde. Der römischen Historiker Tacitus schreibt dagegen in seinem Lektüre De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunächst für die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen; Tacitus zufolge seien alle rechtsrheinischen Stämme zuerst von den Galliern als Germanen im umfassenden Sinn bezeichnet worden, woran einige auf eine keltische Herkunft des Wortes schließen. Diesen Namen hätten die Volksstämme später auch für sich selber verwendet. In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Schilderung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen Stämme und Völker zwischen Rhein und Sauerkirsche sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgeführt sind.
Bild:Ancient Bundesrepublik Deutschland - New York, Harper and Brothers 1849.jpg
Germanien (US-amerikanische Karte von 1849)


Schrift und Sprache

Hauptartikel: Germanische Sprachen

Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Für die Zeit davor geben nur Archäologie und die vergleichende Sprachwissenschaft Auskunft über die germanischen Völker.

Sprachwissenschaftler versuchen durch Vergleich der germanischen Einzelsprachen untereinander (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) sowie mit anderen indoeuropäischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend zu rekonstruieren. Die so erschlossene Sprache wurde zum Zeitpunkt der beginnenden Auflösung der germanischen Spracheinheit etwa im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gesprochen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass überwiegend die protogermanische Sprache zu diesem Zeitpunkt angesichts der Ausdehnung ihres Verbreitungsgebietes sicher schon dialektal deutlich war, und dass zweitens die germanische Sprache zu diesem Zeitpunkt schon eine mindestens 1600-jährige Entwicklung durchlaufen hatte, über deren Ablauf im einzelnen wenig bekannt ist. Möglich sind in der Regel nur so genannte Relativchronologien, d.h. Behaupten darüber, in welcher Serie verschiedene phonetische und morphologische Veränderungen vor sich gegangen sein müssen. Absolute Datierungen von auch nur annähernder Genauigkeit sind für die Frühzeit des Germanischen jedoch kaum möglich. Der ordinär als gemeingermanisch oder aberProtogermanisch genannte Sprachzustand bezeichnet also im eigentlichen Sinne das späteste Gemeingermanisch. Eine Fülle von Hinweisen deutet darauf hin, dass die von den früheren Germanen gesprochene Sprache lange ein bei weitem archaischeres Gepräge aufwies.

Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:

  • Inzwischen werden Verzweigungsmodelle verwendet, die auch Einflüsse berücksichtigen, die sich durch räumliche Nähe und folgendem Kontakt von Sprechern minder verwandter Sprachen ergeben. Hierbei bildet das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indoeuropäischen Sprachen.
  • Das Protogermanische löste sich dann aus dieser Gruppe, wobei es vermutlich von einer uralischen Sprache gelenkt wurde. Im Übrigen weist das Protogermanische eine augenfällig eigenwillige Verwendung (Slang) von Worten indoeuropäischen Ursprungs auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi).
  • Der protogermanische Wortschatz enthält zahlreiche Lehnwörter nicht-indoeuropäischen Ursprungs, wenngleich Schätzungen dieses Anteils von einmal ein Drittel teils bestritten werden. Häufungen von Lehnwörtern gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Beeinflussung durch eine zuallererst vorhandene Sprache (Substrat) und/oder eine Entstehung des Germanischen als Einwanderersprache nahelegen.
  • Lehnwörter belegen v.a. nahe Beziehungen zu den keltischen Sprachen. Auch das Finnische hat schon früh zahlreiche germanische Wörter entlehnt und in so gut wie unveränderter Form bis auf den heutigen Tag bewahrt, so die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Worten steht z für stimmhaftes s.

Auf die Germanen bewilligen sich unsere heutigen Namen der Wochentage zurückführen:

Deutsch/AlthochdeutschEngl.SchwedischBedeutung
Montag/MonddagMondayMåndagTag des Mondes (Mani)
Dienstag/TiusdagTuesdayTisdagTag des Tiu/Ziu/Tyr
Mittwoch/WodensdagWednesdayOnsdagTag des Odin/Wotan/Wodan
Donnerstag/DonarsdagThursdayTorsdagTag des Thor/Donar/Thunar
Freitag/FridagFridayFredagTag der Frija/Frigg/Frigga
Samstag/SambaztacSaturdayLördagBedeutung nicht geklärt*
Sonntag/SoldagSundaySöndagTag der Sonne (Sol)

*Vier Bedeutungen erscheinen möglich: 1.) Tag des Loki/Lodur/Lokje, 2.) Waschtag, 3.) Ruhetag, da für die Germanen die Woche mit dem Tag des Herrn begann und üblicherweise der letzte Tag der Woche der Feiertag ist. 4.) Satertag ist kein germanisches Wort, zugunsten leitet sich vom griechischen Wort "sabbaton" ab, was so viel wie "Sabbat" bedeutet. Über Sambaton, Sambaztac im Althochdeutschen und sameztac im Mittelhochdeutschen wurde es dann schließlich zu "Samstag". Der englische "Saturday" ist der "Tag des Saturn" (lat.: Saturnas Di), also des römischen Gottes Saturn. Der schwedische Lördag leitet sich vom Germanischen ab; Bedeutung: siehe 1.)

Germanische Lautverschiebung

Bild:Tors strid med jättarna av Mårten Eskil Winge.jpg
Germanische Mythologie in der Sicht des Historismus: Thors Schlacht mit den Riesen, Gemälde von 1872

Jahrzehntelang wurde angenommen, die gemeinsame germanische Sprache (Urgermanisch, Protogermanisch), aus der später die einzelnen germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Regionale Sprachvariante gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich z. B. anlautendes k über ch (wie im Wort ach) zu h, ebenso p zu f und t zu th (gesprochen wie im Englischen). Ein anderes Merkmal, das alle germanischen Sprachen verbindet und sie von den italischen und keltischen Sprachen unterscheidet, ist die Veränderung des häufigen Kurzvokals o zu a und des Langvokals ā zu ō. Diese Veränderungen können nur stattgefunden haben, während alle späteren Einzelstämme der Germanen noch in engem Austausch standen.

In der neueren und neuesten Lehre wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich später angesetzt, nämlich im späten ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafür ist der Stammesname der Kimbern, die im späten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Alle beide Völker abstammen aus dem Gebiet des heutigen Dänemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Protokollieren durchgehend cimbri geschrieben wird, nie chimbri oder gar himbri, während in späteren lateinischen Verfassen wenn das nicht möglich ist ebenso konsequent z. B.chatti (Chatten, daraus Hessen), chauci, cherusci usw. geschrieben wird, wird dieser Tage mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im späten 2. Jahrhundert ante Christum noch nicht stattgefunden hat, wenigstens aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige früh überlieferte Ortsnamen gestützt und präzisiert. So nennt Gaius Julius Caesar den Fluss Waal, einen der Mündungsarme des Rheins, in seinem Schinken De Bello Gallico (Kap. 4,10) um 50 ante Christum natum bis jetztVacalus, dagegen nennt Tacitus in Kap. 2,6 seiner Annalen im späten 1. Jahrhundert n. Chr. die Waal Vahalem (Akkusativ, Nominativ: Vahalis m.).

Diese Einschätzung hat für die Historische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa für die Datierung des Vernerschen Gesetzes. Die bis dato in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit schon durchgeführter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zügigem Umwälzung befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um die Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den früheren Germanen dagegen ein dem Indoeuropäischen weit ähnlicheres Idiom gesprochen, das nicht überliefert ist, aber in seinen Grundzügen im gleichen Sinne erschlossen werden kann.

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Geschichte

Älteste historische Berichte über die Germanen führen zu von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich.

Schon der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.

Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen

Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Tendenz Süden auf. Die Beweggrund ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in Jütland, auf Grund derer die Bewohner ihre Geburtsland verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte auf Grund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren.

Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Scharmützel (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Destruktion ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretierten.

Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch übrige Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jeweilig eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.

Ausführlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern

Bild:Germanische gesandtschaft.png
Germanische Gesandtschaft an Kaiser Marc Aurel. Relief der Marc Aurel-Säule zu Rom.

Ariovist und Caesar

Der Perforation der Kimbern und Teutonen durch das vormals noch keltische Mittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, so dass später auch übrige Germanen, namentlich Suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten. Unter ihrem Führer Ariovist drangen sie u.a. in Gallien ein, wurden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinten den Rhein zurückgeworfen.

Im 1. vorchristlichen Jahrhundert machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Beziehung führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Aber und abermal kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkannte Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.

Vorstoß des Augustus bis zur Elbe

Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloss deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die noch in Gallien stationiert waren.

Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Strategie änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von Augustus, diverse Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken, Brukterer, Marser und Chatten. Trotz der Feldzüge des Drusus gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus beim Rückzug bei einem Sturz von seinem Pferd aus dem Leben geschieden war, setzte sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die Feldzüge fort. Jahr 4 n. Chr. gelang es ihm, die bis nachher aufständischen Cherusker zu unterwerfen. Nun galt Germanien bis zur Elbe als unterworfen, es wurden repräsentative römische Städte östlich des späteren Limes gegründet, z. B. im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Niederlassung ist so wenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen oder aberMarktbreit am Main.

Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 n. Chr. sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen zerschlagen. Er war kein Widersacher Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Versklavung der Germanen gewesen. Von Mainz mainaufwärts und dem Raum Wien Entwicklung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden. Dennoch galt Germanien bis zur Elbe weiterhin als römische Provinz.

Die Varusschlacht

Bild:Ungluecklicher-feldzug-des-germanicus-in-norddeutschland 1-640x419.jpg
Unglücklicher Feldzug des Germanicus in Norddeutschland

Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Bedingen rechts des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Mensch über die rheinischen Legionen. Varus, der sich vor allem in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Feind der Besatzung ließ er mit aller Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen noch dazu als zutiefst böse empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten.

Unter diesen Umständen gelang es dem Cheruskerfürst Arminius, der die römischen Bürgerrechte und Ritterwürden besaß, etliche germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Kleinkrieg ("Varusschlacht" oder "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) verloren die Römer drei Legionen (etwa 18.000 Legionäre, plus etwa 2-3.000 zusätzliche Truppen). Laut den Überlieferungen des Sueton soll Augustus nachdem ausgerufen haben: "Quinctili Varus, legiones redde!" ("Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!"). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9 n. Chr. Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen Kultur wenig beeinflusst.

Die Römisch-Germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht

Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. alternative Vorstöße über die Rheingrenze hinweg. Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten.

In den Folgejahren kam es aber und abermal zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Anno 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis nachher römerfreundlichen Friesen nieder. Im Im Jahre69 mussten selbst Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung herangezogen werden, um die Aufwiegelung der Bataver (Bataveraufstand) unter Führung des Iulius Civilis niederzuschlagen.

Jahr 83 entschloss sich Kaiser Domitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des Limes, der im Süden durch die so genannte Sibyllenspur, den Lautertal-Limes, mit dem Alblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Abstand entstanden die Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Germania Inferior (Untergermanien).

Neueste Forschungen (ab etwa 1995) deuten allerdings darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, an Stelle erst um das Im Jahre98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Zunächst fehlt bis auf den heutigen Tag auch nach über hundertjähriger Wissenschaft ein zuverlässig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder ein dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militärtechnisch zu anderen Betriebsanlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians ähnliche Parallelen fehlen.

Um das Im Jahre122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Die letzte römische Ausdehnung in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 25 Kilometer nach Morgenland unter Kaiser Antoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Anno 159 datierbar.

Die Markomannenkriege

Im 2. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende Veränderungen rechts des Rheins statt: Einerseits schlossen sich die zerstrittenen germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen, zum anderen drückten die Germanen immer stärker gegen die römischen Grenzen.

167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden, Vandalen, Jazygen und sonstige Stämme in die römische Provinz Pannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In alles in allem vier Feldzügen schlug der römische Kaiser Marc Aurel die Germanen vernichtend. Man vermutet, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten. Nach dem Tod Marc Aurels 180 kehrte sein Stammhalter Commodus jedoch abermals zur Defensivpolitik zurück und schloss Friedensverträge mit den Germanen.

Etliche Geschichtsforscher sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen durch die Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Trend Donau. Die Ursachen für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bis dato nicht geklärt werden, denkbar wären z.B. Hungersnöte.

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Die germanischen Stämme

Versuche, die Germanenstämme, die zu dieser Zeit in Norddeutschland und Südskandinavien lebten, zu klassifizieren, führten zu Einteilungen in Nord-, West- und Ostgermanen oder auch Elb-, Wesergermanen.

Nordgermanen

Zu den Nordgermanen zählen die skandinavischen Stämme. Aus ihnen gingen später die Dänen, die Schweden, die Norweger und die Isländer heraus (siehe auch: Skandinavier). Archäologisch werden die Nordgermanen in die Ost- und Westnordische Gruppe aufgeteilt.

Westgermanen

Zu den Westgermanen zählen die:

Ostgermanen

Zu den Ostgermanen südlich der Ostsee zählen ursprünglich die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden und andere. Archäologisch werden die Ostgermanen in die folgenden Kulturgruppen eingeteilt: Przeworskkultur (im südlichen Polen), Wielbarkkultur (Willenbergkultur) oder Weichsel(mündungs)germanen(Weichselmündung) und die Odermündungsgruppe.

Durch den Einfall der Hunnen aus den Steppen Asiens und die verstärkte Ausbreitung der slawischen Völker aus der osteuropäischen Tiefebene wurden die Ostgermanen kumulativ gen Süden und Europa gedrängt, wo sie in Konflikt mit den dort ansässigen Stämmen gerieten.

Die Goten

Siehe auch: Goten

Nach ihrem Herkunftsmythos (vgl. Jordanes) entstammen die Goten der Eiland Scandza. Noch nach der älteren Lehre verließen die Goten um das Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts ihre vorgebliche Vaterland in Südschweden und/oder auf der Eiland Gotland (da Scandza eben nicht genau zu peilen ist). Sie zogen über das Meer und ließen sich auf dem Gebiet des heutigen Polen nieder; archäologisch lässt sich eine Herkunft aus Schweden oder Gotland jedoch nicht verifizieren, in der neueren Wissenschaft wird von dieser These auch Abstand genommen (vgl. Peter J. Heather, Goths, Oxford 1996, S. 11ff. sowie Artikel Goten. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), 2. Aufl., Bd. 12 (1998), S. 402–443, speziell S. 412). Möglich ist auch eine Bildung der Goten als polyethnischer Verband erst auf dem Boden des heutigen Polen. Um 150 bis zur Zentrum des 3 Jahrhunderts dehnten sie sich jedenfalls vorwärts Weichsel und Dnister bis zum Schwarzen Meer aus. Um 290 kam es zur Trennung der Goten in Terwingen und Greutungen; alle beide sind klar und deutlich nicht völlig deckungsgleich mit den späteren West- und Ostgoten. In Südrussland errichteten die Greutungen ein Reich, über dessen Größe und inneren Aufbau man aber nur mutmaßen kann; auch die (nach Jordanes) angebliche lange Ahnenreihe des Herrscherhauses der Amaler ist über fragwürdig. Die Terwingen rückten in das von den Römern unter Aurelian aufgegebene Dakien ein und ließen sich dort nieder.

Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten 252 n. Chr. wenn schon ein ganzes römisches Heer. Durch den Einfall der Hunnen aus den asiatischen Stepp tanzen um 375 n.Chr. wurde das Reich der Greutungen zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Greutungen zogen nach Okzident und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Von jetzt an standen sie unter Waffengefolgschaft der Hunnen und zogen 451 n. Chr. bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten (u.a. Burgunder) zu Felde.

488 n.Chr. zog der ostgotische König Theoderich mit den sich nun formierten Ostgoten nach Italien und besiegte den dortigen germanischen Person Odoaker. Theoderich gründete nachdem ein neues ostgotisches Reich in Italien, welches aber bald nach seinem Tod unterging.

Die Terwingen im Kontrast dazu hatten sich dem hunnischen Einblick entzogen und einander 376 über die Donau ins römische Reich abgesetzt. Dort wurden sie angesiedelt, rebellierten aber bald darauf, was zur Schlacht von Adrianopel 378 führte, in der Kaiser Valens und der Großteil des römischen Bewegungsheeres im Morgenland untergingen. Erst Theodosius I. schloss 382 einen Vertrag, der ihnen weitgehende Rechte einräumte. Nach dem Tod des Theodosius im Jahre 395, plünderte der Gote Alarich I. mit seinem Heer die römischen Provinzen; 410 eroberte er selbst Rom. 418 wurden die Terwingen, die sich nun endgültig zu den Westgoten formiert hatten, in Aquitanien angesiedelt, wo sie ein eigenes Reich begründeten (siehe Tolosanisches Reich).

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Wirtschaft

Die Germanen waren hauptsächlich sesshafte Bauern und gingen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie lebten hauptsächlich von der Eigenproduktion, aber daneben der Landbau gab es auch Berufstätiger wie Schmiede, Töpfer und Tischler. Das Rad war schon seit indoeuropäischer Zeit bekannt, es gab im Germanischen selbst zwei Worte dafür. Geld kannten die Germanen nicht, ihr Deal beschränkte sich auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis auf den heutigen Tag die Bedeutung des englischen Wortes fee = Gebühr (ursprünglich eben: Vieh!).

Nach neusten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlins schon eine Art Hütten"industrie" entwickelt haben. Der dort produzierte Legierung soll von hoher Qualität gewesen sein und soll erstens in das Römische Reich exportiert worden sein.

Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Pferde. Außerdem war den Germanen die Bienenzucht ebenso wie die Webkunst bekannt. Auch wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanische Sprache kannte ein eigenes Wort für Weichkäse, das in den skandinavischen Sprachen im Wort "Ust" bzw. "Ost" (= Käse) fortlebt. Für Hartkäse entlehnten sie das lateinische Wort caseus (= Käse).

Ungeachtet der Pflug schon seit etwa Christi Geburt bekannt war, setze er sich bei den Germanen nur langsam durch. Für die Ernährung war besonders die Gerste von großer Bedeutung. Die Äcker ließen sie regelmäßig brach liegen und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Samenkorn wurde hauptsächlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins MA nur die Creme de la Creme leisten.

Die Produktivität war wesentlich weniger als bei den Römern. Tacitus etwa berichtet: "Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Stirnschmuck" (Kapitel 5). Deshalb kam es oft zu Hungersnöten und etliche Germanen litten an Unternährung, was zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung führte. Es wird vermutet, dass dies eine der Hauptursachen der germanischen Wanderbewegungen ist (wie etwa der Zug der Kimbern und Teutonen), die schließlich mit der großen Völkerwanderung ihren Höhepunkt erreichte.

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Mythologie

Siehe Artikel Germanische Mythologie.

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Lebensweise der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Leute lag. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmäßig: Dort wo schon ein Germane siedelte, kamen bald zusätzliche hinzu. Ein Erbe dieser Siedlungsweise sind bis zum heutigen Tag die so genannten Haufendörfer in Deutschland und anderen Ländern der germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von einer Art Zaun, selten durch eine richtige Palisade umgeben. Nur in den Grenzregionen zum Römischen Reich wurden mit Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden geschützt und bewacht.

Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu Steinhäusern das Holz mit der Zeit verrottet, geben alleinig die archäologisch nachweisbaren Pfostenlöcher einen Aufschluss über den genauen Aufbau der Häuser. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das ob seines Verhältnisses von Länge und Dicke so bezeichnet wird. Unter seinem Dach beherbergte es sowie die Familie sowohl .... als auch alle Halbfreien und Sklaven sowie die Tiere, die bloß durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte zuallererst den Vorteil, dass die Tiere dazu beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mittelpunkt befand sich eine Feuerstelle. Der Dunstschleier konnte über eine Öffnung im Dach abziehen. Window besaßen die germanischen Häuser nicht.

Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht, Gelenkerkrankungen und Bandscheibenschäden waren verbreitet.

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Staat und Gesellschaft

Die Germanen kannten kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne. Die Reiche der germanischen Stämme waren ähnlich dem Personenverbandsstaat organisiert. Die Staatsangehörigen schworen ihrem König Zuverlässigkeit und waren damit an das Reich gebunden. Der Staat wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, statt über seine Volk und deren Stellung zum Herrscher. Deshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen König verbunden, und der Tod des Königs bedeutete oft auch den Untergang des Reiches.

Das Reich war, laut römischer Schilderung, in Gaue (mehrere Siedlungen) untergliedert, denen die Gaufürsten vorstanden, wobei es auch losere Staatsgebilde ohne König gab, die von einer Zusammentreffen der Gaufürsten regiert wurden. Zu bestimmten Terminen fanden die Versammlungen der freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so z.B. die Wahl des Königs. König und Gaufürsten hatten beim Volksthing nur das Vorschlagsrecht.

Die Gesellschaft war patriarchalisch organisiert und das Haus hatte eine besondere Stellung in ihr. Die Macht des Königs reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der Sippe einen Schutz vor Willkür bot.

Das Volk war in die Stände Freie, Halbfreie (Knechte) und rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert.

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Darstellende Kunst

Schrift

Die Schrift wurde den Germanen erst relativ spät bekannt. Das einzig zusammenhängende schriftlich erhaltene Werk vor dem Ende der Völkerwanderung ist die Wulfilabibel aus dem 4. Jahrhundert. Da die Goten keine eigene Schrift besaßen, entwickelte Wulfila ein Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Symbol zusammensetze.

Die Runen, die ab dem 2. Jahrhundert aufkamen, wurden hauptsächlich als magische Zeichen benutzt. Längere Schriften sind selten, häufig wurden Runen in Waffen (Lanzenspitzen, Schwerter) o. Fibeln geritzt.

Die schriftlichen Quellen über die Germanen gehen hauptsächlich auf römischen und griechischen Ursprung zurück, namentlich auf Tacitus.

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Mythen und Wahrheit

Bild:Hermannsdenkmal kl.jpg
Typisches, aus hist. Sicht nicht authentisches Bild eines Germanen: Darstellung des Arminius mit Flügelmütze

Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Germanen im deutschsprachigen Raum häufig idealisiert dargestellt und zu nationalistischen Zwecken missbraucht. Speziell der Nationalsozialismus bediente sich dieser Schwärmerei und erhob ihre Nachkommen zur arischen "Herrenrasse" (Arier).

Die Darstellung der Germanen geht hauptsächlich auf antike Autoren wie Tacitus und Caesar zurück. Sie beschrieben die Germanen als blonde, blauäugige Riesen, die über fast übermenschliche Kräfte verfügten.

Durch Skelett- und Moorfunde lässt sich belegen, dass die Germanen tatsächlich größer als die Römer waren.

Allerdings übertrieben die antiken Quelle teilweise: So zeigen die gefundenen Skelette, dass die Germanen zwar größer als die Römer waren, diese aber durchschnittlich nur um ungefähr einen Kopf überragten. Auch kräftemäßig waren sie den Römern womöglich überlegen.

Die antiken Autoren sind sich einig, dass sich die Germanen häufig dem Alkoholgenuss hingaben. Die verbreitetsten Getränke waren Met und Bier. Hohe Festtage begingen die Germanen häufig mit einem Gelage. Selbst die Götter, so glaubten sie, würden sich dem Alkoholgenuss hingeben. So bemerkt schon Tacitus in seiner Germania:

Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält...

und wolkig auf den hohen Alkoholkonsum:

Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgehend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.

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Reichsgründungen

In der Zeit der Völkerwanderung gründeten unterschiedliche Germanenstämme Reiche in Nordafrika (Vandalenreich, wurde 533/34 durch Ostrom vernichtet), in heutigen Frankreich, in Italien und Spanien und wanderten auch nach Britannien. Siehe dazu auch Spätantike.

Auf dem europäischen Gegend ging aus diesen Reichen später das Frankenreich hervor. Aus diesem entstand das erste Reich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, das Ostfrankenreich und später das Heilige Römische Reich, dessen ostwärtige Ausdehnung die Westbewegung der Völkerwanderungszeit umkehrte.

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Literatur

  • Publius Cornelius Tacitus Germania (De origine et situ Germanorum liber), Reclam, Stuttgart 2000, Lateinisch/Deutsch ISBN 3-15-009391-0
  • Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer/Dietrich Hakelberg (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung "germanisch-deutsch". Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 34, Bundeshauptstadt u.a., 2004. ISBN 3110175363. Inhaltsverzeichnis, Beurteilung von Gregor Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22.07.2004.
  • Döbler, Hannsferdinand: Die Germanen. Legende und Wirklichkeit von A–Z. Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, München: Orbis, 2000. ISBN 3-572-01157-4 (Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage des Buches von 1975. Das Buch entspricht in vielen Fällen nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand.)
  • Rudolf Simek: Götter und Kulte der Germanen. Beck'sche Reihe 2335, München, 2004.
  • Frühe Völker Europas. Thraker, Illyrer, Kelten, Germanen, Etrusker, Italiker, Griechen, Stuttgart, 2003. ISBN 3806217580.
  • Maureen Carroll-Spillecke: Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen Roms, Darmstadt, 2003. ISBN 3534174267.
  • Uta von Freeden / Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3-8062-1337-2
  • Wilfried Menghin / Dieter Planck (Hrsg.): Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3886094677.
  • Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 57, München: Oldenbourg, 2000. ISBN 348655705X. (weitere Arbeiten des Autors zu diesem Thema)
  • Allan A. Lund: Die ersten Germanen. Ethnizität und Ethnogenese, Heidelberg, 1998. ISBN 3825306852.
  • Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin/ New York, 1998. ISBN 3110163837.
  • Krierer, Karl R.: Antike Germanenbilder, Archäologische Forschungen 11, Denkschr. phil.-hist. Kl. 318, Wien: Österreichische Hochschule der Wissenschaften, 2004. ISBN 3-7001-3239-5. [1]
  • Erich Röth: Mit unserer Sprache in die Steinzeit - Mitteldeutschen Wortgut erhellt die Ur- und Frühgeschichte, Betrieb Rockstuhl, Bad Langensalza, 2004. ISBN 3-937135-47-2.

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Weblinks

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Siehe auch

Liste der germanischen Stämme, Germanische Religion, Thingbg:Германи cs:Germáni en:Germanic tribes eo:Äermanoj fi:Germaanit fr:Peuples germaniques he:שבטים גרמאנים hr:Germani it:Germani ja:ゲルマンä ko:게르만족 lt:Germanai nl:Germanen no:Germanerne pl:Germanie pt:Germanos ru:Германцы sl:Germani

sv:Germaner

(TID 7463)

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