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Geschichte Schwedens

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Dieser Artikel bietet einen Überblick über die schwedische Geschichte von der Urzeit bis in die Gegenwart. Einzelne in diesem Artikel erwähnte Geschehnisse werden in separaten Artikeln im Detail beschrieben und behandelt.

Inhaltsverzeichnis

In vorgeschichtlicher Zeit (11.000 v.Chr.–800 n.Chr.)

Bild:Runestone U 1011 left.jpg
Runenstein in Uppsala

Gegen Ende der letzten Eiszeit (um 12.000 v.Chr.) begannen die ersten Leute über eine Landbrücke zwischen dem heutigen Deutschland und Schonen in die Küstengebiete einzuwandern. Die ältesten Funde sind etwa 13.000 Jahre alt und wurden in Schonen entdeckt. Diese nomadisierenden Jäger und Angler zogen die Küste vorwärts nach Norden und als die Landbrücke um 5.000 v.Chr. verschwand, waren Mittelschweden und die Küsten Nordschwedens besiedelt. Um ungefähr 4.000 v.Chr. hielt die Ackerbau ihren Einzug in Schweden, es entstanden festere Siedlungsformen und Gemeinschaftsgrabstätten. Hinsichtlich der Formen, wie Ganggräber, Steinplattengräber, Brandgräber und Hügelgräber, kann man in den folgenden Jahrtausenden zwischen unterschiedlichen Kulturen unterscheiden. Grabbeigaben und Felsenzeichnungen ergänzen das Bild.

Den Funden nach zu urteilen fand zwischen Christi Geburt und dem Beginn des 5. Jahrhunderts ein lebhafter Deal mit dem Römischen Reich statt. Römische Importprodukte kamen bis in den hohen Norden. Skandinavien wurde auch zum ersten Mal in römischen Schriften erwähnt, wie in der naturalis historia Plinius' des Älteren aus dem Im Jahre79 und der Germania des Gaius Cornelius Tacitus, der als erster das Volk der Schweden als Suionen erwähnte. Auf der Atlas des Ptolemäus um 150 ist Skandinavien erstmalig kartographisch erfasst (siehe Scandza). Im Gegensatz zu der vorangehenden kollektiven Gesellschaftsform kam es nun auch zu einer stärkeren sozialen Schichtung, wie erstens prächtig ausgestattete Kammergräber zeigen. Gegen Ende dieses Zeitraums wurde auch die Runenschrift eingeführt.

Im Zeitabstand zwischen 400 und 800 setzte sich die Machtkonzentration auf einige Zentren fort. Mächtige Hügelgräber weisen darauf hin, dass es lokale Häuptlinge bzw. Stammesfürsten gab. Verschiedene Fluchtburgen machen von den unsicheren Zeiten und dem Leben in ständiger Kriegsbereitschaft. Handelsplätze wie Helgö und später Birka gestatten auf umfangreiche internationale Kontakte schließen.

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Wikingerzeit (800–1050)

Bild:Wikinger.jpg
Zeitgenössische Darstellung der Wikinger

Um das Jahr 800 begannen die langen Wikingerfahrten, kombinierte Kriegs- und Handelszüge in westliche und östliche Richtung. Die dänischen und norwegischen Wikingerzüge gingen nach Westen. An ihnen nahmen auch die Wikinger der heutigen südschwedischen Provinzen teil, die vormalig zu Dänemark gehörten. Wikingerzüge der mittelschwedischen Bevölkerung (Väster- und Östergötland sowie Svealand) richteten sich meist nach Osten. Über die großen russischen Flüsse erreichten sie Konstantinopel (Miklagård) und das Seidenland am Kaspischen Meer (Särkland). Diese Wikingerzüge waren meist Handelszüge, doch weisen historische und archäologische Quellen auf eine starke politische Verstrickung der Wikinger (auch Waräger genannt) an der Entstehung des Großfürstentums von Kiew hin, dessen Fürsten skandinavischen Ursprungs waren. Auf die Wikingerzüge folgte meist eine umfassende Kolonisation.

Die weiten Handelszüge führten zu einem markanten wirtschaftlichen Aufschwung, was sich in der Gründung von Handelsstädten niederschlug. Birka entstand nach 700, Sigtuna um 1000, alle beide am Mälaren gelegen. Der internationale Deal mit Luxuswaren wie Ag und Seide aus dem Osten, Waffen und Gläsern aus dem Westen, Pelzen aus dem Norden sowie der Sklavenhandel bildeten die wirtschaftliche Grundlage dieser Städte.

In dieser Zeit wurde auch die Grundlage für die späteren skandinavischen Reiche gelegt. Am Beginn des 11. Jahrhunderts war das Königreich ein loser Verein selbstständiger Landschaften (Väster- und Östergötland, Svealand und die „kleinen Länder“, Småland, im Süden) mit eigenem Thing und eigenen Gesetzen und Richtern, zusammengehalten durch die Person des Königs, der zur Wahl von Thing zu Thing gehen musste. Deren Macht war ziemlich gering.

In diese Zeit fällt auch die Christianisierung Schwedens. Der erste Verhältnis mit dem Christentum entstand durch die Missionstätigkeit des anbeten Ansgar, des Erzbischofs von Hamburg-Bremen. Er unternahm um 830 und 853 zwei Missionsreisen nach Schweden, die allerdings keinen Heil hatten. Im Im Jahre1008 ließ sich König Olof Skötkonung jedoch taufen. Doch bis ins 12. Jahrhundert waren große Teile der Bevölkerung heidnisch.

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Hochmittelalter (1050–1389)

Die eigentliche Reichsgründung geschah im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1300 und ging einher mit der Christianisierung Schwedens. Mit dem Gelingen der christlichen Missionstätigkeit in Götaland entstand nach 1000 auch die christliche Königswürde mit dem Anspruch auf Anerkennung wie auch in Göta- sowohl in Svealand. Sie war jedoch von Beginn an umstritten, instabil und meist nur von regionaler Bedeutung. Darüber hinauf war es ein Wahlkönigtum, was oft zu Kämpfen um die Thronfolge führte. So kämpften zwischen 1130 und 1250 die Geschlechter Sverkers und Eriks um die Königsmacht. Die wichtigste Machtposition nach dem König hatte im 12. und 13. Jahrhundert der Jarl inne. Der letzte und einer der mächtigsten Jarle in Schweden war Birger Jarl, dessen Familienangehöriger Waldemar 1250 zum König gewählt wurde. Dieser wurde jedoch von seinem Bruder Magnus Ladulås durch einen Staatsstreich abgesetzt. Unter Birger Jarl und den nachfolgenden Folkungern kam es zu umfassenden politischen und sozialen Reformen. Es gelang ihnen, eine Zentralmacht aufzubauen und die Gesellschaft nach dem Vorbild der feudalen europäischen Vereinigte Staaten zu organisieren. 1350 wurden schließlich die alten Landesgesetze durch ein vollkommen Reich geltendes Gesetz ersetzt.

Bild:Magnus Ladulas sigill.jpg
Stempel des Königs Magnus Ladulås

Gleichlaufend zum Zusatz der Königsmacht schritt der Aufbau der kirchlichen Organisation voran. Kirche und Königtum waren aufeinander angewiesen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden Bistümer mit Sitz in Skara, Linköping, Sigtuna und anderen Anpeilen gegründet. Aus dem Diözese Uppsala ging 1164 Schwedens erstes Erzbistum hervor. Auf dem Kirchentreffen von Skänninge 1248 erhielt die Kirche ihre eigene kanonische Kirchenordnung, die ihre Unabhängigkeit von der weltlichen Macht vergrößerte. Die Festigung der Position der Kirche hatte weitreichende kulturelle und gesellschaftliche Folgen, wie z. B. die Einstellung der weitverbreiteten Leibeigenschaft 1335.

Bei dem geistlichen Stand entstand auch ein Reichsadel aus den Gefolgsleuten des Königs und der Stammesfürsten, dem 1280 in den Satzungen von Alsnö Steuerfreiheit bewilligt wurde. Vertreter des Reichsadels und der Kirche (Bischöfe) bildeten den Reichsrat, ein Gegengewicht zur Königsmacht. Machtbasis des Reichsadels waren die – im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern nicht erblichen – Lehen, deren Burgen Zentren der Verwaltung waren.

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde auch die Expansionspolitik nach Orient hin nochmals aufgenommen, mit dem Ziel, einander Finnland einzuverleiben, diesmal nicht fit von Wikingerzügen, für – den neuen Anschauungen folgend - von mehreren Kreuzzügen. Anno 1288 wurde Gotland durch einen Vertrag an Schweden gebunden.

Der Beginn des 14. Jahrhunderts war durch Thronkämpfe innerhalb der Königsdynastie der Folkunger geprägt. Dies führte zu einer Stärkung des Hochadels und in weiterer Folge zu Konflikten zwischen König und Reichsrat besser gesagt der Ratsaristokratie. König Birger Magnusson wurde 1317 vertrieben und sein Nachfolger Magnus Eriksson wurde 1363 abgesetzt. Auch der 1363 gewählte Albrecht von Mecklenburg wurde 1389 gestürzt, nachdem er versucht hatte, die Königsmacht zu stärken.

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Kalmarer Union (1389–1523)

1388 wurde die dänische Königin Margaretha von einer aufständischen Adelsfraktion als schwedische Herrscherin anerkannt. Nach dem Sieg über Albrecht im Jahr danach wurden Dänemark, Norwegen und Schweden unter einem Regenten vereinigt. 1397 wurde Margarethas Neffe Erich von Pommern zum König der drei Reiche gekrönt und die Kalmarer Union errichtet. Sie bestand bis 1523, auch wenn sie selten funktionierte.

Margarethas und Erichs Politik zielte auf die Begrenzung und Zurückdrängung der Adelsmacht. Der Reichsrat wurde entmachtet und eine zentralisierte, von Dänemark ausgehende Verwaltung mit hauptsächlich dänischen und deutschen Vögten aufgebaut. Dies führte – unterstützt von den Bauern, denen neue umfassende Steuern auferlegt worden waren – zum Engelbrekt-Aufstand 1434-36, der mit der Absetzung und Ausstoßung des Königs endete.

Bild:Stockholm Bloodbath.jpg
Stockholmer Massaker

Die folgenden Jahrzehnte waren chaotisch und geprägt von inneren Kämpfen und häufigen Regierungswechseln. Die politische Macht lag bei der Ratsaristokratie, die aber zutiefst zwischen Befürwortern und Gegnern der Kalmarer Union gespalten war. Zu gewissen Zeiten waren die Unionskönige auch in Schweden anerkannt. Mittendrin regierten der schwedische König Karl Knutsson (1448-57, 1464-65 und 1467-70) besser gesagt schwedische Reichsverweser.

In diesen Auseinandersetzungen entstand ein starkes schwedisches Nationalgefühl, das sich auch im Kultur merklich machte. So wurde 1477 die erste schwedische Universität in Uppsala gegründet und gegen Ende des 15. Jahrhunderts erschienen die ersten gedruckten Bücher in schwedischer Sprache.

Der Konflikt mit den Unionskönigen und der inneren Gegenseite kulminierte unter dem Reichsverweser Sten Sture dem Jüngeren, der zwischen 1512 und 1520 regierte. Kristian II. besiegte seine schwedischen Rivale 1520 und ließ im November des selben Jahres etwa hundert Oppositionelle im sogenannten Stockholmer Blutbad hinrichten. Dies führte zum Aufruhr des Gustav Wasa, der 1521 zum Reichsverweser ernannt wurde, und dem endgültigen Zusammenbruch der Kalmarer Union.

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Die Wasa-Zeit (1523–1611)

Bild:Wappen schweden siebmacher.JPG
Schwedisches Wappenbild ca.1600 (Siebmacher 1605)

Gustav Wasas Aufruhr wurde aktiv von Lübeck unterstützt und mit dessen Hilfe konnte er 1523 Stockholm einnehmen. Noch im gleichen Jahr wurde er zum König gekrönt. Die Beziehungen zu Dänemark entschärften sich, da Kristian II. dort im gleichen Sinne abgesetzt wurde. Die Abhängigkeit von Lübeck konnte 1533 endgültig abgeschüttelt werden.

Innerpolitisch hatte Gustav Wasa das Ziel, die Zentralmacht zu stärken. Der erste entscheidende Schritt dazu war die Ratsversammlung in Västerås 1527, bei der die alte Ratsfront aufgelöst und die weltliche Macht der Bischöfe gebrochen wurde. Es wurden auch die ersten Schritte zur Reformation eingeleitet, die in den 30er Jahren zur Trennung von der katholischen Kirche führten. Die Konfiszierung der kirchlichen Güter, die etwa ein Fünftel des gesamten Grundbesitzes ausmachten, führte zu einer entscheidenden Stärkung der königlichen Finanzen. Gleichzeitig wurde die Grundlage für eine zentrale Bürokratie gelegt, die nach ausländischem Vorbild in den Jahren 1538-42 modernisiert wurde, und ebenso das Steuerwesen wurde neu geordnet. Dies führte zu gewaltsamen Aufständen, die im Dacke-Aufstand von 1532 kulminierten. Übrige wichtige Schritte auf dem Weg zur Zentralisation waren der Reichstag von Västerås 1544, bei dem das Wahlkönigtum durch das Erbkönigtum ersetzt wurde, und die Erneuerung der Landesverteidigung.

Nach dem Tode Gustav Wasas 1560 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen seinen Söhnen. Zuerst wurde der älteste Angehöriger Erik XIV. König. Er wurde 1568 von seinen Brüdern Johan und Karl gestürzt und starb im Gefängnis, wahrscheinlich durch Giftmord. Sein Nachfolger war sein Bruder Johan III., dessen Verwandter Sigismund polnischer und 1592 auch schwedischer König wurde. Da Sigismund aber Katholik war und man fürchtete, dass er die Gegenreformation unterstützen werde, wurde der lutherische Glauben auf der Zusammenkunft von Uppsala 1593 vom Reichsrat und der Priesterschaft als Staatskirche eingeführt. Im Jahr danach leitete Herzog Karl, Sigismunds Onkel, den Machtkampf ein, der 1599 zur Absetzung Sigismunds führte und zur Krönung Karls 1604. Dies führte zu bitteren Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Polen.

Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war vom Gefecht um die Herrschaft über das Baltikum geprägt. Der Zusammenbruch des Deutschen Ordensstaates führte zu einem Bewerb um die Herrschaft über dessen Gebiete. 1561 stellte gegenseitig Estland unter schwedischen Schutz. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Reihe von Erhalten mit den Nachbarn Dänemark, Lübeck, Polen und Russland, vom Dreikronenkrieg (1563-1570) bis zum Kalmarkrieg (1611-1613).

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Schweden als Großmacht (1611–1719)

Bild:Christina of Sweden - engraving.jpg
Bild:Charles X of Sweden - engraving after Ehrenstrahl.jpg
Karl X. von Schweden, nach Ehrenstahl
Bild:Gustavus Adolphus at the Battle at Breitenfeld.jpg
Gustav II. Adolf

1611 übernahm der erst 17-jährige Gustav II. Adolf nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft. Ihm gelang es, die Ostseepolitik fortzuführen und Ingermanland und Kexholm (das Gebiet abendländisch und nördlich des Ladogasees) sowie Livland von Polen-Litauen zu erobern, im Voraus er einander 1630 Deutschland, das sich im Dreißigjährigen Krieg befand, zuwandte.

Diese Erfolge waren durch eine innerer Reorganisierung möglich geworden. Beim Regierungsantritt wurden durch eine königliche Erklärung Reichsrat und Reichstag politische Mitspracherechte eingeräumt. Der Reichsrat bekam eine deutliche Rolle stimmig der Regierung, und in Fragen um Bewaffnete Auseinandersetzung und Frieden, Steuern und Aushebungen wurden die Beschlüsse des Reichstages eingeholt. Die vier im Reichstag vertretenen Stände spiegelten die Sozialstruktur dieser Zeit wider: Der Adel, der 1612 umfassende Privilegien beziehen hatte, hatte das Alleinstellung am Markt auf allen höheren Ämter. Gleichzeitig war diese Standesgrenze durchlässig, sodass sich die Anzahl der Adligen durch Neuadelungen im 17. Jahrhundert verfünffachte. Der geistliche Stand spielte in einer Staatsideologie, in der Kirche und Staat eng verschmolzen war, eine wichtige Rolle. Das Bürgertum erlangte tauglich der merkantilistischen Wirtschaftspolitik eine wachsende Bedeutung. Dass zuletzt auch die Bauern als vierter Stand im Reichstag vertreten waren, war europäisch einzigartig, und lässt sich geschichtlich damit erklären, dass es in Schweden nie hörige oder leibeigene Bauern feststehend hatte, und reichlich ein Drittel des Grundbesitzes in der Hand freier Bauern war. Sie spielten, zu Beginn durch ihre lokalen Institutionen, in Steuerfragen und in Fragen der Aushebung von Soldaten, die ja zum größten Teil aus Bauernfamilien kamen, eine wichtige Rolle. Ein ständiger Wortwechsel zwischen Regierung und Regierten erklärt den inneren Friede trotz zunehmender Belastungen ob der zahlreichen Kriege.

Die Vision von einer Großmacht Schweden fand ihren Wetterereignis auch in anderen Bereichen, zuerst im Bildungsbereich. Die Universität Uppsala, die nach der Neuausrichtung stagniert hatte, wurde nun aktiv gefördert, gleichzeitig wurden bis 1668 drei alternative Universitäten gegründet. In alle Bischofsstadt wurde ein Penne gegründet und der Analphabetismus nahm deutlich ab. Die Reichsverwaltung wurde ausgebaut und die regionalen und lokalen Organe der zivilen und militärischen Verwaltung wurden vereinheitlicht. Teile dieses Verwaltungssystems bestehen in diesen Tagen noch.

Das größte Problem für die Großmachtspolitik war die schwache Bevölkerungsbasis. 1625 hatte das Königreich etwa 1,1 Mio. Einwohner, woraus 800.000 im schwedischen Kernland, doch reichte das weder als Steuerbasis noch als Rekrutierungsunterlage für das Heer. Daher wurde eine merkantilistische Handels- und Wirtschaftspolitik mit starker Exportorientierung betrieben und die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften und der Zuzug ausländischen Kapitals (vor allem aus den Niederlanden und aus Deutschland) aktiv gefördert. Schweden entwickelte sich zum größten Ausführer von Schmiedeeisen und Kanonen. Kleingeld und Holzprodukte waren sonstige wichtige Exportprodukte.

Bild:Sweden 1658.png
1658 erreichte Schweden mit dem Frieden von Roskilde den Höhepunkt seiner territorialen Ausdehnung

Die Außenpolitik richtete sich nach dem Erwerb des Baltikums und der russischen Küstengebiete auf Deutschland und Polen-Litauen. Die kaiserlichen Truppen hatten die Ostsee erreicht, und der Eintritt Schwedens in den Bewaffnete Auseinandersetzung konnte vor dem Reichstag, der schließlich seine Zustimmung gab, als präventiver Verteidigungskrieg dargestellt werden. Als Schweden 1630 in Pommern einfiel, hatte es keine Verbündeten, aber ein Subsidiarvertrag mit Frankreich 1631 verbesserte die Lage. Der Sieg bei Breitenfeld im selben Jahr war ein Wendepunkt. Die politischen Ziele wuchsen mit den Erfolgen, aber der Tod Gustavs II. Adolf bei Lützen 1632 veränderte die Lage. Dennoch setzte Schweden unter dem Reichskanzler Axel Oxenstierna (die Angehöriger Gustavs II. Adolf war erst sechs Jahre alt) den Bewaffnete Auseinandersetzung fort. 1643-45 bekriegte man Dänemark und bekam im Frieden von Brömsebro die Provinzen Gotland, Jämtland, Härjedalen und Halland, während der Westfälische Friede von 1648 zum Erwerb von Bremen-Verden (siehe auch Burg Bederkesa), Wismar, Vorpommern und anderen Benötigen führte. Ein weiterer Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Polen, eingeleitet 1644, dem sich auf Feindesseite Dänemark und Russische Förderation anschlossen, wurde 1658 vorläufig beendet, und im Frieden von Roskilde kamen u. a. die Provinzen Bohuslän, Schonen und Blekinge unter schwedische Herrschaft. Noch im selben Jahr wurde der Krieg wiederum aufgenommen, aber als der König Karl X. 1660 plötzlich starb, bemühte sich die Vormundschaftsregierung für dessen Familienmitglied Karl XI. um einen Friedensschluss, der im Frieden von Oliva 1660 mündete.

Bild:Magnus Gabriel De la Gardie (ur Svenska Familj-Journalen).png
Magnus Gabriel De la Gardie

In den folgenden zwölf Jahren versuchte Reichskanzler Magnus Gabriel De la Gardie, die politische Lage zu stabilisieren und die katastrophale finanzielle Lage des Reiches zu sanieren. Mit dem Regierungsantritt des jungen Königs Karl XI. aber gab Schweden die vorsichtige Außenpolitik auf und wurde in den Schonischen Krieg (1674-79) gezogen. Es zeigten sich dabei deutliche Schwächen bei Heer und Flotte. Dies führte zu einer umfassenden Neuordnung in Schweden. Zuförderst wurde die Einberufung der in den letzten Jahrzehnten an den Adel vergebenen Güter beschlossen – der Adel hatte seinen Grundbesitz im 17. Jahrhundert verdreifacht! -, die Neuordnung der Militärmacht wurde dem König allein übertragen, sowohl die Legislative und Außenpolitik, die bis nachher beim Reichstag befindlich hatten. Der König wurde zum Alleinherrscher, der Reichstag hatte nur mehr eine beratende Funktion. Dass dies ohne einen größeren Machtkampf mit dem Adel möglich war, beruhte auf der Unterstützung des Königs durch die Bauern und Bürger, die eine effektive und starke Königsmacht der Oligarchie vorzogen, plus durch den niedrigen Dienstadel und die Offiziere, die in der neuen Militärorganisation eine sichere Einkommen sahen.

In der folgenden Friedenszeit konnte sich Schweden erholen, aber 1700 eröffneten Dänemark, Polen-Sachsen und Russische Förderation den Großen Nordischen Krieg (1700-21), der nach anfänglichen schwedischen Passieren schließlich zum Zusammenbruch der Großmacht führte. Das Baltikum und haarscharf alle anderen Gebiete südlich der Ostsee gingen verloren.

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Die Freiheitszeit (1719–1772)

Nach dem Tod von Karl XII. nutzten die Stände unklare Thronfolge-Verhältnisse, um in den Jahren 1719/20 eine neue Verfassung durchzusetzen, die dem Reichstag die alleinige Legislative übertrug. Der Reichstag setzte sich nach wie vor aus den vier Ständen (Adel, Priester, Bürger und Bauern) zusammen. Da im Reichstag das Mehrheitsprinzip galt, das heißt dass ein Beschluss nur dann kühl werden konnte, wenn drei der vier Stände dafür stimmten, entwickelte sich eine lebhafte politische Aktivität, die an den modernen Parlamentarismus erinnert. Doch fehlte ein grundlegendes Demokratieverständnis. Politische Konkurrent wurden fallweise ins Gefängnis geworfen und Hinrichtungen kamen auch vor.

Mit der Zeit entwickelten sich zwei politische Gruppierungen, die sog. Hüte und Mützen. Die Hüte, eine aristokratische Partei, vertraten eine merkantilistische Wirtschaftspolitik mit aktiver Förderung von Manufakturen und des Exports sowie eine revanchistische Außenpolitik gegen Russische Förderation mit Unterstützung Frankreichs. Die Mützen, antiaristokratisch ausgerichtet, nahmen die Interessen der Landwirtschaft wahr und betrieben eine vorsichtige Außenpolitik, die einen Kompensation mit Russische Förderation und eine Annäherung an England suchte. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren meist die Hüte an der Macht und sie verwickelten Schweden auch in zwei Kriege.

Bild:Goteborg 2005.jpg
Ostindienfahrer Göteborg, Kopie

In dieser Zeit kamen die Ideen der Aufklärung nach Schweden. Die Pressefreiheit und das Öffentlichkeitsprinzip wurden eingeführt und fachten die politische Auseinandersetzung zusätzlich an. Die neue Unabhängigkeit führte zu einem Aufbruch im Bereich der Wirtschaft, der Forschung und der Literatur.

Der Merkantilismus dominierte die Wirtschaftspolitik. Dem Außenhandel wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und daher wurde auch 1731 eine schwedische Ostindienkompagnie gegründet. Überdies wurde auch eine staatliche Förderung für Manufakturen eingerichtet, um die Importabhängigkeit des Landes zu vermindern. Das wichtigste Exportprodukt war nach wie vor Eisen, das in mehreren hundert Hüttenwerken auf dem Land verarbeitet wurde.

Auch in der Agrar setzten sich neue Ideen durch und landwirtschaftliche Reformen, wie die Vereinigung von Streubesitz, führten zu einer Verbesserung der wirtschaftliche Lage der Landbevölkerung. Darüberhinaus gelang es den Bauern, sich in den politischen Auseinandersetzungen im Reichstag zu aufstellen und eine starke politische Stellung zu erreichen. Gegen Ende der Freiheitszeit wurden sie zur treibenden Kraft im Reichstag.

Im Polnischen Erbfolgekrieg 1733-1738 unterstützte Schweden Stanislaus I. Leszczynski gegen August III. (Polen).

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Die Gustavianische Epoche (1772–1809)

Gustav III. hatte 1771 den Thron bestiegen, der zu diesem Zeitpunkt nur mehr repräsentative Funktionen hatte. 1772 putschte Gustav III. gegen den Reichstag und erzwang eine neue Verfassung, die dem König die Regierungsmacht übertrug, während sie die Macht des Reichstages stark beschränkte. Der König, der von sich behauptete, über den Partei- und Standesstreitigkeiten zu stehen, stützte sich aber auf den Adel, während er in seiner Wirtschaftspolitik der sparsamen und liberalen Politik der Mützen folgte.

Bild:Gustav III Sweden.jpg
Gustav III.

Eine Reihe von Reformen wurden durchgeführt, u. a. versuchte er, ein Branntweinmonopol einzuführen, Krankenhäuser wurden gebaut und Kreisärzte angestellt, und die ersten kommunalen Armenhäuser entstanden. Doch war Gustaf III. zuallererst am Kulturleben interessiert. 1786 gründete er die Schwedische Akademie nach dem Vorbild der französischen Académie Française, er ließ ein Opernhaus errichten und förderte die bildenden Künste und die Architektur. In dieser Zeit entstand auf den Bedingen der Innenarchitektur, der Möbeltischlerei und der Silberschmiede ein eigener Stil in Schweden, der gustavianische Stil.

Doch für die politische Gegenseite kamen harte Zeiten. 1774 wurde die Pressefreiheit eingeschränkt, und weder Politik noch Staatskirche und Theismus durften diskutiert werden. Gustavs Regierungsstil wurde immer autoritärer, und als sich der Adel, der sich seines Einflusses beraubt sah, am Reichstag von 1786 gegen den König wandte, führte Gustav III. das Land in einen Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Russische Förderation (17881790), um seine innenpolitische Position zu stärken. Aus Desillusion mit dem Bewaffnete Auseinandersetzung kam es zu einer Revolte von gut hundert, überwiegend adeligen Offizieren an der Front in Finnland. Gustav III. verstand, diese Aufruhr und den folglich aufflammenden Royalismus auszunutzen, um mit Hilfe der nichtadeligen Stände eine absolutistische Staatsform einzuführen. Gleichzeitig wurden die Adelsprivilegien weitgehend abgeschafft. Die Gegenseite gegen den König wurde nun im Untergrund fortgesetzt, und 1792 wurde bei einem Maskenball ein Schussattentat auf Gustav III. verübt, dem er zwei Wochen später erlag.

Sein Stammhalter Gustav IV. Adolf folgte ihm auf den Thron. Er war ein Person der französischen Revolution und schloss sich der antifranzösischen Koalition an. 1807 verließ Russische Förderation die Pakt und schloss ein Abkommen mit Napoleon, wonach es 1808 Schweden angriff. Die russischen Truppen besetzten rasch Finnland und die Küste Norrlands bis Umeå. Die schwedischen Misserfolge führte zur Absetzung des Königs 1809 und im Friede von Fredrikshamn musste Schweden Finnland, Åland und den östlichen Teil Västerbottens bis zum Fluss Torne älv an Russische Förderation abtreten.

Bild:Schweden und Norwegen um 1888.jpg
Schweden und Norwegen um 1888

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Das 19. Jahrhundert (1809–1906)

Auf dem Reichstag von 1809 wurde beschlossen, Gustav IV. Adolf und seine Nachkommen von der Thronfolge auszuschließen. An dessen Stelle wurde sein Onkel Karl zum König gewählt, aber erst nachdem er einem neuen, vom Reichstag beschlossenen Verfassungsgesetz zugestimmt hatte. Der neuen Verfassung lag der Gedanke der Gewaltenteilung zugrunde, auch wenn noch nicht von einem parlamentarischen System gesprochen werden kann. Der König hatte noch immer Gesetzgebungsgewalt und auch die ständische Einteilung des Reichstags blieb erhalten. Doch wurden die bürgerlichen Grundrechte definiert.

Da Karl XIII aber alt und ohne Erben war, musste wiederum ein Infant gewählt werden. Die Wahl fiel auf den dänischen Prinzen Kristian August, der aber 1810 bei einem Reitunfall starb. In der darauf folgenden Wahl wurde schließlich Jean Baptiste Bernadotte, ein französischer Marschall, zum Kronprinz gewählt. Im Saison desselben Jahres kam er nach Schweden, nahm den protestantischen Glauben und den Namen Edelmann Karl Johann an und wurde von Karl XIII. adoptiert. Auch wenn er erst 1818, nach dem Tode Karls XIII., als Karl XIV. Johann gekrönt wurde, so übernahm er die Regierungsgeschäfte für den kränklichen Adoptivvater.

Als Napoléon Schweden zwang, Bewaffnete Auseinandersetzung mit England zu führen - der Bewaffnete Auseinandersetzung wurde zwar erklärt aber beiderseits nicht geführt - und ordnungswidrig schwedisch Pommern für seinen Russlandfeldzug besetzte, wandte sich Adliger Karl Johann von Französische Republik ab. Er leitete seine Regierung mit einer völligen Neuausrichtung der Außenpolitik ein, nämlich von der Vergangenheit im Morgenland in eine Futur im Westen. In einem Übereinkommen mit dem russischen Zar Alexander I. 1812 verzichtete er auf Finnland. Schweden nahm danach am Feldzug gegen Napoleon teil und wandte sich dann gegen Dänemark, das 1814 forciert war, im Frieden von Kiel Norwegen im Austausch für Schwedisch-Pommern an Schweden abzutreten. Als nachdem Norwegen seine Unabhängigkeit erklärte, erzwang Karl XIV. Johann durch einen kurzen, fast unblutigen Feldzug die Gründung der schwedisch-norwegischen Union, wobei Norwegen ein eigenständiges Königreich blieb und Karl hier den Titel Karl II. von Norwegen führte. Nach diesem letzten Bewaffnete Auseinandersetzung führte Karl Johann eine konsequente Friedenspolitik, die zur Grundlage der schwedischen Neutralität wurde.

Die napoleonischen Kriege hatten Schwedens Wirtschaft hart getroffen, was zu wirtschaftlicher Stagnation und tiefgreifenden Krisen führte. Schweden war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein ausgesprochener Agrarstaat, die Industrialisierung setzte erst spät ein. Die größten Reformen erfolgten auch im landwirtschaftlichen Bereich, wo umfassende Flurbereinigungs- und Parzellierungsverordnungen und die wirtschaftliche Status sowie die bäuerliche Kultur krass veränderten. Im industriellen Bereich, der von den zahlreichen Hüttenwerken dominiert war, führten neue Technologien und die Konkurrenz erst einmal aus England zur umfassenden Stilllegungen. Ein großes Infrastrukturprojekt war der Bau des Göta-Kanals, der die Ostsee mit dem Kattegatt verbinden sollte, sich aber schon kurz nach seiner Einweihung als veraltet erwies.

Dagegen erlebte Schweden eine Blütezeit im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. 1842 wurde in einer Schulreform der obligatorische Schulbesuch eingeführt und Volksschulen in jeglicher Gemeinde vorgeschrieben.

Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl von 2,5 auf 3,5 Millionen. Das Bevölkerungswachstum erfolgte zuvor auf dem Lande, auf dem 1850 noch 90% der Bevölkerung lebte, und führte zu großen sozialen Problemen. Eine Lösung bot die Auswanderung, die um 1840 vereinzelt begann, um 1860 richtig einsetzte und 1880 ihren Höhepunkt erreichte und erst ab 1900 ausebbte. In dieser Zeit verließen ungefähr 1,2 Mio. Schweden das Land.

Nach dem Tode Karls XIV. Johann 1844, der innerpolitisch eine rigide konservative Politik betrieben hatte, öffnete sich die Möglichkeit der Liberalisierung, wenigstens im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Schrittweise wurden unter Oscar I. und seinem Nachfolger Karl XV. das Wirtschaftsleben liberalisiert und Sozialreformen durchgeführt. In einer Verfassungsreform 1865-66 wurde auch der Vierständereichstag durch ein Zweikammernparlament ersetzt.

Ab 1870 begann der Perforation der Industrialisierung. Der Erweiterung des Eisenbahnnetzes und neue Technologien in der Stahlerzeugung ermöglichten die Urbarmachung neuer Erzfunde in Norrland. Gleichzeitig erlebte die Holzindustrie einen Höhepunkt, und es entwickelte sich eine ansehnliche Papier- und Zellstoffindustrie. Neue Erfindungen führten zur Gründung von Unternehmen im Maschinenbau- und Elektrobereich (wie zum BeispielL.M. Ericsson, ASEA, Bofors, SKF, AGA). Gleichzeitig erlebte aber die Landbau eine schwere Krise.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Veränderung vom Agrarland zur Industriegesellschaft. Die Einwohnerzahl stieg von 3,5 Mio. (1850) auf 5,1 Mio. (1900). Die Bevölkerung war zu großen Teilen nicht wahlberechtigt, aber es entstanden nun die großen Volksbewegungen, die auch in diesen Tagen noch einen deutlichen politischen Einfluss haben: die freikirchliche Erweckungsbewegung, die Abstinenzbewegung und die Arbeiterbewegung.

In der Außenpolitik führte die Thronbesteigung Oscar II. 1872 zu einer Neuorientierung von der traditionellen Kameradschaft mit Frankreich zu einer immer deutlicher werdenden Annäherung an Deutschland, was sich im Militärwesen, in der Wirtschaft, in der Forschung und im Kulturleben zeigte. Das schwierigste außenpolitische Problem aber waren die Beziehungen zu Norwegen, in dem sich immer stärker werdende Unabhängigkeitsbestrebungen merklich machten, und das schließlich in die Auflösung der Union 1905 mündete.

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Der Durchbruch der Demokratie (1907–1920)

Zwar war 1865 der mittelalterliche Ständetag durch einen Zweikammernreichstag ersetzt worden, doch waren nur etwa 20% der männlichen Bevölkerung wahlberechtigt, da nur die zweite Kammer, und die nach einem Zensuswahlrecht gewählt wurde. Eine außerparlamentarische Wahlrechtsbewegung entstand in den 1880er Jahren, aus zweiter Hand von den Sozialdemokraten und den Liberalen. Die Einführung der Kriegsdienst wurde zum stärksten Argument. Das Schlagwort „Ein Mann, eine Stimme, ein Gewehr“ machte tiefen Impression auch auf die Konservativen. In einer Wahlrechtsreform wurde schließlich 1907 das Allgemeine Wahlberechtigung für Männer (mit gewissen Beschränkungen) für die Zweite Parlamentskammer eingeführt und auch die Erste Stube wurde zum Teil demokratisiert. Die Klassengegensätze waren jedoch groß und der Arbeitskampf von 1909 vertiefte den Graben zwischen Sozialdemokraten und Liberalen respektive Konservativen. Zur wichtigsten innenpolitischen Anfrage jedoch wurde die Verteidigungsfrage. Als die liberale Regierung Staaff Rüstungspläne zurückstellte, um die Verteidigungskosten für einer sozialen Reformpolitik zu senken, kam es zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung mit den Konservativen, in die schließlich 1914 der König auf Seiten der Aufrüstungsbefürworter eingriff und damit eine konstitutionelle Notlage heraufbeschwor. Dies führte zum Abgang der Regierung und der Ernennung einer königlichen Beamtenregierung unter Hjalmar Hammarskjöld.

Doch schlossen nach Eruption des Ersten Weltkrieges die politischen Feind Friede und unterstützten die neue Regierung. Das Land erklärte seine Neutralität, pflegte aber regen Geschäft zunächst mit Deutschland, was zu einer begrenzten Hemmnis durch die Alliierten führte. Dadurch und durch die umfassenden Exporte von Lebensmitteln nach Deutschland wurde die Zufuhr der Bevölkerung immer schwieriger. Hungersnöte brachen aus, und auch in der Politik erfolgte eine Radikalisierung, die letztlich zur Gründung einer kommunistischen Politische Kraft (socialdemokratiska vänsterparti) führte. Im Frühjahr 1917 trat die Regierung Hammarskjöld zurück und nach den sozialistischen Ereignen bei der Wahl zur zweiten Parlamentskammer 1917 wurde eine liberal-sozialdemokratische Koalitionsregierung gebildet, ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Demokratisierung.

Unter dem Impression der deutschen Niederlage und infolge der radikalen Stimmung im Lande wurde zwischen 1918-1921 eine neue Wahlreform durchgeführt. Das Allgemeine Wahlberechtigung und das Frauenwahlrecht wurden nun für alle Wahlen eingeführt und die demokratischen Beschränkungen aufgehoben.

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Die Zwischenkriegszeit (1920–1939)

Die 20er Jahre waren geprägt von einem starken industriellen Aufschwung. Großunternehmen wie Bofors, Aktiebolaget Gas-Accumulator (AGA), Svenska Kullagerfabriken (SKF), Allmänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA), Ericsson und Electrolux sowie eine umfassende Werftindustrie entstanden. Politisch traten die Gegensätze zwischen dem bürgerlichen Block und den Sozialdemokraten wiederholt stärker hervor. Die Sozialdemokraten waren aber zu schwach, um eine eigene Regierung zu bilden, die bürgerlichen Parteien aber tief gespalten. Konservative, Freie Demokratische Partei und eine neu entstandene Bauernpartei hatten unterschiedliche Anschauungen in mehreren zentralen politischen Fragen wie Schulpolitik, Verteidigungspolitik und Alkoholpolitik. Eine Reihe von unterschiedlichen Minderheitsregierungen und häufiger Regierungswechsel kennzeichnete die politische Lage der 20er Jahre.

1930 erfasste die Weltwirtschaftskrise auch Schweden. Der Einsatz des Militärs gegen Streikende in Ådålen 1931 und der aufsehenerregende Pleite des Kreuger-Konzerns bereiteten einen politischen Machtwechsel vor: nach den Wahlen von 1932 bildeten die Sozialdemokraten unter Per Albin Hansson eine Regierung, die ab 1933 von der Bauernpartei unterstützt wurde. Ihre Reformpolitik umfasste zuerst Beschäftigungsprogramme und landwirtschaftliche Subventionen, um den Auswirkungen der Starker Konjunkturrückgang entgegenzuwirken. 1936 gingen alle beide Parteien eine Zusammenschluss ein und legten ein umfassendes sozialpolitisches Programm zum Entfaltung des Wohlfahrtsstaates vor. Der Traum vom "Volksheim" aber verzögerte sich wegen des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges. 1938 wurde aber im Abkommen von Saltsjöbaden zwischen Arbeitgebervertretern und Gewerkschaften der Grundlage für das "schwedische Modell" gelegt

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Der zweite Weltkrieg (1939–1945)

Am Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Schweden wiederum seine Neutralität, einige Monate später übernahm eine Koalitionsregierung der vier größten Parteien die Staatsgeschäfte (unter Ausschluss der Kommunisten). Der Eruption des finnischen Winterkrieges im Nov. 1939 und der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im Frühjahr 1940 (Unternehmen Weserübung) stellten die schwedische Regierung vor eine harte Probe. Die Unterstützung Finnlands durch Waffenlieferungen und Freiwilligenkorps sowie die Schwäche gegenüber deutschen Forderungen, Truppen über schwedisches Gebiet transportieren zu dürfen, wurde durch eine "pragmatische, nicht-doktrinäre" Neutralitätspolitik ermöglicht. Erst als sich das Kriegsglück der Deutschen 1942-43 wendete, kam es zu einem Kurswechsel in der schwedischen Neutralitätspolitik, die sich nun mehr und mehr den alliierten Forderungen anpasste.

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Nachkriegszeit

Im Juli 1945 löste eine sozialdemokratische Alleinregierung die Koalitionsregierung ab. In den nächsten Jahren wurde die durch den Bewaffnete Auseinandersetzung unterbrochene soziale Reformarbeit erneut aufgenommen und ein moderner Wohlfahrtsstaat entstand. Parallel mit dem Entfaltung des Sozialsystems arbeitete man auch an einer Verfassungsreform, die in den 70er Jahren durch verschiedene Grundgesetze schrittweise verwirklicht wurde.

1969 löste Olof Palme den Premier Tage Erlander im Amt ab. Palme prägte in den kommenden Jahren das Bild Schwedens auswärtig durch seine engagierte Außenpolitik: durch seine harte Besprechung am Vietnamkrieg, als UNO-Vermittler im Iran-Irak-Krieg und durch seine internationalen Abrüstungsinitiativen. Innerpolitisch begegnete er mehreren Schwierigkeiten. Zum einen erschwerten die Verfassungsreform und die neue parlamentarische Lebenslage nach der Wahl von 1970 eine stabile Zusammenarbeit über die Blockgrenzen hinweg, andererseits überschatteten wirtschaftliche Probleme, zuerst nach der Ölkrise 1973, die soziale Reformarbeit. Obendrein führte die Wahl von 1973 zu einem Patt im Parlament: Regierung und Gegenseite erhielten je 175 Mandate. Oft wurden Abstimmungen im Reichstag daher per Losentscheid entschieden. Die Atomkraftdebatte entzweite die Sozialdemokraten und brachte einen neuen politischen Faktor ins Spiel, die Umweltpolitik und die grüne Bewegung, und die gewerkschaftliche Forderung nach Einführung von Arbeitnehmerfonds verschärfte die Gegensätze zu den bürgerlichen Parteien. Nach dem Wahlverlust der Sozialdemokraten von 1976 wurde Schweden von verschiedenen bürgerlichen Koalitionen regiert, bis Palme 1982 nochmal als Ministerpräsident einer sozialdemokratischen Regierung an die Macht kam. Die Sozialdemokraten waren jedoch schon stark von den neoliberalen Ideen aus den USA und Großbritannien geprägt worden. Unter dem neuen Finanzminister Kjell-Olof Feldt entbrannten heftige Debatten über neoliberale Reformen des Sozialstaates. Der Konflikt entzündete sich vorerst zwischen Feldt und dem Vorsitzenden der Arbeitnehmerorganisation "LO", Stig Malm. Dieser "Krieg der Rosen" führte letztlich zum Abgang von Feldt im Jahre 1990.

Nach Palmes Ermordung 1986 übernahm Ingvar Carlsson die Regierung und führte dessen Politik in allen wichtigen Auftrumpfen weiter. Gleichzeitig verursachte die Ermordung Palmes einen derartigen Schock, der zu einer großen Stille in der politischen Auseinandersetzung führte. Ein politischer Machtwechsel vollzog sich 1991 mit dem Wahlverlust der Sozialdemokraten. Carl Bildt, der einen Systemwechsel zufolge neoliberaler Ideen gefordert hatte, bildete eine Koalitionsregierung bürgerlicher Parteien und begann, diese Ideen zu verwirklichen. Bei der Reichstagswahl 1994 gewannen die Sozialdemokraten nochmals und Ingvar Carlsson bildete eine Minderheitenregierung. 1996 übergab Ingvar Carlsson seine Amtsgeschäfte an Göran Persson, dem heutigen Premierminister. Die Politik der folgenden Jahre konzentrierte sich auf eine Stabilisierung der öffentlichen Finanzen, was tiefe Eingriffe in das Sozialsystem zur Folge hatte. Trotz der durch den Abbau des Sozialsystems verursachten Enttäuschung konnte die Sozialdemokratie in den Wahlen von 1998 und 2002 ihre Regierungsposition vermöge der Unterstützung durch die Linkspartei und den Grünen behaupten.

1995 trat Schweden nach einer Volksabstimmung, bei der 52,3% für einen Beitritt gestimmt hatten, der Europäischen Union bei. Schon die Plebiszit von 1994, aber auch die folgenden Wahlen und Meinungsumfragen zeigten, dass eine weitverbreitete Ungläubigkeit gegenüber der EU herrscht. Daher entschloss sich Schweden schon 1997, nicht an der Währungsunion teilzunehmen. Im Saison 2003 schließlich wurde diese Fragestellung dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Eine Majorität der Bevölkerung stimmte gegen die Einführung des Euro. Das Volksabstimmung wurde von der Ermordung der Außenministerin Anna Lindh manche Tage davor überschattet.

Google gibt Bibliothek zur effizienten Suche frei: Google hat die C++-Bibliothek RE2 zur schnellen Suche nach regulären Ausdrücken unter der BSD-Lizenz freigegeben. Die Bibliothek findet bei Google vor allem bei der Suche im Onlinedienst Code Search Labs sowie bei der Suche über verteilte Daten mit Sawzall und Bigtable Verwendung. (Google)... Weiterlesen!

Tilt- und Shift-Adapter für Micro-Four-Thirds-Kameras: Das japanische Unternehmen Hinoseisakusho hat einen Adapter für Digitalkameras im Four-Thirds-Format angekündigt, mit dem die angeschlossenen Objektive geneigt und verschoben werden können. Sogenannte Tilt-Shift-Objektive lassen sich für Architekturfotografien und kreativen Umgang mit der Schärfeebene einsetzen.... Weiterlesen!

Siehe auch

Übergriffe bei Jesuiten - Auch in Hamburg Schüler missbraucht : Auch an einer Hamburger Jesuiten-Schule hat es offenbar Missbrauchsfälle gegeben. Nach den in Berlin bekannt gewordenen Fällen haben sich auch dort mehrere frühere Schüler gemeldet. ... Weiterlesen!

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Literatur

  • Taffinder, Jacqueline: The allure of the exotic : the social use of non-local raw materials during the stone age in Sweden, Uppsala : Department of Archaeology, University of Uppsala, 1998. - 182 S. : Ill., graph. Darst., (=Aun // Societas Archaeologica Upsaliensis ; 25) Extra t.p. with thesis statement and English abstract inserted. - Zugl.: Uppsala, Univ., Diss., 1999, ISBN 91-506-1312-X
  • Hadenius, Stig, Svensk politik under 1900-talet. Konflikt och samförstånd, Stockholm 2000

Skype will Silk-Audio-Codec zum Internetstandard machen: Skype hat den Silk-Code der Internet Engineering Task Force (IETF) als Entwurfsvorschlag für einen Internettelefonie-Standard eingereicht. Der Silk-Audio-Codec ist seit 2009 in der proprietären Skype-Software im Einsatz. (VoIP, Skype)... Weiterlesen!

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Weblinks

es:Historia de Suecia fi:Ruotsin historia fr:Histoire de la Suède hu:Svédország történelme it:Storia della Svezia ja:スウェーデンの歴史 la:Historia Sueciae lt:Švedijos istorija pt:História da Suécia ru:История Швеции

sv:Sveriges historia

(TID 50567)

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