Guerilla
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], und davon logisch Guerillakrieg, über das Französische aus dem Spanischen entlehnt, bedeutet Kleinkrieg mit nichtregulären Kombattanten. Wer ihn betreibt, wird auch Guerrillero genannt.
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Wortbedeutung
Etymologisch stammt das Wort vom spanischen guerra für Bewaffnete Auseinandersetzung ab. Guerra ist wiederum eine Entlehnung vom rekonstruierten germanischen Wort werra, das „Verwirrung“, „Krieg“ bedeutet. Die Wandalen brachten dieses Wort während der Völkerwanderung auf ihrem Weg über Spanien nach Nordafrika.
„Guerrilla“ ist die Verkleinerungsform von guerra und bedeutet daher „Kleiner Krieg“. Der Ausdruck „Kleiner Krieg“ war im deutschen Sprachgebrauch bis ins 19. Jahrhundert rein üblich, vorher es zusammen mit dem zunächst neu geprägten deutschen Wort „Volkskrieg“ (und für guerrilleros - Freischärler) durch den Guerilla-Begriff verdrängt wurde. In dieser Form wurde es dann als Fremdwort wiederum in die deutsche Sprache übernommen. Es handelt sich also um eine Rückentlehnung.
Zum ersten Mal wurde der Begriff Guerrilla im 19. Jahrhundert während des spanischen Widerstandes gegen Napoléon gebraucht. Besonders in der Anfangszeit des Französisch-Spanisch-Portugiesischen Krieges 1807 bis 1814 hatten die Streiter unter Empecinado, dem Pfaffe Merino und anderen den Franzosen schwer zu schaffen gemacht. Dies lag zuallererst an einer brauchbaren Organisation und an der günstigen Topographie für den Kleinkrieg, mit Berglandschaften und festen Wohnplätzen. Im offenen Gelände konnten sie sich gegen tüchtige Truppen nicht behaupten. Seit jener Zeit waren in Spanien und auch auf Kuba in den Bürgerkriegen wieder und wieder Guerilleros erschienen.
Korrespondierend mit der Konstellation in Spanien sind hier der Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer und die Freikorps in den deutschen Befreiungskriegen gegen die napoleonische Besatzung. In Spanien hat das Wort „Guerrilla“ vermöge seiner Verbindung mit dem Schlacht gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation, wie anno dazumal (und länger noch) auch in Deutschland der „Volkskrieg“, wie sie in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben sind.
Als Analytiker der Krieger sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Zedong, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.
Bedeutung und Geschichte
Das Wort Krieger bezeichnet
- eine militärische Taktik: kleine, selbstständig operierende Kampfeinheiten, welche die taktischen Zielsetzungen der Armeeführung, meist im Hinterland des Gegners, unterstützen und dabei außerhalb ihrer Kampfeinsätze nicht als Soldaten erkennbar sind. Zur Guerillataktik gehören "nadelstichartige" militärische Operationen, die den Widersacher nicht vernichten, anstatt zermürben sollen.
- den Guerillakrieg als eine spezielle Form politisch motivierter, revolutionärer oder antikolonialer Kriege. Beim Guerillakrieg handelt es sich um eine "Waffe der Schwachen" gegen einen militärisch, zuvor militärtechnologisch überlegenen Gegner. Voraussetzung für einen Guerillakrieg ist die fehlende Hoffnung der Bevölkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Durchschnitt berechnen erreichen zu können, wie dies in einer Diktatur, einem von einer fremden Macht besetzten oder dominierten Land der Fall ist. Kritisch für den Gelingen der Partisan ist der gleichzeitige, dem militärischen Kleinkrieg gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht müsste die Krieger notwendig unterliegen, weil ihr die Ausrüstung einer konventionellen Truppe fehlt und ihre KämpferInnen meist über keine ausreichende militärische Ausbildung verfügen.
Ein entscheidendes Kennzeichen der Partisan ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Rivale auszuweichen. Ihr Gelingen ist davon abhängig, ob es ihr gelingt die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Gegenüberstellung mit dem Rivale stattfindet. Die klassische Landguerilla operiert meist aus den Zurück holen heraus, welche optimales Rückzugsgebiet bilden. Sie ist auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Daten versorgt.
Legitimität und Legalität der Guerilla
Die Strategie der Kämpfer wird mit Blick auf die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegsführung bezeichnet. Hier handelt es sich allerdings um internationale Verträge, die zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte behandeln. Die Krieger entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levée en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch "Volkskrieg"). Erst wenn die Krieger den letzten Schritt zur Revolutionsarmee ausgeführt hat, vollbringen ihre Kämpfer als Teil einer militärischen Befehlsstruktur den Kombattanten der Haager Landkriegsordnung.
Die meisten modernen Verfassungen beinhalten ein Widerstandsrecht (Beispiel Grundgesetz: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese (verfassungsmäßige) Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn zusätzliche Rechtsmittel nicht möglich ist.") oder selbst eine Widerstandspflicht (Französische Verfassung).
Von großer Bedeutung für die Guerillabewegung ist die Anfrage der "Belligerenz", die Anerkennung als kriegführende Partei. Die politische Anerkennung durch USA von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Mensch bildet die Grundlage für die Realisierung der politischen Ziele der Partisan (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Politische Kraft können gefangene Guerilla-Kämpfer ihren Rechtsstatus als Kriegsgefangene geltend machen. Ohne den Status als völkerrechtlich berechtigt bewaffnete Kriegsteilnehmer ("Kombattanten") werden Guerilla-Kämpfer wie Franctireurs (Heckenschützen) angesehen, also als Schwerkriminelle behandelt. Beispiele aus dem 2. Weltkrieg und gegenwärtig (2005) aus Guantanamo Bay zeigen jedoch, dass die Regeln der Haager Landkriegsordnung oft hinlänglich nicht einmal regulären Soldaten gegenüber eingehalten werden.
Die militärisch-politischen Feind der Streiter dennoch werden immer versuchen, die Anerkennung als kriegführende Politische Kraft zu verhindern und die Soldat sprachlich wie politisch zu kriminalisieren: Verbrecherbanden, Terroristen, Agenten einer fremden Macht etc.
Demgegenüber ist die Soldat andauernd bemüht, ihre Legitimität (die revolutionäre Genauigkeit ihres Tuns) und ihre Legalität (die Gesetzlichkeit ihrer Kriegshandlungen) unter Beweis zu stellen. Dazu gehört die Zubereitung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Volksvertretung der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden USA oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Krieger gegenüber der konventionellen gegnerischen Truppe herausstellen. Erst wenn der Opponent sich forciert sieht, mit der Freischärler amtlich zu verhandeln, ist tatsächlich die Belligerenz hergestellt.
Die Entwicklungsphasen des Guerillakrieges
Erfolgreiche Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:
- Der Guerillakrieg beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Die Waffenbeschaffung erfolgt durch Überfälle auf gegnerische Militäreinheiten oder -einrichtungen. Die Kämpfer sind keine Soldaten und verfügen häufig nicht einmal über eine militärische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbevölkerung und werden dank ihrer politischen Ziele durch diese unterstützt. Ohne diese Unterstützung ist die Partisan zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Soldat vom Terrorismus, der auch ohne Unterstützung der Bevölkerung auskommt.
- Guerilla-Einheiten können keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern müssen sich stets wieder zurückziehen.
- Zur Erreichung strategischer Ziele müssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.
Anti-Guerilla-Kriegsführung
Der Guerillakrieg stellt eine konventionelle Truppe vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Bekommen nicht gibt:
- Der Gegner ist nicht eindeutig zu identifizieren. Jede Person, etwa in einem besetzten Land, kann ständig oder zeitweise zur Guerilla gehören, diese militärisch, logistisch oder politisch unterstützen. Das gilt für Männer wie Frauen, auch für Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
- Es gibt keine Front, welche die Anhänger und Widersacher des herrschenden Regimes voneinander trennt. So wird meist von Regionen gesprochen, die von der Regierung oder von der Partisan "kontrolliert" werden. Ein Gebiet kann aber auch nächtlich von der Krieger und am Tag von der Regierung kontrolliert werden. Der Begriff der Kontrolle ist dabei sehr unbestimmt. So kann es vorkommen, dass derselbe Geschäftsmann wie auch an die Regierung plus an die Streiter Steuern zahlt.
Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Streitkräfte sich der flexiblen Kriegführung der Untergrundkämpfer anzupassen (Vietnam). (Nicht zu durcheinander bringen mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Durchschnitt berechnen der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen - siehe Contra (Organisation)).
Die Regierungsarmee wird also immer versuchen, Zivilbevölkerung und Untergrundkämpfer voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, so weit wie einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder stofflich in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der Regierungsarmee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerilla. Eine freiwillige Aussiedlung von Leute aus den von der Partisan kontrollierten Bedürfen wird dadurch unwahrscheinlich. Da die unvermeidlich unterschiedslose Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Truppe nicht nur die Krieger trifft, anstatt jeden, der sich dort befindet, werden die dort lebenden Volk gezwungen, sich in den Schutz der Soldat zu begeben. Das herrschende Herrschaftsform treibt so oft neutrale Teile der Bevölkerung auf die Seite der Guerilla.
Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Freischärler politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
- für einzelne Bevölkerungsgruppen wird eine verbesserte wirtschaftliche Lage erreicht (z.B. Unterstützung der Rauschgiftproduktion und -vermarktung in Kolumbien oder Afghanistan).
- es wird eine der Guerilla ähnliche Kontraguerilla geschaffen, die im Namen der Guerilla Taten begeht, die der Guerilla angelastet werden und sie in den Augen der Bevölkerung diskreditiert (Vietnam, Kuba).
- da die Guerilla, besonders in ihrer Entstehungsphase, meist dezentralisiert kämpft, entstehen häufig kämpfende Einheiten, die nicht die politischen Ziele der Bevölkerung teilen, sondern persönliche Bereicherung oder Macht gewinnen wollen (Caudillismo - militärisches Führertum). Diese können von dem herrschenden Herrschaftsform oder einer fremden Macht leicht für ihre Ziele eingesetzt werden. Zig Aufstände in Lateinamerika und Afrika nahmen diesen Weg und führten über eine Volksbewegung zu einer Bereicherungsdiktatur, die schließlich mit dem ursprünglichen militärischen Konkurrent zusammenarbeitet und die Wende durch einen Austausch von Herrschaftseliten ersetzt.
Grundsätzlich kann ein Anti-Guerillakrieg nicht militärisch gewonnen, stattdessen der Konflikt nur politisch, durch teilweises oder völliges Zurückweichen gegenüber den Ins Visier nehmen der Volksbewegung, gelöst werden.
Beispiele von Guerillakriegen
- der 30-jährige Unabhängigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868-1898 war in seinen militärischen Phasen Guerillakrieg und endete mit der Besetzung Kubas durch die USA.
- der dreijährige kubanische Revolutionskrieg gegen den Diktator Fulgencio Batista 1956-1959 endete mit der Abhauen des Diktators und führte zu einer kubanischen Revolutionsregierung.
- der achtjährige algerische Unabhängigkeitskrieg gegen die französische Kolonialherrschaft 1954-1962 endete mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Algerien.
- der Krieg des vietnamesischen Volkes gegen japanische Besatzung, französische Kolonialmacht und später gegen US-amerikanische Besatzung 1941-1973 endete mit der Errichtung eines sozialistischen Staates.
- Der Guerillakampf der Gruppe um Che Guevara in Bolivien scheiterte 1967 an der fehlenden Unterstützung durch die Bevölkerung.
Guerilla und Partisanenkrieg
siehe Artikel Partisan
Das Wort Guerilla stammt aus dem Italienischen, während Kämpfer spanischen Ursprungs ist. Militärisch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die europäisch gegen die faschistische Besatzung kämpfenden irregulären Einheiten werden als Partisanen bezeichnet, während die Befreiungskämpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem 2. Weltkrieg in der Regel Partisan benannt werden.
Literatur
- Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-458-34787-9
- Hans von Dach: Der totale Widerstand. Kleinkriegsanleitung für jedermann. Selbstverlag, Zürich 1997, ISBN 3-9521096-1-4 (in der BRD beschlagnahmt)
- Ernesto „Che“ Guevara: Ausgewählte Werke in Einzelausgaben. Pahl-Rugenstein, Bonn
- 1. - Guerillakampf und Befreiungsbewegung. 2993, ISBN 3-89144-004-9
- T. E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit. Dtv, München 2003, ISBN 3-423-01456-3
- Mao Tse-Tung: Ausgewählte Werke. Verlagshaus für fremdsprachige Literatur, Peking
- 1. - 1968, (darin "Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China", S. 209-291)
- 2. - 1969, (darin "Strategische Probleme des Partisanenkriegs gegen die japanische Aggression", S. 83-222)
Siehe auch
- Guerilla-Marketing
- Kombattant
- Liste militärischer Taktiken
- Partisan, Stadtguerilla
- Terrorismusbg:Партизани
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