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Karl IV. (HRR) - Schlauweb
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Karl IV. (HRR)

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Bild:Armoiries empereur Charles IV.png
Kaiserliches Wappenbild Karls IV.: böhmischer Löwe im HRR-Adler
Bild:Karl IV. (HRR).jpg
Karl IV., Wandbild um 1360/70
Bild:Charles IV. 2003-12-24.jpg
Ehrenmal des Nürnberger Erzgießers J. D. Burgschmiet: Universitätsgründung durch Kaiser Karl IV.

Karl IV. (* 14. Mai 1316 in Prag; † 29. November 1378 ebenda) war römisch-deutscher König (ab 1346), König von Böhmen (ab 1347) und römisch-deutscher Kaiser (ab 1355). Er stammte aus dem Geschlecht der Luxemburger und gilt allgemein als der bedeutendste Kaiser des Spätmittelalters sowie als einer der bedeutendsten europäischen Gebieter jener Zeit.

Zeitkunde der Titel:


Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und der Weg zum Königtum

Karl IV., getauft auf den Namen Wenzel, war der Sohn von Johann von Luxemburg (auch bekannt als Johann der Blinde), des Königs von Böhmen (1311-1346), und seiner dem Přemyslidengeschlecht entstammenden Alte Elisabeth, der zweitältesten Tochter des Königs Wenzel II. Přemysl.

Die Luxemburger unterhielten seit langer Zeit gute Kontakte zum französischen Hof, so dass es der französische König Karl IV. war, der ihm seinen Taufnamen gab. In Paris erhielt Karl denn auch eine umfassende und für die damalige Zeit nicht selbstverständliche Ausbildung (ca. 1323-30). 1331 begab er sich nach Italien, wo sein Familienmitglied Johann weitreichende Pläne verfolgte. Hier nahm Karl auch zum ersten Mal selbständige Amtshandlungen vor, auch wenn das Vorhaben seines Vater, in Oberitalien einen luxemburgischen Herrschaftskomplex zu errichten, 1333 zuallererst zwecks der Gegenseite einiger mächtiger italienischer Stadtstaaten und des Königreichs Neapel scheiterte. Das Verhältnis zwischen Papa und Sohn muss als ambivalent bezeichnet werden. Es war nicht frei von Spannungen, was zum Teil wohl auch auf die Auseinandersetzung zwischen Karls Erziehungsberechtigte zurückzuführen ist, aber auch auf die unterschiedlichen Charaktere. Johann galt als ein ritterlicher und verwegener Charakter, wobei Karl eher als nachdenklicher und dem Spiel (außer in seiner Jugend) abgeneigter Mensch wirkte.

Karl verfasste auch eine Autobiographie, die jedoch entseelt gesamtes Leben, für nur seine Kindheits- und Flegeljahre abdeckt; aus dieser Memoiren erfahren wir jedenfalls, dass er fünf Sprachen kühl habe (Latein, Deutsch, Tschechisch, Französisch und Italienisch). 1333 kehrte Karl nach Böhmen zurück und wurde 1334 mit der Markgrafschaft Mähren belehnt. Im Konflikt mit den einflussreichen Baronen und seinem Familienangehöriger konnte er sich weitgehend behaupten. 1335 war er am Vertragsabschluss zwischen dem Königreich Böhmen mit Polen und Ungarn verwickelt (es war dabei um die Thronansprüche der böhmischen Krone auf die beiden Reiche gegangen) und unterstützte seinen Erzeuger auch auf dem Kreuzzug gegen Litauen (1336/37). Am 8. Juno 1341 übertrug Johann, ob seiner Erblindung, Karl die Verwaltung über das Königreich; bald darauf zog sich Johann praktisch völlig aus der Regierung zurück.

Im selben Zeit spitzte sich der Konflikt zwischen Ludwig dem Bayern und seinen Gegnern im Reich immer mehr zu. Papst Klemens VI., ein Jugendfreund Karls, förderte die Opposition, und so wurde Karl, unterstützt von seinem Onkel Balduin von Trier, einem der bedeutendsten Reichspolitiker des 14. Jahrhunderts, schließlich als Gegenkönig zu Ludwig aufgestellt und am 26. November 1346 in Bonn zum König gekrönt. Nach Erhaltung der Approbation, um die Karl nicht gebeten hatte, ließ er sich am 17. Juni 1349 noch einmal in Frankfurt am Main wählen.

Schon im August 1346 war Karls Papi Johann in der Schlacht von Crécy gefallen, an der auch Karl teilgenommen hatte; Karl hatte sich jedoch frühzeitig und unter nicht geklärten Umständen zurückgezogen. Am 2. September 1347 folgte er seinem Familienmitglied als König von Böhmen nach. Ludwig der Bajuware starb bald darauf, so dass ein offener Konflikt verhindert wurde. Nun jedoch wurde Günther von Schwarzburg zum Gegenkönig Karls erhoben (1349).

Die Reichspolitik Karls bis zu seinem Tod

Karls erste Regierungsjahre: Sicherung der Herrschaft, Pest und Judenpogrome

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Kaiser Karl IV. beim Krönungsmahl

Karl konnte sich gegen Günther von Schwarzburg rasch durchsetzen. Noch im Mai 1349 verzichtete der schwache Gegenkönig in einem Vertrag auf seinen Titel und starb bald darauf. Nachdem Karl seine Subjekt durch ein Heiratsbündnis mit dem Pfalzgrafen am Rhein und dem falschen Woldemar (einem angeblich überlebenden Charakter der Herrscherfamilie der Askanier, der die Wittelsbacher in der Mark Brandenburg unter Druck setzte) empfindlich geschwächt hatte, kam es zu einer Verständigung: mit den Habsburgern 1348 und mit den Wittelsbachern 1350. Nun konnte Karl darangehen, seine Herrschaft zu festigen.

Gleichzeitig erreichte die Pestwelle ihren Höhepunkt. Während der Judenpogrome in Deutschland 1349 machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig: Um seine Schulden zu tilgen, verpfändete Karl das königliche Judenregal, u.a. an Frankfurt am Main. Es wurde gar geregelt, was mit dem Habseligkeiten von Juden zu geschehen habe, wenn "die Juden daselbst nächstens erschlagen" würden (Frankfurter Urkunden vom 23., 25., 27. und 28. Juni 1349, wolkig auf Nürnberg, Rothenburg ob der Täuberich und Frankfurt am Main). Während er in seinem Herrschaftsbereich die Juden effektiv schützen konnte, wirft dieses Vorgang jede Menge Fragen bezüglich Karls Charakter auf. Besonders, da Karl wenn das nicht möglich ist immer bestrebt war, das Bild eines gerechten christlichen Herrschers zu vermitteln. Dabei verstieß nämlich die Duldung der Morde auch gegen das damalige Rechtsverständnis, da die Juden unter dem direkten Schutz des König standen und dafür auch Zahlungen leisteten. Es zeigte sich, dass Karl oft mehr nach Zweckmäßigkeiten handelte, wobei er sich mit seinem Verhalten die Loyalität vieler Städte sicherte, die in die Judenpogrome verwickelt waren.

Die Italien- und Frankreichpolitik Karls

1354-55 zog Karl, dessen Kommen Cola di Rienzo, der einige Zeit in Prag geweilt hatte, aber und abermal ermahnt hatte, mit nur einem kleinen Heer nach Italien. Er ließ sich mit der eisernen Krone der Lombardei krönen und wurde in Rom am 5. April 1355 von einem von Papst Innozenz VI. beauftragten Kardinal zum Kaiser gekrönt. Schon wenig später verließ er Italien wieder, ohne sich um die Ordnung der dortigen Verhältnisse bemüht zu haben, wenn er auch durch die Zahlungen zahlreicher Kommunen finanziellen Gewinn aus dem Romzug ziehen konnte und die Kaiserkrönung zumindest ohne Blutvergießen erreicht hatte. Dennoch trug sein Verhalten gegenüber dem Papsttum dazu bei, dass er von Wilhelm von Ockham als „Pfaffenkönig“ (rex clericorum) bezeichnet wurde, was so sicher falsch ist, aber doch signifikant für Karls kuriale Politik war, die sehr auf Einvernehmen mit dem Bischof setzte.

Karls erster Italienzug hatte ebenso wie der zweite Italienzug 1368-69 (bei dem er mit Stellvertreter Christi auf ErdenUrban V. kooperierte, von dem er sich eine Rückkehr des Papsttums von Avignon nach Rom erhoffte) wenig Bedeutung. Seine Italienpolitik war im Großen und Ganzen ineffektiv. Denn Karl gab sich mit der Kaiserkrone zufrieden, er kassierte Gelder der Kommunen ein und vergab dafür Privilegien, mischte sich anderweitig jedoch nicht weiter in die italienischen Angelegenheiten ein; dafür wurde sein Verhalten als das eines Kaufmanns bezeichnet (siehe Matteo Villani und Petrarca). Karl gab damit die universale Politik seines Großvaters Heinrich VII. zu Gunsten einer auf die Hausmacht gestützten Reichspolitik auf. Allerdings erreichte er die Anerkennung seiner Stellung als Kaiser durch Florenz und Mailand und gab in Italien auch keine Reichsrechte auf.

Im Okzident tat Karl kaum etwas, um der dortigen Expansionspolitik des Königreichs Frankreich, mit dessen Königshof er gute Beziehungen pflegte, dagegen zu wirken. Im Gegenteil: Trotz seiner Krönung in Arles 1365 entließ er Avignon aus der Lehnsherrschaft des Imperiums und gab 1378 das Reichsvikariat im Königreich Burgund (Arelat) preis, wohl um so ungestört von äußeren Einmischungen seine Reichspolitik ausüben zu können. Dennoch wurde so dem Vordringen Frankreichs Vorschub geleistet, auch wenn er 1361 Genf und Savoyen aus dem Königreich Burgund löste und direkt ins deutsche Königreich integrierte.

Die Goldene Bulle und Politik in Deutschland

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Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV.

1354 war Karls Onkel Balduin von Trier verstorben, der sich als die wichtigste Stütze des Königs im Abendland bewiesen hatte. Der wohl wichtigste Schritt in seiner Regierung, die Verabschiedung der Goldenen Bulle 1356, war denn erst nach schwierigen Verhandlungen möglich. Die Bulle regelte u. a. das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs und setzte die Anzahl und Namen der Kurfürsten fest. So wurde sie zum "Grundgesetz" des Reichs so weit wie seinem Untergang 1806. Es ist in der Lehre allerdings strittig, ob Karl damit einen Fortuna festhalten konnte, oder ob es nicht eher ein Heil der Kurfürsten war, die damit Karls Bestrebungen zu einem hegemonialen Königtum einen Riegel vorschieben konnten. Karls ältester Verwandter Wenzel, der schon seither 1363 König von Böhmen war, wurde noch zu Lebzeiten Karls am 10. Juni 1376 zum römisch-deutschen König gewählt. Die Goldene Bulle sah dies zwar nicht vor, verbot es aber auch nicht, so dass Karl durch eine recht geschickte Politik die Wahl seines Sohnes durchsetzten konnte, wobei er sich die Stimmen der anderen Kurfürsten jedoch mit einer extrem hohen Geldsumme erkaufen musste.

Im Norden wurde Karl auf die Hanse aufmerksam und besuchte als erster römisch-deutscher König seitdem Friedrich I. 1375 die Ort Lübeck. Eine wichtige Rolle in Karls Politik spielte auch die Ort Nürnberg, mit der der Kaiser eng zusammenarbeitete (siehe auch die Förderung der Hohenzollern). Dabei verfolgte Karl auch das Ziel, eine in dieser Region gelegene „Reichslandschaft“ zu errichte (so genanntes Neuböhmen). Im Morgenland verfolgte Karl im Hinsicht auf Polen und Ungarn hausmachtpolitische Ziele (siehe unten).

Karl starb zusätzlich im gleichen Jahr, in dem sich auch das abendländische Schisma ereignete (1378). Der Kaiser, der persönlich fromm war und immer versucht hatte, im Konsensus mit dem Pontifex zu regieren, konnte nichts mehr unternehmen, um diese Schisma zu verhindern, entschied sich aber für den römischen Papst.

Karl als König von Böhmen

Als 1344 das Prager Bistum zum Erzbistum erhoben wurde, leitete Karl den Spatenstich des gotischen St. Veitsdoms (katedrála sv. Víta, Václava und VojtÄcha) ein. Für die sichere Aufbewahrung der königlichen und kaiserlichen Insignien ließ er die Burg Karlštejn bauen. Die große Bautätigkeit in seiner Gemarkung machte Prag zur Goldenen Stadt. Davon zeugt zuallererst die Karlsbrücke über die Moldau. 1348 gründete Karl die erste mitteleuropäische Universität, die Karls-Universität (Karlova univerzita). Prag wurde von ihm zu einem der wichtigsten geistigen und kulturellen Zentren seiner Zeit ausgebaut und zur tatsächlich Haupt- und Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches (Praga Caput Regni: Prag Stadt des Reiches lautet eine Aufschrift am Altstädter Rathaus); weiterhin von Bedeutung waren jedoch Frankfurt am Main und Nürnberg. Seine Kanzlei war vorbildlich für die spätere Verbessertes Modell der deutschen Sprache und stellte einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der nur rudimentären kaiserlichen Verwaltung dar.

Allerdings scheiterte Karl mit seinem Landfrieden (Maiestas Carolina) 1355 am Widerstand des einheimischen Adels. In seine Regierungszeit fällt auch die endgültige Assimilation Schlesiens in den böhmischen Herrschaftsverband mit dem Vertrag von Namslau 1348, für die sein Kindsvater die Voraussetzungen geschaffen hatte. Im Gegenzug erhielt der polnische König Kasimir der Große Masowien als persönliches Lehen. Karls Eheschließung mit Elisabeth, einer Enkelin Kasimirs, 1363 sollte den alten böhmisch-polnischen Konflikt an erster Stelle beilegen.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Geschichte Prags

Hausmachtpolitik Karls

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Das Heilige Römische Reich zur Zeit Karls IV.

Karl war zweifelsohne der erfolgreichste Hausmachtpolitiker des Spätmittelalters. Es wurde auch die böhmische Oberhoheit über Schlesien (endgültig 1368) und die Niederlausitz (Kauf 1367) gesichert. 1373 erhielt er die volle Verfügungsgewalt über die Mark Brandenburg und damit eine zweite Kurwürde für sein Haus. Die Trauung seines Sohnes Sigismund mit der Erbin König Ludwigs I. von Ungarn (Verlobung 1372) sicherte den Luxemburgern auch dieses Königreich. Der erhoffte Erwerb Polens gelang jedoch nicht. Um seine Hausmacht zu stärken, scheute sich Karl nicht, Reichsgüter zu verpfänden oder gar Reichsrechte aufzugeben, wie im Okzident Burgund (siehe oben).

Karls Verpfändungspolitik war zum Teil durch seinen chronischen Geldmangel begründet (er hatte allein zur Sicherung seiner Wahl zum römisch-deutschen König eine enorme Summe aufbringen müssen), teilweise auch durch seine dynastische Politik. Von nun an war sämtliche nachfolgende König auf seine Hausmacht angewiesen, und die des Hauses Luxemburg war nun fast unbezwinglich geworden. Doch sollte sich dies für seinen Sohn Sigismund als schwere Hypothek erweisen, da er im Reich selbst über keine nennenswerte Hausmacht und keine größeren Reichsgüter verfügte. Karl verfügte zudem, dass seine Söhne und Verwandten nach seinem Tode aus dem Hausmachtskomplex versorgt werden sollten, wodurch die von Karl geschaffene Machtstellung nach allem nochmal verloren ging.

Nachkommen

Erste Ehe: Karl IV. heiratete 1329 Blanca Margarete von Valois.

  • Margarete (1335-1349) - 1338 verheiratet mit Ludwig I., König von Ungarn und Polen
  • Katharina (1342-1395)
    • - 1353 verheiratet mit Rudolf IV., Herzog von Österreich
    • - 1366 verheiratet mit Otto V., Kurfürst von Brandenburg

Zweite Ehe: Karl IV. heiratete 1349 Anna von der Pfalz.

  • Wenzel (1350-1351)

Dritte Ehe: Karl IV. heiratete 1353 Anna von Schweidnitz.

Vierte Ehe: Karl IV. heiratete 1365 Elisabeth von Pommern.

  • Anne (1366-1394) - verheiratet mit Richard II., König von England.
  • Sigismund (1368-1437), römisch-deutscher Kaiser
  • Johann (Görlitz) (1370 - 1396), Herzog von Görlitz, Grenzgraf von Brandenburg - 1388 verheiratet mit Richardis von Mecklenburg-Schwerin
  • Karl (1372-1373)
  • Margarete (1373-1410) - 1387 verheiratet mit Johann III., Burggraf von Nürnberg
  • Heinrich (1377-1378)

Karl als Schriftsteller

Vita Caroli Quarti Karls IV. Lebenserinnerungen ist die erste Selbstdarstellung eines mittelalterlichen deutschen Herrschers und umfasst die Zeit von dessen Geburt (1316) bis zur Königswahl (1346). Während die ersten 14 Kapitel unnachsichtig parteiisch verfasst sind und die Geschichte aufeinanderfolgend bis 1340 erzählen, bleiben die letzten 6 Kapitel objektiv distanzierend, deshalb wird angenommen, dass ein anderer Autor aus dem Umkreis des Herrschers dafür verantwortlich ist. Die Lebenserinnerungen ist nicht einheitlich, anstelle beinhaltet auch sonstige literarische Gattungen, z.B. eine Abhandlung über Leben und Herrschaft oder auch eine Schriftexegese zum Fest der heiligen Ludmilla. Schwerpunkte der Darstellung sind aber die Augenblicke im Leben Karls IV., in denen er sich gegen große Widerstände bewährte, so z.B. als er die Vergiftungskrankheit seines Gefolges als einziger durch die Erbarmen Gottes, wie er schreibt, überlebt (Kap. 4). Eine sonstige interessante Erzählung ist die Erzählung einer Erscheinung während einer Übernachtung in der Prager Burg (Kap. 7). Gleichfalls in Kapitel 7 befindet sich eine Vision Karls: Ein Himmlischer Wächter entführt ihn des Nächtens und bringt ihn auf ein Schlachtfeld, auf dem ein anderer Himmlischer Wächter dem Anführer der Angreifer, dem Dauphin von Vienne, die Geschlechtsteile abschlägt, weil dieser gegen den Herrn gesündigt habe. Die Vision folgt dem klassischen Aufbau mittelalterlicher Visionen, und auch die Strafmaßnahme des Dauphin ist ein mittelalterlicher Topos. Der Dauphin Guigo VIII. starb am 28. Juli 1333 tatsächlich an den Folgen einer Wunde, die ihm bei der Belagerung des Schlosses La Perrière zugefügt worden war.

Wenzelslegende Der Kult des Anbeten Wenzels nahm in Karls Leben eine zentrale Stelle ein. Er selbst hieß so weit wie seinem siebten Jahr nach dem böhmischen Nationalheiligen, und ließ auch seinen Erstgeborenen auf diesen Namen taufen. Karls Schrift gilt als Höhepunkt der Wenzelsverehrung. Er verfaßte sie wohl zwischen 1355 – 1361, möglicherweise 1358 als Votivgabe zur Geburt seiner Angehöriger Elisabeth. Wie jede voll entwickelte mittelalterliche Heiligenlegende besteht auch Karls Wenzelslegende aus einer Biografie und einer Wundergeschichte (im Anschluß an die Translatio des Leichnams des Verehren an seine Kultstätte, den Prager Dom). Karl IV. verarbeitete wahrscheinlich seit dem zehnten Jahrhundert überlieferte Viten des Heiligen. Es handelt sich also um eine Zusammenstellung früherer Texte. Karl IV. fühlte sich dem katholischen Stundengebet (liturgia horarum) verpflichtet. Das Stundengebet ist auch noch dieser Tage für die Geistlichen der katholischen Kirche bindend. Der Sinn des Stundengebets besteht darin, jede Tageszeit mit ihrer Besonderheit vor Gott zu bringen. Karl IV. verrichtete das Stundengebet wie ein Geistlicher, da er sich kraft seiner Krönung auch als Diakon fühlte. Während des Weihnachtsgottesdienstes nahm er deshalb auch das Recht wahr, im vollen kaiserlichen Herrscherornat vor Klerus und Volk das Weihnachtsevangelium zu singen. Die Bereitschaft, das Evangelium zu verteidigen, unterstrich er dabei durch dreimaliges Schaukeln des Reichsschwertes. So überrascht es nicht, dass die einzelnen Teile der Wenzelslegende aus Lektionen eines Reimofficiums bestehen. Eine klassische Stelle ist in lectio V zu sehen: das so genannte Fußstapfenwunder. Demnach soll der heilige Wenzel in einer Winternacht in Subjekt seines Dieners die Kirchen der Gegend besucht haben. Der Heilige ging dabei barfuß durch den Schnee, so dass seine Füße bluteten und Spuren hinterließen. Der Diener folgte der Spur des Anbeten und verspürte keine Kälte mehr. Erstens im englischen Sprachgebiet ist dieses Mirakel durch das Weihnachtslied Good King Wenceslas bekannt.

Moralitates Eine Kollektion philosophischer Sentenzen, geistlicher Texte und Überlegungen über verschiedene religiöse und moralische Fragen. Die Moralitates sind ein Beweis für Karls tiefen Glaubens und seine Auffassung von Güte eines Königs: Ein König hat innerhalb der Mitleid Gottes für Recht und Wohlbefinden seines Landes zu sorgen (Kap. 1). In drei Überschriften wird Karl zusätzlich als Urheber genannt. Ein Beispiel der Bibelexegese, und zwar aus dem sechsten Kapitel, in dem Karl IV. als Autor genannt wird («Haec est moralisatio domini Caroli regis Romanorum»). Karl IV. bezieht sich in diesem Kapitel auf eine Stelle in der Schöpfungsgeschichte (Gen. IV, 22) über "Thubalcain, der die Geräte aller Erz- und Eisenhandwerker schmiedete". In der moralisatio des Kaisers wird Thubalcain mit dem Volk gleichgesetzt: Der Mensch habe, nach Karl, die Aufgabe, wie dieser zu handeln: Nämlich so wie Thubalcain dem Metall Töne entlockte, so soll der Mensch durch Kasteiung (castigatio) sich selbst «Töne» entlocken und damit Idealergebnis erreichen.

Fürstenspiegel Die Urheberschaft Karls IV., die der Hrsg. S. Steinherz vertreten hatte, wird in der Wissenschaft dieser Tage nicht länger fiktiv (siehe Fürstenspiegel Karls IV.). Im Fürstenspiegel beschreibt ein nicht näher genannter Kaiser seinem Sohn die richtige Art und Weise des Regierens. Dabei schöpft der Persönlichkeit erstens aus Augustinus und Petrarca.

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Forschungsmeinung

Karl IV. wird oft als der größte römisch-deutsche Kaiser des Spätmittelalters betrachtet. Unstreitig ist, dass Karl hoch intelligent und ein hervorragender Diplomat war sowie ein Typ der Künste und der Wissenschaft. Allerdings werfen gerade die Judenmorde (die teilweise in der Literatur nur beiläufig genannt werden) einen Schlagschatten auf seinen Charakter, der auch nicht den ritterlichen Persönlichkeitsbildern seines Vaters Johann und seines Großvaters Heinrich VII. zu ähneln scheint. Karl war Diplomat - als solcher agierte er allerdings skrupellos und wirkte dabei zum Teil verschlagen.

Negativ angerechnet wurde ihm zum Teil u. a. die Verpfändungspolitik, womit sich das Kaisertum zu einem reinen Hausmachtskönigtum entwickelte. In Italien war er weiterhin nicht bereit, die politische Lage vor Ort zu regeln. Sein Italienzug, bei dem er sich nach der Kaiserkrönung sofort abermals nach Norden aufmachte, wurde von Zeitgenossen sehr kritisch gesehen (Petrarca und Matteo Villani).

In der modernen Lehre wird er jedoch dafür gelobt, dass er sich nicht in die italienischen Verhältnisse verwickeln ließ wie noch sein Großvater Heinrich VII. Seine Regierungszeit wird als der letzte Höhepunkt des alten Reichs im MA empfunden, selbst wenn das Kaisertum Karls kaum noch Ähnlichkeiten mit dem universalen Kaisertum Charakter Zeiten hatte. Außerdem gelang es nicht, die erschaffene Machtstellung auch zu bewahren.

Vertreter der positiven Sicht Karls sind (neben anderen) F. Seibt, P. Moraw und teils J. Hoensch. Partiell sehr kritisch, dabei auch höchst differenziert betrachtet ihn H. Thomas.

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Literatur

  • Eugen Hillenbrand: Karl IV., in: Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 4, S. 995ff.
  • Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie von gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437, Stuttgart 2000, S. 105–192.
  • Martin Kintzinger: Karl IV., in: Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, S. 408–32 und S. 593f. (Bibliographie). Gute und informative Kurzbiographie. Dort auch weitere Angaben zur modernen Forschungsliteratur.
  • Hans Patze (Hrsg.): Kaiser Karl IV. 1316–1378. Forschungen über Kaiser und Reich, Göttingen 1978. Wichtige Aufsatzsammlung.
  • Ferdinand Seibt: Karl IV. Ein Kaiser in Europa, Frankfurt am Main 2003 (Nachdruck der Ausgabe von 1978). Teils etwas zu romantisierend.
  • Ders. (Hrsg.): Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen, Broschüre der Messe in Nürnberg und Köln 1978/79, München 1978. Katalog zur Ausstellung mit Aufsätzen von namhaften Historikern.
  • Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters, Stuttgart 1983, besonders S. 212ff. Beste Darstellung der politischen Geschichte des deutschen Spätmittelalters.

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Weblinks


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cs:Karel IV. da:Karl 4. en:Charles IV, Holy Roman Emperor eo:Karolo la 4-a de Luksemburgio es:Carlos IV de Luxemburgo et:Karl IV (Saksa-Rooma keiser) fr:Charles IV du Saint-Empire ja:カール4ä (神聖ローマ皇帝) ko:카렐 4세 nl:Karel IV van het Heilige Roomse Rijk no:Karl IV av det tysk-romerske rike pl:Karol IV Luksemburski ro:Carol al IV-lea, ÎmpÄrat Roman ru:Карл IV Люксембургский sv:Karl IV (tysk-romersk kejsare)

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