Fischläuse
Aus Schlauweb
| Fischläuse | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
Bild:Argulus.jpg Argulus spec. an einem Stichling | ||||||
| Systematik (TID 100226)
| ||||||
| ||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||
| Branchiura | ||||||
Die Fischläuse oder Karpfenläuse (Branchiura) sind ein Taxon der Krebstiere (Crustacea). Es handelt sich bei ihnen um Tiere, die als Ektoparasiten mit wechselnden Wirten leben. In diesen Tagen sind etwa 130 Arten dieses Taxons bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Merkmale
Äußere Anatomie
Karpfenläuse sind so weit wie zehn Millimeter groß, bleiben im Normalfall allerdings weniger als zwei Millimeter. Sie sind stark dorsoventral abgeflacht und haben einen großen Carapax, der einen großen Teil des Körpers weitest abdeckt. Eine Körpergliederung in einen Kopf, einen Brustbereich (Thorax) und einen Hinterleib (Abdomen) ist sehr gut erkennbar. Das letzte Thoraxsegment und das zweilappige, flossenförmige Organ hochragen an der Hinterseite unter dem Carapax hervor.
Am Kopf tragen die Tiere sehr deutlich erkennbare Komplexaugen, außerdem ist ein zentrales Naupliusauge vorhanden. Die Kopfextremitäten und Mundwerkzeuge sind an die ektoparasitische Lebensweise angepasst. So sind die beiden Antennenpaare hakenförmig fähig und dienen zum Halten der Haut des Wirtes. Die 1. Maxillen tragen an ihrer Basis zusätzlich Saugnäpfe und die 2. Maxillen sind unterseits mit Krallen und oberseits mit Raspelflächen ausgestattet. Die Mandibel ist zu einem Dorn umgebildet, der entweder in einem Saugrüssel (Proboscis) oder einfach zwischen der Ober- und der Unterlippe liegt (bei der Gattung Dolops) und ausfahrbar ist.
Die Thoraxbeine sind zweiästig und dienen als Schwimmäste. Der Hinterleib ist unsegmentiert und abgeflacht, die Furca ist bis auf zwei kurze Anhängsel reduziert.
Innere Anatomie
Der Mitteldarm besteht aus zwei Hauptventrikeln, die stark verästelt sind. In ihnen kann die aufgenommene Nahrung verdaut und gespeichert werden. Zur Exkretion verfügen sie Nephridien an den Maxillenbasen. Der Zirkulation wird durch das Herz im vierten Thoraxsegment angetrieben, zur Atmung dienen vier Bereiche mit einer verdünnten Cuticula an der Thoraxunterseite.
Karpfenläuse sind getrenntgeschlechtlich. Bei den weiblichen Tieren liegt das Ovar unpaar im Brust und geht dahinter dem vierten Thoraxsegment in einen Genitalraum über. Im Unterleib besitzt es Samenspeicherblasen (Receptacula seminis), die auch in den Genitalraum münden. Bei den Männchen münden die im Abdomen liegenden Hoden über eine unpaare Samenblase zwischen dem letzten Beinpaar aus. Zur Begattung verfügen die Männchen spezielle Anhänge am letzten Beinpaar.
Lebensweise
Karpfenläuse parasitieren auf verschiedenen Fischarten und anderen Wirbeltieren im Wasser (etwa Kaulquappen). Sie können als auch im Süßwasser sowohl .... als auch im Meereswasser vorkommen und vermehren sich auch im Aquarium gut.
Die Wirte werden zunächst erst beim Herumschwimmen angestossen und dann gezielt angeschwommen. Die Orientierung erfolgt anti der Strömung, die durch die Atmung im Bereich der Kiemen sowie nachdem den Flossen des Fisches entsteht. Auf diese Weise finden die Karpfenläuse die Kiemen und die Flossenbasen, an denen sie sich mit ihren Mundwerkzeugen festkrallen. Um einen optimalen Ort zum Durchlöchern zu finden, können sie mit Hilfe ihrer Antennen an der Haut des Fisches entlangkriechen. Sie können die gesamte Körperoberfläche des Fisches befallen. Haben sie eine gute Stelle entdeckt wird der Spitzer Gegenstand eingesetzt. Die Karpfenläuse spritzen mit ihm einen gerinnungshemmenden Speichel, danach wird die Wunde mit den Mandibeln indessen weiter geöffnet, bis der Rüssel an ein Gefäß gebracht werden kann.
Als Nahrung annehmen die Tiere als auch Blut sowie Gewebeflüssigkeiten auf, die aufgesaugt und in den Mitteldarmästen verdaut werden. Durch den verästelten Dram können die Tiere sehr viel Nahrung aufnehmen, eine Blutmahlzeit kann entsprechend für so weit wie drei Wochen ausreichen. Durch die Injektion von Spucke sowie durch den Saugvorgang kann dabei der Erreger der Bauchwassersucht Pseudomonas punctata übertragen werden. Der eigentliche Stich der Karpfenläuse ist dagegen für die Fische weitestgehend harmlos. Bei hohem Befall kommt es allerdings zu einer Schwächung der Wirte, die sich durch eine erhöhte Mortalität merklich macht.
Nach der Blutmahlzeit zulassen die Parasiten ihren Wirt abermals los und gelangen so erneut ins freie Wasser.
Da Fischläuse zwecks ihrer parasitären Lebensweise die Wirtstiere schädigen, kommt ihrer Bekämpfung eine große Bedeutung zu. Sie erfolgt üblicherweise mit Trichlorphon.
Fortpflanzung und Entwicklung
Sie findet im Regelfall auf den Wirten statt, wobei das Männchen das Ejakulat erst in der Samenblase sammelt und danach in die Receptacula des Weibchen abgibt. Dabei handelt es sich um einzelne Spermienzellen, nur die Vertreter der Gattung Dolops verfügen Samenpakete (Spermatophoren).
Die Weibchen legen die befruchteten Eier an Steinen oder anderen harten Substraten ab, wobei die Eihülle durch das Wasser aufquillt und die Eier anpicken lässt. Die Weibchen bilden dabei Eiballen oder -schnüre. Dabei bildet etwa das Weibchen der Karpfenlaus Argulus foliaceus innerhalb der 15-tägigen Fortpflanzungszeit durchschnittlich vier Gelege mit alles in allem deutlich reichlich 1000 Eiern.
Nach kurzer Zeit schlüpfen aus den Eiern Larven mit verkürztem Carapax (Copepoditstadien). Schon die ersten Larvenformen sind Parasiten, die Saugnäpfe bilden sich allerdings erst im dritten Stadium. In der Gesamtheit läuft die Entwicklung über neun Stadien.
Systematik
Dieser Tage sind etwa 130 Arten der Karpfenläuse bekannt, die in vier Gattungen eingeordnet werden, von denen Dolops als ursprünglichste betrachtet wird:
- Dolops
- Chonopeltis
- Dipteropeltis
- Argulus
In Mitteleuropa kommen nur drei Argulus-Arten vor, die bekannteste Art ist die Karpfenlaus (Argulus foliaceus), die an allen Süßwasserfischen und auch an Kaulquappen parasitiert. Sie ist holarktisch üblich und mit fast 10 Millimetern Körperlänge recht groß.
Literatur
- Schminke, Horst Kurt: Crustcea, Krebse, in: Westheide, Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere, Gustav Petrijünger Verlagshaus Stuttgart, 1996
- Siewing, Rolf (Hrsg.): Lehrbuch der Zoologie. Band 2: Systematik, Gustav Petrijünger Verlagshaus Stuttgart, 1985
Weblinks
| (TID 646251) | Commons: Fischläuse – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
(TID 269231)
| (TID 646251) | Dieser Artikel wurde in die Aufzählung der Lesenswerten Artikel aufgenommen. |
(TID 368498)
en:Branchiura
lt:Žuvų utėlės
(TID 609552)
1212/52