Konstantinopel
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(TID 424844)
Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις(TID 642898)
/ Konstantinoupolis = "Stadt des Konstantin"), von Griechen um 685 v. Chr. als Byzantion gegründet , war bis 1930 der Name des heutigen Istanbul. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel als das "Neue Rom" die Gemarkung des Byzantinischen Reichs, nach der osmanischen Eroberung 1453 dann die Ort des Osmanischen Reiches. Als Lebenszentrum zweier Weltreiche, an der Verbindung zweier Kontinente, besitzt Konstantinopel eine überragende historische und künstlerische Rolle. Über 1500 Jahre wurden von den Ufern des Bosporus die Geschicke der damaligen Menschheit gelenkt. Als Prototyp einer imperialen Ort ist Konstantinopel vom 4. Jh. bis ins 18 Jh. länger Metropolis gewesen als z. B.Rom (3. Jh. v. Chr.-5. Jh. n. Chr.)
Inhaltsverzeichnis |
Spätantike und byzantinische Zeit
Konstantinopel und das Oströmische Reich
Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches wurde Byzantion 324/326 vom römischen Kaiser Konstantin I. - an Stelle von Trier - als neue Hauptstadt, als "Neues Rom" (lat.: Nova Roma), geplant und sechs Jahre später, am 11. Mai 330 festlich eingeweiht. Wenig später nach seinem Tode nannte man sie zu seinen Verehren Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις(TID 642898)
"Stadt des Konstantin"). Die Ort wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Gemarkung wurden bis ins Einzelne nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, ein Hippodrom für 30.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Trotz seiner Förderung des Christentums ließ der Kaiser auch heidnische Tempel errichten; sein Angehöriger Constantius II. gewährte dann dem Senat der Ort dieselben Privilegien, wie sie der römische genoss.
Konstantinopel wurde in der Folge konsequent zum Mittelpunkt von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur des Oströmischen Reiches ausgebaut und erfüllte diese Aufgabe (mit Unterbrechung) seit dem späten 4. Jahrhundert bis in die Neuzeit par excellence. Dieweil Byzanz/Konstantinopel stand, stand auch das (von der modernen Geschichtsschreibung so genannte) Byzantinische Reich. Fiel die Stadt, fiel das Reich ebenso. In Konsequenz der zentralen Stellung wurde Konstantinopel auch zum kirchlichen Mittelpunkt. Der Kleriker der Stadt, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, war ab 381 Patriarch und beanspruchte eine herausgehobene Stellung. Auch kulturell lebte die Gemeinde in der Spätantike auf: Die Akademie war die jüngste, aber auch größte des Ostreiches und erreichte unter Theodosius I. eine erste Blütezeit, wobei auch die Bibliotheken ausgebaut wurden.
Die Erweiterung Konstantinopels konnte dank der geografischen Lage nur nach Okzident hin erfolgen. Schon Theodosius I. baute die Gemarkung aus. Seither 412 wurde unter Theodosius II. etwa 1500 m europäisch der von Konstantin errichteten Stadtmauer eine neue, teils noch dieser Tage erhaltene Mauer errichtet und so das Areal der Gemarkung von sechs auf zwölf km² verdoppelt. Die Bevölkerung Konstantinopels wuchs rasch und ab einem gewissen Maß gegen den Willen der Herrscher, doch selbst Zuzugsbeschränkungen vermochten den Zuzug nicht zu verhindern. Die Anlieferung der weit über 400.000 Bevölkerung (zur Zeit Justinians waren es vor Eruption der Pest in den 40er Jahren des 6. Jahrhunderts gar zwischen 500.000 und 600.000) stellte die Typ zeitweise vor Probleme, speziell im 7. Jahrhundert nach dem Verlust der "Kornkammer" Ägypten an die Araber, womit die Einwohnerzahl abermals zurückging. Bis etwa 600 gab es in der Gemarkung übrigens noch etliche Bürger mit Latein als Muttersprache, wie u. a. durch Grabinschriften bezeugt wird, erst danach wurde Konstantinopel vollständig gräzisiert.
Um die Warenversorgung sicherzustellen, wurden früh Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer aus- oder neugebaut. Für die Zufuhr der riesigen Ort mit Trinkwasser wurden viele Aquädukte aus dem nordwestlich gelegenen Hügelland errichtet, deren Wasser in mehreren, alles in allem 130.000 m³ fassenden, unterirdischen Zisternen (bspw. der 532 unter Justinian I. fertiggestellten Yerebatan Sarnıçı) gespeichert wurde. Allgemein erfasste die oströmischen Kaiser im 4.-6. Jahrhundert eine auffällige Baulust, von der auch Chalcedon - dessen ungeachtet es ständig im Schlagschatten von Konstantinopel stand - profitierte. So wurde der Port erweitert, sowie Paläste und Kirchen gebaut. Nach den Zerstörungen während des Nika-Aufstandes 532 ließ Justinian I. diverse Gebäude, unten die Hagia Sophia neu errichten.
Militärisch galt Konstantinopel zufolge der Theodosianischen Mauern lange als uneinnehmbar und als die stärkste Festung der bekannten Welt; viele Angriffe und Belagerungen scheiterten an dem mehrfach gestaffelten Befestigungswerk der Stadt. Zu einer ersten Bewährungsprobe kam es 626 durch den Angriff der persischen Sassaniden und der mit ihnen verbündeten Awaren. Mit der islamischen Expansion, während der auch die Araber an der dreifachen Wand der Gemarkung scheiterten, endete einige Jahre später die spätantike Phase der Stadt.
Bild:Konstantinopel shepherd.jpg Konstantinopel im 15. Jahrhundert |
Bild:Eroberung Konstantinopels 1453.jpg Belagerung von Konstantinopel (Ausschnitt aus einer Buchmalerei, 1455) |
Bild:Siege of Constantinople.jpg Gemälde aus dem Jahre 1499 |
Konstantinopel in mittelbyzantinischer Zeit
Die beiden abgewehrten Belagerungen durch die Araber in den Jahren 674-678 sowie 717/18 stoppten den Vormarsch der Muslime nach Westen und sind ebenso wie die Schlacht bei Tours und Poitiers durch die Franken von welthistorischer Bedeutung. Allerdings wirkte sich der endgültige Verlust der reichen römischen Orientprovinzen nach 636 auch auf die Gemeinde aus; so entfielen nun die Getreidelieferungen aus Ägypten. Während die Araber im Laufe des 8. bis 10. Jahrhunderts partiell zurückgedrängt werden konnten, wurden die Bulgaren zur neuen Bedrohung für die Stadt. Zu einer ersten (ebenfalls erfolglosen) Belagerung kam es 813. Die Sequenz der Angriffe riss auch im 9. und 10. Jahrhundert nicht ab, als Bulgaren und Rus, im Anno 1090 die Petschenegen, mehrfach den Versuch einer Eroberung Konstantinopels unternahmen. In der Regel führten diese Belagerung zur Verwüstung des thrakischen Umlands der Stadt, und auch das leichter befestigte Chalcedon wurde mehrfach von Persern und Arabern eingenommen, geplündert und zerstört. Auf Basis von dessen sind dort dieser Tage kaum noch Spuren der byzantinischen Baukunst zu finden.
Trotz wiederkehrender Stadtbrände, Seuchen und Erdbeben blieb Konstantinopel bis ins MA eine der wenigen "Weltstädte" (neben Bagdad, Kairo und Córdoba), und die mit Abstand größte und wichtigste christliche Metropole. Unter Justinian hatte sie sie im 6. Jahrhundert wie schon beschrieben ihre erste und größte Blüte erreicht, die Einwohnerzahl durchbrach einmal die 500.000er Marke. Doch bis Mittelpunkt des 8. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl nicht zuletzt aufgrund der Araber-Belagerungen zurück, um dann allerdings bis ins 12. Jahrhundert auf angeblich etwa 700.000 Bevölkerung anzusteigen.
Gebietsverluste dank militärischer Niederlagen (u.a. in der Schlacht von Manzikert im Anno 1071) zwangen die Byzantiner Ende des elften Jahrhunderts, Hilfe im christlichen Europa zu suchen. Dem Vordringen der Normannen über Süditalien bis auf das griechische Land konnte nur dank der Venezianer Einhalt geboten werden, im Gegenzug wurden ihnen Handelsprivilegien, Zollnachlässe sowie eine Handelsniederlassung in Konstantinopel vertraglich zugesichert. Andere Hilfsgesuche im Abendland führten zum Ausruf des Ersten Kreuzzug durch Kirchenoberhaupt Urban II., daher ein Heer aus allen Teilen Westeuropas Tendenz Konstantinopel zog, wo im Apr. 1097 die letzten Abteilungen eintrafen. In der Stadt am Bospuros sahen die Streiter eine fortschrittliche Infrastruktur, die sie aus keiner ihrer Städte auch nur annähernd kannten. Es gab Aquädukte, Bäder und Kanalisation, Kliniken mit Abteilungen für die unterschiedlichsten Krankheiten, eine große Universität, selbst Herren in Grün und Feuerwehr. Händler aus aller Welt trafen sich auf den Basaren der Stadt, deren großer Reichtum auf dem Überseehandel beruhte. Kaiser Alexios I., der angesichts der teuflisch anmutenden Horden um seine Ort besorgt war, beeilte sich, das Kreuzfahrerheer auf die asiatische Seite des Bosporus zu befördern. Das gut 50.000 Mann starke Heer eroberte noch im gleichen Jahr die nahe gelegene Sultanats-Hauptstadt Nicäa und zog dann weiter Trend Jerusalem. Dem dicht bedrängten Konstantinopel war wiederholt etwas Luft verschafft worden.
Das hergebracht freundliche Verhältnis der Byzantiner mit Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die wieder und wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sog. "Lateiner" als Provokation. Die explosive Stimmung entlud gegenseitig 1171 in den "Lateinerpogromen", als die byzantinische Regierung zuerst den Hab und Gut tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließlich einkerkerte. Angeblich wurde wenn schon der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet. Trotz eines 1177 beschlossenen Friedens beeinträchtigten das Vorfall der "Lateinerpogrome" die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 1202 ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff nahm, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären. Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzritter blieben trotz "getaner Arbeit" in der Stadt. Als sie eine Moschee entdeckten - es gab seither 718 vermöge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel - und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel.
Nachdem Isaak II. sowie sein Familienangehöriger Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Soldat aus der Gemeinde verwiesen. Diese bereiten im Weiteren einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Am 13. April 1204 gelang es ihnen, die Ort von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Die anschließende Plünderung der Ort dauerte drei Tage. Diverse Bewohner der kosmopolitischen Großstadt wurden dabei getötet. Verschiedene Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, verschiedene Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien über ganz Westen zerstreut. So führen zu z. B. die Skelette der Heiligen Drei Könige, die dieser Tage im Dreikönigsschrein im Kölner Dom ruhen, ursprünglich aus Konstantinopel. Von der Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzritter hat sich Konstantinopel für den Rest des Mittelalters in der Regel nicht nochmal erholt.
Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken
Die Streiter zerstückelten das Byzantinische Heerschaftsgebiet und errichteten das sog. Lateinische Kaiserreich. Dieses hielt nur kurz bestand, schon 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Gemarkung im Überfall zurück. Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang erneut hergestellt, verlor aber in der Folge immer zusätzliche Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Markt des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, besonders Venedig, verloren. Die Itaker unterhielten Handelsniederlassungen im Viertel Pera (heute BeyoÄlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns.
1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman, einem Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Eiland im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab.
Zig Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Ort unter Mehmet dem Eroberer unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig. Die Überlebenden wurden mit Ausnahmefall der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privateigentum retten.
Mehrere Bürger und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und in erster Linie Norditalien, und nahmen dabei diverse erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der "Wiederentdeckung" antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der in diesen Tagen als Renaissance bezeichnet wird.
Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Gemeinde ihres Reiches machten, das Stadtbild neu. Unzählige Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut. Bald durften die vertriebenen Griechen und Armenier zurückkehren und prägten das multikulturelle Bild einer im europäischen Vergleich der damaligen Zeit toleranten Gemeinde bis zum Ende des Osmanischen Reiches.
Osmanische Zeit
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Nach der Eroberung nannten die Türken die Gemarkung im Alltagsgebrauch İstanbul, auch wenn der inoffizielle Name bis in die 1920er Jahre weiter Konstantinopel blieb; auch wird bis auf den heutigen Tag im griechischen Sprachbereich Konstandinúpoli gesagt. Der Name Ästanbul (im deutschen Sprachgebiet früher auch Stambul) leitet sich aus dem griechischen εἰς τὴν πόλι(ν), in der Koine zu is tim boli(n) verschliffen, ab, was in die Stadt bedeutet. Es geben eine vielzahl von Theorien über die Namensgebung. Jedoch besagt die Legende : Zu Zeiten Sultan 2. nach der Eroberung Konstantinopels flüchteten die Christen aus Beklemmung vor Übergriffen aus der Stadt. Kurz darauf gebot Fatih Sultan Mehmet besonderen Schutz der Christen. Auf den Pferdewagen gängig sich dann der Spruch eis ten polin, "in die Stadt". Mit der Zeit wurde dies der Name der Stadt.
Die Gemarkung wurde Wohnsitz der Sultane und Gemarkung des Osmanischen Reiches. Sie behielt nahe der politischen große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und ein internationales Gepräge. Selbst das Patriarchat blieb erhalten, bis 1821 spielten Griechen eine wichtige Rolle. Unter Süleyman dem Prächtigen (1520-1566) war Ästanbul die Ort eines riesigen Reiches, das von Ungarn über Belgrad bis Bagdad und weit nach Nordafrika reichte. Das Osmanische Reich war auf dem Höhepunkt seiner Macht, was sich in einer Masse von Palästen und Moscheen des Architekten Sinan, des größten osmanischen Architekt seiner Zeit, widerspiegelt. Schon seinerzeit begann aber der Niedergang. Fehlende Reformen, korrupte Wesire, die Macht der Sultansfrauen sowie die Abschottung gegen moderne Tendenzen bewirkten, dass man trotz einer schönen Fassade im 19. Jahrhundert schließlich vom "kranken Mann am Bosporus" sprach, wenn man das Osmanische Reich meinte.
Ab dem 17. Jahrhundert kam es zu einem massiven Zuzug von Armeniern aus allen Benötigen des Osmanischen Reichs. Zentrum des 19. Jahrhunderts lebten schon über 220.000 Armenier in Konstantinopel, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Es bildete sich eine kulturelle armenische Infrastruktur, die schließlich zu einem literarisch-kulturellen sowie politischen Aufbruch der westarmenischen Gemeinschaft führte. Ein wichtiger Chronikschreiber dieser Zeit ist der deutsche Berichterstatter und Autor Friedrich Schrader, der von 1891 bis 1918 in Konstantinopel lebte und arbeitete.
Imperiale Bauwerke
Als Kaiser Konstantin zwischen 324 und 330 ein neues Zentrum für das römische Reich am alten Byzanz gründetete, sollte dieses allmählich Rom als Kapitale ablösen. Um den Gedanken eines Nova Roma Aplomb zu verleihen, musste dieses dann auch architektonisch ausgebaut werden. Da Konstantinopel ansonsten von Anfang an christlich geprägt war und das Christentum Staatsreligion wurde, ohne das im Übrigen auf den Kaiserkult verzichtet wurde, bekam Konstantinopel ein durch Votiv- und Gedenksäulen, Foren, Palästen, dem Hippodrom und natürlich zahlreichen christlichen Kirchen geprägtes Aussehen.
Ältestes erhaltenens Baudenkmal Konstantinopels ist die Konstantinssäule. Die einmal knapp 50 M hohe Porphyrsäule bekrönte ursprünglich eine Statue des Helios aus Ilion. Der Kopf des Sonnengottes war von sieben Strahlen umkränzt, in die man Passionsnägel einarbeitete, während das Innerer der Statue einen Splitter vom Kreuz Christi barg. Im Jahr 1105 wurde die Statue bei einem Unwetter zerstört und durch ein Kreuz ersetzt. Die Säule wurde zum Symbol der Stadt, und die letzten byzantinischen Chronisten berichten, dass sich am Tag der Eroberung durch Sultan Mehmed II. die Mensch frühmorgens um sie versammelten, um auf den rettenden Seraphim des Herrn zu warten.
Daneben der Konstantins-Säule bildete erst einmal das Hippodrom den Mittelpunkt der Gemeinde und war Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Kaiser und Volk, hier demonstrierte der Kaiser seine Macht und dort finden sich daher auch einige repräsentative Objekte. Weiter der Spina, der Trennmauer zwischen den beiden Richtungsbahnen, um welche die Streitwagen kurvten, stellten Konstantin und seine Nachfolger Statuen und Denkmäler auf. Unterhalb ein ägyptischer Obelisk vom Tempel in Karnak und die bronzene Schlangensäule aus dem 6. Jh. v. Chr.
Unter Kaiser Thedosius wurde vorwärts der Wegstrecke der kaiserlichen Triumphzüge drei Foren erreichtet. Auf dem Forum Tauri stand die Ehrensäule des Kaisers Theodosios, geschaffen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom. Andere Säulen sind die Arkadios-Säule, Markian-Säule sowie die Justinian-Säule. Diese jüngste der Säulen ist ebenso wie die Konstantins-Säule aufs engste mit der Geschichte Konstantinopels verbunden. Die 543 eingeweihte 35 m hohe Säule trug ein Reiterstandbild Justinians I. in drei bis vierfacher Lebensgröße. Als Mehmed II. Konstantinopel eroberte, bestanden eine seiner ersten Taten darin, die Statue zu vernichten.
Literatur
- Friedrich Schrader: Konstantinopel in Vergangenheit und Gegenwart, Tübingen 1917
- Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1977. ISBN 3-8030-1022-5 (Standartwerk zu Stadtentwicklung und Bauten)
- John Freely; Hilary Sumner-Boyd: Istanbul : ein Führer, 3., durchges. Aufl., München 1986, ISBN 3-7913-0098-9
- Philip Mansel: Constantinople - City of the world's desire 1453-1924, London 1995. ISBN 0-14-026246-6
- Wolfgang Müller-Wiener: Die Häfen von Byzantion - Konstantinopolis - Istanbul, Tübingen, 1997, ISBN 3-8030-1042-X
- Dogan Kuban: Istanbul - an urban history : Byzantion, Constantinopolis, Istanbul, Istanbul 1996, ISBN 975-7306-20-7
- Stéphane Yerasimos: Konstantinopel, Istanbuls historisches Erbe, Köln 2000, ISBN 3-8290-1896-7
- Klaus Kreiser: Istanbul : ein historisch-literarischer Stadtführer, München 2001, ISBN 3-406-47191-9
Koordinaten: 41° 0′ 33" N, 28° 58′ 33" O
(TID 488883)
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(TID 222120)
bg:Константинопол
ca:Constantinoble
cs:Konstantinopol
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da:Konstantinopel
el:Κωνσταντινούπολη
en:Constantinople
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(TID 7592)
3080/173