Kunst
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| Bild:Disambig-grau2.png | Dieser Artikel behandelt den allgemeinen Begriff Kunst im ästhetischen Feld. Zum Fachrichtung Kunst siehe Kunstpädagogik. Zum Begriff Kunst im Bergbau siehe Bergmannssprache. |
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Der Begriff Kunst hat im Laufe der Geschichte und in verschiedenen Kulturen seine Bedeutung zeitlebens verändert und tut es noch. Er wird von Künstlern, Kunsttheoretikern, Historikern, Philosophen, Soziologen und der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Oft wird der Begriff Kniff auch mit der Bedeutung "Werk der Bildenden Kunst" verwendet. Kniff ist ein Kulturprodukt, eine Konsequenz von Menschen, das Ergebnis eines kreativen Prozesses, an dessen Ende entweder das "Kunstwerk" steht oder auch - wie seit der Moderne - der Prozess selbst als Ergebnis gewertet wird. Jede Kultur hat demnach Kniff hervorgebracht.
Der Kunstbegriff ändert sich mit der Geschichte: Seit der Aufklärung versteht man unter Kniff zuerst die Ausdrucksformen der Schönen Künste:
- Bildende Kunst mit den klassischen Gattungen Malerei, Bildhauerei, Architektur und dem seit dem 19. Jh. sogenannten Kunstgewerbe (Angewandte Kunst) und als Grenzland dem Kunsthandwerk
- Darstellende Kunst mit den Hauptsparten Theater, Tanz und Filmkunst
- Musik mit den Hauptsparten Vokalmusik und Instrumentalmusik
- Dichtung mit den Hauptgattungen Epik, Drama und Lyrik
Speziell in der Bildenden Kunstgriff haben sich die Ausdrucksformen und Techniken mit Beginn der Moderne - etwa mit der Fotografie und später der Medienkunst - stark erweitert. Für eine ausführlichere Anleitung siehe Artikel Bildende Kunst. Bei den Darstellenden Künsten gestatten sich dieser Tage auch die Ausdrucksformen der Neuen Medien dazuzählen, in Hörfunk, Fernsehen und Internet.
Ein sogenanntes Gesamtkunstwerk miteinander die Ausdrucksformen mehrerer Künste. Als Synästhesie bezeichnet man Überschneidungen von Sinneswahrnehmungen, in den Künsten etwa "Klangfarbe" in der Klänge oder "Farbklang" in der Malerei.
Inhaltsverzeichnis |
Etymologie und Wortgebrauch
Kunst ist ein deutsches Wort. Schon im Althochdeutschen lautete es „kunst“ (Plural „kunsti“), im Mittelhochdeutschen „kunst“ bzw. „künste“ (Pl.). Ursprünglich ist kunst ein Substantivabstraktum zum Verbum „können“ mit der Bedeutung "das, was man beherrscht; Kenntnis, Wissen, Lehre, Meisterschaft". Die Redensart "Kunst kommt von Können" ist also etymologisch, dem Wortursprung nach, richtig. Die Bedeutung und Verwendung des Wortes in der Schrift- und Gelehrtensprache wurde jedoch stark von lateinisch ars geprägt (Lehnbedeutung). Besonders seit der Neuzeit wird der Begriff kumulativ mehrdeutig, weil angrenzend "alte" Verwendungen des Wortes (im Sinne von "Lehre, Wissen") "neue" treten (im Sinne von "autonome, schöne Künste").
Der Begriff Kunst wurde und wird mithin gebraucht:
- Im Sinn von Wissen, Erkennen, Erkenntnis, Einsicht
- Seit dem 16. Jahrhundert wird Kunst nicht nur zur Erklärung eines Wissens gebraucht, der Begriff wird ebenso synonym für Philosophie, aber auch die (Natur-)wissenschaften gebraucht. Luther unterscheidet die guten Künste, mit denen er die Lehre des Evangeliums meint, von den freien Künsten, den antiken „artes liberales“ (siehe unten).
- Im Sinn von Fertigkeit
- Gemeint waren Fertigkeiten innerhalb eines Fachgebiets sowie die Spektrum einer Fertigkeit (Reitkunst, Kochkunst, Fechtkunst) oder Tätigkeit. Eine negative Nebensinn erhalten diese Künste, wenn damit Listen oder geschickte Täuschungen gemeint sind (Diebeskünste, Verschönerungskünste, Schwarze Kunst, Verführungskunst oder Zauberkunst). Aus dem Bedeutungsfeld der Verstellungen kommt auch das Eigenschaftswort „gekünstelt“.
- Im Sinn von Handwerk
- Im Wort Kunsthandwerk steckt dieser Tage noch das Handwerk. Bis ins 18. Jahrhundert wurde Kunst auch als Synonym für die Ausübung eines Handwerks benutzt. Erhalten hat sich dieser Verwendung in Worten wie Flechtkunst, Töpferkunst. Mit Kant lässt sich schließlich die Trennung der Begriffe konstatieren: „Im engern Sinne sind Handwerk und Kniff genau unterschieden, obwol es an naher Berührung, ja Verflieszen von beiden nicht fehlt (vergl. Kunstgewerbe): die Kunstfertigkeit wird vom Handwerk unterschieden, die erste heiszt freie, die zusätzliche kann auch Lohnkunst heiszen“.
- Im Sinn von Forschung
- Seither Leibniz kennt man die Bezeichnung wissenschaftlicher Disziplinen als „Sprachkunst (Grammatica), Rhetorik (Rhetorica), Messekunst (Geometria), Beweiskunst (Logica), Sittenkunst (Ethica), Sehkunst (Optica), Zergliederkunst (Anatomia), Scheidkunst (Chymia) u.a.“. Bald jedoch wird die Kniff von der Wissenschaft unterschieden. Goethe meint dazu: „Kunst und Lehre sind Worte, die man so oft braucht und deren beziehungsweise Unterschied selten verstanden wird, man getragen oft eins für das andere, und schlägt dann gegen zusätzliche Definitionen vor: ich denke, Lehre könnte man die Ahnung des Allgemeinen nennen, das abgezogene Wissen, Kunstgriff dagegen wäre Forschung zur That verwendet. Forschung wäre Vernunft, und Kunstfertigkeit ihr Mechanismus, deshalb man sie auch praktische Forschung nennen könnte. und so wäre denn zu guter Letzt Forschung das Theorem, Kniff das Problem.“
- Als Gegensatz zu Natur
- Nicht zuletzt im Anhang der Aufklärung und ihrem neuen Naturbegriff wird Kunst als Gegensatz zu Natur, als künstlich sondern von natürlich verstanden. In diesen Tagen verwendet man das Präfix Kunst- als Bezeichnung für „nicht natürlich“: Kunstpelz, Kunststoff, Kunstblume, Kunstauge etc.
- Im Sinn von Schönen Künsten
- Kunst im heutigen, am häufigsten gebrauchten Sinn wurde unkonkret vorerst von Winkelmann, Lessing, Herder, Goethe und Schiller geprägt. In ihren ästhetischen Schriften beschreiben sie die menschlichen Hervorbringungen zum Zwecke der Erbauung als Kunst, sei es im Theater, in der Literatur, in der Musik oder die Werke „bildender Künstler“, auf die sich der Begriff schließlich kumulativ verengt. So hat sich Kunst- auch als Präfix für Wortbildungen wie Kunstausstellung, Kunstwerk, Kunstauktion etc. herausgebildet.
- Im Sinn von Maschine
- Ab dem 18. Jahrhundert entwickelt sich außerdem eine Bedeutungslinie, die Kunstgriff als Bezeichnung für eine Maschine oder einen automatisch hergestellten Gegenstand verwendet (Feuerkunst für Feuerspritze, Dampfkunst für Dampfmaschine, Wasserkunst für Springbrunnenanlagen). Speziell Vorrichtungen zum 'Fördern' von Lasten im Bergbau werden Kunst genannt.
- Im scherzhaften Sinn von Arsch
- Der Vollständigkeit halber soll nicht schweigsam werden, dass das Wort im 16. und 17. Jahrhundert spaßhaft für „Hinterteil“ benutzt wurde. Als lateinische Kunst (Kunst heißt im Lateinischen ars) wurde da scherzhaft bezeichnet, was im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen im gleichen Sinne vor ...ars hieß und dieser Tage zu Arsch geworden ist.
Geschichte des Kunstbegriffes
Eine kurze Geschichte der Bildenden Kunst enthält der Artikel Bildende Kunst und der Artikel Kunstbegriff. Einen Zugang zu den einzelnen Fachportalen, die sich mit den verschiedenen Künsten beschäftigen, erhält man im Portal:Kunst und Kultur.
Vorgeschichte
Kniff ist vom Ursprung her eine kultische Erscheinung, die sich aus den vorzeitlichen Religionen entwickelte. Und Malerei und Skulptur, wie auch Töne und Tanz und Dichtung treten schon in der Altertum in Erscheinung und bleiben bis in frühgeschichtliche Zeit an den Kult gebunden. Die Baukunst in Baustein beginnt vor 11.000 Jahren mit den Rundtempeln in der Levante. Geschichtlich entwickelten sich die Künste aus ihrem Beitrag zur materiellen Organisation von Kulten und Ritualen. In der Frühzeit menschlicher Entwicklung ist das Auftreten von Kniff einer von mehreren Indikatoren für die Bildung von Bewusstsein und menschlichem Denken. Kunst meint in diesem Zusammenhang Verrichtungen (z.B. Musizieren) oder Darstellungen, die keinen unmittelbaren Nutzen zur Lebenserhaltung erkennen lassen. Prähistorische Funde von Musikinstrumenten, Statuetten und Höhlenmalereien stillstehen vermutlich alle in Zusammenhang mit ersten religiösen Kulten. Bei heutigen Naturvölkern lässt sich die frühe Kultfunktion von künstlerischen Ausdrucksformen ebenso studieren wie eine anthropologische Konstante: das Bedürfnis (sich) zu schmücken, das sich im Ornament zuerst herausgebildet hat. Diskutiert werden außerdem soziologische Funktionen von künstlerisch bzw. ornamental gestalteten Artefakten wie Spangen, Fibeln, Waffen etc. in den Clangesellschaften der Vor- und Frühgeschichte. Damit fungiert Kunst seit frühester Zeit auch als Distinktionsmerkmal, wie es von der jüngeren Kunsttheorie und - soziologie diskutiert wird. Da die Urgeschichte per definitionem eine schriftlose Ära ist, gibt es keinerlei Überlieferungen eines zeitgenössischen Kunstbegriffs.
Antike
Von den frühen so weit wie den späten antiken Kulturen, vom ägyptischen Alten Reich über das Klassische Griechenland bis zum späten Rom, sind eine Fülle von Kunstwerken erhalten: Architektur, Skulpturen, Fresken und Kleinkunst. Dass sie als solche bezeichnet werden, ist jedoch ein Anachronismus, denn zur Zeit ihrer Entstehung galten Malerei und Bildhauerei nicht als Kunst, zugunsten als Handwerk, ihre Erzeugnisse als Produkte von Handwerken, nicht aber Künstlern. Das Theater war schon fortgeschritten und geachtet, aber wesentlich Element kultischer Handlungen. Als freie Künste (artes liberales) wurden in der Antike jene Kenntnisse und Fähigkeiten bezeichnet, die einem freien Mann – nicht aber einem Sklaven – zur Verfügung stillstehen sollten. Marcianus Capella (um 400 vor Chr.) hat generell sieben Künste in zwei Gruppen eingeteilt: das Trivium beinhaltete Grammatik, Dialektik und Rhetorik; das Quadrivium umfasste Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik. Von den Schönen Künsten im modernen Sinn war also allein die Tonkunst in der Antike eine anerkannte Kunst. Niederes Handwerk waren dagegen die mechanischen Künste, die mit der Hand ausgeführt werden mussten, worunter eben auch die Malerei oder die Bildhauerei fielen.
Der Antagonismus von Kunst, die überwiegend aus dem Geist entsteht, und Kunst, die händisch gefertigt werden muss, wird sich in der Bildenden Kniff über 2000 Jahre oft zwei Paar Schuhe manifestieren, vom Paragone in der Renaissance (dem Wettstreit der Kunstgattungen, welche die edelste von allen sei) über den deutschen Idealismus des 18. Jahrhunderts und seinen Anteil am modernen Kunstbegriff (der technisches Können nur noch als banales Gerätschaft des Künstlers begreift seiner Idee Ausdruck zu verleihen) bis hin zur Konzeptkunst der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die die künstlerische Idee gänzlich vom ausgeführten Artefakt entkoppelt.
Mittelalter
Mit den Umbrüchen der Völkerwanderungszeit löste sich das antike Kunstleben europäisch so gut wie auf. Der mittelalterliche Kunstbegriff übernimmt jedoch das Schema der artes mechanicae wie der artes liberales, der freien Künste des (philosophischen) Grundstudiums, die in den drei großen Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgesetzt wurden. Der bildende Künstler ist nach wie vor Berufstätiger und in Zünften wie alle anderen Berufe organisiert. Als Individuum tritt er selten in Erscheinung, die Signatur eines Werkes ist unüblich. Auftraggeber für fast alle künstlerischen Produktionen - Malerei, Bildhauerei, Musik, Theater - ist die Kirche. In geringerem Maße lässt auch der feudale Adel Kunstwerke in Auftrag geben. Es entstehen profane und sakrale Ausdrucksformen, Bildtypen, Musikformen etc. Vertrat man in der Antike noch ein naturalistisches Menschenbild und versuchte, die Natur möglichst gut nachzuahmen, so definierte gegenseitig Schönheit im MA über den geistigen (religiösen) Gehalt einer Darstellung, wie er von den Scholastikern als Schönheit Gottes erkannt wurde, die sich in der Kunstfertigkeit zurückwerfen sollte.
Neuzeit
Der Stellenwert der bildenden Kunstfertigkeit und der Arbeit des Künstlers ändern sich in der Neuzeit mit dem Übergang zu einer bürgerlichen Gesellschaft: Wo vor meist i. A. von Kirche und Adel Werke geschaffen werden, wächst mit dem gebildeten Kunstsammler ein neuer Rezipiententyp heran. Dieser Prozess beginnt zuerst in Italien mit der Frührenaissance und setzt sich ab Zentrum des 15. Jahrhunderts in ganz Okzident fort. Die Städte erstarken und mit ihnen die Kaufleute, die ihre neue Stellung in der Feudalgesellschaft mit Kunstgriff demonstrieren. Der Künstler emanzipiert sich, gefunden sich als Subjekt, und schafft Werke, deren Hauptzweck nicht länger die Repräsentation eines Glaubensinhalts oder der Macht eines Fürsten ist, stattdessen die fachkundige Auseinandersetzung über Entwurf, Ausführung und Könnerschaft. So entstehen hoch komplexe ikonographische Bild- und Architekturprogramme, die zu enträtseln eine Aufgabe für das Kunstpublikum wird. Es entsteht eine neue literarische Gattung: Kunstliteratur, Schreiben über Künstler und Kunst. Der nunmehr autonome Künstler denkt über seine Rolle nach, was in der bildenden Kunstfertigkeit im sogenannten Paragone öffentlich gemacht wird. Die Wiedergeburt, die im Begriff Renaissance angesprochen wird, bezieht sich auf die erneute Anknüpfung an die klassische Antike, auf deren Menschenbild und Naturbegriff die Kunstproduktion aufbaut. In der Tonkunst und Literatur blühen nicht-kirchliche Werke.
Die Reformation gezwungen die Schwächung der römisch-katholischen Kirche als wichtigstem Auftraggeber der Künstler, was auf dem Konzil von Trient mit einem ausführlichen Gegenkonzept beantwortet wird. Die Zwang einer katholischen Gegenpropaganda legt den Grundstock für die Detonation der künstlerischen Erzeugung in Tonkunst und Bildender Kunstgriff im Barock.
Aufklärung
In der zweiten Hälfte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Aufklärung, begannen die gebildeten Kreise Gemälde, Skulpturen und Architektur, sowie Literatur und Musik als Kunstgriff im heutigen Wortsinn zu diskutieren. Themenverbindend wurde die Ästhetik in Begrenzung zum Hässlichen als Rubrik zur Qualifizierung von Kunstwerken begründet. Freiheit wurde zum Ideal für Politik, Forschung sowie für die sich allmählich als eigenständige Bereiche herausbildenden Literatur und Kunst. Der handwerkliche Aspekt künstlerischen Schaffens verlor an Bedeutung. Mit dem deutschen Idealismus stand die Idee über dem Artefakt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen Prozess war die durch die beginnende Industrielle Revolution beschleunigte Säkularisierung.
Die Unterscheidung zwischen Literatur und Kniff war das Ergebnis der kurz erstens begonnenen Literaturdiskussion, die sich nimmer mit allen geistigen Arbeiten befasste, für Romane, Dramen und Gedichte als Literatur in einem gewandelten Wortsinn zusammenfasste. Im Bestreben, ein größeres Publikum anzusprechen, wurde der Fachbegriff Kunst zunächst auf Gemälde und Skulpturen verengt, auf Gegenstände, die in den Zeitungen und Zeitschriften - den Journalen, die es seit dem frühen 18. Jahrhundert gab, vorgestellt und beurteilt wurden. Es entstand ein verbreitetes Rezensionswesen. Die Begriffe Werk, Original und Genie als Ausdrucksformen der Individualität des Künstlers wurden durch Kant geprägt. Man unterschied zwischen inneren und äußeren Bildern. Intern Bilder waren z. B. Sprache, Vorstellungen und die Ideen, äußere im Kontrast dazu Einrichtungsgegenstände, Bauwerke oder handwerklich gefertigte Dinge.
Dem Freiheitsgedanken gemäß ist der bildende Künstler nicht länger einem Auftraggeber verpflichtet, anstatt produziert unabhängig für einen neu entstehenden Kunstmarkt. Damit wandeln sich einerseits die Themen, die zugunsten religiöser und mythologischer Motive, Porträt und Allegorie nun z. B. auch Schilderungen aus der Arbeitswelt des aufkommenden Industriekapitalismus umfassen. Zum anderen entwickeln sich individuelle Stile, die nicht zuletzt als Markenzeichen, modern gesprochen als Marketinginstrument der konkurrierenden Künstler dienen. Auch Komponisten wie Mozart verabschieden sich aus festen Anstellungen bei weltlichen oder kirchlichen Fürsten. Diese neue Unabhängigkeit ist mit entsprechenden Risiken verbunden, das romantische Bild des verarmten Künstlers, verbunden mit dem Geniebegriff sind die Folgen.
Moderne
Die Aufklärung bereitete den Kunstbegriff der Moderne vor. Emanzipierte sich am Ende des Mittelalters der Künstler zum autonomen Subjekt, so emanzipierte sich am Ende des barocken Feudalismus das Kunstwerk selbst und wurde autonom. Im Zeitalter von Maschinen, Arbeitsteilung und Automatisierung veränderte sich der Status von handwerklicher Arbeit in der Kunst. Kunstgriff existiert nun nimmer in Funktionszusammenhängen, anstatt allein aus sich heraus, wird zu L'art pour l'art. Die in Funktionszusammenhängen verbleibenden Kunstformen einrichten sich unter dem neuen Hyperonymie Kunstgewerbe oder Angewandte Kunst.
Güter in der bildenden Kniff bisherig Kunststile und Epochenbezeichnungen nachträglich dem jeweiligen Kunstschaffen angehängte Termini, so prägen nun Künstler oder ihre diskursiven Gegen- und Mitspieler, die neue Gruppe der Kunstkritiker, selbst ihre Kategorien: es entstehen zahllose, teilweise parallele Ismen.
Mit dem Beginn der Moderne beginnt zugleich der Antagonismus der Gegenmoderne. Güter bis zur Aufklärung die Adressaten für Kunstfertigkeit nur ein sehr geringer Kreis (der Klerus, der Adel, das reiche Bürgertum), so erweitert sich das Publikum mit der Entstehung des freizugänglichen Kunstmarktes, den zu seiner Förderung veranstalteten öffentlichen Ausstellungen ("Salons) und den in der Presse eröffneten Debatten über Kunst, der üppig verlegten Literatur etc. beträchtlich. Zugleich konzentrierte sich die künstlerische Auseinandersetzung und in bildender Kniff wie der Tonkunst oder Literatur immer stärker auf die Untersuchung der eigenen Entstehungsbedingungen. In dem Maße, in dem sich die Kunstfertigkeit selbst thematisierte (Metakunst), verlor sie das Interesse der breiten Schichten, denen sie als Avantgarde eigentlich führen wollte.
Blieben zuallererst Konflikte um Kunstgriff intern und waren z.B. patriotischer Natur (Florentinisches Disegno contra Venezianisches Colore) oder eine Fragestellung des Geschmacks (Rubenisten contra Poussinisten, Streit der Anciens et Modernes etc.), so verweigern nun ganze Teile der Gesellschaft der Kniff ihrer Zeit die Akzeptanz. Es entwickelt sich eine Gegenmoderne, die sich ihre eigenen Ausdrucksformen sucht, u.a. im rückwärtsgewandten Kitsch und im Anachronismus, in verschiedenen Neoklassizismen oder in der aktiven Diffamierung der Moderne.
Einen Höhepunkt erreicht diese Rufschädigung im Nationalsozialismus, der mit dem Schlagwort Entartete Kunst die Klassische Moderne vollkommen zu treffen versuchte: durch Berufsverbote, höhnische Präsentationen bis hin zur physischen Vernichtung. Ab November 1936 wurden nach und nach alle Abteilungen der Kunstgriff des frühen 20. Jahrhunderts in den deutschen Museen aufgelöst. In der Sowjetunion entstanden in den 20er Jahren die noch als revolutionär empfundene Avantgarden Konstruktivismus und Suprematismus, mit Beginn des Staatskapitalismus gewinnt der anti-moderne Reflex die Überhand und führt zum Sozialistischen Realismus in Literatur, bildender Kunstfertigkeit und Musik.
Postmoderne
Die postmoderne Anschauung von Kniff stellt teilweise die Ideen von Freiheit, Originalität und Authentizität nochmals in Frage, setzt bewusst Zitate anderer Künstler ein und verbindet historische und zeitgenössische Stile, Materialien und Methoden und unterschiedliche Kunstgattungen miteinander. Kunstbetrieb und Ausstellungsorte werden von einer Metaebene aus hinterfragt (White Cube). Die Grenzen zwischen Design, Popkultur und Subkultur zum einen und Hochkultur andererseits verschwimmen.
"Zeitgenössische Kunst", "Kunst der Gegenwart" und ähnliche Sammelbegriffe fangen gegenwartsbezogene Kunstgriff nur sehr allgemein. Der Begriff Künstlerische Avantgarde ist für die seit Beginn der Postmoderne entstehende Kniff überholt, da es in offenen Gesellschaften und Kulturen keine allgemeinverbindliche Tendenz für eine Führung oder für Vorreiter geben kann. Daher wird der Begriff "Zeitgenössische Kunst" auch zur Paraphrase für künstlerischen Arbeiten oder Handlungen benutzt, die in der Gegenwart etwas so wahrnehmbar machen, dass sie kulturell bedeutend in die Futur wirken. In diesem Sinne freie und zeitgenössische Kunstgriff ignoriert scheinbar alle Bedingungen, akademischen Regeln und Einteilungen, alle Kunststile, Kunstsparten und kulturellen Grenzen, während sie sich gleichzeitig die Ungebundenheit nimmt, sie je nach künstlerischem Bedarf zu reflektieren, zu bearbeiten und zu nutzen.
Derartige Kunstfertigkeit repräsentiert ein selbstbestimmtes "System Kunst", das sich ähnlich dem selbstbestimmten "System Wissenschaft" im Laufe der Industrialisierung herausgebildet hat. Zeitgenössische Kniff als global und interkulturell funktionierendes System gemeinsam die Ursprünge in verschiedenen Kulturen, wobei für die abendländische Kunstgeschichte die antike griechischen Philosophie als historische Basis besonders bedeutend bleibt. Auch zeitgenössische Kunstgriff lässt herkömmliche Einteilungen, wie Malerei, Bildhauerei, Tanz, Musik, Theater usw. durchscheinen, zeichnet sich jedoch gerade durch ihre Thematisierung, in Anfrage Stellung, Überwindung, Erweiterung, interdisziplinäre Integration und Ironisierung aus. In diesen Tagen stillstehen Lichtbild und Performance angrenzend Malerei und Theater, während die Medienkünste sich eh so verorten, wie es jedes Mal mediengerecht und sachdienlich ist.
Ähnlich wie in der Lehre erschließt sich das umfassende Verständnis der möglichen Bedeutungen von Arbeiten und Arbeiten oft erst durch eingehende Beschäftigung mit dem künstlerischen Gegenstand. Es wird in verschiedenen Kontexten interpretiert, die sich je nach Beobachter und Leser, je nach Publikum und den in das Geschehen Einbezogenen, sowie je nach Interessen der Kritiker und anderen professionelle Vermittlern wandeln und unterscheiden. In der Kunsttheorie wird der zeitgenössische Kunstbegriff intensiv diskutiert. Sie stellt dabei wie auch den Künstler, den Rezipienten, den Kunstmarkt oder das Meisterwerk selbst ins Zentrum der Untersuchung. Im Zuge der Globalisierung entstand zum einen ein vermehrter Konversation verschiedener Kunstrichtungen in aller Welt, andererseits wurden regionale Unterschiede eher nivelliert.
Voraussetzungen und Funktionen
Mit der Frage, welche biologischen Grundlagen das Kunstbedürfnis des Leute hat, bzw. welche psychologischen, soziologischen, ökonomischen und politischen Funktionen Kunstfertigkeit für den Menschen und die Gesellschaft hat, beschäftigen sich die Biologie, die Kunstsoziologie, die Psychologie, die Rechtswissenschaft und die Kulturwissenschaften im allgemeinen.
Biologie
Die rasante Entwicklung der Biowissenschaften hat dazu geführt, dass auch höhere kognitive Leistungen des Volk in den biologsichen Disziplinen untersucht werden. Davon sind auch das künstlerische Gestaltungsbedürfnis und die ästhetischen Empfindungen nicht ausgenommen. Biologische Untersuchungen mit Relation auf die Kunstfertigkeit finden namentlich in der Evolutionstheorie und der Neurowissenschaft statt.
In der Evolutionsbiologie werden Verhaltensweisen in der Regel über einen Selektionsvorteil erklärt. Ein derartiges Erklärungsmuster scheint in Verhältnis auf Kniff nur schwer anwendbar, da nicht unmittelbar einsichtig ist, wie der evolutionäre Vorteil des künstlerischen Schaffens aussehen könnte. Dennoch finden sich Kunstformen in allen historischen Epochen und Kulturbereichen, was darauf hinweist, dass ein Kunstbedürfnis ökologisch feststehend und nicht allein ein Ergebnis sozialer Prägung ist. Für die biologische Verankerung des Kunstbedürfnisses können zwei verschiedene Erklärungen angeboten werden. Auf der einen Seite kann man behaupten, dass das Kunstbedürfnis einen kaschieren Selektionsvorteil bietet, etwa in Zusammenhang auf die Festigung der sozialen Gemeinschaft. Zum anderen kann aber auch die Berechnung vertreten werden, dass das Kunstbedürfnis ein Nebenprodukt (Epiphänomen) der Entwicklung überlebensrelevanter, kognitiver Leistungen ist. Dieser Konzept zufolge hat die Kunstproduktion selbst keinen Selektionsvorteil, wurde aber nicht abgeschafft, da sie auch keinen Nachteil hat und eine notwendige Folge anderer kognitiver Prozesse ist.
Eine empirisch belegte Entscheidung zwischen diesen beiden Theorien ist nicht absehbar. Einerseits ist die evolutionstheoretische Erklärung komplexer kognitver Leistungen grundsätzlich hochspekulativ, zum anderen ist davon auszugehen, dass das Kunstbedürfnis wenigstens zu Teilen auch das Produkt der kulturellen und sozialen Entwicklung ist. Biologische Erklärungsansätze sind hier bestenfalls geringfügig anwendbar.
Ein anderer Aspekt der biologischen Erforschung des Kunstbedürfnisses stützt sich auf die Neurowissenschaften. Ein höchstens grob realisierbares Streben ist dabei die Zuordnung künstlerischen Schaffens zu neuronalen Prozessen. Zwar werden bei verschiedenen kognitiven Prozessen unterschiedliche neuronale Areale aktiv, allerdings ist eine feste Zuordnung nicht möglich: Neuronale Aktivität ist grundsätzlich auf verschiedene Gehirnregionen verteilt, zumal werden die gleichen Regionen bei sehr unterschiedlichen kognitiven Leistungen aktiv. Hinzu kommt die enorme Heterogenität künstlerischer Aktivität. Sie führt dazu, dass sich im besten Fall einzelne künstlerische Leistungen mit neuronalen Prozessen korrelieren lassen.
Psychologie
Sigmund Freud sah in der Kunstgriff – als auch alles in allem in jedweder Tätigkeit die nach Schöpfung oder Machtgewinn strebt – den Versuch, den Lust der Libido auf nicht-sexuelle Weise zu kompensieren.
Rechtliche Stellung
Kunstfertigkeit ist eine Erscheinung in sämtliche Kultur, Gegenstand sozialer Konventionen und - sofern eine Gesellschaft ein Rechtswesen entwickelt - ein Teil der Gesetzgebung. In demokratischen Ländern ist das Recht auf Kunstfreiheit entweder in der Verfassung verankert oder stimmig der Meinungsfreiheit garantiert. In zahlreichen anderen Vereinigte Staaten von Amerika wird die Kunstausübung reglementiert und/oder zu Propagandazwecken instrumentalisiert. In Diktaturen wird Kniff häufig gezielt dazu eingesetzt, das jeweilige Herrschaftsform zu stabilisieren. Freier künstlerischer Ausdruck wird einer Note unterworfen und ist Repressionen ausgesetzt. Teils werden die staatlichen, sozialen oder religiösen Anforderungen so gesehen verinnerlicht, dass der Künstler von sich aus affirmative Werke produziert (Schere im Kopf).
Plagiate, Imitate und stark von anderen Künstlern beeinflusste Werke gab und gibt es in sämtliche Phase der Kunstgeschichte. Wenn der Erzeuger seine Vorbilder verbirgt, ist dies als Kunstfälschung ebenso strafbar wie eine Verletzung des Urheberrechts. Um eine solche Verletzung de jure fassbar zu machen, werden vom Gesetzgeber Kriterien eingeführt, die im Kunstbetrieb selbst keine Rolle spielen. So kann aus der Sicht des Urheberrechts ein Künstler ein Werk erst als sein Hab und Gut bezeichnen, wenn es eine Schöpfungshöhe erreicht hat. Diese setzt eine persönliche, individuelle und geistige (menschliche) Schöpfung voraus, welche eine durch die menschlichen Sinne wahrnehmbare Form besitzt. (siehe Werkbegriff des Urheberrechts bzgl. der Schöpfungshöhe).
Literatur
- Kunstgriff und Bildende Kunstfertigkeit allgemein
- Hans-Georg Gadamer: Die Aktualität des Schönen. Kunst als Spiel, Symbol und Fest, Ditzingen 1977 (Reclam)
- Nelson Goodman: Weisen der Welterzeugung, Frankfurt am Main 1990
- Nelson Goodman: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie, Frankfurt am Main 1997
- John Dewey: Kunst als Erfahrung, Frankfurt am Main 1998
- Dieter Henrich und Wolfgang Iser (Hrsg.): Theorien der Kunst, Frankfurt am Main 1999
- Andreas Mäckler: 1460 Antworten auf die Frage: was ist Kunst? 1000 Antworten, Köln 2000
- Michael Hauskeller: Was ist Kunst? Positionen der Ästhetik von Platon bis Danto, München 2002
- Umberto Eco: Das offene Kunstwerk, Frankfurt am Main 2002
- Martin Seel: Ästhetik des Erscheinens, Frankfurt am Main 2003
- Georg W. Bertram: Kunst. Eine philosophische Einführung, Ditzingen 2005 (Reclam)
- Wolfgang Ullrich: Was war Kunst? Biographien eines Begriffs, Frankfurt am Main 2005 (S. Fischer)
- Romantik
- Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck: Phantasien über die Kunst (1799)
- Außereuropäische Kunst
- Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main 2002
Weblinks
- Portal Kunstgeschichte
- basis Wien - Offene Österreichische Künstlerdatenbank
- Artnet: Datenbank
- Kunstlinks: Portal zu Kunst und Kunstgeschichte mit TV Tips und einer umfangreichen Datenbank
- Kunstaspekte.de
- Kunst und Kultur: Portal mit Datenbanken zu Künstlern, Museen etc.
- Internationales Künstlernetzwerk und offene Community
- Kunst des 21.Jahrhunderts - Kooperationsnetzwerk
- Deutschsprachiges Künstlerverzeichnis sowie News aus Kunst und Kultur
- Das grosse BeyArs-Kunstlexikon von Hartmann mit 10.000 Begriffen
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