Latein
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| Bild:Disambig-grau2.png | Dieser Artikel erläutert die Sprache Latein, für den gleichnamigen Tanztyp siehe Lateinamerikanische Tänze. |
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Als Latein genauer Lateinisch (lat. lingua Latina „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Stamm der Latiner gesprochen wurde, den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, verbreitete Latein sich nach und nach in den von Rom eroberten Gebieten. Benachbart Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit flossen etliche griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen und Mundarten Schall... und die Grammatik betreffend von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Dieses Vulgärlatein lebt in diesen Tagen in den verschiedenen romanischen Sprachen fort. Obschon das Hochlateinische in der Spätantike bzw. im frühen Mittelalter kaum noch gesprochen wurde, entstanden noch im 6. Jahrhundert Werke in klassischem Latein (Boethius, Coripp). Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert angrenzend Griechisch eine der beiden offiziellen Amtssprachen. Weil das Volk jedoch kein Latein sprach und nur manche Volk der Schrift mächtig waren, wurde es während des Mittelalters zur reinen Gelehrtensprache.
Im Okzident übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der öffentliche Hand bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und Christianisierung der (zunächst in der Regelarianischen) Germanenvölker wurde Latein im Abendland des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia) verwendet. Latein bildete somit die Schriftsprache, zuerst für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Terminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Aufsaugen in die englische und sonstige Sprachen einzig an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, daraus ergibt sich als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Interpunktionszeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet, da auf Wachstafeln wenig Platz zum Schreiben und Papyrus aufwändig war. Die antiken lateinischen Texte sind für uns dieser Tage daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea knorke sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Finessen zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache geht der Artikel Lateinische Aussprache ein.
Literatur
Mit antiker lateinischer Literatur beschäftigt sich unter anderem der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch in diesen Tagen ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachgebiet lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, anliegend dem Griechischen, eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch dieser Tage noch für etliche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, namentlich in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Rechtswissenschaft weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder selbst Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Büffeln der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Studieren anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Basis von der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Besonders vermittelt der Lateinunterricht typischerweise tieferes Verständnis grammatischer Struktur als die modernen Sprachen, da die Satzbau im Lehrplan stärker akzentuiert ist.
Von den Gegnern ist wohingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeglicher Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Pauken moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch aus zweiter Hand werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu handhaben und alternative romanische Sprachen zu erlernen. Überdies hätten Schüler, die eine lebendige Sprache lernen, nicht nur Vorteile bei der Erlernung anderer romanischer Sprachen, stattdessen beherrschten schon eine. In der Tat sind verschiedene gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, caballo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare* „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Verschiedene dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder entspringen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und erstmal Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein tatsächlicher kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht begutachtet worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Anlage eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Aufnahme (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Leute mit ausgeprägter Talent für Mathematik und formelle Denkvorgänge summa summarum leichter als sonstige Fremdsprachen, wohingegen Volk mit ausgeprägter Anlage für intuitives Studieren von Sprachen alternative Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch dieser Tage werden deutsch-lateinische Lexika infolge neulateinischen Wortgutes herausgegeben, zum Beispiel das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) gebräuchlich Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seither April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, professionell seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in Seoul, hat 2004 eine vollständig latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Betrieb der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Wartung des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Verzeichnis aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert darüber hinaus ein Buch über den Adeliger Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien schon der erste Teil der Harry Potter-Bücher von Joanne K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Nahe gibt es noch etliche zusätzliche Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so beispielsweise Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von Antoine de Saint-Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es wenn schon lateinische Fassungen von Popsongs. Anliegend entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“ gesungen von Sylvia Gonzalez Bolivar, oder bei Gruppen der Dark Wave vielmehr Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat benachbart Cursum Perficio für Enya noch andere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium austauschen Partner aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. Eine Wikipedia auf Latein enthielt im Mai 2006 knapp 5000 Artikel.
In der klassischen vielmehr neoklassischen Klänge findet Latein gleichermaßen Verwendung. So hat etwa der niederländische Musiker Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Kalter Himmelskörper Erde hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie beispielsweise von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Einführung Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bis dato hauptsächlich für den Unterrichtung in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Ausbildung übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Etliche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind partiell auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften da sein verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt zuvor Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist benachbart Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Kodex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundbrief (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) amtlich noch heute, wobei weitere Sprachen jedoch auch legal sind. Tatsächlich werden nur noch sehr manche Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Patriarch von AlexandriaBenedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Für die Erhaltung und Verbessertes Modell der lateinischen Sprache rief Pontifex Paul VI. 1976 die Gabe Latinitas ins Leben, welche sich darum bemüht ein dem neuzeitlichen Sprachgebrauch angemessenes Latein zu erstellen. Zu diesem Punkt veröffentlicht sie daneben einer Blatt das Lexicon Recentis Latinitatis, das Lexikon des Neulateins, welches in seiner letzten Überarbeitung 2004 mit 15.000 neuen Begriffen erschien, unter etwa das lateinische Wort für „Computer“ „instrumentum computatorium“.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Wortteilung
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
| (TID 646251) | Wikipedia auf Latein |
(TID 640948)
| (TID 646251) | Wikibooks: Latein – Lern- und Lehrmaterialien |
(TID 318133)
| (TID 646251) | Wikiquote: Lateinische Sprichwörter – Zitate |
(TID 223246)
| (TID 646251) | Wiktionary: Latein – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
(TID 222120)
- LateinWiki.org
- Lexicon Recentis Latinitatis
- Latein und Griechisch: Wozu?
- Ephemeris - Lateinische Zeitung.
- Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)
- Lateinische Stilblüten
- Klassische Bildung - Webportal über Alte Sprachen an deutschen Schulen
- The Latin Library – klassische Texte im Original
- Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras
- Nuntii latini bei Radio Bremen
- Latein-Pagina
- Alte Sprachen heute
- Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana
- Lateinische Musiktraktate im Original
- Die deutsche Latein-Seite
- Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)
- Seite zu Latein und Altgriechisch
- Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de
- Latein MindMap auf einen Blick
- Prolatein.de - Latein in der Schule und an der Universität
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