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Otto von Bismarck

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Bild:Disambig-grau2.png Dieser Artikel bezieht sich auf Otto von Bismarck, den ersten Reichskanzler des Deutschen Reiches. Sonstige Bedeutungen unter Bismarck (Begriffsklärung).

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Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, genannt der Eiserne Kanzler, (* 1. April 1815 in Schönhausen (heute Sachsen-Anhalt); † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg), war ein deutscher Staatsmann. Er war der Gründer und erste Kanzler des Neuen Deutschen Reiches. Damals war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.

Bild:Otto von Bismarck.JPG
Otto von Bismarck

Er war seither 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen, seither 1871 Fürst von Bismarck und seither 1890 Herzog zu Lauenburg. Den Herzogtitel, den er bei seiner Entlassung erhielt, führte er niemals. Er ließ auch Post zurückgehen, die so adressiert war. Angeblich bevorzugte Bismarck seine schlesische Herrschaft und fühlte sich durch die ihm zuteil gewordene Herzogswürde herabgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bild:Bismarck1836.jpg
Bismarck 1836

Nach dem Abschluss des humanistischen Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster studierte Otto von Bismarck Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und war Angehöriger des Corps Hannovera Göttingen. Nahe der Rudelsburg wurde ihm ein Mahnmal errichtet. Von den unzähligen Bismarck-Denkmälern Deutschlands war dies das einzige, das ihn als lässig dasitzenden jungen Mann mit dem Couleurband um die Brust und einem studentischen Korbschläger in der Hand zeigte. Das Konzept, Bismarck als Studierender in legerer Haltung darzustellen, erzeugte kontroverse Diskussionen, war aber von ihm selbst am 27. April 1895 genehmigt worden. In der DDR wurde dieses Mahnmal 1951/1952 durch die FDJ zerstört. Auf Ausüben seines Corps Hannovera Göttingen wurde das Mahnmal orginalgetreu reproduziert und schließlich im April 2006 eingeweiht.

Nach dem Studieren war er an Gerichten und Behörden tätig. 1838 verließ er den Staatsdienst, weil ihm der bürokratische Routinebetrieb nicht zusagte, und begann seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.

Nach dem Tod seiner bürgerlichen Mutter, mit der er in einem gewissen Gegensatz lebte, und dem Tod seines Vaters (1845) wurde er Sämann und übernahm die Bodenbearbeitung des Bismarckschen Besitzes Schönhausen. Mittlerweile war die Familie nach Pommern übergesiedelt (ab 1816). Dass er auch darin allein nicht seinen Lebensinhalt finden konnte, zeigte sich in politischen Ambitionen, aber auch in ausgeprägter Beschäftigung mit Philosophie, Kunst, Theismus und Literatur. Schon einmal war er ein meisterlicher Rhetoriker und Briefschreiber. 1847 heiratete er in Reinfeld (Landkreis Rummelsburg i. Pommern) Johanna von Puttkamer (18241894), wie er es seiner bewahren Liebe und Johannas bester Freundin, Marie von Thadden, vor deren Tod versprochen hatte. Dieser Ehe entstammen seine Nachwuchs Marie (1847-1926), Herbert (1849–1904) und Wilhelm (1852–1901).

Zu dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv als ein Subjekt des preußischen Vereinigten Landtages. 1849 und 1850 gehörte er der Zweiten Stube des Landtages an und war Wortführer des äußersten rechten Flügels. Während der Märzrevolution von 1848/49 profilierte er sich als konsequenter Verteidiger des monarchischen Prinzips. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben. Während Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Dieses Aufgabe behielt er bis 1859. 1859–1862 war er Amtsinhaber in St. Petersburg, 1862 temporär Botschafter in Paris.

Am 23. September 1862 wurde Bismarck von König Wilhelm I. im Verfassungskonflikt zum preußischen Ministerpräsidenten, am 8. Oktober 1862 dann noch zum Außenminister berufen (Die Ernennung zum Außenminister war eine wesentliche Forderung Bismarcks gewesen. Er wollte Außenpolitik machen, wie er es für richtig hielt. Da das preußische Kabinett eine Kollegialverfassung hatte, musste er dazu auch Außenminister sein.). Bismarck war als Monarchist bekannt und bot als einer der wenigen die Garantie, uneingeschränkt für den preußischen König gegen das Abgeordnetenhaus die notwendige Militärreform durchzusetzen.

Bismarck, der seit seiner Jugend Pommern sehr verbunden war, erwarb 1867 von der ihm wegen des erfolgreichen Deutschen Krieges bewilligten Dotation von 400.000 Talern das Rittergut Varzin und ließ auf dessen Fluren die Hammermühle und zusätzliche Papierfabriken errichten, die sich bald zum größten Unternehmen Ostpommerns entwickelten und legte somit den Grundlage für die Gemeinde Hammermühle, die heutige polnische Gemeinde Kępice.

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Innenpolitik

Bismarck wurde 1862 durch den Konflikt um die Heeresreform zwischen dem preußischen Landtag und dem preußischen König Wilhelm I. trotz des heftigen Widerstands von dessen Gemahlin, der Königin Augusta, zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Um die Heeresreform, die Preußen militärisch stärken sollte, auch ohne die Zustimmung des Parlamentes durchsetzen zu können, berief er sich auf die so genannte Lückentheorie. Nach seiner Auffassung war der Fall des unauflöslichen Dissenses zwischen Persönlichkeit und Abgeordnetenhaus in der Verfassung nicht geregelt. Demnach läge eine Lücke vor, die durch die Prärogative des Königs geschlossen werden müsse. Diese Verfassungsinterpretation ist mindestens stark offen und nach Auffassung vieler ein schlichter Verfassungsbruch. Sie ermöglichte es Bismarck aber, nach der Ablehnung des Militärhaushalts durch den preußischen Landtag, ohne formell gebilligtes Etat die Heeresreform durchzuführen. Nach dem Sieg über Österreich brachte Bismarck 1866 die Indemnitätsvorlage in das Volksvertretung ein, um seinen Verfassungsbruch nachträglich zu legitimieren. Die Abstimmung über diese Fragestellung spaltete die liberale Politische Kraft (in demokratische Partei und Nationalliberale). Und Bismarck hatte durch seinen Alleingang auch die demokratische von der nationalen Bewegung getrennt. Von 1871 bis 1878 führte Bismarck den so genannten Kulturkampf gegen die katholische Kirche und die katholische Zentrumspartei, da er fürchtete, diese seien „Reichsfeinde“ und dem Papst mehr zugeneigt als dem deutschen Kaiser. Besonders Ludwig Windthorst (1812 - 1891) ist in diesem Zusammenhang als bedeutendster Konkurrent Bismarcks zu nennen. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte und Machtstellung der Kirche durch Reichs- und preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz) und auch die Zivilehe eingeführt. In diesem Zusammenhang äußerte Bismarck in einer Reichstagsrede den bekannten Satz: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig.“ Hintergrund des Kulturkampfes war u. a. auch die Einigungsbewegung Italiens. Durch das junge Königreich Italien war der Kirchenstaat in Risiko geraten und wurde später selbst auf das Gebiet des heutigen Vatikans verkleinert. Da Grande Nation den Vatikan militärisch schützte, war der Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Grande Nation das Todesurteil für den Kirchenstaat. Das Zentrum forderte ein Eingreifen zum Schutz des Kirchenstaates. Bismarck aber, in dessen Bündnissystem Italien noch eine wichtige Rolle spielen sollte und der den Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Frankreích als notwendig ansah, hatte gar kein Interesse sich in dieser Angelegenheit auf die Seite des Zentrums zu stellen und bezeichnete dessen Mitglieder daher kurzer Hand als Reichsfeinde.

Bismarcks kumulativ konservative Politik (Verstaatlichungen, Protektionismus, autoritäre Innenpolitik) führte ab 1876 zur Kanzlerkrise: nachdem schon 1876 sein liberaler Amtsvorsteher Rudolf von Delbrück unter Kundgebung zurückgetreten war, konnte sich Bismarck im März 1877 beim Kaiser nicht mit seiner Forderung durchsetzen, den preußischen Staatsminister Albrecht von Stosch zu entlassen. Dieser war enger Mitwissender des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und wurde von Bismarck als potentieller Nachfolger gefürchtet. Verärgert über seinen Fehlschlag beim Kaiser, trat Bismarck bis Januar 1878 einen längeren Ferien an.

1878 nahm er dann das zweite Anschlag auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass, das Sozialistengesetz im Reichstag zu initiieren, das bis 1890 in Kraft blieb. Dieses Ausnahmegesetz, das seinen Zweck letztlich verfehlte, erlaubte es, die sozialistische Agitation zu verbieten, ließ jedoch die politische Arbeit der Sozialdemokratischen Politische Kraft in Wahlmandaten wie zum Beispiel im Reichstag unangetastet. Die „Peitsche“ des Sozialistengesetzes ergänzte er durch das „Zuckerbrot“ sozialer Reformen. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 18811889 weitreichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte. Diese Sozialversicherungen, die dieser Tage die Säulen der sozialen Sicherung darstellen, waren bisherig global einzigartig. Bismarck war somit maßgeblicher Pionier des Sozialstaats, auch wenn er selbst die Maßnahmen eher auf Basis von politischen Kalküls traf, um den Einfluss der SPD in der Arbeiterschaft zu begrenzen. Nachdem das Gesetzeswerk den Zweck, die Sozialdemokratie zu schwächen, fehl am Platze hatte, verlor Bismarck das Interesse daran; in seinen Gedanken und Erinnerungen widmet er diesem Thema kein einziges Wort.

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Außenpolitik

Bild:Berliner kongress.jpg
Berliner Konferenz gemalt von Anton von Werner
Vorn zentral Otto von Bismarck

Voraussetzung für Bismarcks erfolgreiche Außenpolitik war die „Saturiertheit“ des Reiches nach der Reichseinigung von 1871, das heißt der Preisgabe auf zusätzliche Zuwachs und zusätzliche Annexionen nach der Krieg-in-Sicht-Krise von 1875. So konnte er durch eine geschickte Bündnispolitik das europäische Mächtegleichgewicht der „Großen Fünf“ (Pentarchie) erhalten, einer Isolierung Deutschlands vorbeugen und Kriege der Nachbarn gegen das Deutsche Reich, aber auch gegeneinander verhindern (Berliner Kongress 1878).

Siehe: Bündnispolitik Otto von Bismarcks

Bismarck, der ein entschiedener Person des Kolonialismus war („Frankreich liegt links, Rußland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika.“), ließ sich allerdings doch zu einem Ausflug in die Kolonialpolitik hinreißen. Dies war aber eher innerpolitisch bedingt. Bismarck, der befürchtete, dass der bekanntermaßen englandfreundliche Infant Friedrich Wilhelm bei seinem Amtsantritt ein eher engl. gesinntes Kabinett einrichten würde, wollte bewusst eine eher englandfeindliche Stimmung im Volk schaffen. Daher entdeckte er Afrika als ungefährlichen, aber doch für seine Zwecke wirkungsvollen Kriegsherd mit dem Empire. Somit gründete Bismarck Kolonien in Afrika, die bewusst so lagen, dass sie den englischen Bestrebungen eines zusammenhängenden Kolonialgebiets von Kairo nach Kapstadt offensichtlich im Wege standen. Bismarck wollte außerdem mit den Kolonien neue Rohstoff- und Absatzmärkte erschliessen und „den Deutschen ein neues Ziel setzen, für das sie sich begeistern können.“. 1871 lehnte Bismarck das Angebot der Franzosen ab, Cochinchina – etwa das heutige Vietnam – als Kolonie adäquat der Reparationsleistungen übertragen zu bekommen : „O! O! Cochinchina! Das ist aber ein sehr fetter Brocken für uns; wir sind aber noch nicht reich genug, um uns den Luxus von Kolonien leisten zu können.“

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„Der Lotse geht von Bord“

Bild:BismarckMausoleum.jpg
Bismarck-Mausoleum in Friedrichsruh

Bismarcks Sturz im Anno 1890 ist überwiegend auf das Scheitern eines von ihm vorgelegten verschärften Sozialistengesetzes im Reichstag zurückzuführen, das er gegen die durch bedeutende Wahlerfolge im Januar erstarkten Sozialdemokraten einsetzen wollte. Zusätzlich wünschte der junge Kaiser Wilhelm II. künftig eine eigene Politik, frei von Bismarcks Einfluss, zu gestalten. Nach seiner entwürdigenden Entlassung (Bismarck selbst: „...die ich ein Leichenbegängnis erster Klasse mit Recht nennen konnte.“) am 20. März 1890 durch Wilhelm II. setzte wenig später eine beispiellose Bismarck-Verehrung ein (Bismarck-Denkmal, Bismarckstraßen und Bismarckgesellschaften). Bismarck starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh. Er wurde in einem Mausoleum auf Friedrichsruh benachbart seiner Frau begraben. Eine Büste wurde in der Walhalla aufgestellt und er ist außerdem Ehrenbürger der Städte Darmstadt, München, Hamburg, Wandsbek, Kassel, Köln, Moers, Detmold, Zwickau, Rathenow sowie seither 1895 aller badischen Städte.

Bismarck selbst wurde 1891 Angehöriger des Kreistages von Stormarn. Er kandidierte auch für den Reichstag, wurde gewählt, nahm aber sein Befehl nie wahr.

Eine Cartoon von John Tenniel im englischen Satiremagazin Punch vom 29. März 1890 bei der Bismarck unter den Augen Wilhelms II. das Boot verlässt, wurde mit „Dropping the Pilot“ betitelt, was oft fälschlicherweise mit „Der Lotse geht von Bord“ übersetzt wurde, was ein eigenmächtiges Verhalten Bismarcks besagen würde. Gemeint ist aber, dass der Kaiser durch die entwürdigende Entlassung des Mannes, der seit nun fast dreißig Jahren siegreich das (außen-)politische Gewandtheit erst Preußens, dann des Deutschen Reiches leitete, einen großen Fehler beging und damit schon in Tendenz der Untiefen seiner eigenen Weltmachtpolitik und schließlich des ersten Weltkrieges steuerte.

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Bismarcks Memoiren: Gedanken und Erinnerungen

Bismarck diktierte nach seiner Entlassung seine Memoiren, die unter dem Titel "Gedanken und Erinnerungen" veröffentlicht wurden. Der zweite Teil dieses Buches, in dem er sich sehr kritisch mit seiner Zeit als Bundeskanzler unter Kaiser Wilhelm II. auseinandersetzte, sollte erst nach dessen Tod erscheinen. Mit der Umwälzung in Deutschland 1918 und dem Exil des Kaisers gingen die gesammelten Lebenserinnerungen aber gegen den Demonstration der Familie Bismarck schon 1919 in Druck.

Als historische Quelle ist das Werk zaghaft zu genießen, da es Bismarck - wie schon zu seinen Lebzeiten - mit der historischen Ehrlichkeit nicht so genau nahm. Sein Hauptzweck war die eigene Rechtfertigung und damit die Ermäßigung von Kaiser Wilhelm II.. Das Werk gilt dennoch als lesenswert, da es Eindrücke über Bismarcks Gefühlswelt vermittelt und anständig formuliert ist.

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Die Nachfolge

In seinem Bestreben, so lange wie möglich selbst Reichskanzler zu bleiben, hatte Bismarck trotz seines Alters nichts unternommen, einen Nachfolger aufzubauen. 1889 erwog er kurz, sich auf das Außenministerium zu beschränken, gab den Gedanken aber bald darauf wiederholt auf. Es wäre in der Tat auch schwer vorstellbar gewesen, einen Bundeskanzler unter dem Schlagschatten Bismarcks in seinem Kabinett zu haben. Aus dem gleichen Grund war auch seine Vorstellung irreal, seinen Sohn Herbert als Außenminister oder gar Regierungschef einzusetzen.

Auf einen früheren Vorschlag von ihm wurde schließlich der politisch unerfahrene General Leo von Caprivi berufen.

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Kritik

„Wenn man sagt, dass man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es,
dass man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen.“

(Otto von Bismarck)

Bismarck war und ist eine Ikone der Konservativen, aber eine Hassfigur der Linken. Seine Machtpolitik bereitete ihm schon zu Lebzeiten viele Feindschaften, aber auch etliche Bewunderer. Seine bedeutenden Erfolge machten ihn jedoch weitgehend unangreifbar. Kritiker wenden in diesen Tagen oft ein, Bismarck habe jene machtpolitischen Verflechtungen geschaffen, die zum Ersten Weltkrieg führten, indem er das Deutsche Reich „nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Eisen und Blut“ schuf (Bismarck in der Budgetkommission 1862). Bismarck sah besondere Gefahren, die nach seiner Ansicht vom Balkanstaaten ausgingen: „Die Händel auf dem Balkan sind mir nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert.“ Wird Bismarck für „seine“ Sozialgesetzgebung bis auf den heutigen Tag gerühmt, so wird er wegen der Kesseltreiben so genannter „Reichsfeinde“ durch Kulturkampf und Sozialistengesetz kritisiert. Dass Bismarck die Reichsverfassung von 1871 auf seine Person zuschnitt, hat sich angesichts seiner politisch nicht selten schwachen Nachfolger als fatal herausgestellt. Daher verstanden es seine Nachfolger auch nicht, grundlegende (und notwendige) Reformen der Staatsstruktur durchzusetzen, zum Beispiel Einstellung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen oder die Parlamentsverantwortlichkeit der Regierung. Der größte Kritikpunkt vieler Geisteswissenschaftler jetzt gilt dem letzten Einigungskrieg und der folgenden Reichsgründung. Alle beide bedeuteten eine Demütigung Frankreichs, welches von diesem Zeitpunkt an auf Revanche aus war. Bismarck erkannte den Revanchegedanken und versuchte, Grande Nation zu isolieren, gleichzeitig Bewaffnete Auseinandersetzung europäisch durch ein System mehrerer Allianzen unmöglich zu machen. Auf ewig war dieser Plan jedoch nicht umsetzbar und scheiterte schließlich an der Politik des Kaisers Wilhelm II., der ab 1890 direkt in die Außenpolitik des Deutschen Reiches eingreifen sollte. Recht einmütig loben Geschichtswissenschaftler Bismarcks diplomatisches Geschick, das er sich u. a. als Inhaber eines Amtes in Paris und Petersburg aneignete. So geschickt, wie er in der Diplomatie handelte, so ungeschickt handelte er im Inneren, was ihn wieder und wieder in Bedrängnis brachte.

Auch persönlich hatte er einige recht unangenehme Züge. Personen, die ihm seiner Gutachten nach schaden wollten, konnte er mit unerbittlichem Hass verfolgen. So ruinierte er z. B. das Leben des Grafen Armin, nur weil er glaubte, dieser könnte als Reichskanzler in Betracht kommen. Realiter hatte der Graf keine Ambitionen und ließ sich Bismarck gegenüber keine Illoyalität zu schulden kommen. Selbst in seinen Memoiren, lange nach Armins Tod, widmet er diesem ein hasserfülltes Kapitel.

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Personenkult

Bild:BismarckturmBergBavaria01.jpg
Bismarck-Turm am Starnberger See

Bismarck wurden mehrere Ehrungen zuteil. Schon zu Lebzeiten errichtete man zahlreiche Denkmäler, meist Bronzestandbilder, aber auch architektonische Monumente widmete man ihm (→Bismarck-Denkmal). Der Bismarckturm zwischen Allmannshausen und Assenhausen am Starnberger See wurde zwischen 1896 und 1899 errichtet. Seine Studentenwohnung in Göttingen, das Bismarck-Häuschen, ist als kleines Museum zugänglich.

Bild:Hamburg Bismarck-Denkmal 01 KMJ.jpg
Bismarck-Denkmal in Hamburg

In der bildenden Kniff wurde er überwiegend von Franz von Lenbach und Christian Wilhelm Allers portraitiert. Häufig findet man auch Darstellungen Bismarcks als Schmied, wie z.B. in einem Gemälde von Guido Philipp Schmitt, das Bismarck dabei zeigt, wie er der Teutonia das von ihm geschmiedete Reichsschwert übergibt.

Nach seinem Tode wurden ihm, finanziert in der Regel durch Stiften der Bevölkerung, steigernd auch Groß-Monumente gewidmet. Vielerorts wurden Bismarcktürme und -säulen erbaut, partiell herkömmliche Aussichtstürme, z. T. Feuersäulen mit Vorrichtungen, die es erlaubten, ein großes Gedenkfeuer zu entzünden. Diverse dieser Bauwerke waren nach dem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis gestaltet, der bei einem Wettbewerb der „Deutschen Studentenschaft“ 1899 den ersten Preis erhalten hatte.

Weiterhin wurde Bismarck die Werk des so genannten Adlers zugedacht, eine etwa 18 m hohe Aufschichtung von behauenen Steinquadern, die am Rand einer Aussichtsplattform am Hang des Hoyerbergs im gleichnamigen Ortsteil von Lindau (Bodensee) errichtet ist. Erkennbar ist diese Widmung durch Einarbeitung eines etwa 1,50 m großen Bismarck-Reliefs im Sockel.

Bild:Bismarck als Schmied.jpg
Bismarck als Schmied, der Germania das Säbel der Einheit übergebend

Das größte Bismarck-Monument in Deutschland ist das 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal in Hamburg-Sankt Pauli (Entwurf: Hugo Lederer), das den ehemaligen Reichskanzler als monumentale Roland-Figur darstellt, mit Rüstung und auf das Waffe gestützt. Der Plan, ein gigantisches Bismarck-Nationaldenkmal bei Bingerbrück zu erbauen, wurde durch den Eruption des Ersten Weltkriegs verhindert. Ein Schlachtschiff der Tirpitz-Klasse wurde im zweiten Weltkrieg nach Bismarck benannt, das Schlachtschiff Bismarck.

An seinem Geburtsort Schönhausen wurde 1998 mit Durchschnitt berechnen des Landes Sachsen-Anhalt ein Bismarckmuseum eingerichtet.

Am 1. November 2004 wurde in Jever ein weiteres Bismarckmuseum eröffnet. In der österreichischen Ort Linz ist eine Straße nach Bismarck benannt.

Die BRD errichtete ihm zu Verehren 1996 die Otto-von-Bismarck-Stiftung als bundesunmittelbare Stiftung in Friedrichsruh.

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Literatur

  • Lothar Gall: Bismarck. Ullstein 1997
  • Robert Gerwarth: The Bismarck Myth. Weimar, Germany and the Legacy of the Iron Chancellor. Oxford University Press 2005
  • Sebastian Haffner: Von Bismarck zu Hitler'. Droemer Knaur 2001
  • Hans-Walter Hedinger: Der Bismarckkult. Ein Umriß, in: Günther Stephenson (Hrsg.): Der Religionwandel in unserer Zeit im Spiegel der Religionwissenschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976, p. 201-215
  • Bernd Heidenreich / Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Bismarck und die Deutschen. Berliner Wissenschaftsverlag, Hauptstadt 2005, ISBN 3-8305-0939-1
  • Rolf Hennig: Bismarck und die Natur. Nimrod, Suderburg 1998, ISBN 3-927848-19-0
  • Volker Ullrich: Otto von Bismarck. Rowohlt, Reinbek 1998
  • Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich - Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler. DVA, Stuttgart 1995.

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