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Parasitismus

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Von Wassermilben befallene Mücke

Parasitismus ist die Wechselwirkung von Organismen unterschiedlicher Arten, bei denen sich der Vertreter der einen Art (der Parasit) ob physiologischer, oft auch struktureller Besondere Eigenschaften zeitweise oder auch ständig an oder in einem anderen, in der Regel größeren Lebewesen (dem Wirt) aufhalten muss, um die für seinen Stoffwechsel oder zur Fertigung von Nachkommen notwendigen Bedingungen zu finden.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Wortes

Parasit kommt von griechisch παράσιτος, pará- für neben und sitos für gemästet - ursprünglich für Vorkoster bei Opferfesten, die dadurch ohne Leistung zu einer Speisung kamen.

Das deutsche Wort Schmarotzer für einen Parasiten stammt vom mittelhochdeutschen smorotzer ab, das soviel wie Bettler heißt.

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Beschreibung

Parasiten sind hoch spezialisierte Lebewesen, deren Habitat gleichermaßen immer ein Geschöpf ist. Schmarotzertum zeigt sich in sehr vielfältigen Formen. Im Einzelfall kann es schwer sein, zwischen Schmarotzertum und anderen Interaktionen zwischen Arten zu unterscheiden. Schmarotzertum ist ein häufiges Phänomen; die überwiegende Zahl aller Lebewesen parasitiert. Unter dem Vorbehalt, dass sich keine genauen Abdrücken festlegen lassen, wird ein Verhältnis von so weit wie 4:1 imaginär (Zimmer 2001, S.19).

Insgesamt besteht eine hohe Abhängigkeit eines Parasiten von seinem Wirt oder von seinen Wirten. Das Parasitieren kann sich auf verschiedene Wirtsfaktoren beziehen wie z. B. Körpersubstanz, Nahrungsangebot, Sauerstoffbedarf, Osmotik, ph-Verhältnisse oder Wärmehaushalt.

Besonders bei geringem Parasitenbefall muss es nicht unbedingt zu einer Schädigung des Wirtes kommen. Eine Belastung bzw. Schwächung des Wirtes ist jedoch immer gegeben. Auch wenn Parasitenbefall den Wirt nicht lebensbedrohlich schädigt, wirkt dieser sich doch immerwährend negativ auf dessen Wachstum, Vermehrung oder Nutzungsdauer aus. Giftige Stoffwechselprodukte des Parasiten, zurückgebliebene intern oder äußere Verletzung oder Entzug von Nahrung können jedoch einen späteren Tod zur Folge haben, besonders bei weiteren ungünstigen Umweltbedingungen.

Schmarotzertum ist allgegenwärtig und wegen seiner Häufigkeit ein Faktor, mit dem sich praktisch alle Geschöpf auseinandersetzen müssen. Des Öfteren findet man auf bzw. in einem einzelnen Kreatur dutzende verschiedener Parasiten, wenn auch man die Mikroorganismen unberücksichtigt lässt. Bei Waldmäusen fand man nicht weniger als 47 parasitierende Arten (Townsend, Harper, Begon, S. 227). Selbst in Bakterien gibt es parasitierende Viren.

Wirte verhalten sich allerdings mitnichten passiv gegenüber ihren Parasiten, anstatt sind meist imstande, Zahl und Schadeffekt durch geeignete Abwehrmechanismen zu begrenzen. In einer gemeinsamen Entwicklung (Koevolution) passten sich die meisten Wirte und ihre Parasiten sich an. Im fortgeschrittenen Stadium der Evolution entwickelte sich häufig ein Gleichgewicht, bei dem der Parasit profitiert, ohne dem Wirt, der ja seine "Existenzgrundlage" darstellt, übermäßig zu schaden oder ihn gar völlig zu vernichten.

Man nimmt auch an, dass die geschlechtliche Fortpflanzung bei Bakterien wegen des Selektionsdruckes von Parasiten entstanden ist.

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Anpassung von Parasiten

Die Umwelt des Parasiten ist immer ein Lebewesen. Um in dieser Umwelt leben zu können haben sich Parasiten in vielfältiger Weise an ihre Umgebung angepasst:

  1. Haft- und Klammerorgane einsetzen wie Läuse (Klammerbeine), welche verhindern sollen, dass der Parasit seinen Wirt verliert, was in der Regel ihren Tod zur Folge hätte.
  2. Rückbildungen haben keinen Nachteil und sind während der Evolution entstanden. So fehlen Flöhen und Läusen wie Flügel und die Weißbeerige Mistel hat keine Wurzeln.
  3. Große Eizahlen und komplizierte Entwicklungs- und Übertragungswege sichern die Vermehrung und das Stoßen auf eines Wirts. Zum Beispiel werden mit jedem Bandwurmglied, welches durch Kot nach außen gelangt diverse Eier freigesetzt. Diese können Zwischenwirte anstecken und in deren Leber ungeschlechtliche Vermehrungsstadien bilden (Finnen). Wird der finnenhaltige Zwischenwirt gefressen, ist eine Neuinfektion ziemlich sicher.
  4. Bei vielen Parasiten, (besonders Endoparasiten) findet eine intensive Interaktion auf molekularer Ebene statt. Diese bezeichnet man als „cross-talk“, wobei Signale vom Parasiten, vom Wirt oder von beiden ausgehen können. Hierdurch kann eine Fremdsteuerung des Wirtes zum Nutzen des Parasiten erfolgen bis hin zu einer tief greifenden Verhaltensmodifikation des Wirtes (Bsp: Tollwuterreger).

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Klassifizierung von Parasiten

Hinsichtlich der sehr unterschiedlichen Anpassung, Größe und Lebensweise verschiedener Parasiten und der unterschiedlichen Interaktionsformen zwischen Parasit und Wirt werden Parasiten nach bestimmten Kriterien eingeteilt:

Mikro- und Makroparasiten

Mikroparasiten sind klein, ab und zu extrem klein und meist so zahlreich, dass man die Zahl von Parasiten im Wirt nicht angeben kann. Gewöhnlich wird eher die Zahl der Wirte untersucht als die Anzahl der Parasiten. Mikroparasiten sind meist intrazelluläre Viren oder etwaBakterien, die Tiere und Pflanzen als Krankheitserreger infizieren. Eine sonstige Gruppe von Tiere befallende Mikroparasiten findet man unter den Protozoen. Bei Pflanzen gibt es einige mikroparasitisch lebende niedere Pilze.

Makroparasiten aufwachsen zwar auf oder in ihrem Wirt, leben dort aber nur für einen Teil ihres Lebenszyklus. Sie sind in der Regel so groß, dass man ihre Anzahl genau bestimmen oder immerhin in ihrer Größenordnung schätzen kann. Bei Tieren findet man sie eher auf dem Körper oder in Körperhohlräumen (z.B. im Darm) als intrazellulär. Die Hauptmakroparasiten von Tieren sind Würmer (Band- und Saugwürmer sowie Nematoden), aber auch Läuse, Zecken, Milben und Flöhe, außerdem auch einige Pilze. Makroparasiten der Pflanzen leben allgemein zwischen den Zellen (interzellulär) und gehören zu den höheren Pilzen (z.B. Mehltau), zu den Insekten (z.B. Gallwespe) oder anderen Pflanzen (z.B. Teufelszwirn o. Sommerwurz).

Ekto- und Endoparasiten

Ekto- oder Außenparasiten leben auf anderen Organismen. Sie dringen nur mit den der Anlieferung dienenden Organen in ihren Wirtsorganismus ein und ernähren sich von Hautsubstanzen oder annehmen Blut oder Gewebeflüssigkeit auf. Beispiele für Ektoparasiten sind blutsaugende Arthropoden wie etwa Stechmücken, Läuse o. Zecken. Ektoparasiten sind häufig auch Krankheitsüberträger von Erkrankungen wie Malaria oder aberLyme Borreliose.

Endo- oder Innenparasiten leben im Inneren ihres Wirtes. Sie besiedeln Hohlräume, Epithelien, das Blut oder auch das Stoff verschiedener Organe.

  • Extrazelluläre Endoparasiten leben außerhalb von Zellen, (Bsp: Giardia auf Darmepithel).
  • Intrazelluläre Endoparasiten leben vorwiegend innerhalb von Wirtszellen (Bsp.: Malariaerreger).

Etliche Endoparasiten halten sich während ihres Lebensszyklus sowie extra- wie auch intrazellulär auf.

Fakultativer und obligater Parasitismus

  • Freilebende Lebewesen, die nur gelegentlich parasitieren, nennt man fakultative- oder Gelegenheitsparasiten. Ihre Entwicklung kann auch ohne parasitische Phase ablaufen.
  • Obligate Parasiten sind zwingend auf einen Wirt angewiesen. Kommen obligate Parasiten nur bei einer Art vor bezeichnet man dies als wirtsspezifisch.

Temporäre und Stationäre Parasiten

Vermöge der Zeitspanne der parasitischen Lebensphase unterscheidet man temporäre und stationäre Parasiten.

  • Stationäre Parasiten bleiben einem Wirt treu. Ein Wirtswechsel findet nur bei engem Kontakt mit einem anderen möglichen Wirtstier oder beim Tod des ursprünglichen Wirtes statt (Bsp: Floh).
  • Temporäre Parasiten sind nur für begrenzte Zeit auf einen Wirt angewiesen. Sie suchen den Wirt z.B. nur kurzfristig zur Nahrungsaufnahme auf (Bsp.: Stechmücke).

Periodische und permanente Parasiten

  • Periodische Parasiten leben nur in bestimmten Entwicklungsstadien parasitisch (Bsp: Hakenwurm).
  • Permanente Parasiten haben kein freies (nichtparasitisches) Lebensstadium (Bsp.: Trichinella spiralis).

Permanente und Periodische Parasiten fasst man auch unter dem Hyperonymie "stationäre Parasiten" zusammen.

Brutparasitismus

Brutparasiten (Brutschmarotzer) parasitieren bei brutpflegenden Tieren (Bsp.: Kuckuck)

Opportunismus

Von Anpassung spricht man, wenn eigentlich harmlose Parasiten unter bestimmten Umständen wie einer Schwächung des Immunsystems des Wirtes zur Leiden oder gar zum Tode führen. Zum Beispiel kann bei einer HIV-Infektion der Pilz Pneumocystis carinii zu einer schweren Lungenentzündung führen.

Parasitismus bei Pflanzen

  • Holoparasiten (Vollparasiten) sind vollständig auf ihren Wirt angewiesen. Sie haben meist reduzierte oder gar keine grünen Blätter und sind nicht zur Photosynthese fähig (Bsp.: Schuppenwurz).

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Sonstige Begriffe

  • Die Wissenschaft, die sich mit Parasiten befasst, wird Parasitologie genannt und ist sowohl .... als auch Segment der Ökologie sowohl .... als auch der Medizin (Infektologie).
  • Die Reihenfolge verschiedener, sich ablösender Parasiten, welche die einzelnen Entwicklungsstadien ihres Wirts befallen nennt man eine Parasitenfolge.
  • Bei Insekten, bei denen ein Schmarotzertum in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auftreten kann, unterscheidet man Ei-, Larven-, Puppen- und Imaginalparasiten, bei anderen Geschöpf spricht man von Jugend- und Altersparasiten.
  • Eine durch Parasiten verursachte Krankheit oder Schwächung nennt man Parasitose.
  • Eine Zoonose ist eine Parasitose, die von einem anderen Warmblüter auf den Leute übergeht (Bsp.: Echinococcus multilocularis). Eine Anthroponose ist eine allein auf den Leute beschränkte Parasitose.
  • Als Parasitozönose bezeichnet man die Gesamtheit der in einem Organ oder in einem Wirt lebenden parasitischen Organismen.
  • Parasiten, deren Parasitismus gewöhnlich zum Tode führt nennt man Parasitoiden oder Raubparasiten (Bsp.: Schlupfwespen).
  • Befällt ein Parasit einen anderen Parasiten, so spricht man von Hyperparasitismus.

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Parasiten des Menschen

Parasitäre Infektionen beim Leute sind Infektionen durch Protozoen genauer Protista und Wurminfektionen. Einige Parasiten übertragen Krankheitserreger auf den Menschen, die partiell tödliche Krankheiten (Parasitosen) verursachen. Eine Aufstellung ist unter Parasiten des Menschen zu finden. Auch auf mehrere Bakterien und Pilze trifft die Erklärung Parasit zu; sie werden aber infolge ihrer medizinischen Bedeutung und auch ihres teils nur fakultativen Schmarotzertum in den Fachgebieten Bakteriologie und Mykologie innerhalb der Mikrobiologie behandelt.

Nikon aktualisiert seine Bild-Authentifizierungssoftware: Bei Fotos mit Nachrichtenwert ist es schwer, angesichts moderner Bildbearbeitungsmethoden sicherzustellen, dass keine Manipulation vorgenommen wurde. Mit der Software Image Authentication kann überprüft werden, ob Bilder aus Nikon-Spiegelreflexkameras nach der Aufnahme nachträglich bearbeitet wurden. (Nikon, Grafik-Software)... Weiterlesen!

Orkan auf einem fernen Planeten: Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals gelungen, eine Wetterkarte des größten auf Jupiter tobenden Sturms zu erstellen. Der als Großer Roter Fleck bezeichnete Orkan ist auch der größte unseres Sonnensystems und existiert schon seit Hunderten von Jahren. Dabei ist er jedoch sowohl in seiner räumlichen Ausdehnung als auch über die Zeit gesehen überraschend stabil, wie die Wissenschaftler um Glenn Orten vom Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena nun herausfanden. Ermöglicht wurden die neuen Erkenntnisse durch Wärmebilder, die mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) und anderen auf der Erde stationierten Großteleskopen aufgenommen wurden, berichtet das Max-Planck-Institut für Astronomie. ...... Weiterlesen!

Siehe auch

biotische Faktoren, Wirt (Biologie), Interspezifische Wechselbeziehungen, Autöcisch Symbiose, Mutualismus, Kommensalismus, Phoresis, Raubparasitismus, Parasitoid, Kleptoparasitismus, Sozialparasitismus, Probiose (Ökologie), Autöcisch.

Spaniens Strategie für das digitale Europa: Die sogenannte Granada-Strategie der spanischen EU-Ratspräsidentschaft sieht unter anderem vor, den Schutz geistigen Eigentums zu stärken. Maßnahmen zur Durchsetzung von Schutzrechten sollen sich auf Websites konzentrieren, die "eine massenhafte Verletzung von Rechten an geistigem Eigentum ermöglichen". (Netzneutralität, Urheberrecht)... Weiterlesen!

GM: Die ganze Windschutzscheibe als Head-Up-Display: General Motors will mit einer neuen Generation von Head-Up-Displays (HUD) den Autoverkehr sicherer machen. Damit ist es beispielsweise möglich, beim Blick durch die Windschutzscheibe Straßenränder zu markieren oder Verkehrszeichen mit einer Umrandung hervorzuheben. (Display)... Weiterlesen!

Weblinks

Gears of War 3 soll im April 2011 erscheinen: Noch ist es nicht offiziell angekündigt, trotzdem steht der Erscheinungstermin für Gears of War 3 schon fest: Anfang April 2011 soll das Actionspiel von Epic Games für die Xbox 360 erscheinen - allerdings wie die Vorgänger wohl nicht in Deutschland. (Xbox 360, Jugendschutz)... Weiterlesen!

Open Source - Univention lobt Absolventenpreis 2010 aus: Mit dem Absolventenpreis 2010 will die Firma Univention Studenten auszeichnen, die mit ihren Fachhoch- oder Hochschul-Abschlussarbeiten einen Beitrag zum Thema Linux oder Open Source leisten. Der mit 3.500 Euro ausgelobte Preis wird auf dem diesjährigen Linuxtag verliehen. (LinuxTag)... Weiterlesen!

Literatur

  • Johannes Dönges: Parasitologie: mit besonderer Berücksichtigung humanpathogener Formen. 2.Aufl., Thieme Verlag, 1988. ISBN 3135799026
  • Carl Zimmer: „Parasitus Rex“. 1.Aufl., Frankfurt/Main, Umschau/Braus, 2001. ISBN 3829575025
  • Townsend, Harper, Begon: Ökologie, 1. Aufl., Springer-Verlag, ISBN 3540006745cs:Parazitismus

da:Parasitisme en:Parasitism es:Parasitismo ko:기생 lt:Parazitizmas nl:Parasitair pl:Pasożytnictwo (biologia)

zh:寄生

(TID 4305)

Übergriffe bei Jesuiten - Auch in Hamburg Schüler missbraucht : Auch an einer Hamburger Jesuiten-Schule hat es offenbar Missbrauchsfälle gegeben. Nach den in Berlin bekannt gewordenen Fällen haben sich auch dort mehrere frühere Schüler gemeldet. ... Weiterlesen!

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