Polen
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| Bild:Disambig-grau2.png | Dieser Artikel behandelt das Land Polen. Siehe auch Polen (Volk). |
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| Amtssprache | Polnisch | ||||
| Hauptstadt | Warschau (Warszawa) | ||||
| Staatsform | Parlamentarische Republik | ||||
| Staatspräsident | Lech Kaczyński | ||||
| Ministerpräsident | Kazimierz Marcinkiewicz | ||||
| Unabhängigkeit | 11. November 1918 | ||||
| Fläche | 312.685 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 38.557.984 (Stand: Juli 2005) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 123,3 Bevölkerung pro km² | ||||
| Lebenserwartung | 74,74 Jahre (70,71 m, 79,03 w) | ||||
| Währung | Złoty | ||||
| BIP - Total - BIP/Einw. | 2005 (geschätzt) $312 Mrd. (23.) $8.082 (51.) | ||||
| Zeitzone | UTC+1 | ||||
| Nationalhymne | Mazurek Dąbrowskiego | ||||
| Kfz-Kennzeichen | PL | ||||
| Internet-TLD | .pl | ||||
| Vorwahl | +48 | ||||
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Die Republik Polen (polnisch Rzeczpospolita Polska) ist ein Staat im östlichen Mitteleuropa. Das Land grenzt im Norden an die russische Exklave Kaliningrad (210 km) und an Litauen (103 km), im Orient an Weißrussland (416 km) und die Ukraine (529 km), im Süden an die Slowakei (539 km) und Tschechien (790 km) sowie im Abendland an Deutschland (467 km). Außerdem hat das Land 528 km Anteil an der Ostseeküste. In der Gesamtheit sind Polens Grenzen 3.582 km lang. Die längste Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 790 km, die längste Ost-West-Ausdehnung 680 km.
Der Name Polen kommt von dem westslawischen Stamm der Polanen (Polanie), die sich nach dem Zerfall des Römischen Reiches im 5. Jh. im zentralpolnischen Großpolen um Poznań und Gniezno, zwischen den Flüssen Oder und Wisła, niederließen.
Geographie
Das Gebiet Polens besteht aus fünf geografischen Räumen. Im Nordwesten befindet sich die von der Pommerschen bis zur Danziger Bucht reichende Ostseeküste, die durch viele Nehrungen, Binnengewässer und Dünen gekennzeichnet ist. Die weitgehend gerade verlaufende Küstenlinie wird durch das Stettiner- und das Frische Haff sowie die Pucker Bucht unterbrochen. Im Norden und der Mittelpunkt schließt sich das von der Eiszeit geformte Tiefland der mitteleuropäischen Ebene an, in dem vier große Seenplatten (Masurische Seenplatte, Kaschubische Seenplatte, Pommersche Seenplatte und Großpolnische Seenplatte) liegen, deren viele Gewässer in eine hügelige Moränenlandschaft eingebettet sind (vgl. Kaschubische Schweiz). Südlich des Tieflandes liegen die durch die Urstromtäler der großen Flüsse geprägten Landschaften Schlesiens und Masowiens. Besonders die Lubliner Region an der mittleren Weichsel mit ihren Lößböden ist stark durch Hohlwege gekennzeichnet. Südlich davon befinden sich die polnischen Mittelgebirge, der Krakauer-Tschenstochauer Jura, das Heiligkreuzgebirge, die Beskiden, die Waldkarpaten und die Sudeten. Die höchste Erhebung, die Tatra, ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge.
Siehe auch: Großpolen, Masowien, Ermland-Masuren, Pommern (Hinterpommern und Pommerellen), Schlesien, Kleinpolen, Podlasien.
Geologie
Die geologische Struktur Polens wird geprägt durch die Plattenkollision der Kontinente Afrika und Okzident während der letzten Jahrmillionen zum einen sowie durch die Vergletscherung von Skandinavien während der Eiszeiten andererseits. Alle beide Prozesse formten die Karpaten und die Sudeten. Die Moränenlandschaft Nordpolens weist meistens Sand- und Lehmböden auf, während die südlicheren Urstromtäler oft Lößböden aufweisen. Der Jura, die Pieninen und die Westliche Tatra bestehen aus Kalkstein, während die Hohe Tatra, die Beskiden und das Riesengebirge sich zum großen Teil aus Granit und Basalten zusammensetzen. Das Heiligkreuzgebirge ist eines der ältesten Gebirgszug der Erde.
Berge
Polen hat 21 Berge über 2000 m Höhe, die sich alle in der Tatra befinden. Die Tatra, auf polnischem Gebiet vorhanden aus Hoher und Westlicher Tatra, stellt die höchste Gebirgskette in Polen und der ganzen Karpaten dar. Der mit 2.499 m höchste Höhe Rysy mit seinem hochgelegenen See Morskie Oko liegt in der Hohen Tatra. Die zweithöchste Bergkette in Polen sind die Beskiden mit der Babia Góra (1.725 m) als höchstem Gipfel. Gefolgt werden sie vom Riesengebirge, dessen Schneekoppe mit 1.602 m die höchste Erhebung der Sudeten darstellt. Zu den schönsten Zurück holen Polens gehören die Waldkarpaten im äußersten Südosten des Landes, deren höchste in der Polonina die Tarnica mit ca. 1.300 m ist. Unter Touristen sind außerdem die Niederen Beskiden (ca. 1.000 m), die Gorce (ca. 1.300 m), und die Pieniny (ca. 1.000 m) bekannt, die jedes Mal durch einen Nationalpark geschützt sind.
Der mit 2 m unter Normalnull am tiefsten gelegene Punkt befindet sich bei Raczki Elblaskie in der Nähe von Elblag im Weichseldelta.
Eine Register der wichtigsten Gebirgszüge befindet sich in der Kategorie:Gebirge in Polen.
Seen
Polen gehört mit fast 10.000 geschlossenen Gewässern, deren Fläche einen Hektar überschreitet, zu den seenreichsten Ländern der Welt. Europäisch weist nur Finnland mehr Seen pro km² als Polen auf. Die größten Seen mit über 100 km² Fläche sind Śniardwy (Spirdingsee) und Mamry (Mauersee) in Masuren sowie das Jezioro Łebsko (Leba-See) und das Jezioro Drawsko (Dratzig-See) in Pommern. Nahe den Seenplatten im Norden (Masuren, Pommern, Kaschubei, Großpolen) gibt es auch eine hohe Anzahl an Bergseen in der Tatra, von denen das Meeresauge (poln. Morskie Oko) der flächenmäßig größte ist. Der mit über 100 m tiefste See ist der Hańcza-See in der Seenplatte von Wigry, östlich von Masuren in der Wojewodschaft Podlachien. Gefolgt wird er von dem Tatra-Bergsee "Großer Polnischer See" im "Tal der fünf polnischen Seen".
Zu den ersten Seen, deren Ufer besiedelt wurden, gehören die der Großpolnischen Seenplatte. Die Pfahlbausiedlung von Biskupin, die von über 1.000 Leute bewohnt wurde, gründeten schon vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. Angehörige der Lausitzer Kultur. Die Väter der heutigen Polen, die Polanen, bauten ihre ersten Burgen auf den Seeinseln (poln. "Ostrów"). Der legendäre Fürst Popiel soll im 8. Jahrhundert von Kruszwica am Goplo-See regiert haben. Der erste geschichtlich belegte Typ Polens, Herzog Mieszko I., hatte seinen Gebäude auf einer Wartheinsel in Posen.
Die wichtigsten Seen Polens finden sich in der Kategorie:See in Polen.
Flüsse
Die längsten Flüsse sind die Weichsel mit 1.047 km, der Grenzfluss Oder mit 854 km, die Warthe mit 808 km und der Bug mit 772 km. Die Sauerkirsche und die Oder münden gleich wie zig kleinere Flüsse in Pommern in die Ostsee. Die Liebe und die Angerapp fließen über den Pregel und die Czarna Hańcza über die Memel in die Ostsee. Nahe entwässern einige kleinere Flüsse, wie die Iser in den Sudeten, über die Elbe in die Nordsee. Die Orava aus den Beskiden fließt über die Waag und die Donau gleich wie einige kleinere Flüsse aus den Waldkarpaten über den Dnjestr ins Schwarze Meer.
Die polnischen Flüsse wurden schon sehr früh zur Seefahrt genutzt. Schon die Wikinger befuhren mit ihren Drachenbooten während ihrer Raubzüge durch Westen die Sauerkirsche und die Oder. Im Mittelalter und der Neuzeit, als Polen-Litauen die Getreidespeicher Europas war, gewann die Verschiffung von Agrarprodukten auf der Sauerkirsche Trend Danzig und weiter nach Westeuropa eine sehr große Bedeutung, woran noch zig Renaissance- und Barockspeicher in den Städten vorwärts des Flusses zeugen.
Für eine Übersicht über die wichtigsten Flüsse siehe die Kategorie:Fluss in Polen.
Küste
Die polnische Ostseeküste ist 528 km lang und erstreckt sich von Swinemünde auf den Inseln Usedom und Wolin im Europa bis nach Krynica Morska auf der Frischen Nehrung (auch Weichselnehrung genannt) im Osten. Die polnische Küste ist zum großen Teil eine sandige Ausgleichsküste die durch die stetige Bewegung des Sandes ob der Strömung und des Windes von West nach Ost charakterisiert wird. Dadurch bilden sich jede Menge Kliffe, Dünen und Nehrungen, die nach dem Auftreffen auf Land diverse Binnengewässer schaffen, wie z.B. das Jezioro Łebsko im Slowinzischen Nationalpark bei Łeba. Die bekanntesten Nehrungen sind die Hela und die Frische Nehrung. Die größte polnische Ostseeinsel ist Wollin. Die größten Hafenstädte sind Gdynia, Danzig, Stettin und Świnoujście. Die bekanntesten Ostseebäder sind Sopot, Międzyzdroje, Kołobrzeg, Łeba, Władysławowo und Jurata.
Für einen Überblick über die Inseln Polens siehe Polnische Inseln.
Bodennutzung
28 % des Landes sind von Wald bedeckt. Über die Hälfte der Fläche wird ackerbautreibend genutzt, wobei allerdings die Gesamtfläche der Äcker zurückgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist gerade in den Zurück holen weit verbreitet. Über 1 % der Fläche Polens - 3.145 km² - werden in 23 Nationalparks geschützt. In dieser Hinsicht nimmt Polen den ersten Platz europäisch ein. Drei sonstige sollen in Masuren, im Krakauer-Tschenstochauer Jura und in den Waldkarpaten neu geschaffen werden. Die meisten polnischen Nationalparks befinden sich im Süden des Landes. Ferner werden Sumpfgebiete um Flüsse und Seen in Zentralpolen geschützt, sowie Küstengebiete im Norden. Hinzu kommen etliche Reservate und Schutzgebiete.
Flora und Fauna
In Polen leben noch Tiere, die in weiten Teilen Europas schon ausgestorben sind, wie z.B. der Wisent im Dschungel von Białowieża und in Podlachien sowie der Braunbär in Białowieża, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den verschiedenen Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien. In den Wäldern trifft man auch auf Nieder- und Hochwild (Rotwild, Rehwild und Schwarzwild). überdies gibt es im Orient Polens auch Urwälder, die nie von Leute gerodet wurden, wie der in erster Linie erwähnte Busch von Białowieża. Große Waldgebiete gibt es auch in den Bergen, Masuren, Pommern und Niederschlesien.
Polen ist das wichtigste Brutgebiet der europäischen Zugvögel. Ein Viertel aller Zugvögel, die im Warme Jahreszeit nach Westen kommen, brütet in Polen, namentlich in den Seenplatten und den Sumpfgebieten der Biebrza, des Narew und der Warthe, die jeweilig durch einen Naturpark geschützt werden. In Masuren gibt es Dörfer, in denen mehr Störche als Volk wohnen.
Liste der Nationalparks in Polen
Klima
Das Klima ist gemäßigt und wird nach Orient und Südosten immer kontinentaler. Die Jahreszeit sind allgemein mäßig warm bis warm mit Mitteltemperaturen zwischen 16° und 19 °C und die Winterzeit kalt, mit Mitteltemperaturen um 0 °C im Nordwesten und so weit wie -5 °C im Südosten. Wetterphänomen fällt das ganze Jahr über, wobei der Winterzeit speziell im Morgenland trockener als der Jahreszeit ist.
Klimadiagramm Gdynia |
Klimadiagramm Warschau |
Klimadiagramm Krakau |
Klimadiagramm Zakopane |
Größte Städte
Die größten Ballungszentren sind das Oberschlesische Industriegebiet, der Ballungsraum um Warschau und Łódź sowie das Weichseldelta um die sogenannte Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen. Eine Übersicht gibt die Liste der Städte in Polen sowie die Liste deutscher Bezeichnungen polnischer Orte.
Bevölkerung
Polen hat mit knapp 40 Mio. Einwohnern die achtgrößte Bevölkerungszahl europäisch und die sechstgrößte in der Europäischen Union. Die Bevölkerungsdichte beträgt 127 Bevölkerung pro Quadratkilometer. Polen ist ethnisch betrachtet ein äußerst homogener Staat, was ein Novum in der polnischen Geschichte darstellt: Die Polen stellen mit 99,3 % die Mehrheitsbevölkerung (inkl. der Schlesier und Kaschuben). Die verbleibende Minderheitsbevölkerung in Polen setzt sich nach einer Volkszählung von 2002 aus Deutschen (ca. 150.000), Weißrussen (ca. 49.000) und Ukrainern (ca. 30.000) sowie Tataren, Litauern, Roma, Lemken, Russen, Karäern, Slowaken und Tschechen zusammen. Unter den ausländischen Staatsangehörigen stellen Vietnamesen die größte ethnische Gruppe, gefolgt von Griechen und Armeniern. Die Zahl der Auslandspolen wird auf 20 Mio. geschätzt.
Religion
Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Westverschiebung Polens ist das Land fast einheitlich katholisch - ca. 90 % römisch-katholisch, davon ca. 70 % praktizierend; 0,5 % Polnisch-Orthodoxe; 1,4 % Protestanten, 0,1 % Altkatholiken und religiöse Minderheiten von Machen Jehovas, Juden und Moslems (unter anderem die Tataren bei Białystok). Die dieser Tage polnischen Regionen Niederschlesien, Lebus (Ost-Brandenburg), Westpreußen, Hinterpommern und das südliche Ostpreußen waren vor der Ausstoßung der ansässigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich evangelisch-lutherisch. Die ab 1945 aus Oberschlesien und dem Ermland ausgesiedelten deutschen Bevölkerungsteile waren demgegenüber ebenso wie die dort neuangesiedelte polnische Bevölkerung mehrheitlich katholisch.
Ein besonders hohes Ansehen in Polen besitzt Papst Johannes Paul II. (1920-2005), der vor seiner Papstwahl als Karol Wojtyła Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle während des Zusammenbruchs des Ostblocks inne hatte.
Die polnischen Stämme waren ursprünglich Heiden und hatten - ähnlich wie übrige Westslawen - ein polytheistisches Religionssystem, dessen Hauptgott der vierköpfige Swietowit war, dessen Standbilder zwischen Pommern (z.B. bei Kap Arkona auf Rügen) und der Ukraine (z.B. der "Antichrist aus dem Zburz") entdeckt wurden. Diese Gottesglauben konnte sich partiell bis ins 14. Jahrhundert behaupten. Gerade im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der z. T. bis ins 19. Jahrhundert überdauerte und in der Schwärmerei u.a. von Adam Mickiewicz in seinem Drama Dziady abermals aufgegriffen wurde.
Die polnischen Stämme kamen wahrscheinlich im 9. Jahrhundert über das Großmährische Reich mit dem christlichen Glauben zum ersten Mal in Kontakt. Die Wislanen in Kleinpolen wurden zur Zeit der byzantinischen Slawenaposteln Kyrill und Method von den Herrschern des Großmährischen Reiches unterworfen. Mährischen Chronisten zufolge soll schon zu dieser Zeit das Christentum nach slawischem Ritual in der Region um Krakau eingeführt worden sein. Anno 965 heiratete der Herzog von Polen, Mieszko I., die böhmische Prinzessin christlichen Glaubens Dubrawka und ließ sich folglich Jahr nach lateinischem Ritual taufen. Damit hatten auch seine Gefolgsleute den neuen Glauben anzunehmen. Polen war jedoch im Mittelalter nie religiös homogen. Noch ehe sich der christliche Überzeugung endgültig durchsetzen konnte, wanderten in den nächsten Jahrhunderten, begünstigt durch das Toleranzedikt von Kalisz von 1265 Juden aus Westeuropa und Hussiten aus Böhmen nach Polen ein. Durch die Union mit Litauen 1386 und 1569 kamen jede Menge weißrussisch- und ukrainischsprachige orthodoxe Christen unter die Herrschaft der polnischen Könige. Das Luthertum fand seit dem 16. Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen Städten diverse Anhänger, während der Kalvinismus beim Kleinadel, der Szlachta, beliebt war. Es bildete sich auch eine polnische Sekte der arianischen Polnischen Brüder unter der Leitung von Fausto Sozzini, die in Raków selbst eine eigene Universität gründete. Der Sejm von 1555 debattierte über die Einführung einer protestantischen Nationalkirche in Polen. Diese wurde zwar nicht eingeführt, doch die Warschauer Konföderation und die Articuli Henriciani von 1573 sicherten die individuelle Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung, daher kam es in Polen nie zu Religionskriegen. 1596 wurde in der Kirchenunion von Brest die griechisch-katholische Kirche gegründet. Im 17. Jahrhundert vermochte die Gegenreformation jedoch die meisten "Andersgläubigen" auf die katholische Seite zu ziehen.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelte der polnische König Jan Sobieski moslemische Tataren in Podlachien an. Eine relativ große moslemische Minderheit lebte auch um Kamieniec Podolski in Podolien, das zwischen 1672 und 1699 zum Osmanischen Reich gehörte.
Die polnischen Juden sind seit dem 18. Jahrhundert in zwei dominierende Glaubensrichtungen getrennt, die aufgeklärten Haskalen und die orthodoxen Chassiden.
Siehe auch: Konfessionen in Polen
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Polens
Vorhistorische Zeit und Gründung
Schon während der Eiszeiten lebten Jäger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen polnischen Staates, soweit die Vergletscherung ihnen Lebensraum zurückließ. Zentren dieser frühen Kulturen waren z.B Höhlen und Felsen in den südlichen Bergen. So wurde z.B. der Wawelhügel samt Gewölbe in Krakau schon vor 20.000 Jahren bewohnt. In der Bronze- und Eisenzeit dominierte die Lausitzer Kultur und Przeworsker Kultur. Als bekanntestes Beispiel gilt die Pfahlbausiedlung in Biskupin, die um 700 v. u. Z. gegründet wurde und um 400 a. Chr. von Skythen zerstört wurde. Während der Antike unterhielt die Bevölkerung im Gebiet des heutigen Polen über die Bernsteinstraßen Handelsbeziehungen mit Rom und Griechenland. Die Römer erwähnten schon um Christi Geburt die Städte Kalisz und Truso. Germanische Stämme, die seit etwa 1000 vor Christi in Nord- und Westpolen siedelten (Goten, Vandalen und Burgunder) zogen während der Spätantike ins heutige Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Tunesien und vermischten sich mit den dortigen Bevölkerungen. Gleichzeitig kamen während der Völkerwanderung sonstige Völker, unter die Hunnen, Slawen und Awaren in das heutige Polen. Dauerhaft siedelten seit dem 5. Jahrhundert die Westslawen im polnischen Gebiet. Vor der Staatsgründung unternahmen die Wikinger, Ungarn und Mährer Raubzüge nach Polen. Mit dieser Zeit verbindet man auch die Sagen um die ersten Urfürsten Polens Popiel, Piast, Lech und Siemowit.
Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist als Herzogtum im frühen 10. Jahrhundert von Posen und Gnesen aus gegründet worden. Es wurde von 960 bis 992 vom Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten regiert, der nach und nach die anderen westslawischen Stämme zwischen Oder und Bug unterwarf.
966 ließ sich Mieszko I. nach römisch-katholischem Zeremoniell taufen. Das Gegend erreichte durch Eroberungen unter Mieszko I. und seinem Angehöriger Boleslaw dem Tapferen Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Um 997 schloss Polen ein enges politisch-militärisches Bündnis mit dem Heiligen Römischen Reich, während des Staatsakts zu Gnesen im Jahr 1000 wurde die Übereinkunft vom polnischen Regent Boleslaw I. und Kaiser Otto III. bestätigt. Mit der Krönung Boleslaws im Jahr 1025 wurde Polen in den Stand eines Königreiches erhoben.
Mittelalter und Neuzeit
Während der Herrschaft des Piasten Kasimir I., wurde die Stadt 1040 von Gnesen nach Krakau verlegt. Nach dem Tod von Boleslaw III. 1138 wurde die Senioratsverfassung eingeführt, nach welcher die Söhne Boleslaw III. als Juniorherzöge unter dem Seniorat des jeweils Ältesten der Dynastie die ihnen unterstehenden einzelnen Landesteile regierten. Bis 1295 dauerte die feudale Zersplitterung, der sogenannte Partikularismus, in Polen an, der zu einer starken politischen Schwächung Polens im 13. Jahrhundert führte. Polen zerfiel 1138 in sechs unabhängige Herzogtümer: Kleinpolen, Großpolen, Pommern, Pommerellen, Schlesien und Masowien, das sogenannte "Seniorat Polen". Die Jahre bis zur Ende der deutschen Teilung waren durch feudalistische Territorialzersplitterung geprägt. Das im Morgenland gelegene Gebiet Kleinpolens zerfiel in das Adelsterritorium Sandomierz, das östliche Großpolen in die Herzogtümer Łęczyca und Sieradz, das westliche Masowien in das Herzogtum Kujawy. Zwei lehnsabhängige Fürstentümer trennten sich unter einheimischen Herrscherhäusern ganz vom Reichsverband und gingen ihre eigenen Wege, so Pommern 1181 unter den Greifen und Pommerellen 1227 unter den Samboriden. Schlesien wurde 1348 im Vertrag von Namslau endgültig ein Teil Böhmens und damit des Heiligen Römischen Reiches. Hinzu kamen in den folgenden Jahrhunderten Eroberungen verschiedener USA (Kgr. Böhmen, Mgf. Brandenburg, Deutscher Orden). Auch der Mongolensturm des Jahres 1241, und die nachfolgenden großen Plünderungszüge der Tartaren ließen die Bevölkerungszahl in den polnischen Teilfürstentümern schrumpfen.
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Polen unter der Herrschaft von Wladyslaw I. wiedervereinigt. Sein Sohn, Kasimir der Große, setzte den väterlichen Gefecht um die Einheit fort und leitete siegreich soziale und wirtschaftliche Reformen ein, die Polen zu einer machtvollen Position in Mitteleuropa verhalfen. 1386 heiratete der litauische Großfürst Jagiello die polnische Königin Jadwiga. Er, Wladyslaw II. Jagiello, nunmehr zugleich litauischer Großfürst und polnischer König, schuf den mächtigen Doppelstaat Polen-Litauen, der für die nächsten 300 Jahre die Geschicke Mittel- und Osteuropas wesentlich beeinflusste. Im 15. Jahrhundert, nach der politischen Trennung des Deutschen Ordens in Preußen, stieg das aus Polen und Litauen hervorgegangene Großreich zu einer der führenden Kontinentalmächte und war tief der größte Staat Europas mit Einflußsphären vom Baltischen- zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus. Auf Ausüben des letzten polnischen Königs aus der Jagiellonen-Dynastie, Sigismund August, wurde die Personalunion zwischen Polen und Litauen in Lublin im Anno 1569 in eine Realunion umgewandelt. Polen und Litauen bildeten seit 1569 die sogenannte Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System und einer Gewaltenteilung.
Teilung, Unterdrückung und Kampf um die Unabhängigkeit
Die Adelsrepublik stürzte im 17. und 18. Jahrhundert in dauerhafte Krisen, die durch zig Kriege (mit Schweden, dem Osmanischen Reich, Russland, Brandenburg-Preußen und Siebenbürgen), fehlenden politischen Reformen und inneren Unruhen, die sich durch Bildung von Magnaten (=Konföderationen gegen die Interessen des Staates und des Königs), Kosakenaufstände und dauerhafte Konfrontationen mit den Krim-Tataren in den südöstlichen Wojewodschaften kennzeichneten. Besonders die Wahl ausländischer Dynasten zu polnischen Königen (sie verfügten über keine Hausmacht in Polen und waren vom Wohlwollen des Hochadels abhängig) und die Dissens innerhalb des polnischen Adels, der Schlachta und Oligarchen, schwächten den Staat beträchtlich.
In den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde Polens innerer Schwäche von seinen Nachbarn Preußen, Österreich und Russland ausgenutzt, welche Polen gleichzeitig überfielen und am Ende rechtswidrig unter sich aufteilten. Polen wurde damit seiner Freiheit beraubt und in drei unterschiedliche Staaten zerrissen.
Auf Drängen des französischen Kaisers Napoleon entstand angemessen des Friedens von Tilsit (1807) aus den preußischen Besatzungszonen der Zweiten- und Dritten Trennung (1809 kam das mit der Dritten Aufspaltung seither 1795 österreichisch besetzte Westgalizien hinzu), ein relativ kleines Herzogtum Warschau, als Vasallenstaat des revolutionären Frankreichs. Durch die Niederlagen der polnisch-französischen Zusammenschluss im Russlandfeldzug von 1812 und in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, wurde aus dem Herzogtum auf dem durch die Teilungsmächte dominierten Wiener Kongress größtenteils 1815 das Königreich Polen geschaffen, welches als Kongress-Polen in Personalunion formal nur durch die Person des russischen Zaren als König von Polen mit Russische Förderation verbunden war. Bis 1831 genoss "Rest"-Polen weitgehende Autonomie. Mit dem Entstehen des Nationalismus beim Übergang von der Feudalgesellschaft zum Kapitalismus wurde durch die zaristische Verwaltung versucht, diese Autonomie Schritt für Schritt abzuschaffen.
Dadurch kam es zum fehlgeschlagenen Novemberaufstand von 1830, in dem die Polen versuchten die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzuschütteln. Mit der Niederlage wurde die polnische Bevölkerung seither 1831 in den preußischen und russischen Besatzungszonen einer verstärkten Germanisierung - zufolge den preußischen Volkszählungen ohne größere Auswirkungen auf die Bevölkerungsverhältnisse - und Russifizierung unterzogen, die nach dem zweiten, gescheiterten Aufstand, dem Januaraufstand von 1863, besonders gezwungen wurde. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit in Weichselland umbenannt. Ähnlich verfuhren auch die Hohenzollern in Pommerellen und Großpolen, dennoch in preußischen Schulbüchern und Volkszählungen die Bezeichnung Polen weiterhin gebräuchlich blieb. Nur im von Österreich besetzten polnischen Galizien konnten die Polen mit den Liberalisierungsbestrebungen des Hauses Habsburg-Lothringen in der Donaumonarchie seitdem 1867 der geistig-nationalen Sklaverei in den von Preußen und Russische Förderation dominierten Teilen Polens entkommen, das von da ab das Fundament der Wiedergeburt Polens nach dem Ersten Weltkrieg bildete.
Unabhängigkeit und die Zweite Republik 1918-1939
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1917 beschlossen Deutschland und Österreich die Gründung eines polnischen Staats. Dies war aber eher eine gegen Rußland gerichtete Maßnahme, als eine Anerkennung des Rechts der Polen auf Eigenstaatlichkeit. Durch die Kriegsereignisse bedingt hatte dieser Beschluß denn auch keine praktischen Auswirkungen.
Angesichts der Niederlage der Teilungsmächte nach dem Ersten Weltkrieg, erlangte Polen 1918 seine Souveränität zurück. Im Vertrag von Versailles wurde die Unabhängigkeit Polens 1919 auch im internationalen Rahmen bestätigt, während die Teilungsverträge der Jahre 1772, 1793 und 1795 für illegal erklärt und anschließend annulliert wurden. Durch die Siegermächte des 1.Weltkriegs wurden in Osteuropa Grenzen nach Bevölkerungsmehrheiten vorgesehen. Federführend war dabei der britische Außenminister Lord George Nathaniel Curzon. Von Deutschland wurden die Provinzen Westpreußen und Posieren einzeln und Polen zugesprochen. Unmittelbar danach flohen 200.000 Deutsche aus diesen Gebieten, in der Regel von 1919-1926 etwa 700.000 Menschen.
Wegen der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow-Monarchien, versuchte die neue polnische Führung in alle Richtungen größere Gebiete zu erobern, beispielsweise von Deutschland Oberschlesien, wobei die polnischen Truppen am 21. Mai 1921 in der Kampf um St. Annaberg durch Freikorps zurückgeworfen wurden. In Entwicklung Litauen, wo Polen die heutige Gemarkung Vilnius besetzte. Bereits 1919 begannen kämpferische Auseinandersetzungen zwischen polnischen, ukrainischen und bolschewistisch-russischen Kräften, weil die polnischen Kräfte über die als Ostgrenze Polen vorgesehene Curzon-Linie hinauf Gebiete mit Ukrainischer und Weissrussischer Bevölkerungsmehrheit erobern wollten. Im Aug. 1920 eroberten die Bolschewiken während des Polnisch-Sowjetischen Krieges die Gebiete bis zur Curzon-Linie, unter auch weite Teile Galiziens. Nach dem Sieg Marschall Pilsudskis gegen die Bolschewiken an der Weichsel, wurde im Friedensvertrag von Riga am 18. März 1921 Polens Ostgrenze im Vergleich zur Curzon-Linie um etwa 250 km nach Morgenland verschoben. Die Curzon-Linie markierte die östliche Grenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, während die östlichen Gebiete eine gemischte Bevölkerungsstrukur aus Polen, Ukrainern, Weißrussen, Litauern, Juden, Tataren, Deutschen u.a. aufwiesen, wobei Polen in vielen Städten und die anderen Bevölkerungsgruppen auf dem Land dominierten. Während die Bevölkerungsmehrheit der Städte meist kath. bzw. jüdisch war, war die Landbevölkerung überwiegend orthodox. Nichtsdestotrotz verfehlte Pilsudski sein Ziel, die Ukraine als unabhängigen "Pufferstaat" zwischen Polen und Russland zu etablieren, was eines der zentralen Ziele der polnischen Politik war. In Riga erkannte Polen die Ukraine als Teil der Sowjetunion unter Mykola Skrypnyk an. Im annektierten Gebiet östlich des Westlichen Bugs, bildeten die Polen 1919 25 % der Bevölkerung, 1939, nach einer Ansiedlungspolitik mit Bevorzugung von Polen während der Amtszeit Pilsudskis, waren es schon etwa 38 %. Polnische Sprachinseln im je nach Region mehrheitlich ukrainisch, weißrussischen oder litauischen Einzugsgebiet waren die Regionen Vilnius (poln. Wilno) und Lemberg (poln. Lwów). Insgesamt waren in dem Gebiet 1939 von 13,5 Mill. Einwohnern nur rund 3,5 Mill.Polen
Die inwendig Festigung des neu gegründeten polnischen Staates wurde erschwert durch die politische Abbau der Parteien, die in der Teilungszeit entstandenen unterschiedlichen Wirtschafts-, Bildungs-, Justiz- und Verwaltungssysteme sowie durch die Existenz starker ethnischer Minderheiten (31 % der Gesamtbevölkerung). Außenpolitisch war Polen zunächst in das französische Allianzsystem einbezogen (Bündnis vom 19. Februar 1921). Eine restriktive Politik gegenüber der deutschen Minderheit, die zur Auswanderung etwa 1 Mio deutschsprachiger Staatsbürger führte, die Ablehnung der Regierung Stresemann, die neue deutsche Ostgrenze anzuerkennen, ein "Zollkrieg" um die oberschlesische Zaster sowie der politisch-weltanschauliche Gegensatz zum Sowjetsystem schlossen eine Zusammenarbeit Polens mit seinen beiden größten Nachbarn aus. In den neuen Ostgebieten erfolgte ein massive polnische Ansiedlungspolitik zu Ungunsten der Ukrainer, Weissrussen und Litauer.
Am 12. Mai 1926 gewann Marschall Pilsudski nach einem Staatsstreich die Macht (1926-28 und 1930 als Ministerpräsident, 1926-35 als Kriegsminister). Zur außenpolitischen Absicherung wurden Nichtangriffsverträge mit der SSSR (1932) und Deutschland (1934) geschlossen. Außenminister Józef Beck strebte den Aufstieg Polens zur ostmitteleuropäischen Hegemonialmacht entsprechend eines neuen Westen von der Ostsee bis zur Adria an. 1938 entzog Polen allen auswärtig lebenden Juden die polnische Staatsbürgerschaft.
Kurz vor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland überfallen wurde, stellte es im Zuge des Münchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Okt. 1938 annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das Olsagebiet, welches 1919 von der Tschechoslowakei voll und mehrheitlich aber von Polen bewohnt wurde. Im Sept. 1939 wurde Polen gemeinsam vom Dritten Deutschen Reich, dem deutschen Vasallenstaat Slowakei unter Jozef Tiso und der Sowjetunion überfallen. Zuerst besetzten Truppen des Deutschen Reichs und der Slowakei das Land und am 17. September, unter dem Vorwand des "Schutzes" der weißrussisch-ukrainischen Bevölkerung, die Truppen der Sowjetunion. Die Aneignung und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war an erster Stelle in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem sechs Mio. polnische Staatsbürger, unter fast die Hälfte jüdischen Glaubens, ihr Leben verlieren sollten.
Zweiter Weltkrieg 1939-1945
Mit dem Überfall Deutschlands am 1. September und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 17. September 1939 auf Polen, begann der Zweite Weltkrieg. Noch vor dem Zusammenbruch der polnischen Front, floh die polnische Regierung über das neutrale Rumänien nach Paris, später nach London und organisierte daher aus die Streitkräfte und den Widerstand neu. Der Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Polen sollte nach dem Willen der NS-Führung Züge eines rassistischen Verdrängungs- und Vernichtungsfeldzugs annehmen. Differenzierend als im Abendland machte Hitler schon bevor klar, dass er die "Liquidierung des führenden Polentums" (Reinhard Heydrich) ins Auge fasste. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden diverse 10.000 Personen erschossen. Dabei ist noch einmal zu betonen, dass es sich hier nicht um einzelne Exzesse handelte, die aus dem Klima des Hasses und den Zufälligkeiten des Krieges hervor entstanden, statt um einen durchorganisierten Massenmord. Schon Anfang der 1940er Jahre errichteten die Nationalsozialisten diverse KZ auf dem Gebiet Polens, u.a. Auschwitz, Majdanek, Treblinka. Die Besatzungszeit hatte für große Teile der polnischen Zivilbevölkerung katastrophale Folgen. Anderseits beteiligte sich in manchen Fällen die polnische Bevölkerung auch an der Unterdrückung und Holocaust der polnischen Juden.
Zu den übergreifenden Anpeilen der Besatzungspolitik im gesamten Gebiet gehörte 1.) die Trennung und Verwüstung der polnischen Juden und der polnischen Intelligenz, 2.) die Vorverlegung der deutschen Ostgrenze und die Erweiterung des "Lebensraums im Osten" und 3.) die Stärkung der deutschen Kriegswirtschaft durch rücksichtslose Ausbeutung des Arbeitskräftepotenzials der Zwangsarbeiter und der materiellen Ressourcen Polens. Großpolen, die 1919 an Polen abgetretenen Teile Westpreußens sowie Ostoberschlesien wurden direkt von Deutschland annektiert. Kleinpolen, Masowien und Galizien mit etwa 10 Mio. Volk wurden als so genanntes "Generalgouvernement" dem Reichsminister Hans Frank unterstellt, der vom Königssitz der frühen polnischen Könige, dem Wawel in Krakau, die Vernichtungspolitik leitete.
Auch die Polen, die unter sowjetische Herrschaft geraten waren, waren von Gewaltmaßnahmen betroffen. Man schätzt, dass ungefähr 1,5 Mio. ehemalige polnische Bürger deportiert wurden. 300.000 polnische Soldaten gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, nur 82.000 von ihnen überlebten. Ein Großteil der Offiziere - ca. 40.000 Personen - wurde durch sowjetische Truppen 1940 bei Katyn und in den Lagern von Starobielsk, Kozielsk und Ostaszków ermordet.
1941 entstand im Hinterland der SSSR aus polnischen Soldaten die Andersarmee in Stärke von 6 Divisionen, kam aber nicht zum Fronteinsatz gegen die Ostfront der Wehrmacht, statt wurde zum Schutze Indiens verlegt und kam später in Italien zum Einsatz.
Polnische Soldaten kämpften auf den Seiten der Alliierten an allen Fronten des Weltkriegs von der Luftschlacht um England, in Afrika, der Sowjetunion, so weit wie den Invasionen in der Normandie und Italien. Die polnischen Soldaten stellten damit noch vor den Franzosen die viertgrößte Streitkräfte der Alliierten. Polnische Partisanengruppen, die die größte Widerstandbewegung im besetzten Westen darstellten, leisteten auch in Polen selbst Widerstand. Nachdem die Rote Armee im Jan. 1944 die polnische Grenze von 1939 überschritten hatte, wurden die Truppen der Heimatarmee vom NKWD entwaffnet, ihre Offiziere erschossen oder in einen Gulag geschickt. Der Gefecht einzelner Untergrundeinheiten gegen die sowjetische Besatzungsmacht dauerte jedoch bis Ende 1949 an.
Am 1. August 1944 begann auf Befehl der Londoner Exilregierung der Warschauer Aufstand, ohne dass man sich mit der Führung des Bündnispartners SU irgendwie konsultiert hatte. Die Sowjetunion, deren Truppen nach einer ununterbrochenen Angriff über rund 600 km am Ostufer der Weichsel standen, aber wegen Mangel an Auffüllung und Zufuhr sowie Bedrohung durch eine größere deutsche Bündelung am Ostufer der Sauerkirsche nördlich von Warschau nicht in der Lage waren anzugreifen, mußten die Einheiten der Heimatarmee ausbluten lassen.Eine Hilfe der Westalliierten machte die große Entfernung unmöglich. So konnten deutsche Truppen die größte europäische Erhebung gegen die Okkupanten unmenschlich niederschlagen. Die Zahl der Toten wird auf 180.000 bis 250.000 geschätzt. Dabei wurde die Zentrum Warschaus unter großem Einsatz an Sprengmaterial akribisch Haus für Haus dem Untergrund gleichgemacht.
Volksrepublik, Sozialismus und die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc 1945-1989
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden die Grenzen des ehemaligen polnischen Staatsgebietes gemäß dem Potsdamer Abkommen nach Abendland verschoben: Polen verlor das ethnisch gemischte, mehrheitlich von Ukrainern und Weißrussen bevölkerte Drittel seines bisherigen Staatsgebietes an die Sowjetunion. Es handelte sich dabei unscharf um das Gebiet, das Polen 1919-1921 von Russische Förderation und der Ukraine erobert hatte.Die dort ansässige polnische Bevölkerung, ca. 2,5 Mio. Menschen, wurde vertrieben. Aus dem heutigen Ostpolen wurden etwa 1 Mio. Ukrainer in die UdSSR vertrieben. Schon in den Jahren 1943-44 waren Zehntausende Polen in den Massakern in Wolhynien ermordet worden, zahlreiche mussten flüchten. Im Okzident und Norden wurden Polen die erstmal deutschen Gebiete östlich der Oder und Neiße ("Oder-Neiße-Linie") als "Wiedergewonnene Gebiete", die ein Drittel des Deutschen Reichgebiets darstellten und seit etwa 700 Jahren deutschsprachig besiedelt waren, zugesprochen. Etwa 5 Mio. Deutsche waren gegen Kriegsende daher geflohen und wurden durch Einreiseverbot an einer Rückkehr gehindert (Schließung der Oder-Neiße-Übergänge für Rückkehrende am 30. Juni 1945). Aus den Ostgebieten wurden nach dem Bewaffnete Auseinandersetzung zusätzliche 5 Mio. Leute vertrieben. Die Gebiete wurden später überwiegend mit Bürgern aus Zentralpolen (3 Millionen), unterhalb etwa 0,5 Mio. von Polen zwangsumgesiedelte Ukrainer, und mit Vertriebenen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten (etwa 2 Millionen) besiedelt. Einige Oberschlesier, Masuren und Deutsche blieben als Minorität zurück. Die neuen Grenzen wurden mit dem Potsdamer Abkommen vom August 1945 geregelt. Im Widerspruch zu den Regelungen in diesem Abkommen, die bis zum Abschluss eines Friedensvertrages die Grenzziehung europäisch von Swinemünde und dann vorwärts von Oder und Neiße festschrieben, besetzte Polen auf Bemühung Stalins auch die europäisch der Oder gelegene Gemeinde Stettin und abendländisch angrenzende Gebiete, um sich diesen wichtigen Ostseehafen als Verbindung Oberschlesiens zum Meer zu sichern. Mit dem Görlitzer Abkommen zwischen der neu entstandenen DDR und Polen vom 6. Juli 1950 wurde diese Grenzziehung dann auch vertraglich immerhin von der DDR akzeptiert.
Auf die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkrieges folgte nun die kommunistische Diktatur. Das Land kam in den Einflussbereich der UdSSR und wurde als Volksrepublik dessen Satellitenstaat. Polen wurde bis 1989 in den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe und den Warschauer Pakt eingebunden. Durch verschiedene Aufstände äußerte die polnische Bevölkerung wieder und wieder ihren Unmut gegenüber der kommunistischen Führung (z. B. im Posener Aufstand).
Erst die Gründung der Arbeitnehmerorganisation Solidarnosc führte schließlich zu einem gesellschaftlich-politischen Umschwung im Land und zu den revolutionären Ereignissen von 1980 bis 1989, die in den ersten freien Wahlen im Ostblock im Frühjahr 1989 mündeten und an deren Ende mit der Auflösung des sogenannten Ostblocks und der UdSSR das kommunistische Herrschaftsform durch eine demokratische Herrschaftsform ersetzt wurde.
Das freie Polen und die Dritte Republik seit 1989
Seitdem 1989 wurde die polnische Wirtschaft nach dem Balcerowicz-Plan mit schnipsen Schritten in eine funktionierende Marktwirtschaft umgewandelt. Nach nur einer Amtszeit wurde der ehemalige Solidarność-Vorsitzende Lech Wałęsa von dem postkommunistischen Aleksander Kwaśniewski als Präsident abgelöst, dessen doppelte Amtszeit am 23. Dezember 2005 zu Ende ging. Unter ihm trat Polen am 1999 der NATO und 2004 der EU bei.
Unter dem Premier Leszek Miller entwickelte sich Polen während des Dritten Golfkrieges und in der Nachkriegszeit nahe Großbritannien, Italien und Spanien zum wichtigsten Verbündeten der USA in Europa. Es unterstützte mit eigenen Soldaten die multinationale kriegsführende Allianz von 35 Staaten. Zufolge der unterschiedlichen Haltungen der polnischen sowie der deutschen Regierung während des Irak-Konflikts kam es zu schweren Misstönen zwischen den beiden Staaten. Zu weiteren Verstimmungen führten Äußerungen der Verbände Heimatvertriebener, die ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin errichten wollen bzw. Eigentumsansprüche an Polen stellen.
Am 1. Mai 2004 wurde Polen, zusammen mit neun weiteren Staaten, Charakter der Europäischen Union. Polen ist unter den neuen Mitgliedstaaten das bevölkerungsreichste und flächenmäßig größte Land. Nur einen Tag nach dem EU-Beitritt trat der von 2001 an amtierende Ministerpräsident Leszek Miller nach einer Reihe von Korruptionsskandalen und Besprechung im Bereich der Innenpolitik zurück. Als Nachfolger für das Amt des Regierungschefs wurde Marek Belka ernannt und am 26. Juni 2004 vereidigt.
Während des Konfliktes um die Präsidentschaftswahlen im Nachbarstaat Ukraine im Nebelmonat November und Dez. 2004 engagierte sich der polnische Präsident Aleksander Kwaśniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien, während die polnische Öffentlichkeit und die Medien in besonders hohem Ausmaß Solidarität mit der Ukraine und ihrem neuen Präsidenten Wiktor Juschtschenko übten.
Im Jahreszeit 2005 konnte die nationalkonservative Politische KraftPrawo i Sprawiedliwość (Recht und Gerechtigkeit) die Sejm- und ihr Kandidat Lech Kaczyński die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Einer Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz wurde am 10. November 2005 das Vertrauen des Sejm ausgesprochen.
Politik
Politisches System
Die Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie. Zwei Kammern, Sejm (460 Abgeordnete) und Senat (100 Abgeordnete), bilden mit Unterbrechungen seit 1493 das Parlament. Der polnische Sejm gehört zu den ältesten Parlamenten der Welt. Er hat die Legislative inne. Die im Abgeordnetenhaus vertretenen polnischen Parteien gruppieren sich als Fraktionen in eine Regierung und die Opposition. Die Exekutive wird von einem Ministerpräsidenten und einem Ministerrat ausgeführt, die vom Sejm gewählt und vom Staatspräsidenten ernannt werden und mit diesem gewisse Kompetenzen (Landesverteidigung, Außenpolitik) teilen, aber dem Hohes Haus verantwortlich sind. Die Innenpolitik war in den 1990er Jahren von einem sich dynamisch verändernden Parteienwesen geprägt. Mittlerweile haben sich feste Parteistrukturen aus den zerfallenden politischen Kräften der Solidarnosc-Bewegung und der kommunistischen Politische Kraft herausgebildet. Das Augenmerk der Innenpolitik fokusiert auf den Reformen, die notwendig sind, um das Land im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen und zu erhalten. Enttäuscht von einer katastrophal angestiegenen Beschäftigungslosigkeit und Verelendung eines großen Partiell der Bevölkerung, sowie eine übermäßige Nepotismus der alten kommunistischen Eliten in Politik und Wirtschaft, demonstrierten zig polnische Bürger ihren Unmut mit einer Wahlenthaltung bei Europaparlament-, Sejm- und Präsidentschaftswahlen.
Zu den im Sejm vertretenen Parteien gehören auf der rechten Seite die katholisch-konservative LPR (Liga Polskich Rodzin - Liga polnischer Familien), die Regierungspartei PiS Prawo i Sprawiedliwość (Recht und Gerechtigkeit) und die liberal-konservative Platforma Obywatelska (bürgerliche Plattform). Auf der linken politischen Seite haben sich postkommunistische SLD Sojusz Lewicy Demokratycznej (Bündnis der demokratischen Linken) und die links-populistische Samoobrona (Selbstverteidigung) herausgebildet. Benachbart gibt es noch die älteste durchgängig existierende Politische Kraft Polens, die schon im 19 Jh. und in der Zweiten Republik eine wichtige Rolle spielte, die PSL Polskie Stronnictwo Ludowe (Polnische Bauernpartei). Alle anderen Parteien sind bei der Parlamentswahl im September 2005 an der 5 % Hürde gescheitert.
Siehe auch: Parteien in Polen, Außenpolitik Polens
Verfassungssystem
Die polnische Verfassungsgeschichte hat eine lange Tradition. Als Staat mit einer kontinentaleuropäischen Rechtsordnung hat sich in Polen im Gegensatz zu den auf dem Common Law basierenden Rechtssystemen die geschriebene Verfassung durchgesetzt. Die ersten schriftlich niedergeschriebenen Verfassungsgesetze, die die Macht des Monarchen einschränkten, wurden schon nach der Wende im 14. Jahrhundert erlassen. In einem dynamischen Prozess entwickelte sich das Königreich Polen zu einer Adelsrepublik mit demokratischer Willensbekundung.
Königreich Polen und die Adelsrepublik (Erste Republik)
Das erste polnische Gesetz, das man als Verfassung, Konstitution, bezeichnen kann, ist das Statut von Kaschau im Anno 1374, in dem der polnisch-ungarische König Ludwig von Anjou für die Wahl seiner Verwandter Jadwiga der Heiligen zum König von Polen dem wahlberechtigten Geschlecht Privilegien zugestandt. Namentlich wurde den Königen verboten sonstige Steuern ohne die Zustimmung der Regionalparlamente (Sejmiki), in denen der lokale Adel vertreten war, zu erheben oder die Adeligen zu irgendwelchen Diensten zu bestellen. Diese Rechte des Adels wurden von den nachfolgenden Königen, um die Wahl ihrer Nachkommen zu begünstigen oder die Adeligen für einen Kriegszug zu gewinnen, bestätigt und erweitert. Władysław Jagiełło gestand in den Statuten von Petrikau 1388, Czerwińsk 1422, Warta 1423 und Krakau 1433 die Unantastbarkeit der Ungezwungenheit "neminem captivabimus nisi iure victum" und des Eigentums ohne Gerichtsurteile, Mitspracherechte bei der Fiskalpolitik, Preisbindungen für Agrarprodukte u.a. Rechte zu. Kasimir der Jagiellone weitete diese Privilegien im Statut von Wilna 1447 auf den litauischen Adel aus und stellte ihn der polnischen Schlachta gleich. Im Statut von Nieszawa 1454 bekam der Adel faktisch das Recht über Bewaffnete Auseinandersetzung und Friede zu entscheiden und die Regionalparlamente konnten die Verleihung von Rechten an übrige Stände verhindern. Deswegen entgegennehmen einige Verfassungsrechtshistoriker an, dass dieses Zeitpunkt schon den Beginn derAdelsrepublik darstellt. Die herrschende Gutachten geht jedoch davon aus, dass als Geburtsstunde der Adelsrepublik das Statut von Petrikau vom 27. Februar 1493 anzunehmen ist, in dem sich König Jan Olbracht verpflichtete ein ganzpolnisches Zweikammerparlament Sejm und Senat in Petrikau einzurichten und der Kirche verboten wurde, sich in die weltliche Judikative einzumischen. Damit war praktisch der Adelsstand (Szlachta), der ca. 10 - 15 % der polnischen Bevölkerung ausmachte, der Souverän im Staat, der seither 1497 auch keine Zölle zu Geld in die Hand nehmen hatte. Gleichzeitig wurde es den Leibeigenen verboten, die Dorfgemeinschaft zu verlassen, vorher sie nicht alle Schulden an den Gutsbesitzer abgezahlt hatten, und den Stadtbürgern, Grundstücke zu erwerben. Der König wurde tatsächlich zum vom Sejm (ab)berufenen "Repräsentant" der Republik. 1501 wurde im Statut von Mielnik die Exekutive auf den Senat übertragen, dessen Vorsitzender zwar der König (damals Alexander) war, der jedoch abgesetzt werden konnte, wenn er sich der Mehrheitsentscheidnung nicht beugen sollte. Im zweiten Statut von Petrikau von 1504 wurde die Kontrolle über die Vergabe von Grundbesitz und Ämtern auf den Sejm übertragen, wobei die Ämterhäufung in einer Person verboten wurde. Die wichtigste Verfassung der Adelsrepublik gab sich der Sejm 1505 in Radom dann schon selbst, speziell die Nihil Novi-Verfassung, die allgemein als "Nichts über uns ohne uns" übersetzt wurde und dem König auch die Legislative entzog. Untereinander sollte der Adel ohne Rücksicht auf Vermögen de jure paritätisch sein. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass die Staatsbeamten in freien Wahlen gewählt werden sollten. Auch die Justiz wurde dem König schrittweise entzogen. 1518 verzichtete Sigismund der Alte auf die Entscheidung von Querelen zwischen Adeligen und Nichtadeligen. 1520 wurde den Stadtgerichten verboten. über Adlige zu urteilen und 1523 wurde eine zweite Gerichtsinstanz eingeführt. Ab 1563 gab es chronometrisch begrenzte höchste Gerichte, die jedoch nur für einzelne Rechtsstreitigkeiten Ad hoc gebildet wurden. Nach der Unionsakte von Lublin von 1569, die auf den größten polnischen Juristen der Renaissance Jan Zamoyski zurückgeht, wurde 1578 ein ständiges höchstes vom König unabhängiges Gericht, das Krontribunal, eingerichtet. Damit war die moderne Gewaltenteilung im polnisch-litauischen Commonwealth des 16. Jahrhunderts verwirklicht. Die Gesetzgebung lag beim Sejm, die Exekutive beim Senat und die Justiz bei dem Krontribunal. In der Konföderation von Warschau von 1573 wurde es dem König und anderen staatlichen Organen verboten, in die Religionsfreiheit der Adeligen einzugreifen. All diese Bestimmungen wurden ab 1573 in den so genannten Pacta conventa zusammengefasst und mussten von jedem Anwärter auf den polnischen Königsthron vor seiner Wahl unterschrieben werden. Das erste Staatsbudget Polens verabschiedete der Sejm 1768.
Der Rechtszustand der Pacta conventa dauerte bis zur 1791 mit kleineren Änderungen fort. Namentlich ist erwähnenswert, dass sich Zentrum des 17. Jahrhunderts das Liberum veto entwickelte, dass es jedem Abgeordneten ermöglichte, einen Vorlage zu Fall zu bringen. Dies förderte die Stellung der mächtigen Magnaten innerhalb des Adels, die regelmäßig Änderungen ihrer goldenen Freiheit verhindern konnten. Im Aufklärung wurde jedoch erkannt, dass die privilegierte Stellung des Adels nimmer zeitgemäß war. Der Vierjährige Sejm (1788 - 1792) arbeitete eine Verfassung aus, die am 3. Mai 1791 verabschiedet wurde und als die Verfassung vom 3. Mai in die Vergangenheit einging und als erste moderne Verfassung Europas gilt. Einer der wichtigsten Autoren dieser Verfassung war Hugo Kołłątaj, eine der größten Persönlichkeiten der europäischen Aufklärung. Mit ihr wurden auch den anderen Ständen weitgehende Privilegien zugesichert.
Herzogtum Warschau
Mit der Wiederherrstellung eines Rumpfpolens durch Napoleon nach den drei Teilungen Polens entstand 1807 das Herzogtum Warschau. Am 22. Juli 1807 erhielt es eine eigene Verfassung und den Code Napoleon. Mit der Einführung dieser beiden Gesetzte wurde die Ständegesellschaft aufgehoben und alle Bewohner waren rechtliche ebenbürtig und eine einheitliche Gerichtsordnung wurde eingeführt. Mit der Niederlage der polnisch-französischen Truppen bei dem Russlandfeldzug 1812 wurde das Herzogtum Warschau und seine Rechtsordnung auf dem Wiener Kongress aufgehoben.
Kongresspolen, Großherzogtum Posen, Galizien und Lodomerien
In der Teilungszeit unterlagen die verschiedenen polnischen Gebiete unterschiedlichen politischen Systemen. Das Großherzogtum Posen, die Republik Krakau und Kongresspolen hatten seit 1815 eigenen Verfassungen. Die bedeutendste unter ihnen war die von Adam Czartoryski entworfene Verfassung des Königreichs Polen, die am 27. November 1815 vom Zaren Aleksander I. unterzeichnet wurde. Sie galt als eine der liberalsten in dem damaligen Europa. Der Sejm in Warschau hatte weitgehende Befugnisse gegenüber dem Zaren. Nichtsdestoweniger wurden diese Rechte vom Zaren nicht respektiert. Nach dem Novemberaufstand 1830 wurde die Verfassung durch ein reaktionäres Grundgesetz ersetzt. Auch der Krakauer Aufstand von 1846 führte zur Annexion dieser Republik durch Österreich und der Aufhebung der Verfassung. Nach dem Aufstand im Großherzogtum Polen passend des Völkerfrühlings 1848 wurde auch dieses aufgelöst. Dafür erhielt Galizien und Lodomerien 1867, nach der Schwächung der Habsburger im Deutschen Bund und Italien, die volle Autonomie mit eigener Verfassung und einem Hohes Haus in Lemberg.
Zweite Republik
Nach der Erwerbung der Unabhängigkeit im Jahreszeit 1918 wurde am 20. Februar 1919 die provisorische Kleine Verfassung verabschiedet, die den zusammenwachsenden vorläufig regeln sollte. Schon im März 1921 wurde eine Verfassung im parlamentarischen Stil erlassen, d.h. der Souverän war der Sejm und Senat, der gegenüber dem Präsidenten eine herausgehobene Stellung in der Gesetzgebung und Exekutive (Ministerrat) inne hatte. Der Präsident dagegen hatte eine eher repräsentative Funktion ohne faktische politische Macht. Nach dem Pilsudski Staatsstreich 1926 wurde im August dieses Jahres eine Novelierung aufgenommen, die dem Präsidenten eine stärkere Stellung gegenüber dem Ministerrat verschaffte. Schließlich beschloss der Sejm im Apr. 1935 eine neue Verfassung im präsidialen Stil, d.h. der Souverän war der Präsident, er hatte die Aufsicht über den Sejm, Senat und den Ministerrat. Die beiden ersten Organe konnte er auflösen und Neuwahlen ausschreiben, die Mitglieder des Ministerrat konnte er ernennen und absetzen.
Volksrepublik
Jahr 1947 wurde eine provisorische Verfassung erlassen, die noch zum großen Teil demokratische Elemente der Märzverfassung von 1921 beinhaltete. Doch schon 1952 trat eine von der UdSSR oktroyierte, auf die sozialistische Gewaltherrschaft zugeschnittene Verfassung in Kraft, in der die Versklavung gegenüber der SSSR und die Führung der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei festgeschrieben wurden. Das wichtigste Amt war das des Parteivorsitzenden, gegenüber dem der Präsident und das Parlament nur symbolische Rechte hatten. Tatsächlich wurden die relevanten Entscheidungen in Moskau getroffen und von der Parteiführung durchgeführt. Diese Verfassung überdauerte mit kleinen Änderungen bis 1989.
Dritte Republik
Nach den ersten freien Wahlen im Ostblock (Frühjahr 1989) wurde eine Änderung der Verfassung von 1952 überfällig. Diese wurde erstens nicht vollständig aufgehoben, stattdessen durch die kleine Verfassung von 1992 ergänzt. Darin wurde die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative abermals eingeführt. Dennoch wurde das Bedürfnis nach einer neuen Verfassung immer deutlicher. Die Arbeiten wurden schon 1989 aufgenommen. Die Verabschiedung einer neuen Verfassung für die Dritte Republik erfolgte im Frühjahr 1997 durch die Approbation durch den Sejm und Senat, sowie in einem Referendum durch die Bevölkerung. Sie trat am 17. Oktober 1997 in Kraft. In der Präambel wird in einer Kompromisslösung zwischen einem Gottesbezug und den Bevölkerungsteilen, die die demokratischen Werte aus anderen Quellen herleiten, geschlossen. In den 13 folgenen Büchern werden die Republik, die Grundrechte und -pflichten, die Rechtsquellen, die Staatsorgane (Sejm und Senat, Präsident, der Ministerrat), die territoriale Selbstverwaltung, die Judikative, die übrigen Verfassungsorgane (Ombudsman etc.), die Finanzverfassung, der außerordentliche Zustand und die Verfassungsänderungen sowie Referenden definiert werden. Diese Verfassung folgt der parlamentarischen Brauch der Märzverfassung von 1921, in der der Sejm und Senat der Souverän sind.
Nach dem Sieg in den Parmalentswahlen (für Sejm und Senat) sowie den Präsidentschaftswahlen im Jahreszeit 2005 hat die PiS angekündigt durch eine Verfassungreform die Vierte Republik auszurufen. Darin soll dem Präsidenten abermals eine mächtigere Stellung zukommen. Weiterhin wird angemessen des Bürokratieabbaus überlegt, die Zahl der Sejmmitglieder zu reduzieren, von der Verhältniswahl zur Mehrheitswahl zu wechseln und den Senat abzuschaffen. Einige Verfassungsorgane sollen im gleichen Sinne abgeschafft werden. Der Begriff "Vierte Republik" ist in diesem Fall allerdings nur als Teil der Wahlkampagne der PiS anzusehen und wird selbst von Historikern nicht als offizielle Bezeichnung für eine neue, etwaige Teilstrecke im Laufbahn Polens nach der Wende gesehen.
Feiertage
| 1. Januar | Neujahr |
| Tag nach Ostern | Ostermontag |
| 1. Mai | Tag der Arbeit/Maifeiertag |
| 2. Mai | Tag der Auslandspolen Polonia (nicht arbeitsfrei) |
| 3. Mai | Tag der Verfassung vom 3. Mai 1791 |
| 8. Mai | Tag des Friedens (nicht arbeitsfrei) |
| 7 Wochen nach Ostern | Pfingstmontag |
| 10 Tage vor Pfingsten | Christi Himmelfahrt |
| 15. August | Maria Himmelfahrt |
| 1. November | Allerheiligen |
| 11. November | Tag der Unabhängigkeit im Im Jahre1918 |
| 25. Dezember | Weihnachtsfeiertag |
| 26. Dezember | Weihnachtsfeiertag |
22. Juli In der Volksrepublik ein nationaler Feiertag, zur Erinnerung an das am 22. Juli 1944 publizierte Grundsatzerklärung des Polnischen Komitees der nationalen Befreiung (PKWN).
Bildungswesen
Schulbildung
Nach der Bildungsreform 1999 besteht in Polen Schulzwang bis zum 18. Lebensjahr. Das neue Schulsytem hat drei Stufen.
Obligatorisch und für alle Brut gemeinsam sind:
| Szkoła podstawowa | Grundschule | sechs Jahre | einheitlich mit Volksschule |
| Gimnazjum | Penne | drei Jahre | analog mit Mittelstufe |
Danach werden die Schüler getrennt. Es stillstehen folgende Möglichkeiten zur Wahl:
| Szkoła zawodowa | Schule | zwei-drei Jahre | Berufsausbildung |
| Liceum ogólnokształcÄce | Allgemeinbildendes Lyceum | drei Jahre | Abitur |
| Technikum | Berufliches Lyceum | vier Jahre | Abitur und Berufsausbildung |
| Liceum profilowane | Profil Lyceum | drei Jahre | Abitur und professionell orientierte Grundbildung |
Nach dem Ablegen des Abiturs ist man zum Visite einer Akademie berechtigt.
Weit gebräuchlich ist auch die berufsbegleitende Ausbildung am Wochenende. In Polen gibt es ein Notensystem mit Stimmen von 6 bis 1. Die 5 ist dabei die beste Note, die 1 die schlechteste. Eine 6 wird äußerst selten an Schüler vergeben, die sich Kenntnisse über den Unterrichtsstoff aufwärts aneignen und reproduzieren. Dies soll sie dazu anregen, selbständig das erlernte Wissen durch Eigenstudium zu stärker werden um sie so auf die universitäre Ausbildung vorzubereiten. Die polnischen Schüler schnitten beim PISA-Test mittelmäßig ab, wobei allerdings eine deutliche Steigerung nach der Neuordnung 1999 zu auflisten war. Dies vermag allerdings nicht über den qualitativen Einbruch der polnischen Schulbildung in den 1990er hinwegzutäuschen, wenn man bedenkt, dass Polen bei dem PISA-Test für Erwachsene weltumspannend Platz eins ausverkauft hat.
Hochschulbildung
In Polen studieren fast zwei Mio. Studentinnen und Studenten. Die staatlichen Hochschulen haben dabei in den letzten 10 Jahren des Öfteren Konkurrenz durch private Universitäten bekommen. Der Zugang zu den Universitäten wird fast überall durch eine Eingangsprüfung geregelt. Bachelor- und Magisterstudiengänge gibt es in letzter Zeit immer mehr. Anliegend dem kostenlosen Tagesstudium gibt es auch das kostenpflichtige Abend- und Fernstudium. Ausländern steht die universitäre Ausbildung und Lehre in Polen offen. Die polnischen Universitäten sind Mitglieder in den Programmen Erasmus-Sokrates und Go East. Polnische Jurastudenten haben die Elsa mitbegründet und an der Jagiellonen Universität in Krakau gibt es eine deutschsprachige Polnische Rechtsschule, die von den Universitäten in Heidelberg und Mainz mitgetragen wird. Stipendien werden von polnischen und ausländischen Stiftungen vergeben, z.B. Sniadecki Stiftung, DAAD oder Robert-Bosch-Stiftung.
Landesverteidigung
Der Präsident ist oberster Kommandeur über die Streitkräfte (Wojsko Polskie). Unmittelbar unterliegt das Militär jedoch dem Verteidigungsministerium und besteht aus den Landstreitkräften (Wojsko Ladowe), der Marine (Marynarka Wojenna) und der Luftwaffe (Sily Powietrzne). In der Adelsrepublik bestand die Wehrdienst nur für die Szlachta zum Verteidigungskrieg (Pospolite Ruszenie). Bekannt sind in der Geschichte besonders die polnischen Husaren und Ulanen die sich in den Schweden- und Türkenkriegen auszeichneten. In der Zweiten Republik entstand das moderne polnische Militär mit zu Beginn über 800.000 Soldaten. Die Heeresstärke wurde jedoch kontinuierlich komprimiert und wurde erst vor dem Zweiten Weltkrieg nochmals durch die vielen Partisanenverbände der Polnischen Heimatarmee erhöht. In der Volksrepublik unterstanden die polnischen Streitkräfte qualifiziert des Warschauer Paktes der sowjetischen Führung. Nach 1989 wurde das Militär reformiert, die Zahl der Soldaten von über 500.000 auf 150.000 Soldaten (plus 450.000 Reservesoldaten) komprimiert und die Ausrüstung modernisiert. Die polnischen Streitkräfte verfügen über neustes Waffenmaterial, wie z.B. die amerikanischen F-16, die israelischen ATGM und die finnischen Patria AMV 8x8. Neben wurden die polnischen Waffenproduzenten durch Offset Investitionen der Bürger auf den neusten Stand gebracht und ausführen siegreich schweres Kriegsgerät weltweit. Eine neue Eliteeinheit, die GROM, wurde in den 1990er Jahren eingeführt. In Polen besteht Wehrpflicht für Männer. Seitdem 1999 ist Polen Person der NATO. Polnische Militäreinheiten auswärtig sind jetzt im Irak (1.700-2.500 Soldaten), im Kosovo (800), im Libanon (632), in den Golanhöhen in Syrien (355), im Balkanstaaten (300) und in Albanien (140) tätig.
Außenpolitik
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Deutsch-Polnische Beziehungen
Wechselhafte deutsch-polnische Beziehungen reichen (mindestens) bis ins 10. Jh. zurück. Im MA - besonders nach der Entvölkerung weiter Teile Polens im Tatarensturm 1241 - kennzeichnete besonders, dass polnische Typ deutsche Bauern, Handwerker, Kaufleute, Künstler und Ordensleute einluden, in Polen zu siedeln. Angrenzend der friedlichen Ostsiedlung spielte einander auch eine auf Eroberung polnischer Gebiete gerichtete Politik einzelner deutscher Vereinigte Staaten ab. Am bekanntesten ist der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen um Pommerellen, in erster Linie ein Konflikt zwischen den jeweiligen Machthabern. In den Armeen des Deutschen Ordens kämpften auch polnische und litauische Söldner. Die Magistrate vieler früher mehrheitlich deutschsprachiger Städte - unter anderem Graudenz und Thorn - unterstützten den polnischen König im Kleinkrieg gegen den Deutschen Orden. Vernachlässigt dynastischer Territorialkonflikte waren "deutsch-polnische Beziehungen" (Nationalstaaten im heutigen Sinne kannte das MA nicht) nicht schlecht. Polen und Deutsche lebten in Städten und Dörfern friedlich miteinander. Polen-Litauen war die einzige europäische Großmacht, die nicht in die deutschen Religionskriege - besonders den Dreißigjährigen Bewaffnete Auseinandersetzung - eingriff. Das polnische Lehensgut Preußen erhielt selbst von König Sigismund I. (Polen) die Erlaubnis als erster Staat auf der Welt 1526 zum Protestantismus überzutreten. Die Hohenzollern, Habsburger und Wittelsbacher waren mit den polnischen Jagiellonen durch Eheschlüsse verbunden. Mit der polnisch-sächsischen Personalnion 1696-1764 unter den Wettinern kamen etliche Sachsen nach Warschau und Bamberger nach Posen.
Mit den von Friedrich II von Preußen initiierten Teilungen Polens und den napoleonischen Erreichen verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Brandenburg-Preußen und Polen. Dessen ungeachtet verband jede Menge deutsche und polnische Intellektuelle eine innige Freundschaft, z.B. die zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Adam Mickiewicz, sowie zwischen letzterem und Heinrich Heine. Auch viele, erstmal süddeutsche Freie Demokratische Partei unterstützten im Vormärz den Freiheitskampf der Polen. Der Höhepunkt dieser Kameradschaft war das Hambacher Fest 1832. Im Völkerfrühling 1848 kämpften polnische und deutsche Freie Demokratische Partei gegen die metternichsche Restauration. Der Berliner Prozess gegen die "polnischen Verschwörer" war Mitauslöser der Märzereignisse in der preußischen Hauptstadt. Der Hauptangeklagte, Ludwik Mierosławski, befehligte 1848 den Posener Aufstand und leitete 1849 die Verteidigung der letzten Festung der Märzrevolution Rastatt in Baden.
Mit der von Bismarck eingeleiteten und vom Deutscher Ostmarkenverein fortgesetzten Politik des Kulturkampfes und der Germanisierung polnischer Gebiete wurde die deutsche Polenpolitik jedoch aggressiver. Die polnische Sprache wurde verboten und Polen von ihrem Land verwiesen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zwischen Deutschland und Polen zu mehreren Grenzstreitigkeiten in Oberschlesien, Ostpreußen, Westpreußen und Danzig. Die polnische Regierung verfolgte gegenüber den deutschen Bevölkerungsteilen in den an Polen abgetreteten Erfordern eine restriktive Politik: 1925 wurde ein Großteil des deutschen Grundbesitzes enteignet, Polen wurde bei Landverkäufen durch Deutsche ein Option gewährt. Deutschsprachigen Gewerbetreibenden wurde zum Teil die Gewerbekonzession entzogen. Etwa eine Million deutschsprachiger Staatsbürger emigrierten, überwiegend aus den größeren Städten. Die deutsche Außenpolitik der Zwischenkriegszeit war in der Weimarer Republik auf Grenzänderungen gerichtet (Rapallo 1922).
Den Minimum der deutsch-polnischen Beziehungen machte der Zweite Weltkrieg und die Vernichtungspolitik der deutschen Nazionalsozialisten aus. Hitler strebte die Aneignung Polens in das Deutsche Reich an. Die mit der von den Alliierten beschlossenen Westverschiebung Polens einhergehende Ausstoßung der meisten Deutschen aus Schlesien, Pommern, Danzig und dem südlichen Ostpreußen verhärtete die Fronten im Kalten Krieg. Mit der Annäherung der deutschen und polnischen Kirchen und dem deutsch-polnischen Vertrag von 1970 begann sich diese Verhärtung immerhin bei einigen Teilen der Gesellschaften in der BRD und Polen zu lösen.
Nach 1989 entwickelten sich die deutsch-polnischen Beziehungen zunächst sehr positiv. Jetzig werden sie jedoch dank des von Erika Steinbach geforderten Zentrums gegen Vertreibungen, der Entschädigungsansprüche der Preußischen Treuhand und des Baues der Nordeuropäische Gasleitung überschattet. Der neue polnische Staatspräsident Lech Kaczynski wurde in Teilen der deutschen Presse kritisiert, er habe im Wahlkampf 2005 deutschfeindliche Ressentiments geschürt.
Am 30. April 2005 haben Bundespräsident Horst Köhler und sein polnischer Kollege Aleksander Kwasniewski dienstlich das Deutsch-Polnische Jahr eröffnet. In dessen Rahmen sollen bis zum Frühjahr 2006 gut 1.000 Veranstaltungen in beiden Ländern stattfinden, unten Ausstellungen, Konzerte, Theater- und Filmaufführungen sowie wissenschaftliche Tagungen. Einen besonderen Stellenwert sollen dabei Begegnungen von Jugendlichen aus beiden Ländern haben. Auch die Buchmesse Warschau, ein wichtiges Hub für Buchvermittlung aus westlichen in östliche Länder, hat 2006 Deutschland als Gastland auf 300 zusätzlichen Quadratmetern (18. - 21. Mai). Polen liegt als Abnehmer deutscher Lizenzen auf Platz drei.
Österreichisch-Polnische Beziehungen
Die polnisch-österreichischen Kontakte haben ihren Ursprung in den guten Beziehungen der Dynastien der Jagiellonen und Habsburger, die durch zig Eheschlüsse im 15. und 16. Jh. begründet wurden. Schießlich erbten die Habsburger von den Jagiellonen 1526 Böhmen und Ungarn. Seit dieser Zeit hatten die Habsburger Lande eine gemeinsame Grenze mit Polen in Schlesien sowie den Beskiden und Karpaten. Aus diesen dynastischen Verbindungen leitete Maximilian I. seinen Anspruch auf den polnischen Thron nach dem Tod des letzten polnischen Jagiellonen Sigismund II. August 1572 ab. Diesen konnte er jedoch nicht durchsetzen, nachdem er vom Hetmanen Jan Zamoyski 1576 besiegt und in Gefangenschaft genommen wurde. Alle beide Amerika verband auch die jeweilig relativ erfolgreiche Gegenreformation. Trotz polnische Truppen auf der Seite der Habsburger in der Schlacht am Weißen Berg 1619 teilnahmen, blieben die polnischen Könige Sigismund III. Wasa und Wladislaus IV. Wasa im Dreißigjährigen Bewaffnete Auseinandersetzung neutral. 1683 rettete der polnische König Jan Sobieski Wien in der Schlacht am Kahlenberg vor den osmanischen Truppen Kara Mustafas. Die Beziehungen verschlechterten sich 1772 mit der Ersten Teilung Polens, in der Maria Theresia Galizien und Lodomerien besetzen ließ. Nichtsdestoweniger hat sie bekundet, dass sie die Aufsplittung als Unrecht ansehe, das noch großes Unglück bringen würde. Auch an der Dritten Aufspaltung Polens beteiligten sich die Habsburger. Nach dem Wiener Kongress 1815 behielt Österreich Galizien und Lodomerien und erhielt 1846 die Republik Krakau. Nach 1867 bekam dieses Gebiet eine gewisse Autonomie mit einem eigenen Abgeordnetenhaus in Lemberg. Auch die polnische Sprache wurde an den Universitäten und den Ämtern wiederholt eingeführt, nachdem sie 1850 dort verboten wurde. Polnische Politiker, Künstler und Gelehrte machten oft Karriere in Wien bis hin zum Parlamentspräsidenten. Alles in allem stellten die Polen mit über 10 % die viertgrößte Bevölkerungsgruppe Österreich-Ungarns. Die kulturellen Beziehungen zwischen Südpolen und Österreich sind bis auf den heutigen Tag von dieser Zeit geprägt. Während des Ersten Weltkriegs kämpften zig Polen und auf Seiten der K.u.K. Königreich wie auch von Russische Förderation gegeneinander in Galizien und den Karpaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Beziehungen der Volksrepublik Polens zu dem neutralen Österreich besser, als zu allen anderen Neue Welt des Westens. Auch in diesen Tagen sind die österreichisch-polnischen Beziehungen enger als zwischen Polen und anderen EU-Staaten, trotz Differenzen über die Freizügigkeit polnischer Arbeitnehmer angebracht der EU-Erweiterung 2004.
Schweizerisch-Polnische Beziehungen
Im MA und der frühen Neuzeit bestanden die schweizerisch-polnischen Kontakte zuerst im wissenschaftlichen Austausch, der durch das Hochschulausbildung der Bürger Creme de la Creme an der Krakauer Hochschule (vor allem Rechnen und Astronomie) und polnischer Magnaten an der Baseler Universität (vor allem humanistische Fachbereiche) begann. Eidgenosse Künstler, Baumeister, Ärzte und Soldaten wurden von den polnischen Königen und Stadträten angeworben. So errichtete z.B. Bernardo Quadro aus Lugano das Rathaus von Posen. Die Eidgenosse Reformatoren standen in regem Briefkontakt zu den polnischen Humanisten, erstens Jan Łaski und König Zygmunt II. August, die offene Ohren für die Ideen der Neuorientierung hatten. Der letzte polnische König Stanisław August Poniatowski beschäftigte besonders etliche Bürger Ärzte und Architekten an seinem Hof. Nach den Teilungen Polens und besonders nach dem Novemberaufstand 1830 emigrierte ein großer Teil der polnischen Intelligenz in die Schweiz. Tadeusz Kościuszko verbrachte seinen Lebensabend in Solothurn und Graf Plater in Rapperswil, wo er auf dem Bau das Bürger Polenmuseum gründete, das bis auf den heutigen Tag besteht und das tief von Stefan Zeromski geleitet wurde. Die großen Romantiker Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki priesen die Landschaft der Helvetia in ihren Gedichten, ersterer war auch Prof. in Genf. Die bedeutendsten polnischen Persönlichkeit der Zweiten Republik kamen aus dem Eidgenosse Exil, wie wie Józef Piłsudski (Zürich), Ignacy Jan Paderewski (Morges), Gabriel Narutowicz (Zürich) etc.. Mehrere von ihnen gehörten der Front von Morges an, die sich mit der Unterstützung vieler Bürger für die polnische Unabhängigkeit einsetzte. Der Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz gründete in der Schweizerische Eidgenossenschaft eine karitative Organisation, die sich polnischer Verwundeter im Ersten Weltkrieg annahm. Auch während des Zweiten Weltkrieg gelang vielen Polen die Durchbrennen in die Schweiz. Ein ganzes Regiment ließ sich in der Eidgenossenschaft internieren und half danach bei dem Zusatz vieler Bürger Großprojekte mit. Auch während des Kalten Krieges emigrierten mehrere Polen in die Schweiz, wo sie des Öfteren sehr freundlich aufgenommen wurden. In einem Volksentscheid im Jahre 2005 entschlossen sich die Schweizer, ihren Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus Polen zu öffnen.
Verwaltungsgliederung
Seit dem 1. Januar 1999 ist Polen in 16 Woiwodschaften, eingeteilt. Sie haben alle ein eigenes Parlament, ein von der Zentralregierung ernanntes Oberhaupt (Wojewoda), der die von der Zentralregierung in Warschau den Woiwodschaften zugeteilten Vermögen verwaltet, und einen vom Volksvertretung gewählten Woiwodschaftsmarschall (Marszalek), der einer Regierung vorsteht.
| Nr. | Landsmann Name | Polnischer Name | Nr. | Staatsbürger Name | Polnischer Name |
|---|---|---|---|---|---|
| 01. | Ermland-Masuren | Warmińsko-Mazurskie | 09 | Lublin | Lubelskie |
| 02 | Großpolen | Wielkopolskie | 10 | Masowien | Mazowieckie |
| 03 | Heiligkreuz | ŚwiÄtokrzyskie | 11 | Niederschlesien | DolnoślÄskie |
| 04 | Karpatenvorland | Podkarpackie | 12 | Oppeln | Opolskie |
| 05 | Kleinpolen | Małopolskie | 13 | Podlachien | Podlaskie |
| 06 | Kujawien-Pommern | Kujawsko-Pomorskie | 14 | Pommern | Pomorskie |
| 07 | Lebus | Lubuskie | 15 | Schlesien | ŚlÄskie |
| 08 | Lodsch | Łódzkie | 16 | Westpommern | Zachodniopomorskie |
Infrastruktur
Siehe auch den Artikel Verkehr in Polen
Polen ist ein wichtiges Transitland von Nordeuropa nach Südeuropa und von Westeuropa nach Osteuropa. Schon in der Antike und im MA führten wichtige Handelsstraßen durch das heutige Polen, wie z.B. die Bernsteinstraßen, der europäische Abschnitt der Seidenstraße, die Handelsroute von Westeuropa nach Asien.
Bahn
Die polnische Eisenbahngesellschaft PKP gehört zu den größten europäischen Eisenbahngesellschaften mit über 23.420 km Schienennetz. In Polen trifft das schmale (europäische) und das weite (russische) Gleissystem aufeinander, was Polen zum Drehscheibe des ost-westlichen Schienenverkehrs macht. Auch Verbindungen mit Deutschland sind gegeben.
Straße
Dem in Polen trotz wachsendem Individualverkehr weiterhin sehr bedeutsamen öffentlichen Verkehr dient ein ausgedehntes Überlandbusnetz. Das Straßennetz ist zwar mittlerweile sehr gut ausgebaut, es fehlen aber noch etliche Autobahnverbindungen. Bis 2013 soll das Autobahnnetz vollständig abgeschlossen sein und über 2000 km lang sein. In Polen sind über 10 Mio. Pkw und fast 2 Mio. Lkw und zusätzliche Nutzfahrzeuge registriert.
Flugverkehr
Polen hat neun internationale Flughäfen, den Frédéric-Chopin-Flughafen in Warschau, Internationalen Flughafen Johannes Paul II. in Krakau, den Flughafen Katowice, den Lech Wałęsa Flughafen Danzig, den Flughafen Posen-Lawica, den Flughafen Breslau, Flughafen Stettin-Goleniów, den Flugplatz in Rzeszów und den Airport in Zielona Góra (Flughafen Zielona Góra), 123 nationale Flugplätze und drei Helikopterbasen. Die Anzahl der Fluggäste steigt seit der Öffnung des polnischen Luftverkehrs für die Niedrigpreisfluglinien rasant.
Seeverkehr
Polen besitzt fast 4.000 km schiffbare Flüsse und Kanäle. Die Überseehandelsflotte besteht aus über 100 Schiffen. Wichtigste Seehäfen sind Stettin/Szczecin, Gdynia/Gdingen, Danzig/Gdańsk, Świnoujście/Swinemünde, Ustka/Stolpmünde, Kołobrzeg/Kolberg sowie im Binnenland Warschau/Warszawa, Gliwice/Gleiwitz, und Breslau/Wrocław.
Wirtschaft
Das polnische BSP betrug 2004 laut der Weltbank 491.549 Mio. USD, was Polen den 22. Platz unter den größten Volkswirtschaften der Welt beschert. Für 2005 wurde ein Wert von 512,9 Mrd. USD prognostiziert. Umgerechnet auf den BSP-Wert pro Bevölkerung wuchs dieser von 12.000 USD im Jahr 2004 auf 13.275 USD im Jahr 2005, wodurch sich Polen relativ im Vergleich zu anderen Neue Welt um sechs Plätze verbessert hat. Das Wirtschaftswachstum war in letzter Zeit im ersten Drei Monate 2004 (also unmittelbar vor dem EU-Beitritt) mit 6,9 % am höchsten. Nach der Akzession fiel es zunächst beständig, so dass für das Jahr 2004 ein Gesamtwert von 5,3 % zu auflisten war. Mittlerweile ist die vorläufige Sohle erneut durchschritten, und die polnische Wirtschaft wuchs im dritten Vierteljahr 2005 mit 3,5 %, was wahrscheinlich zu einem Gesamtwachstum von 3,3 % führen wird. Für das nächste Jahr wird mit einem Gesamtwachstum von 4 bis 5 % gerechnet.
Die Geldentwertung wird 2005 vermutlich 1,8 % betragen, wodurch sie wahrscheinlich niedriger wäre als die in der Eurozone. Der polnisch Zloty ist im Jahresvergleich zum Euro und USD um ca. 20 % stärker geworden.Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 17,3 % (Oktober 2005), was ca. 2,7 Mio. Leute im erwerbsfähigen Alter ausmacht, und ist im Vergleich zum Vergangenes Jahr um etwa 3 Prozentpunkte gefallen. Ungeachtet hat Polen dienstlich die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Andererseits dürfte infolge der nicht unerheblichen Schattenwirtschaft die faktische Arbeitslosenquote weit niedriger und die Reallöhne höher liegen, da diverse Arbeitnehmer und Selbständige ihre faktischen Einnahmen entweder überhaupt nicht oder zu einem geringeren Betrag dem Fiskus angeben. Eine Studie des Magazins Wprost hat ergeben, dass die Gesamtausgaben der polnischen Bevölkerung die Gesamteinnahmen beträchtlich übersteigen, gleichzeitig aber ihre Kapitalersparnisse stetig wachsen. Dies ist nur damit zu erklären, dass etliche Bürger ihre Einnahmen nicht den Finanzämtern melden. 2004 waren etwa 0,5 Mio. polnische Staatsbürger in der westlichen EU beschäftigt. 324.000 davon als Saisonarbeiter in der deutschen Agrar und verarbeitenden Industrie, 73.000 in Großbritannien, 14.500 in Irland und 9.800 jedes Mal in Spanien und Frankreich.
Der Ausfuhr 2004 umfasste 73,78 Mrd. USD und der Einfuhr 88,16 Mrd. USD. Das hohe Außenhandelsdefizit ist jedoch im Fallen begriffen. Mit 30,1 und 24,4 % stellte Deutschland den größten Vertragspartner dar, trotz auch dieser Anteil zurückgeht und der Geschäft mit der Ukraine und Russische Förderation überdurchschnittlich zunimmt. Sonstige wichtige Vertragspartner sind die anderen EU-Staaten Italien, Frankreich, Großbritannien und die Tschechische Republik sowie sie USA und die Volksrepublik China. Bei den Direktinvestitionen sind Grande Nation und Großbritannien führend. Der Anteil der Teutonia ist erstaunlicherweise kleiner. Polen exportiert landwirtschaftliche und industrielle Produkte und kumulativ auch Dienstleistungen, z.B. angemessen des Outsorcing von Geschäftsbereichen (Buchführung, Marketing, Kundenbetreuung) ausländischer Unternehmen. Ausländische Investoren investeren erstens in den Finanzsektor, der in den letzten Jahren jedes Mal ein zweistelliges Wachstum auflisten konnte. Ende 2004 wurde die größte polnische Bank PKO privatisiert. Ein möglicher Zusammenschluss von Pekao SA und BPH PBK entsprechend der Übernahme der HVB durch Unicredito würde jedoch eine noch größere Bank entstehen lassen. Andererseits versuchen immer mehr ausländische Brötchengeber sich polnisches Kapital auf der Warschauer Börse (GPW) und dem Warschauer Börsenindex (WIG) zu verschaffen. Seit dem 1. Mai 2004 haben schon 13 ausländische Emittenten den Antrag auf Eintragung bei der GPW gestellt und sieben sind dort schon notiert. 2004 sank die Zahl der registrierten Unternehmen um 4.600, wobei hauptsächlich Ein-Mann-Unternehmen schlossen, summa summarum waren Ende 2004 3,5 Mio. Unternehmen registriert.
Primärer Sektor (Landwirtschaft)
Der primäre Zone war bis ins 19. Jh. der Hauptwirtschaftszweig in der Adelsrepublik, die so weit wie den polnischen Teilungen als Getreidespeicher Europas galt. Die Agrarerzeugnisse aus den riesigen Magnatengütern Kleinpolens und der Ukraine mit ihren Schwarzerde- und Lößböden wurden über die Weichsel und Danzig nach Westeuropa verschifft. Die Bedeutung des Agrarsektor ist dieser Tage im Schrumpfen begriffen. Er machte 2004 nur noch 4 % des BSP aus. Aber sind noch ca. 15 % der Erwerbstätigen in diesem Zone beschäftigt. Dies liegt zuvor daran, dass es in Polen noch verschiedene Kleinhöfe gibt. In keinem anderen Staat Europas ist der Anteil der Einwohner, die ein eigenes Grundstück besitzen, so hoch, wie in Polen. Die polnischen Landwirte haben den EU-Beitritt größtenteils befürwortet und profitieren von der Öffnung des europäischen Marktes und den EU-Subventionen, die jedoch pro m² nur 25 % dessen betragen, was ihre Kollegen in der alten "EU der 15" bekommen. Die Getreideproduktion stieg 2004 um 26,7 % auf 29,6 Mio. Tonnen (2000 betrugen sie 22,3 Mio. t) was zuerst an guten Witterungbedingungen lag. Die gesamte pflanzliche Zubereitung stieg um 17 % und die landwirtschaftlichen und Lebensmittelexporte stiegen 2004 im Vergleich zu 2003 um 30 % auf 4,9 Mrd. Euro. 3,5 Mrd. gingen davon in die EU.Der Konkurrenz der großen industrialisierten Agrarbetriebe aus Westeuropa (vor allem Frankreich) begegnen mehrere polnische Kleinlandwirte weiterhin mit der Spezialisieung auf Bioprodukte, bei deren Zubereitung Polen in der EU führend ist. Führende auf Börsen kotierte polnische Agrarverarbeitungsunternehmen sind Wedel, Wawel, Jutrzenka, Zywiec und Indykpol.
Sekundärer Sektor (Industrie)
Der industrielle Bereich spielte seit dem Ende des 19. Jh. die führende Rolle. Nach 1989 musste er jedoch diese an den Dienstleistungssektor abgeben. Die Industrieproduktion ist durch der Schließung von vielen großen Industriebetrieben in den 1990er Jahren beachtlich geschrumpft. Die bestehenden Betriebe wurden modernisiert und wettstreiten mittlerweile siegreich mit den Produzenten aus aller Welt. Die Investitionen im sekundären Zone waren besonders in den 1990er Jahren sehr hoch, erst einmal in der Automobil- und Elektroindustrie. Zig ausländische Unternehmen haben in Polen, wegen der relativ niedrigen Kosten (Löhne, Lohnnebenkosten und Steuern) sowie des hohen Angebots an hochqualifizierten Arbeitskräften (in Polen studieren ca. 2 Mill. Menschen) und nicht zuletzt wegen des großen Absatzmarktes mit fast 40 Mio. Einwohnern immer mehr konsumfähigen Verbrauchern, Produktionsstätten eröffnet.
Die führenden börsennotierten Industrieunternebmen sind Orlen und Lotos (beide Erdölverarbeitung und Tankstellenbetreiber) sowie KGHM (Kupferabbau und -verarbeitung), Kety (Aluminiumabbau und -verarbeitung) und Budimex (Bauunternehmen). Anliegend gibt es eine Reihe von großen industriellen Staatsunternehmen, die demnächst über ein Going Public privatisiert werden sollen, wie z.B. das Gasunternehmen PGNiG. Einige polnische Industriebetrieb haben auch in Deutschland investiert und dort Arbeitsplätze geschaffen, allen voran PKN Orlen mit über 500 Tankstellen (Orlen- und Star-Tankstellen).
Tertiärer Sektor (Dienstleistung)
Der Dienstleistungssektor dominiert seit 1989 die Wirtschaft in Polen und macht weit über die Hälfte des BSP aus. Er ist der sich am schnellsten entwickelnde Bereich der polnischen Wirtschaft. Das größte Dienstleistungszentrum ist die Finanzmetropole und Stadt Warschau, wo die meisten Unternehmen aus dem tertiären Bereich ihren Sitz haben. Aber auch die Messestadt Posen und die südpolnischen Metropolen Krakau und Breslau sind wichtige Dienstleistungsstandorte. Im letzten Jahr konnte die ehemalige Textilindustriedtadt Łódź ob zahlreicher Investitionen in Dienstleistungen an diese Städte aufschließen. Dies hat sie erstens der zentralen Lage und dem Anschluss an das neue Autobahnnetz (A1 von Cieszyn nach Danzig und A2 von Kostrzyn nach Białystok) zu verdanken.
Dreizehn der im Börsenindex WIG20 notierten 20 finanzkräftigsten Unternehmen des Landes abstammen aus dem tertiären Sektor, speziell die Banken PKO BP, Pekao, BPH PBK, BRE und BZ WBK, die Telekommunikationsunternehmen Telekomunikacja Polska SA und Netia sowie die IT-Gesellschaften Computerland, Prokom und Softbank sowohl die Medienkonzerne Agora und TVN sowie die Hotelkette Orbis. Zu den großen noch zu privatsierenden Dienstleistungsunternehmen gehört das Versicherungsunternehmen PZU, die Eisenbahngesellschaft PKP, die Luftverkehrsgesellschaft Lot die staatliche Post Poczta Polska sowie die Trägergesellschaft der Warschauer Börse GPW SA.
Kapitalmarkt
Die Entwicklung des polnischen Kapitalmarktes begann im Mittelalter zufolge der Immigration von Kaufleuten aus Norditalien und den Niederlanden in den Gilden der großen Handelsstädte. So stammt das polnische Wort für Börse gielda von gilda, was im Mittelhochpolnisch dem Mittelhochdeutschen Gilde entsprach. Der börsenmäßige Geschäft mit Wechseln und anderen Schuldscheinen entstand um ca. 1300. In der polnisch-litauischen Adelsrepublik erhielten die Kaufleute bestimmte Handelsprivilegien für den Börsenhandel, die man als erste Börsenordnungen ansehen kann. Börsenplätze bestanden in Danzig (Artushof), Krakau, Posen, Zamość und Warschau. Seit dem 18. Jh. haben z.B. die Warschauer Kaufleute ihre zwei mal pro Woche stattfindenden Börsentreffen protokolliert. Aus dieser Zeit herkommen auch die ersten polnischen Aktiengesellschaften, wobei die älteste erhaltene polnische Aktie die der Kompania Manufaktur Welnianych w Warszawie aus dem Jahr 1768 ist. Die ersten modernen polnischen Wertpapierbörsen wurden 1817 und 1818 in Warschau und Krakau gegründet. Handelsgegenstand waren Schuldverschreibungen und Aktien. In der Zweiten Republik bestanden schon sieben Wertpapierbörsen in Warschau, Krakau, Posen, Łódź, Kattowitz, Lemberg und Wilna. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden alle von den Deutschen und den Sowjets geschlossen. Erst nach 50 Jahren entstand der polnische Kapitalmarkt 1989 erneut. 1991 wurde die Warschauer Wertpapierbörse [1] (pl. Giełda Papierów Wartościowych w Warszawie - GPW, en. Warsaw Stock Exchange - WSE) neu errichtet. 1996 kam die Handelsplattform CeTO (Centralna Tabela Ofert) als regulierter nichtbörslicher Markt hinzu, die ihren Sitz ebenso in Warschau hat.
Die WWB ist die größte Börse in Mittelosteuropa und eine der schnellstwachsenden auf der Welt. Jahr 2005 hat die WWB die Wiener Börse in Beziehung auf die Börsenkapitalisierung überholt. Die Kapitaliesierung der WWB beträgt fast 300 Mrd. USD. 2004 fanden an der WWB fast 40 IPOs (Initial Public Offer - Börseneinführung einer AG) statt, was ihr nach der LSE den zweiten Platz europäisch brachte, wobei die IPO der PKO BP mit fast 2 Mrd. USD zu den fünf größten europäisch im Jahr 2004 zählte. In diesem Jahr wird die Anzahl der IPOs noch höher sein undd der WWB aller Voraussicht nach dendritten Platz im europäischen Vergleich nach der LSE und der Euronext einbringen. Auch sechs ausländische Emittenten und verschiedene ausländische Maklerhäuser sind seit 2004 Mitglieder der WBB, wie z.B. die MOL, Credit Austria, Skyeurope, Reiffeisenbank, etc. Die Gesamtzahl der kotierten Gesellschaften beträft fast 300.
Die Entwicklung des Finanzplatzes Warschau wurde 2000 in der Agenda Warsaw City 2010 geplant. Bei dem going-public der WWB und einer strategischen Geschäftsbeziehung mit (wahrscheinlich) der Euronext, wurde festgesetzt, dass bis 2010 die Börsenkapitalisierung 50 % des Bruttosozialproduktes betragen soll. Mittlerweile ist die WWB ihren dort gefassten Prognosen voraus, und wird das Ziel wahrscheinlich früher erreichen. Das Anlegerpublikum teilt sich in drei ca. gleichgroße Teile: polnische Privatanleger, polnische institutionelle Anleger und ausländische instutionelle Anleger (von diesen kommen 76 % aus Großbritannien, 5 % aus den USA, 3 % aus Italien, 2 % aus der BRD, 1 % aus Frankreich, etc.) Am schnellsten im Wachstum begriffen ist der Anteil der polnischen institutionellen Anlager, da ein Drittel der Rentenbeiträge der polnischen Arbeitnehmer über Rentenfonds auf den Kapitalmarkt treffen. Nach der weltweiten Baisse in den Jahren 2000-02 befindet sich die WWB seit 2003 in einer Haussephase. In den letzten Monaten wurden laufend neue Allzeithochs des WIG (Warszawski Indeks Gieldowy - Hauptindex) und des WIG20 (Index der 20 großen Golden Shares) erreicht. Der erste befindet sich momentan bei ca. 33.000 und der zweite bei 2.500 Punkten. Andere Indizes der WWB sind der MIDWIG (mittelgroße AGs), WIRR (kleine AGs), TechWIG (technische AGs), WIG-PL (große und mittlere AGs mit Sitz in Polen), NIF (Investmentfonds) sowie die Branchenindizes WIG-Banken, WIG-Bau, WIG-IT, WIG-Medien, WIG-Lebensmittel und WIG-Telekommunikation.
Tourismus
Hauptartikel: Tourismus in Polen
Der Reisebranche in Polen befindet sich im Aufschwung, was einerseits Teil an der Öffnung des polnischen Luftraums für Low-Cost-Airlines und dem allmählichen Ausdehnung des Autobahnnetzes sowie zum anderen an einer Wiederentdeckung Polens durch Touristen aus aller Welt liegt. Auch die im Europavergleich niedrigen Preise in Polen dürften eine wichtige Rolle spielen. Für Touristen sind zum einen die Städte, andererseits die unberührte Natur sehr attraktiv. Die ehemalige Königsstadt Krakau wird oft als schönste Gemarkung Polens angesehen, sie wurde 2005 von noch ca. 12 Mio. Touristen besucht. Das Kulturangebot in den polnischen Metropolen ist abwechslungsreich und auch für den weniger betuchten Mensch erschwinglich. Die Kneipenkultur und das Nachtleben sind speziell in den großen Studentenstädten Krakau, Warschau, Breslau und Posen sehr attraktiv für junge Gäste. Im Großen und Ganzen gibt es 13 Weltkulturstätten der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur in Polen.
Etliche Städte, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, wurden von den polnischen Restauratoren mustergültig wiederum aufgebaut. Zu diesem Punkt zählen erstmal Warschau, Posen, Breslau und Danzig. Erholungsgebiete und Kurorte finden sich im Süden und Norden Polens, in Ermland-Masuren, Westpommern, Pommern, Kujawien-Pommern, Kleinpolen, dem Karpatenvorland und Niederschlesien. Wassersport kann man an der Ostsee, den Seenplatten und Kompromiss finden Gebirgsflüssen, v.a. Dunajec, San, Poprad, Bobr und ihren Stauseen betreiben. Die Bergregionen Tatry, Beskiden, Krakau-Tschenstochauer Jura, Heiligkreuzgebirge, Sudeten mit dem Riesengebirge an erster Stelle laden zu Ski- und Wanderferien ein. Als Wintersporthauptstadt Polen gilt Zakopane. Mehrere attraktive Naturschätze werden in 23 Nationalparks geschützt.
Bild:Marienburg 2004 Panorama.jpg
Staatsausgaben
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
- das Gesundheitswesen bei 1%
- das Bildungswesen bei 5%
- das Militär bei 4%
Kultur
Hauptartikel: Kultur in Polen
Die polnische Kultur ist sehr vielfältig und resultiert aus der wechselvollen Geschichte des Landes. Im MA und der Neuzeit war die multikulturelle Adelsrepublik ein Schmelztigel verschiedener Kulturen und Religionen, die alle ihren Einfluss auf das polnische Kulturerbe hatten und noch immer haben. Nach den Teilungen Polens versuchten polnische Künstler aber und abermal den Kleinkrieg um die Unabhängigkeit Polens unter dem Schlagwort "Zur Heben der Herzen" zu unterstützen. Als Beispiele hierfür können die Gedichte und Epen von Adam Mickiewicz, die Prosawerke eines der ersten Literaturnobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz, die Historienmalerei von Jan Matejko oder die Mazurkas, Polkas, Krakowiaks und Polonaisen von Fryderyk Chopin genannt werden.
Dieser Tage ist die besoffen gefächerte Kultur Polens, ähnlich wie aller westlicher Staaten, von Globalisierungstendenzen und der Amerikanisierung betroffen, andererseits kann sie, gerade in der Kulturszene größerer Städte und auf dem Land eine eigene Identität erhalten. Besonders bedeutend ist der polnische Symbolismus und die polnische Plakatmalerei. Plakate polnischer Künstler mit ihren sehr spezifischen Eigenschaften sind auf der ganzen Welt bekannt. Auch der polnische Film mit hervorragenden Regisseuren, wie Roman Polanski, Andrzej Wajda, Krzysztof Kieślowski, Krzysztof Zanussi, Agnieszka Holland und Jerzy Hoffman findet global Anerkennung.
Literatur zur über 1000-jährigen Kunstgeschichte von Polen: Stefan Muthesius: Kunst in Polen / Polnische Kunst 966 - 1990. Eine Einführung, Königstein i. Ts. 1994 ISBN 3-7845-7610-9 (deutsch) und ISBN 3-7845-7611-7 (englisch: Art, Architecture and Design in Poland 966 - 1990)
Siehe auch: Polnische Literatur - Comic in Polen - Polnische Küche
Bräuche
Nationale und regionale Bräuche werden zuvor auf dem Land aufrecht erhalten. Sie sind mit den verschiedenen Religionen, besonders der römisch-katholischen, verbunden.
Wichtig sind die Bollwerk der verschiedenen religiösen Gemeinschaften: weihnachtliche Sternsinger, Friedhofsfeiern an Allerheiligen, das Fronleichnamsfest in Lowicz, der Palmsonntag, die Mysterienspiele in Kalwaria Zebrzydowska, das kaschubische Bootsfest, der Danziger Dominikanerjahrmarkt, aber auch das orthodoxe Jordanfest in Drohiczyn und das muslimisch-tatarische Kurban Bajram in Bohoniki. Pilgerfahrten Freude machen sich nach wie vor großer Beliebtheit, etwa die katholischen Wallfahrten nach Tschenstochau, Heiligelinde, Licheń Stary, Kalwaria Zebrzydowska, Łagiewniki und zum Sankt Annaberg, aber auch die jüdischen Grabbesuche der chassidischen Mystiker Elimelech aus Lezajsk und Moses Remuh aus Krakau und die orthodoxe Wallfahrt nach Garbarka. Jede Menge der lokalen Bräuchen und Riten stillstehen in Zusammenhang mit den Jahreszeiten (z.B. die zu Wasserlassung der Wianki, die Nachdenken der Mazenna, der Lajkonik und andere).
Kunstwerke, die mit den Bräuchen verbunden sind, umfassen die Ikonenmalerei zu Beginn in Podlachien, Lublin und dem Karpatenvorland, Schnitzereien mit religiösen (Jezus Frasobliwy) und weltlichen Motiven sowie die religiösen Koronki und erotische Stickereien. Bekannt sind auch Trachten, besonders die aus Krakau und die der Goralen. Nahe gibt es verschiedene traditionelle Bräuche der Lebensmittelherstellung, wie z.B. der Schafskäse Oscypek, die Krakauer Brezn Obwarzynek und Würste. Von den traditionellen Bräuchen in der Baukunst sind die Wegkapellen zu nennen, überwiegend in den Beskiden und Masowien.
Verbunden mit dem polnischen Brauchtum sind auch die traditionelle Tonkunst (jüdische Klezmer, Kammermusik, Mazurkas, Polonaisen, Krakowiaks und Polkas) sowie der Tanz (u.a. die Tanzensembles Mazowsze, Slask, Slowniki), das traditionelle Theater sowie die Mundartdichtung der Goralen, Kaschuben und Schlesier.
Architektur
Die ersten erhaltenen Architekturdenkmäler Polens sind Hügelgräber (poln. Kopiec) und kultische Steinzirkel. Die christliche Baukunst kam als Vorromanik im 9. Jh. nach Polen. In diesem Stil wurden die Burgen und Kirchen der Polanen gebaut. In der Romanik wurden die ersten Kathedralen in Gnesen, Krakau, Breslau, Kolobrzeg und Posen, Rotunda (z.B. Cieszyn, Krakau), Wehrkirchen (z.B. Strzelno) und Zisterzienser-Klöster errichtet (z.B. Tyniec). Im Zeitalter der Gotik dominierte in Polen die Backsteingotik im Norden und eine gemischte Backstein-Kalksteingotik im Süden, besonders in Krakau. Der größte gotische Backsteinbau der Welt ist die Marienburg am Nogat und die größte Backsteinkirche der Welt ist die Marienkirche in Danzig.
Das goldene Zeitalter Polens begann in der Spätgotik und reichte über die Renaissance und den Manierismus bis in den Frühbarock. Aus dieser Zeit (ca. 1350-1650) entspringen die bedeutendsten Bauwerke Polens, allen voran das königliche Wawelschloss in Krakau. Dieses wurde von den Adeligen in ganz Polen hundertfach mehr oder weniger vorbildgetreu nachgebaut. Zu den bedeutendsten Renaissance-Schlössern zählen Baranów Sandomierski, Krasiczyn, Łańcut, Janowiec, Krzyszopór, Pieskowa Skała, Sucha Beskidzka, Brzeg, Nowy Wiśnicz, Ogrodzieniec. Das Zentrum der Rückkehr war Südpolen, besonders die Region um Kleinpolen und die Gegenden um Lemberg. Gleichzeitig entwickelte sich am Übergang zwischen Spätgotik und Rückkehr auch die bürgerliche Baukunst in den Städten, die mehrere schöne Kirchen und Rathäuser sowie Gebäude anderer öffentlichen Einrichtungen, wie z.B. das Collegium Maius der Krakauer Universität, hervorbrachte. Zuerst in Krakau kann man die typisch polnische Renaissancearchitektur an der polnischen Attika erkennen. In dieser Zeit kamen bedeutende italienische Architekten und Künstler aus Italien (insbesondere Florenz) nach Polen, z.B. Bartolomeo Berrecci, Santi Gucci, Francesco Florentino, Bernardo Monti, Giovanni Quadro, Mateo Gucci, die die italienische Comeback den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas anpassten und so einen eigenen polnischen Renaissancestil schufen, der jedoch mit seinen beliebten Arkaden der florentinischen Auferweckung am nächsten kam. Zahlreiche dieser Bauwerke haben die Zeit der schwedischen Kriege im 17. Jh. nur als Ruinen überdauert.
In der Zeit des reifen Barocks trat die neue Gemeinde Warschau als Mittelpunkt hervor. Der bedeutendste Typ dieser Zeit war der aus den Niederlanden stammende Tylman van Gameren, der Hunderte von Schlössern in ganz Polen projektierte. Große Paläste im Versailler Stil entstanden in Warschau (z.B. das Königsschloss, Villa Wilanów, das Radziwiłł-Palais, das Krasicki-Palais) sowie in und um Masowien (z.B. Białystok, Puławy, Rogalin, Kozlówka, Nieborów) sowie in Ostpolen. Der Spätbarock und das Rokoko sind von der Zeit der Sachsenkönige und des letzten polnischen Königs Stanisław Poniatowski geprägt. Einmal entstanden in Warschau verschiedene Kirchen (Visitantinnen-Kirche), St.-Anna-Kirche, Heilig-Kreuz-Kirche), Gärten (Łazienki-Park, Sächsischer Park, Krasiński-Park, Ujazdowski-Park) und Paläste.
In den letzten Jahren der Herrschaft des letzten polnischen Königs Stanisław Poniatowski begann die Zeitabschnitt des Klassizismus. In diesem Stil wurde das älter größte Theatergebäude der Welt von Antonio Carozzi in Warschau errichtet. Dazu kamen die Gebäude der Warschauer Börse und der Polnischen Nationalbank. Im Łazienki-Park entstanden diverse Schlösser und Villen in diesem Stil. Die Zentren der polnischen Baukunst des 19. Jh. waren Warschau und Łódź, wo zig Bürgerhäuser und Schlösser im Stil des Historismus und später der Sezession errichtet wurden. Auch in Südpolen gibt es zig Baudenkmäler aus dieser Zeit, wie z.B. das neogotische Collegium Novum der Jagiellonen-Universität in Krakau. Eine eigene Abart der Sezession Junges Polen entwickelte sich auch dort. Der Erste Weltkrieg brachte jede Menge Zerstörungen in Südpolen. Diverse öffentliche Gebäude wurden im Art Deco Stil wiederaufgebaut oder neu gebaut. Zu diesem Punkt zählt z.B. das neue Sejmgebäude oder die Nationalmuseen in Warschau und Krakau.
Die bis dato größte Zerstörung der polnischen Bausubstanz brachte der Zweite Weltkrieg. Warschau wurde systematisch zerstört, die Baudenkmäler in Ostpolen kamen an die SSSR und alle größteren Städte Polens bis auf Krakau wurden durch Kriegshandlungen erheblich beschädigt. Der Rekonstruktion in der Nachkriegszeit wurde mustergültig aufgenommen - die polnischen Restauratoren genießen Weltruhm - und ist aber auf absehbare Zeit nicht abzuschließen. Die Kernstadt und die Neustadt von Warschau sowie das Weichselviertel Mariensztat wurde in den 70er Jahren und das Königsschloss in den 80er Jahren wiederaufgebaut. Einige Paläste sind in den 90er Jahren nochmal erstanden. Demnächst soll mit dem Wiederherstellung der Sächsischen und Brühlschen Paläste und der Wiedererrichtung der Gärten des Königsschlosses angebrochen werden. Die Bausubstanz des 19. Jh mittig um die Marszałkowska-Straße, die Aleje Jerozolimskie und die Heilig Kreuz-Allee scheinen aber für immer verloren. An ihrer Stelle entstanden monumentale Gebäude im Stil des Sozrealismus, allen voran der Kulturpalast, der Platz der Verfassung und das Vorzeigeviertel MDM. In den 90er Jahren begann ein Bauboom von Wolkenkratzern, die von namhaften Architekten wie wie Norman Foster, Daniel Libeskind projektiert wurden. Speziell die Johannes Paul II.-Allee ist von moderner Baukunst umgeben. Zur Zeit werden die Goldenen Terrassen fertiggestellt, die die größte gewölbte Glaskuppel der Welt tragen.
Bildende Kunst
Zur heidnischen Zeit schufen die westslawischen Künstler Steinfiguren von Światowit und anderen Gottheiten. Mit dem Übergang zum Christentum behielt die Kunstfertigkeit zunächst ihren rituellen Charakter. Zu den ersten bedeutenden und erhaltenen Kunstwerken gehören die monumentalen Bronzentüren der Kathedralen von Gnesen und Płock im Stil der Romanik. Die erst stellt die Biografie des hl. Adalbert (Wojciech) dar. Die zweite wurde später an die Gemarkung Nowgorod in Russische Förderation geschenkt. Nahe waren in den romanischen Kirchen Steinfiguren und Reliefs sehr beliebt. In der Gotik entwickelte sich die Holzschnitzerei, die Bronzegießerei, die Bildhauerei und die Malerei. Bedeutende Künstler aus dem deutschen Raum, wie Veit Stoß, Hans Dürer, Peter Vischer kamen an den Hof der polnischen Könige auf dem Wawel in Krakau. Der Krakauer Hochaltar von Veit Stoß ist das größte gotische Schnitzwerk der Gotik. In Krakau selbst entwickelte sich in der Malerei und Schnitzarbeit um 1400 eine eigene Schule, die von einheimischen Künstlern vertreten wurde, wie z.B. dem Meister der Dominikanerpassion. Obendrein kamen orthodoxe Künsler aus Ostpolen und brachten ihre Freskenmalerei mit, die noch in diesen Tagen in der Wawelkathedrale und in der Musikkapelle im Lubliner Villa bewundert werden kann.
In der Auferweckung kamen mehrere Künstler aus Florenz, Padua und Mailand (mit Bona Sforza) nach Polen. Sie gründeten ihre eigenen Schulen in Krakau. Auch polnische Renaissancekünsler wie Stanisław Samostrzelnik waren in Krakau aktiv. Hervorzuheben gilt es die Sigismund-Kapelle an der Wawelkathedrale mit den Grabmälern der letzten Jagiellonen, die als formtreustes Beispiel der italienischen Rückkehr außerhalb Italiens gilt. In der Zeit des Manierismus waren ebenso die italienischen Künstler in Polen führend, allen voran Paolo Romano, der in Lemberg tätig war. Aber auch Danzig war ein Zentrum des wiederum niederländisch geprägten Manierismus. Auch der Barock kam aus Italien nach Polen. Hier ist gerade Giovanni Trevano hervorzuheben, der am Wawel und dem Königsschloss in Warschau wirkte. Als bedeutendster Maler des Barock in Polen gilt Karol Dankwart. In der sächsischen Zeit kamen zig Künstler aus Sachsen nach Polen, wie z.B. der Itaker Bernardo Bellotto. In Ostpolen entwickelte sich zu dieser Zeit eine eingene Form des ukrainischen Barock und der Ikonenmalerei. Der wichtigste Vertreter des Klassizismus in Polen war Däne Bertel Thorvaldsen, der diverse Denkmäler in Warschau und Krakau schuf.
Die romantische Malerei entwickelte sich in Polen nach den Teilungen und behandlete meist politische oder mystische Themen. Im Zeitalter des Positivismus dominierte die Historienmalerei, deren bekannteste Vertreter Juliusz Kossak, die Brüder Gierymski und Jan Matejko sein dürften. Seine Schüler Józef Mehoffer und Stanisław Wyspiański entwickelten die sezessionistische Tendenz Junges Polen. In der Zwischenkriegszeit entwickelten sich verschiedene Kunstrichtungen. Bekanntschaften Vertreter dieser Periode sind Bruno Schulz und Wojciech Weiß. Während des Zweiten Weltkriegs wurden von Hitlerdeutschland und der SU sehr zig Kunstschätze aus den polnischen Museen geraubt. Diverse von ihnen, wie z.B. der Jüngling von Rafael sind bis auf den heutigen Tag nicht erneut aufgetaucht. In der Volksrepublik war der Sozrealismus vorherrschend. Ungeachtet entwickelten Künstler wie Tadeusz Kantor, Władysław Hasior oder Nikifor Krynicki eigene Kunstrichtungen. Mittlerweile ist die Kunstgriff erneut entpolitisiert.
Musik
Der erste insbesondere bekannte Musikschaffender Polens ist der Dominikaner Wincenty aus Kielce, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte und u.a. die Festgesang "Gaude mater Polonia" schrieb. Dagegen ist der Autor des ältesten bekannten polnischen Liedes Bogurodzica unbekannt. Daneben Hymnen zeichnete sich die mittelalerliche polnische Töne durch Tänze aus. Mikołaj aus Radom schrieb diese am Anfang des 15. Jahrhunderts auf. In der Comeback kamen zahlreiche italienische Künstler an den polnischen Königshof. Mikołaj Gomólka war der bekannteste polnische Musiker des 16. Jahrhunderts. Er schrieb Kompositionen u. a. zu den Gedichten von Jan Kochanowski ("Melodie na Psalterz polski"). Zusätzliche wichtige Renaissancekomponisten am polnischen Königshof waren Wacław z Szamotul und Mikołaj Zieleński.
1628 wurde in Warschau die erste Oper außerhalb Italiens aufgeführt - Galatea. Die italienischen Opernkomponisten Luca Marenzio, Giovanni Francesco Anerio, and Marco Scacchi waren zur Barockzeit in Warschau tätig. Während der relativ kurzen Herrschaft von Władysław IV. von 1634 bis 1648 wurden in Warschau reichlich zehn Opern aufgeführt, wodurch Warschau zu dieser Zeit zum wichtigsten Opernzentrum außerhalb Italiens wurde. Die erste Opernkomponistin der Welt, Francesca Caccini, schrieb ihre erste Werk La liberazione di Ruggiero dall'isola d'Alcina für den polnischen König, als dieser noch ein Infant war. Die polnischen Barockkomponisten komponierten vorerst Kirchenmusik, allen voran ihr bekanntester Schöpfer Adam JarzÄbski. Zu dieser Zeit entstand auch die Polonaise als Tanz an polnischen Höfen, während die bäuerliche Gesellschaft regional unterschiedliche Tänze wie die Mazurkas, Krakowiaks und Chodzony und die auch in Tschechien bekannten Polkas entwickelte. Die wichtigsten Polonaise-Komponisten im 18. Jahrhundert waren Michał Kleofas Ogiński, Karol Kurpiński, Juliusz ZarÄbski, Henryk Wieniawski, Mieczysław Karłowicz und Joseph Elsner. Dennoch sollte erst Fryderyk Chopin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert diese Musikart zur Vollendung bringen. Er gilt als einer der größten polnischen Komponisten.
Im 19. Jahrhundert entwickelte Stanisław Moniuszko die moderne polnische Oper, deren berühmtestes Werk Halka ist. Oskar Kolberg begann zu dieser Zeit die polnische Folkloremusik zu sammeln und niederzuschreiben. Seinen Schaffen schulden die Folkloreensembles Mazowsze, Słowianki und SlÄsk ihr Entstehen. Karol Szymanowski, der sich in Zakopane niederließ, entdeckte die traditionelle Töne der Goralen in Podhale, die er im 19 Jh. weiter entwickelte. Berühmte Komponisten der Zwischenkriegszeit waren Arthur Rubinstein, Ignacy Jan Paderewski, Grażyna Bacewicz, Zygmunt Mycielski, Michał Spisak and Tadeusz Szeligowski. Die zeitgenössische polnische Töne wird von Stanisław Skrowaczewski, Roman Palester, Andrzej Panufnik, Tadeusz Baird, Bogusław Schaeffer, Włodzimierz Kotoński, Witold Szalonek, Krzysztof Penderecki, Witold Lutosławski, Wojciech Kilar, Kazimierz Serocki, Henryk Mikołaj Górecki, Krzysztof Meyer, Paweł Szymański, Krzesimir Dębski, Hanna Kulenty, Eugeniusz Knapik und Jan A. P. Kaczmarek repräsentiert.
Literatur
Das älteste erhaltene polnische Schriftstück ist das Dagome Iudex-Regest aus dem Jahr 991. Wie fast alle polnischen Werke des Mittelalters ist es in Latein geschrieben. Zu diesen gehören erstens die Chroniken von Gallus Anonymus, Wincenty Kadłubek, Janko z Czarnkowa, Jan Długosz und Jan Łaski sowie die Heilig Kreuz Jahrbücher sowohl .... als auch die Adelsprivilegien (siehe oben Verfassungsgeschichte) und religiöse Texte der Heilig Kreuz Predigten (die ältesten Schriftstücke auf Polnisch), die Königin Zofias Heilige Schrift (erste Bibelübersetzung ins Polnische), der Puławy-Psalter, der Davidspsalter, die erste polnische Nationalhymne Bogurodzica sowie diverse Gebete und Heiligengeschichten. 1488 wurde die welterste Dichterbruderschaft Nadwiślańskie Bractwo Literackie von dem Deutschen Conrad Celtis und dem Itaker Kallimachus an der Universität in Krakau gegründet, wo sich schon die erste polnische Druckerei befand.
Die polnische Sprache setzte sich in der Renaissance durch, obgleich diverse Autoren auch noch in Latein oder beiden Sprachen veröffentlichten. Der erste nur polnischschreibende Autor war Mikołaj Rej, der als Angehöriger der polnischen Sprache gilt. Der größte polnische Renaissancedichter war jedoch Jan Kochanowski, der mit dem ersten polnischen Drama "Die Check-in der griechischen Gesandten" und zahlreichen Gedichten Weltruhm erlangte. Gleichzeitig galt Klemens Janicki als talentiertester lateinischschreibender Poet der Auferweckung in Europa. Weitere wichtige Renaissanceschriftsteller waren Andrzej Frycz Modrzewski, Szymon Szymonowic, Łukasz Górnicki, Piotr Skarga, Andrzej Krzycki, Mikołaj Hussowski Hussowczyk, Biernat aus Lublin, Mikołaj SÄp-Szarzyński und Johannes Dantiscus. Der polnische Barock ist durch der vielen vernichtenden Kriege dem Motto memento mori treu und bringt im Gegensatz zum Harmoniebestreben der polnischen Auferweckung die Unruhe der damaligen Zeit zum Ausdruck. Hervorzuheben sind hier die Liebesbriefe des Dichterkönigs Jan Sobieski sowie die Kriegsmemoiren von Jan Chryzostom Pasek. übrige wichtige Vertreter dieser Periode waren Wacław Potocki, Jan Andrzej Morsztyn, Daniel Naborowski, Krzysztof Zawisza und Benedykt Chmielowski.
Die Aufklärung brachte erstens politische Literaten, die mit den Reformen König Poniatowskis verbunden waren. Zahlreiche engagierten sich für die Verfassung vom 3. Mai 1791. Besonders Ignacy Krasicki, Adam Naruszewicz, Wojciech Bogusławski, Franciszek Bohomolec, Franciszek Salezy Jezierski, Franciszek Karpiński, Franciszek Dionizy Kniaznin, Hugo Kołłątaj, Stanisław Konarski, Julian Ursyn Niemcewicz, Stanisław Staszic, Stanisław Trembecki und Franciszek Zabłocki sind hier zu nennen.
Nach der letzten Spaltung Polens entstanden zwei gegensätzlich poetische Richtungen, die Klassik und die Romantik. Das Jahr 1822, als Adam Mickiewicz seinen ersten Gedichtband herausbrachte, gilt als endgültiger Sieg von letzterer. Die polnische Romantik, die in der Zeit zwischen dem Novemberaufstand 1830 und Januaraufstand 1863 ihren Scheitelpunkt erreichte, hat sehr verschiedene hervorragende Poeten hervorgebracht. Nahe Mickiewicz allen voran Juliusz Słowacki, Zygmunt Krasiński undCyprian Kamil Norwid. Nicht unerwähnt bleiben dürfen aber auch Stanisław Bogusławski, Adam Jerzy Czartoryski, Aleksander Fredro, Klementyna Hoffmanowa, Józef Ignacy Kraszewski, Wincenty Pol, Henryk Rzewuski und Kornel Ujejski. Diverse Literaturkritiker sehen in der polnischen Schwärmerei die Epoche, die den polnischen Nationalgeist am meisten geprägt hat und am meisten auf die anderen Richtungen einwirkte. Nach der Ernüchterung der Niederlage von 1864 kam die Zeit des Positivismus, die sich von der Dichtung zur Prosa wandte, namentlich dem realistischen Roman. Ihre wichtigsten Vertreter waren Eliza Orzeszkowa, Bolesław Prus, Maria Konopnicka, Adolf Dygasiński, Wiktor Gomulicki, Maria Rodziewiczówna, Henryk Sienkiewicz, Gabriela Zapolska, Stefan Zeromski und Adam Asnyk. Als neoromantische Reaktion entwickelte sich ab 1890 das Junge Polen, deren wichtigste Dramatiker Tadeusz Boy-Zelenski, Jan Kasprowicz, Kazimierz Przerwa-Tetmajer, Mieczysława Przybylska-Luczyńska, Stanisław Przybyszewski, Władysław Reymont, Leopold Staff und das Allroundgenie Stanisław Wyspiański. Das Junge Polen zeichnete sich durch eine dem Symbolismus folgende Mystifizierung der Realität aus. Das wichtigste Werk ist Wyspiańskis "Hochzeit";.
In der Zwischenkriegszeit hatte Polen eine Reihe von hervorragenden Literaten, die in verschiedenen Richtungen experimentierten und verscheidene Dichtervereinigungen (Salamander, Grüner Ballon, etc.) bildeten. Zu diesen gehörten Jan Brzechwa, Zofia Charszewska, Józef Czechowicz, Bruno Jasieński, Jarosław Iwaszkiewicz, Maria Kuncewiczowa, Bolesław Leśmian, Kornel Makuszyński, Czesław Miłosz, Stanislaw Młodożeniec, Zofia Nałkowska, Maria Pawlikowska-Jasnorzewska, Bruno Schulz, Andrzej Strug, Julian Tuwim, Stanisław Ignacy Witkiewicz und Aleksander Wat. Während des Zweiten Weltkriegs schuf die junge Generation der sogenannten Kolumbusse Krzysztof Kamil Baczyński, Tadeusz Borowski und Tadeusz Gajcy, die alle sehr jung starben und diese Vorgefühl in ihren Gedichten thematisierten.
Die polnische Nachkriegsliteratur ist sehr mannigfaltig. Sie hinreichend vom Sozrealismus (Jerzy Andrzejewski) bis zur Science Fiction (Stanisław Lems). Zunächst war Hauptthema die Weiterverarbeitung des Zweiten Weltkriegs, später wandten sich die Kulturschaffenden der neuen Realität zu. Viermal erhielten bisher polnische Schreiber den Literaturnobelpreis: 1905, 1924, 1980 und 1996. Wichtige Vertreter der Nachkriegsliteratur sind Witold Gombrowicz, Sławomir Mrożek, Miron Białoszewski, Kazimierz Brandys, Ernest Bryll, Zbigniew Herbert, Marek Hłasko, Paweł Huelle, Ewa Lipska, Jan Parandowski, Jerzy Pilch, Julian Przyboś, Tadeusz Różewicz, Andrzej Szczypiorski, Wisława Szymborska, Władysław Terlecki, Jan Twardowski, Ryszard Kapuściński, Stefan Chwin, Leszek Kołakowski, Andrzej Stasiuk, Olga Tokarczuk und Dorota Masłowska, sowie auch der als Pontifex MaximusJohannes Paul II. bekannte Karol Wojtyła.
Wissenschaft
Schon mit der Gründung der Bistümer im Jahre 1000 wurden nach und nach Kirchenschulen an den Bischofssitzen eröffnet. Mit dem Zisterzienser-Orden kam auch die abendländische Forschung nach Polen. Schon 1364 gründete der Große die Krakauer Universität, die die zweitälteste Universität in Mitteleuropa ist. Sie war die erste Universität, die eine eigenständige Professur für Mathe und Weltraumforschung hatte. Ihr Person Paweł Włodkowic - einer der wichtigsten Völkerrechtler jener Zeit - stellte auf dem Konzil von Konstanz 1415 die These auf, dass heidnische Völker ein Recht auf einen eigenen Staat hätten und nicht mit dem Säbel christianisiert werden dürften. Dass er nicht das Schicksal seines Prager Kollegen Jan Hus teilen musste, verdankte er der zahlreichen polnischen Ritterschaft, die beim Konzil präsent war.
Die polnische Forschung erreichte in der Zeit des Humanismus ihre Blüte. Einer der Krakauer Absolventen war der Astronom, Ökonom, Theologe, Berufstätiger und Weißkittel Nikolaus Kopernikus, der das heliozentrische Weltbild erschuf. Wichtige Astronome und Mathematiker jener Zeit waren auch Marcin Król, Marcin Bylica, Marcin Biem, Jan z Głogowa und Wojciech z Brudzewa. In der (Al)Chemie und Medizin waren einstmals Adam z Łowicza und Maciej Miechowita führend. Neue Universitäten wurden in Zamość, Raków, Vilnius, Posen und Lemberg gegründet, überdies kamen die zahlreichen Schulen der Jesuiten. Nach den Erhalten des 17. Jh. verfiel die polnische Lehre jedoch zusehends und erreichte in der sächsischen Zeit ihren Tiefpunkt. Eine Ausnahmefall bildete das 1740 von den Piaristen in Warschau gegründete Collegium Nobilium.
Mit dem Amtsantritt Stanisław August Poniatowskis begann in der Aufklärung die Neuorganisation der polnischen Universitäten durch Hugo Kołłątaj stimmig der Ausschuss für nationale Erziehung, dem ersten Bildungsministerium der Welt. Als einer der wichtigsten Subjekt und Industrieller dieser Zeit gilt Stanisław Staszic, der um 1800 in Warschau eine Uni der Lehre ins Leben rief. 1817 wurde die Warschauer Universität gegründet. Auf dieser Grundlage konnte sich die polnische Forschung im 19. Jh. entwickeln. Um 1850 entdeckte Ignacy Łukasiewicz eine Methode zur Destillation von Erdöl und schuf damit die Ölindustrie, die ihren Ausgangspunkt in Galizien nahm, wo in diesen Tagen noch die ältesten Ölfördertürme der Welt stehen. Napoleon Cybulski und Władysław Szymonowicz schufen die moderne Endokrinologie. Zygmunt Wróblewski und Karol Olszewski gelang es erstmals, Sauerstoff und Nitrogen zu verflüssigen. Stefan Banach und Hugo Steinhaus begründeten die Funktionalanalyse in der Mathematik. Der Doktor Kazimierz Funk entdeckte die Vitamine. Marie Curie-Skłodowska entwickelte die Radiologie und entdeckte u.a. das Polonium und das Radium. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und gleichzeitig der erste Mensch dem zwei zuerkannt wurden (Physik) und (Chemie). Eugeniusz Kwiatkowski entwickelte die polnischen Wirtschaftswissenschaften, die er nach der Unabhängigkeit Polens als Minister in die Praxis umsetzten konnte.
In der Zweiten Republik wurde die polnische Sprache an den polnischen Universitäten wiederum eingeführt und die Lehre und Lehre florierten. Einer der größten polnischen Juristen Roman Longchamps de Berrier vereinheitlichte das polnische Zivilrechtssystem, dass 1918 noch aus fünf Rechtsordnungen bestand. Sein Schuldrechtgesetzbuch gilt als eines der besten der Welt. Der Zweite Weltkrieg war ein Desaster für die polnischen Wissenschaftler, denn die Nationalsozialisten wollten die polnischen Kulturschaffenden vernichten. Schon in den ersten Kriegswochen wurden hunderte polnischer Professoren ermordet oder in KZ deportiert. Somit erlagte die Sonderaktion Krakau traurige Berühmtheit. Im Weltkrieg wurden auch die polnischen Universitätsbibliotheken ausgeraubt und ihre Bestände resolut vernichtet, so dass 1945 ein völliger Wiederanfang bevorstand. Außerdem flohen zig der überlebenden Persönlichkeit vor den Kommunisten ins westliche Ausland und die überlebenden polnischen Juden emigrierten nach Israel. Die polnische Lehre erholte sich nur langsam. Die polnischen Restaurateure schon bald abermals Weltruhm genießen, doch den anderen Wissenschaften fehlte der Austausch mit den schon führenden US-amerikanischen Universitäten. Dies änderte sich erst nach 1989. Mittlerweile verzeichnet die polnische Lehre nochmal Erfolge, wie z.B. die Entdeckung des Blauen Lasers in der praktischen Medizin.
Freizeit und Sport
Auf Basis von der vielen Seen und der langen sandigen Meeresküste sind Wassersportarten, wie Gleiten (v.a. Große Masurische Seen), Surfen (v.a. Hela), Stippen (v.a. Danziger Bucht), Kajak (v.a. auf den Flüssen Krutynia, Czarna Hancza, Drawa), Baden und Fischen in Polen sehr beliebt. Die Polen nutzen die vielen Wälder auch gerne zum Pilzesammeln. In den Retten wird viel gewandert und alpin Ski und Snowboard gefahren (v.a. Hohe Tatra, Beskiden, Riesengebirge). Rafting ist auf dem Gebirgsflüßen, vorerst dem Dunajec im Pieniny-Durchbruch, sehr beliebt. Auch Segel- und Balonfliegen ist in den Beskiden populär. Skispringen (v.a. Zakopane, Wisla) erfreut sich in Polen einer großen Beliebtheit. Skilanglauf und Hundeschlittenfahren bzw. Eissegeln wird in den Waldkarpaten und Masuren praktiziert. Nichtsdestoweniger stillstehen beim polnischen Sportfan Fußball, Volleyball und Baden am höchsten im Kurs. Das Schachspiel hat in Polen eine lange Tradition. Polen bemüht sich zusammen mit der Ukraine um die Adaptierung der Fußball-Europameisterschaft 2012.
Medien
Nahe den drei öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen von Telewizja Polska (TVP) gibt es TVN und Polsat. Die öffentlich-rechtliche polnische Hörfunkanstalt Polskie Radio hat durch die Programme Radio Zet und RMF Konkurrenz bekommen. Ein katholischer Sender ist Trwam, der zu Radio Maryja gehört. Überregionale Tageszeitungen sind die Gazeta Wyborcza und die Rzeczpospolita. Wöchentliche Magazine sind Wprost und Polityka. Die bekanntesten Internetportale sind Onet, Interia und Wirtualna Polska. Eine wichtige polnische Presseagentur ist die PAP. Für englischsprachige Ausländer erscheinen die Warsaw Voice und das Warsaw Business Journal. Dagegen ist die deutschsprachige Polenrundschau noch nicht sehr weit verbreitet.
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- Polnische Küche
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Literatur
- Davies, Norman: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. Warschau 2002. ISBN 3406467091
- Krzysztof Wojciechowski „Knigge für deutsche Arbeitgeber in Polen“, IHK Frankfurt (Oder), 2004
- Muthesius, Stefan: Kunst in Polen – Polnische Kunst 966 - 1990. Eine Einführung. Mit ausführlichem Literaturverzeichnis. Königstein i. Ts. 1994. ISBN 3-7845-7610-9.
Bundeszentrale für politische Bildung
- Informationen zur politischen Bildung, Heft 273
- Jäger-Dabek, Brigitte, Polen
- Becher, Ursula A. J.; Borodziej, Wlodzimierz; Maier, Robert, Deutschland und Polen im 20. Jahrhundert
Weblinks
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