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Römisches Reich

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Die Ausdehnung des Römischen Reiches
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Das Kolosseum in Rom

Römisches Reich (lateinisch: Imperium Romanum) bezeichnet allgemein das von der Ort Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr., wobei sich die Regime im Laufe der Zeit von der Königsherrschaft zur Republik und schließlich zum Kaiserreich wandelte. In diesem Gebiet mit seinen vielen Völkern, Sprachen und Religionen breitete es sich als Staat, als Gesellschaftsform und als universalistische Idee aus (imperium sine fine – „grenzenloses Reich“). Eine eindeutige Grenze ist jedoch weder zur vorrömischen Ära noch zum Byzantinischen Reich möglich.

Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund ums Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Damit beherrschte Rom den größten Teil der Gebiete, die ehedem im Mittelmeerraum überhaupt bekannt waren.

Der Handel, die Künste und die Kultur erreichten während der Zeit des Römischen Reiches in Teilen seines Gebietes eine erste Hochblüte, die damalige Lebensqualität und der damalige Bevölkerungsstand sollten europäisch und Nordafrika erst Jahrhunderte später wiederum erreicht werden.

Das Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In seiner östlichen Hälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen. Der Europa dagegen wurde latinisiert.

Latein, die Lasche Roms, wurde zur Amtssprache des Reichs, in Teilen von ihm blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Die Sprache der Römer ist über Jahrhunderte in ganz Abendland auch später noch die Sprache der Gebildeten gewesen, zuerst in der Wissenschaft, und zwar bis in die Zeit des Barock. In der Römisch-katholischen Kirche ist das Lateinische bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil die Sprache der Messe geblieben. Noch dieser Tage werden in vielen Wissenschaften, etwa in der Medizin und der Biologie, lateinische Fachausdrücke verwendet und neu geschaffen. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr zig lateinische Lehnwörter finden sich weiterhin in den germanischen und den slawischen Sprachen.

Vorerst das Rechts- und Staatswesen europäisch ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels vielmehr beschrieben werden; zu Feinheiten siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat):

  1. Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.)
  2. Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.)
  3. Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.)
  4. Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.)
  5. Spätantike, in der älteren Lehre auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.)
  6. Untergang des Reiches im Okzident und Übergang zum Byzantinischen Reich im Orient (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

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Roms Gründungsmythos: Die kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus

Nach altrömischer Überlieferung datiert die Gründung Roms ins Anno 753 v. Chr., es wurde später auch als Beginn der Zeitrechnung verwendet (ab urbe condita). Das Gebiet der Sieben Hügel dürfte allerdings schon wesentlich früher von verschiedenen Stämmen, zunächst Latinern und Sabinern, besiedelt gewesen sein. Aus den verstreuten Dörfern entstand schließlich Rom. Der neue Stadtstaat befand sich bald unter etruskischer Königsherrschaft; diese Phase seiner Entwicklung wird die (Königszeit) genannt. Unter den Etruskern gelangte Rom bald zu wirtschaftlicher Bedeutung, kontrollierte es doch zwei bedeutende Handelswege: die Via Latina und die Via Salaria.

Verschiedene Legenden wollen die römische Königszeit mit der Geschichte von Troia verknüpfen. So sollen die überlebenden Troianer durch Aeneas, einen Sohn des Anchises und der Göttin Venus, in das Gebiet Latium geführt worden sein. Diese Sagen entstanden jedoch erst Jahrhunderte später.

Kulturell wurden die Römer stark von den Etruskern beeinflusst; über diese fanden auch griechische Elemente ihren Weg in die Stadt. Beispiele sind die etruskischen Zahlen, die griechisch-etruskische Schrift, aus der sich das Lateinische Alphabet entwickelte, die etruskische Vogelschau und das Begräbnisritual, das in den Gladiatorenkämpfen eine überzogene Spätblüte fand. Rom gewann in Italien steigernd an Einfluss, nachdem es sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Der letzte aller römischen bzw. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, laut Überlieferung, weil einer seiner Söhne eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Anno 509 v. Chr. ist jedoch wahrscheinlich spätere Erfindung, die sich an den Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 vor Christi Geburt anlehnen könnte. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr., zu der sich das ehemalige Königreich auch in die Römische Republik (Republik = res publica, „die öffentliche Sache“) umwandelte.

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Das römische Emblem SPQR, ein antikes "Logo"

Es ist gar nicht so leicht, die Eigenart des römischen Staatswesens zu verdeutlichen. Es ist über die Jahre gewachsen und änderte sich laufend. Polybius, ein griechischer Gelehrter, charakterisierte es als Mischung aus Königtum (Magistratsämter wie Konsul), Adelsherrschaft (Senat) und Parlamentarismus (Comitia). Das oberste Amt im Staat übte zuerst ein Prätor (prae-ire – der dem Heer vorangeht), später bekleideten es alljährlich zwei Konsuln, welche die oberste Regierungsgewalt hatten und auf der obersten Ebene des cursus honorum standen. Die römische Adelsversammlung, der Senat, spielte eine bedeutende Rolle. Nahe gab es diverse Volksversammlungen, die comitia, die auch wichtig waren, besonders in Fragen von Bewaffnete Auseinandersetzung und Friede und in der Rechtsprechung. Als ersten einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.

Einen zentralen Ort der römischen res publica stellt das Forum Romanum dar, das als politischer, religiöser und sozialer Ort der Begegnung diente.

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Das Podiumsdiskussion Romanum dieser Tage

Einstmals bildete sich auch die römische Gesellschaftsordnung aus, die sich durch die Jahrhunderte nur langsam änderte. An der Spitze standen die alten Familien Roms, die landbesitzenden Patrizier, die politisch am einflussreichsten waren. Den größten Teil der Bevölkerung machten aber die Plebejer aus, die nur zum Teil politische Rechte hatten, Sklaven wurden als Sachen betrachtet und hatten also keine Rechte, konnten aber die Unabhängigkeit erlangen. Die Beziehungen zwischen Patriziern und Plebejern wurden durch das Klientelsystem geregelt.

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Senatssitzung (Darstellung aus dem 19. Jahrhundert)

Zu den höchsten Ämtern des Staates, die den Trägern Ansehen versprachen (etwas, was in Rom kritisch war), hat man zu Beginn nur Patrizier zugelassen, während alle freien Bürger Kriegsdienst leisten mussten. Nach den Ständekämpfen (etwa die bekannte secessio plebis), die um die 150 Jahre dauerten, wurden die Plebejer schließlich 367 ante Christum natum politisch fast gleichberechtigt, dennoch gelang nur verhältnismäßig wenigen plebejischen Familien der Aufstieg in die Führungsschicht.

Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften. Hier gab es zunächst den Galliersturm von 387 v. Chr., der psychisch seine Spuren vermachen sollte, sowie jede Menge Niederlagen gegen italische Volksstämme. Es folgten die Samnitenkriege (1. 343341 v. Chr.; 2. 326304 v. Chr.; 3. 298290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340338 v. Chr.). Rom schuf schließlich ein weitverzweigtes Bündnisgeflecht. So wurden an strategisch wichtigen Anpeilen Kolonien angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Aus dieser Zeit seiner Geschichte ging Rom als straffes Staatswesen mit schlagkräftiger Truppe und starkem Sehnen zur Ausdehnung hervor. Damit waren die Grundlagen für seinen weiteren Aufstieg gelegt.

Konkurrierende Mächte stellten auf der italischen Halbinsel die Stadtstaaten der Etrusker nördlich von Rom, die Kelten in der Poebene und die griechischen Kolonien in Süditalien dar.

Der Aufstieg Roms – Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und zusätzliche italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es zu empfehlen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Extension kam Rom allerdings in Konflikt mit der noch Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte.

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Die Ruinen von Karthago

Im Ersten Punischen Krieg (264241 v. Chr.) brach Rom die Vereinbarung mit Karthago über die Aufteilung der Interessenzonen auf Sizilien und dehnte seinen Einflussbereich bis an die Grenze des karthagischen Machtbereichs aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom seine Kriegsflotte aus, um der Seemacht Karthago siegreich in den Weg treten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu ertappen und die karthagische Kriegsflotte öfter zu schlagen. Karthago verlor im Friedensvertrag alle seine sizilischen Besitzungen (später auch Sardinien und Korsika); ab jetzt war es das Hauptziel der karthagischen Politik, die Folgen dieser Niederlage auszugleichen. Die einflussreiche karthagische Familie der Barkiden errichteten in Hispanien eine Art Kolonialreich, dessen Ressourcen für den Schlacht gegen Rom eingesetzt werden konnte.

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Büste Hannibals

Im Zweiten Punischen Krieg (218201 v. Chr.) gelang es dem karthagischen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen, wobei als Kriegsgrund die Belagerung und Eroberung der griechischen Kolonie Saguntum durch Hannibal diente, die mit Rom "verbündet" war. Nach dem Fall Saguntums und der Absage der Regierung in Karthago, Hannibal auszuliefern, folgte die römische Kriegserklärung. Hannibal nahm den Landweg durch das südliche Gallien, überquerte die Alpen und fiel mit einem Heer in Italien ein, wobei er etliche römische Armeen nacheinander vernichtete. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) war stechend für die Römer: Es handelte sich um die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören, sodass Hannibal trotz seiner Siege weitgehend isoliert blieb. Der römische Oberkommandierender Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien steigernd an Einfluss gewann.

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Die hellenistischen Großreiche um 200 a. Chr. n.

Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. Benachbart seiner neuen Rolle als Seemacht trugen auch die eroberten Silberminen in Hispanien und die gewaltigen Reparationen, die Karthago zu leisten hatte, zu Roms neuem Reichtum bei. In die Zeit ab 200 v. Chr. fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche: Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200197 v. Chr. in Griechenland gegen Philipp V. intervenierte, um den makedonischen Einfluss in Griechenland zurückzudrängen.

Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch kleinasiatischer Amerika hin kam es 192188 v. Chr. zum Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wiederum aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, im Vorfeld zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150146 v. Chr.) nochmal an Macht gewonnen hatte.

Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht länger lebensfähig war und von Pompeius, der eine Reorganisation des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Schutzherrschaft wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. gleichermaßen im Römischen Reich aufging. An der Grenze des Partherreiches kam die römische Extension zum Stehen, hier sollte Rom in den nächsten Jahrhunderten einen ebenbürtigen Typ entdeckt haben.

In den neuen Provinzen, zuvor in den reichen hellenistischen Küstenregionen, wurden in dieser Zeit von privaten „Gesellschaften“ (societates publicanorum) römischer Ritter und Patrizier die Steuern erhoben. Während sie einen Fixbetrag an den Staat abführten, konnten sie Mehreinnahmen behalten. Dies führte zu vielmals unmäßigen Steuern, die die Wirtschaft dieser Gebiete auslaugte und aber und abermal zu Aufständen führte. Über das Ansehen dieser Steuerpächter erfährt man etwa in der Bibel (Zöllner). Zufolge der römischen Erfolge stieg auch die Menge des zur Verfügung stehenden Münzgeldes tragisch an, ebenso wie sich die Anzahl der Sklaven immer mehr erhöhte. Gerade die Knechtschaft spielte qualifiziert der römischen Wirtschaft eine wichtige Rolle, wobei die Sklaven zu ganz unterschiedlichen Tätigkeiten herangezogen wurden, aber gleichzeitig die Möglichkeit bestand, dass sie ihre Ungebundenheit zurückerlangen konnten.

So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.

Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege

Die Republik geriet seit der Zentrum des 2. Jahrhunderts ante Christum in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, erstmal im Agrarbereich. Die Römer pflegten einen Teil des im Bewaffnete Auseinandersetzung eroberten Landes in Staatsbesitz zu überführen und bedürftigen Bürgern zur Benutzung zu überlassen. Um Aneignung großer Agrargüter in den Händen einiger weniger zu vermeiden, war der Liegenschaft glaubwürdig auf 500 Iugera beschränkt worden. Dieses Gesetz konnte jedoch nicht durchgesetzt werden. Wohlhabende Bürger legten sich riesige Landgüter zu. Dies wurde spätestens zu dem Zeitpunkt zum Problem, als praktisch was auch immer Land innerhalb Italiens diversifiziert war und gleichzeitig immer mehr Sklaven wegen der siegreichen Kriege ins Land strömten. Die Kleinbauern und Handwerker aus der Schicht der Plebejer konnten mit dem durch die zahlreichen Kriege stetig anwachsenden Sklavenheer nicht konkurrieren. Gleichzeitig waren sie durch die zahlreichen Kriege außerhalb Italiens zu langer Abwesenheit gezwungen, was den Erhaltung des heimischen Hofes weiter erschwerte. Die Großgrundbesitzer nur vergrößerten ihren Grundbesitz durch den Kauf unprofitabler Höfe oder auch durch gewaltsame Vertreibungen. Die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten führte zu Landflucht und erheblicher Unzufriedenheit.

Alternative Gruppen von Plebejern, die im Handel zu Reichtum gekommen waren, verlangten nach mehr Rechten. Die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform sollte die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Anhäufen der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Neugestaltung scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen, die Vertreter der Plebejer und Kleinbauern, und die Optimaten, die konservative Adelspartei, bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Alle beide Gracchen wurden ermordet, Straßenkämpfe und politische Morde standen an der Tagesordnung. Auch machten sich intern Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 9189 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten Vesper von Ephesus: Nach der Ermordung Zehntausender römischer Ansiedler in Kleinasien zog Rom in den Bewaffnete Auseinandersetzung gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen.

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Caesars Tod (Historiengemälde aus dem 19. Jahrhundert)

Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich nochmal Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich erneut bekämpften. Die Zwangslage der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar (der zwischen 59 v. Chr. und 51 v. Chr. im so genannten Gallischen Krieg Gallien unterwerfen sollte), der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus (der im Morgenland grandiose Erfolge gefeiert hatte und u. a. die Ausschuss des Seleukidenreichs beseitigt hatte) und der reiche Marcus Licinius Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (4946 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats stellte. Caesar obsiegte. Nur durch seine Ermordung wurde verhindert, dass sich die Republik in eine Zwangsherrschaft verwandelte.

Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun erneut ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere „Augustus“, gemeinsam mit Marcus Antonius gegen die Verschwörer Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi durch. Später wandten sich die beiden gegeneinander, Octavian ging aus der Schlacht bei Actium als Erster über Marcus Antonius und die ihn unterstützende Kleopatra heraus (31 v. Chr.). Damit fiel auch das reiche Ägypten an Rom und blieb für Jahrhunderte die „Kornkammer des Reiches“. Somit war der gesamte Raum um das Mittelmeer (lat. mare nostrum) in römischer Hand.

Die frühe Kaiserzeit (Prinzipat)

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Augustus, der erste römische „Kaiser“

Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch unterschiedlich als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel einer außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, durch die Übertragung von Sondervollmachten und zunächst durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Provinzen mit zahlreichen Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen, zumal die wichtigsten republikanisch gesinnten Familien schon ausgeschaltet waren. Der Senat sah in Octavian den „Ersten Bürger des Staates“ (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkte sammlen von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel „Augustus“ (der Erhabene).

Auch in der Kaiserzeit blieben zahlreiche Einrichtungen der res publica erhalten: etwa der cursus honorum, der Senat, die Provinzverwaltung und die Priestertümer (pontifex maximus war allerdings der Kaiser). Allerdings wurden diese Ämter von politischen Entscheidungspositionen mehr oder weniger zu reinen Verwaltungsämtern. Die Gesellschaftsordnung der Republik begann sich zu verändern, indem seit Augustus Angehörige neuer Schichten, speziell aus Italien und den Provinzen, in die nach wie vor herausgehobenen Stände der Senatoren und besonders der Kämpfer (equites) aufstiegen. Die Kaiser hatten das Recht, Kämpfer zu ernennen, was eine gewisse Durchlässigkeit der sozialen Schranken bewirkte. (Sie konnten auch den ehrenvollen Rang eines Patriziers an plebejische Senatoren vergeben.) Anliegend war es nun auch für Nichtbürger Roms einfacher, das Bürgerrecht zu erlangen.

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Nero im Circus (Historiengemälde aus dem 19. Jahrhundert)

Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt schon den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Abendland und Süden Germaniens gehörte zum römischen Reich; die Extension nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde erst durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Anschließend beschränkte sich Augustus auf die Sicherung der bestehenden Grenzen, an denen fast das gesamte, etwa 300.000 Mann zählende Berufsheer stationiert wurde. Seine Maßnahmen sollten denn auch erheblich dazu beitragen, den römischen Friede (Pax Romana) zu festigen. In die Zeit des Augustus fallen diverse wichtige Neuerungen, so wurde eine Volkszählung im gesamten Weltreich durchgeführt, die die Zahl der römischen Bürger erfassen sollte. Noch dazu wurden auch in zahlreichen Provinzen sämtliche Bewohner erfasst, so etwa in Syrien (dies ist die in der Bibel erwähnte „Schätzung“). Straßen und Verkehrswege wurden ausgebaut, Wirtschaft und Kultur (augusteische Klassik) erlebten eine Blütezeit; die römische Kultur erreichte die Provinzen, deren Zahl zunahm. Trotz aller Maßnahmen zur Erhalt alter römischer institutionen wurde schon zur Zeit des Augustus auch die Verbessertes Modell vom stadtzentrierten Staat der Gemarkung Rom zum Gesamtstaat weitergetrieben. Ein Zeichen dafür ist auch, dass Augustus seine Herrschaft zeitweise von Augusta Treverorum (heute Trier) ausübte und sich nicht an Rom als Herrschaftssitz unfrei fühlte. Sein Nachfolger verbrachte seine Regierungszeit selbst überwiegend in Capri. Die Anstalt des Princeps war demnach von Anfang an dermaßen abgesichert, dass die Subjekt die städtischen Institutionen, allen voran der Senat, aus dem noch die Attentäter Cäsars kamen, nicht direkt kontrollieren mussten.

Augustus’ Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius, der menschenwürdig als ein schwieriger Charakter galt und sich wohl innerlich noch als Republikaner fühlte, beschränkte sich während seiner Herrschaft auf weitgehend defensive Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen. Sein Nachfolger Caligula gilt gebräuchlich als das erste Beispiel für „Cäsarenwahn“, doch sieht man diesen Kaiser, der nur gut drei Jahre herrschte, dieser Tage mehrfach differenzierter. Unter Claudius wurde Britannien dem Reich hinzugefügt, später folgte bis jetztThrakien, das aber schon vor ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war. Der schlechte Ruf von Claudius’ Nachfolger Nero geht u. a. auf nachträgliche, besonders christliche Beurteilung zurück, da er die ersten großen Christenverfolgungen einleitete; aber auch in anderen antiken Quellen wird Nero negativ dargestellt, ähnlich wird er auch weitgehend in der modernen Wissenschaft beurteilt. Ein weiterer Anschuldigung ist die Vernachlässigung des Militärs. Neros Tod beendete 68 das julisch-claudische Haus, das sich auf zwei der bedeutendsten römischen Geschlechter zurückführen konnte. Das Ende des julisch-claudischen Haus markiert eine Zäsur in der römischen Geschichte. Ab jetzt sollte kaum noch ein Kaiser dem alten stadtrömischen Adel entstammen.

Die hohe Kaiserzeit

Nach den Wirren des Vierkaiserjahres traten die im Großen und Ganzen siegreich regierenden Flavier die Herrschaft an, wobei Kaiser Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Angehöriger Titus niederschlagen ließ. Vespasian sanierte die Staatsfinanzen und sicherte die Grenze im Morgenland gegen die Parther ab. Als Vespasian, der auf eine generell erfolgreiche Regierungszeit zurückblicken konnte, im Anno 79 starb, folgte ihm Titus nach, dem allerdings nur eine sehr kurze Regierungszeit vergönnt war, in der es zu mehreren Katastrophen kam (Ausbruch des Vesuv sowie eine Seuchenepidemie), der Titus jedoch Herr wurde. Titus' Bruder Domitian trat 81 seine Nachfolge an. Er wird in den Quellen, z. B. bei Tacitus in düsteren Farben gezeichnet, vorliegen Verhältnis zum Senat gestört war, konnte aber schon Erfolge eintragen und die Verwaltung effizienter gestalten. 96 brachte ihn jedoch eine Hofintrige zu Fall.

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Trajanssäule mit Darstellungen aus den Dakerkriegen

Die nachfolgende Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, als auch kulturell sowohl .... als auch in Relation auf die Machtstellung Roms. Die Kaiser nahmen meist Rücksicht auf die Befindlichkeit des Senats und hielten in der Regel an der Staatsordnung des Prinzipats fest. Seine größte Ausdehnung erreichte das Römische Reich unter Nervas Nachfolger Trajan im Jahre 117, wobei Trajan, der als erster Kaiser nicht aus Italien, an Stelle aus den Provinzen stammte (aus Hispanien), als optimus princeps gefeiert wurde, als „bester Kaiser“. Das Weltreich erstreckte sich nach Trajans Dakerkriegen und den Feldzügen gegen die Parther von Schottland bis nach Nubien in Nord-Süd-Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost-Ausrichtung; allerdings mussten die Eroberungen östlich des Euphrats nach sehr kurzer Zeit wiederum aufgegeben werden, da sie nicht zu halten waren. Unter dem gebildeten und hellenophilen Hadrian kam es nun zu einer inneren Festigung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, die die Ausbreitung des vormals noch jungen, schon stark angewachsenen Christentums begünstigte. Er verlegte sich erst einmal auf den Aufbau von effizienten Grenzbefestigungen (zum Beispiel der Hadrianswall in Britannien, oder die Befestigung und Begradigung der Ostgrenze). Allerdings werfen einige moderne Geschichtswissenschaftler dem Kaiser vor, die Reichsfinanzen zu stark belastet zu haben. In der Tat gewähren sich erste Vorboten einer Starker Konjunkturrückgang erkennen, die aber noch keine dramatischen Ausmaße annahm.

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Römische Provinzen 117 n. Chr.; es fehlt jedoch die Provinz Assyria.

Um die Zentrum des 2. Jahrhunderts schien das Großmacht unter Antoninus Pius auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter dem „Philosophenkaiser“ Mark Aurel (161 bis 180) schon die ersten Probleme auf. Es kam zu erbitterten Kämpfen mit verschiedenen germanischen Stämmen, besonders mit den Markomannen – wobei die Kämpfe verschiedene Mal erneut ausbrachen, siehe Markomannenkriege –, während im Morgenland 161 die Parther angriffen; weiters schleppten die 166 siegreich aus dem Orient zurückkehrenden römischen Truppen eine Epidemie in das Supermacht ein, die so genannte „ Antoninische Pest“. Benachbart der ernsthaften äußeren Bedrohung, welche die Ressourcen des Reichs bis an die Grenzen des Machbaren beanspruchte, machten sich im Inneren erste Zerfallserscheinungen bemerkbar. Nach dem Tod Mark Aurels, der gerade im Bereich der nördlichen Grenze vorläufige Erfolge eintragen konnte, jedoch innerer Reformen versäumte, kam es zu einer Reihe von weiteren Krisenereignissen, zumal sein Stammhalter Commodus scheinbar nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben. Als er 192 ermordet wurde, folgte ein Bürgerkrieg.

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts konnten die Severer die Lage stabilisieren; Septimius Severus, der gegenseitig 193 im Gefecht um die Macht durchsetzte, war auch der erste aus Africa stammende Kaiser. Er konnte im Bewaffnete Auseinandersetzung gegen die Parther einige Erfolge festhalten (Einrichtung der römischen Provinz Mesopotamien), im Inneren wuchs indessen die Macht der Militärs. Unter Caracalla wurde allen freien Bewohnern des Reiches, außer den dediticii (den militärisch Unterworfenen, die in einem besonderen Rechtsverhältnis zu Rom standen), das römische Bürgerrecht verliehen (Constitutio Antoniniana), was eine markante Zäsur in der Gliederung des römischen Staatswesens darstellte. Caracalla fiel, der bei Volk und Heer beliebt war, jedoch innerhalb des Senats und auch seiner eigenen Familie Feinde hatte, während seines Partherfeldzugs einem Anschlag zum Opfer, und nach einer kurzen Hiatus bestieg Elagabal den Thron, dessen Regierungszeit vom abschließend gescheiterten Versuch geprägt war, die gleichnamige orientalische Gott zum Staatsgott zu erheben. 222 wurde der unbeliebte Elagabal ermordet und Severus Alexander versuchte vergeblich, sich im Bewaffnete Auseinandersetzung im Orient gegen die Sassaniden (siehe unten) und am Rhein gegen die Germanen zu bewähren. 235 wurde er von unzufriedenen Soldaten ermordet.

Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Reichskrise des 3. Jahrhunderts, in welcher sich die Soldatenkaiser dem Große Nachfrage der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) ausgesetzt sahen. Überwiegend aber kam an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden (seit 224), welche die Partherherrschaft beseitigt hatten. Die Sassaniden sollten sich als ein gefährlicherer Gegenspieler Roms erweisen, als es die Parther je gewesen waren: Der bedeutende Sassanidenkönig Schapur I. fiel ein paarmal in Syrien ein und konnte dabei viele römische Heere besiegen. 260 fiel selbst Kaiser Valerian in seine Hand, welcher sein Leben in der Gefangenschaft beschloss – eine unvergleichliche Kompromittierung für Rom. Während Rom im Orient verzagt bemüht war, die Provinzen Syriens und Kleinasiens zu halten, erodierte auch im Abendland das Imperium. Die Statthalter in Provinzen, die das Kommando über zahlreiche Legionen in den Händen hielten, nutzten diese oftmals, um an die Macht zu gelangen. Dabei kam es oft zu Kämpfen zwischen den Usurpatoren und wenn schon zur Aufsplittung einzelner Provinzen (besonders Galliens, siehe Gallisches Sonderreich), die aber unter Aurelian erneut rückgängig gemacht werden konnten. Weitere Mächte versuchten, die Schwäche Roms für Eroberungen zu nutzen. So wurde etwa Palmyra, ein ehemaliger Verbündeter Roms gegen die Parther und später die Sassaniden, 272 unterworfen, nachdem es unter Zenobias Führung aushilfsweise Teile der östlichen Provinzen Roms erobert hatte. Die Krisis führte zu zahlreichen Veränderungen, betraf allerdings nicht alle Gebiete des Reiches im selben Ausmaß. Und es sollte schließlich noch einmal gelingen, den drohenden Verfall des Reiches abzuwenden.

Der Beginn der Spätantike

Mit Diokletian vollzog einander 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer – im Gegensatz zur vorherigen Zeit – stärkeren Zentralisation und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war. Diese Zeit sollte jedoch, im Gegensatz zu der älteren Forschung, nicht als eine reine Zerfallszeit begriffen werden, anstelle vielmehr als eine Zeit des Umbruchs und der Verwandlungsprozess der antiken Mittelmeerwelt.

Diokletian reformierte die Verwaltung, die in einen zivilen und einen militärischen Bereich einzeln wurde, und schuf die so genannte Ordnung der Tetrarchie, worauf es zwei Senior-Kaiser (Augusti) mit jeweilig einem Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Weltreich schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Trennung der Provinzen und die Einführung der Diözesen und Präfekturen sollten die Verwaltung der Provinzen effizienter machen. Mit Höchstpreisverordnungen versuchte Diokletian auch den wirtschaftlichen Niedergang und die Aufblähung der Geldmenge einzudämmen, die in dieser Zeit grassierten. Die sakrale Zementierung der Herrschaft des Kaisers (so nahm Diokletian den Beinamen Iovius nach dem Gott Jupiter an) sollte eine neuerliche Angleichung der Reichsbewohner auf den Staat und auf den Kaiser bewirken. Besonders die Christen empfand Diokletian als illoyal dem Reich gegenüber. Die letzten (und schwersten) Christenverfolgungen fanden denn auch in seiner Regierungszeit statt.

Die Idee der Spaltung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. Rom blieb der ideelle Mittelpunkt des Reiches, auch wenn die Kaiser ihre Residenzen nun in die Nähe der Grenzen, so etwa nach Trier, verlegten.

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Kopf der Kolossalstatue Konstantins in den Kapitolinischen Museen in Rom

Konstantin der Große, dessen Paps nach dem Rücktritt von Diokletian und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des Senior Augustus im Abendland übernommen hatte, wurde 306 von seinen Soldaten zum Kaiser ausgerufen, und der nun ranghöchste Kaiser Galerius erkannte ihn schweren Herzens als Mitherrscher an. Konstantin gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen: Schon seitdem 312 herrschte er im Okzident und etablierte 324 die Autokratie über das gesamte Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit zuallererst aus zwei Gründen: Einerseits wegen der Privilegierung des Christentums und zum anderen wegen der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gegen Osten.

Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. 353 die Autokratie erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata, dem Neffen Konstantins, zu einer „Renaissance“ des Heidentums, die aber nicht von langer Spanne war. Mit Julian erlosch 363 die konstantinische Dynastie.

Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig geteilt. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Stammhalter Gratian als Kaiser im Morgenland eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge zumindest vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Abendland zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Supermacht herrschen sollte. In seine Zeit fällt auch die Einführung des Christentums als Staatsreligion. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die von da an endgültig sein sollte. Dennoch blieb die Idee der Reichseinheit lebendig – so galten die Gesetze des einen Kaisers üblich auch im Einflussbereich des jeweilig anderen.

Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten

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Plünderung Roms durch die Vandalen 455
Heinrich Leutemann, 19. Jhdt.

Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allmählich das Römische Reich im Westen. Das Vordringen der Hunnen hatte einen Dominoeffekt ausgelöst, der das Antlitz Europas gänzlich veränderte. Das Reich verlor nach der Gefecht von Adrianopel 378 steigernd die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Galliens und Spaniens gingen bis zur Mittelpunkt des 5. Jahrhunderts an die eingedrungenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. An erster Stelle der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war schon um die Jahrhundertwende von Mailand nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Ort Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen (daher der moderne Ausdruck „Vandalismus“).

Es gab etliche Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Welche Prozesse letztlich zur Metamorphose des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Vereinigte Staaten führten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän in Kraft sein konnten, ist schon lange Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil längst nimmer aus römischen Bürgern, anstelle aus „barbarischen“ Söldnern. Die Stärke der Streitkräfte reichte zusätzlich nicht länger aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung abgewirtschaftet geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, selbst wenn nicht so dramatisch, wie noch die ältere Wissenschaft meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst aber noch als einen „Germanen in römischen Diensten“ und seine Herrschaft in Italien als Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel, und auch sein Nachfolger Theoderich der Große bemühte sich um kaiserliche Anerkennung seiner Stellung.

Unterschiedlich war die Lage im Osten. Dies war der „gesündere“ Reichsteil, der auch über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. In erster Linie das Hochland Anatoliens mit dem Taurus-Gebirge und die Propontis bildeten natürliche Barrieren gegen das Vordringen von Fremdvölkern. Darüber hinaus war es Hunnen und Germanen nie gelungen, den Hellespont zu überqueren; daher blieben die reichen Provinzen Kleinasiens, Syriens und Ägyptens weitgehend unbehelligt. Die „barbarischen“ Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen hatten, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum größten Teil ausgeschaltet. Trotz es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Ostreich intakt.

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Kaiser Justinian mit Begleitung
Mosaikbild aus San Vitale in Ravenna; 6. Jhdt.

Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, und seinem Feldherren Belisar konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Osten unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Allerdings wurden die Angriffe der Sassaniden seit der Thronbesteigung Chosraus I. immer heftiger und es bestand die Absicht, den gesamten römischen Morgenland zu erobern. Damit endete die Phase der Nebeneinanderbestehen der beiden Großreiche und eine Sequenz von verheerenden Erhalten begann. Der (ost-)römische Kaiser war noch einmal der mit Abstand mächtigste Herr im Mittelmeerraum, und Ostrom beherrschte den größten Teil des alten Reichsgebietes (mit Ausnahmefall Britanniens, Galliens und Nordspaniens). Die zurückeroberten Gebiete bewiesen sich nach Justinians Tod (565) allerdings mehrfach als auf Phase unhaltbar. So fiel etwa Südspanien nach übereinkommen Jahren nochmals an die Westgoten und Italien ab 568 großteils an die Langobarden.

Das Ende des antiken Imperiums

Im Inneren des Oströmischen Reiches gärte es, religiöse Querelen zwischen christlichen Gruppen (Monophysiten gegen Orthodoxe) und die hohe Steuerlast wegen der ständigen Kriege förderten die Frustration von Teilen der Bevölkerung, etwa in Syrien und Ägypten; dies bewirkte eine deutliche Schwächung des Loyalitätsempfindens. Am Anfang des 7. Jahrhunderts wurden dann zunächst weite Teile des Reiches vorläufig von den Sassaniden erobert. Dabei stießen die persischen Truppen unter Chosrau II. zweimal bis Byzanz vor und entführten das Heilige Kreuz, das angeblich Helena, die Mutter Konstantins, entdeckt hatte, und das den „größten Schatz“ des Reiches darstellte, aus Jerusalem. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Bewaffnete Auseinandersetzung schließlich mit großer Mühe siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Besonders der Verlust des reichen Ägypten, das durch „Verrat“ des Patriarchen Kyros nahezu kampflos an die Araber fiel, schwächte Ostrom substanziell. Herakleios brach mit der römischen Tradition, indem er für des Titels Imperator den alten griechischen Königstitel Basileus annahm und Griechisch auch zur offiziellen Amtssprache machte. Das Reich verlor nun seinen römisch-antiken Charakter. Auch im Orient begann damit das Mittelalter.

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Diese Karte zeigt die ungeheure Tempo der Extension des Islam im Orient

Das Oströmische Reich mit seiner Gemeinde Konstantinopel blieb zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten - und die Griechen bezeichnen sich noch dieser Tage volkstümlich auch als rhomoi, also „Römer“, aber die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen.

Historische Anknüpfung

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Kaiser Karl der Große

Karl der Große war der erste nachrömische Kaiser Westeuropas (translatio imperii). Seine Kaiserkrönung führte zu diplomatischen Auseinandersetzungen mit Byzanz, dessen Basileus sich als legitimer römischer Kaiser betrachtete. Das Heilige Römische Reich (seit dem 15. Jahrhundert mit dem Zusatz "Deutscher Nation"), das in seiner größten territorialen Ausdehnung - nach heutigen politischen Grenzen - Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Tschechien, die Schweiz, Nord- und Mittelitalien und Teile Frankreichs (Lothringen, Elsass, Provence) umfasste, sah sich später als Nachfolger des (west)römischen Reiches, während der russische Zar über das byzantinische Erbe ebenso die Nachfolge der römischen Kaiserkrone beanspruchte - die Begriffe Kaiser und Zar leiten sich alle beide aus dem römischen Caesar ab. Mit der Kaiserkrönung Napoleons gab es zum ersten Mal reichlich einen Kaiser in Westeuropa. 1918/1919 endete mit der Ausscheiden Wilhelm II. (Deutsches Reich) und Karl I. (Österreich-Ungarn) die Geschichte der Kaiser. Selbst im 20. Jahrhundert fühlte sich mit dem faschistischen Italien noch ein Staat als Nachfolger des Römischen Reiches. Die Wiederherstellung der Supermacht Romanum war Mussolinis erklärtes Ziel in der Außenpolitik. Er sollte dabei scheitern.

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Literatur

Überblicksdarstellungen

Nahe Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 2-4 und zunächst der Cambridge Ancient History, 2. veränderte Aufl. ab Bd. 7, Teilband 2, The Rise of Rome to 220 B.C.:

  • Hermann Bengtson: Grundriß der römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5. 3. Auflage, Beck, München 1982 (zuerst 1967), ISBN 3-406-08617-9.
  • Ada Gabucci: Rom und sein Imperium. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 380621932X Sehr reich bebilderte Geschichte über die Gründung, Ausbreitung und Herrschaft.
  • Alfred Heuß: Römische Geschichte. 9. Auflage, Schöningh, Paderborn 2003 (zuerst 1960), ISBN 3506739271 Bester (wenn auch manchmal recht knapper) Überblick zur römischen Geschichte in deutscher Sprache.
  • Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Piefke Taschenbuchverlag, München 2001 (zuerst 1854–1856 und 1885), ISBN 3423590556 Geschichte Roms bis zur Ermordung Cäsars sowie der römischen Provinzen zur Kaiserzeit, für die Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Wissenschaftlich allerdings weitgehend veraltet.
  • Wolfgang Schuller (Hrsg.): Das Römische Weltreich. 2. Auflage, Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1744-0. Gut lesbarer Querschnitt durch die Zeit des römischen Weltreiches.

Republik

  • Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik. München 2002, ISBN 3406492924 Solide und zuverlässige Darstellung der Republik.
  • Harriet I. Flower (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Roman Republic. Cambridge 2004.

Prinzipat und Spätantike

  • Glen Bowersock u.a.: Late Antiquity. A guide to the postclassical World. Cambridge 1999, ISBN 0674511735. Ausgezeichneter, gut lesbarer Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Spätantike mit einem nützlichen Lexikonteil.
  • Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. 4. Auflage. München 2002, ISBN 3406363164. Hervorragende moderne Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin. Standardwerk.
  • Alexander Demandt: Die Spätantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989. Gutes Überblickswerk (nur noch antiquarisch, 2. Auflage in Vorbereitung; aber als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat erhältlich: Geschichte der Spätantike. München 1998, ISBN 3-406-44107-6).
  • David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180–395. Routledge History of the Ancient World. London u.a. 2004, ISBN 0-415-10058-5. Sehr gute Gesamtdarstellung der Zeit von 180 bis 395.

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