Religion
Aus Schlauweb
Keine Religionsdefinition findet in den verschiedenen Wissenschaften allgemeine Anerkennung. In der Religionswissenschaft zum Beispiel bestehen diverse unterschiedliche Definitionen nebeneinander. Im Weiteren werden einige allgemeine Umschreibungen zur Annäherung an das Thema feststehend und relevante wissenschaftliche Ansätze dargestellt, vor der Begriff selbst in seiner historischen Entwicklung und heutigen Verwendung problematisiert wird.
Als Religion wird oft ein in größeren Bevölkerungsgruppen verankertes System von Vorstellungen über die Existenz von Gegebenheiten jenseits des aufregend Erfahrbaren bezeichnet. Religiöse Leute richten ihr Leben nach einem sinngebenden Ganzen.
Diese in sehr langen Traditionen entstandene Welterklärung bzw. Anleitung zur Lebensbewältigung wird in der westlichen Welt auf Basis von christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel „Glaube“ zusammengefasst. In diesem Fall handelt es sich um den meist institutionalisierten und organisierten Glauben an eine oder diverse persönliche oder auch unpersönliche transzendente Wesenheiten (z. B. eine Gottheit, Geister und Ahnen) und/oder Prinzipien (z. B. Dao, Dhamma) und/oder sonstige Vorstellungen, wie wie Nirvana und Jenseits.
Allerdings erfasst der westliche Herangehensweise einer Begriffserklärung mit Hilfe des Begriffs „Glauben“ nicht alle Religionen, da dieser Fachausdruck in Kompromiss finden Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Theismus sein kann.
Ein weiteres Problem stellt die Bestimmung einer Gemeinschaft als Gottesglauben dar. Einige Religionen gründen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische Orientierung oder die Spiritualität sehr ausgeprägt. Eine klare Grenze ist unmöglich, Überschneidungen finden sich in haarscharf allen Religionen und gerade bei der Eingang durch einzelne Menschen. Den meisten Religionen sind Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale zu eigen. Vor diesem Fond werden populäre Einteilungen vorgenommen.
Beispiele für bekannte Religionen sind Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus, Sikhismus, Shinto und Baha'i (siehe auch Liste der Religionen der Welt).
Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich gerade Religionswissenschaft/Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.
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Etymologie und Begriff
religio hatte im Lateinischen die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube". Die sonstige Etymologie des Begriffs ist nicht in jedem Fall geklärt. religare bedeutet im Lateinischen "anbinden, zurückbinden" und auch "festhalten, an etwas festmachen". Der Begriff religio ist kein Fachbegriff altrömischer Religion. Die frühesten Belege finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.).
Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) führt das Wort zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstiges Höheres.
Religion und Religiosität
Der Begriff religio genauer religiosus wurde im MA zunächst für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis auf den heutigen Tag im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im MA und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Der heutige Begriff "Religion" wurde erst nach der Reformation eingeführt. Unter verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.
Im Deutschen sind die Begriffe Theismus und Religiosität zu unterscheiden. Der Begriff Theismus wird seit Ende des 18. Jh. verwendet. Theismus bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle wolkig ist, gerade auf das Durchmachen des Einzelnen.
Begriffliche Problematik
Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft des Wortes ist die kritische Beobachtung seiner (ideologischen) Verwendung. Ausgenommen von diesen etymologischen Unsicherheiten ist der Fachbegriff auch in diesen Tagen noch problematisch. Mit der europäischen "Entdeckung" noch in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurde der Begriff auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem europäischen Religionskonzept haben (zum Beispiel die Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sind (zum Beispiel der Ausschließlichkeitsanspruch). Diese Unterschied besteht auch zu den östlichen Religionen, was zum Beispiel an den Übersetzungen des Wortes Gottesglauben in der jeweiligen Sprache zu erkennen ist.
Eine Folge ist, dass dieser Tage zwar diverse verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine auf alle Religionsgemeinschaften und -formen anzuwendende Begriffserklärung aussteht und wahrscheinlich - wegen der heterogenen Theoriesysteme - auch bald nicht bestehen wird.
Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion
Dazu siehe auch: Religionsdefinition, Religionsphänomenologie und Religionskritik
Die Religionssoziologie und Religionswissenschaft untersuchen seit ca. 100 Jahren auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen über Erklärung und Funktion von Religion. In beiden Wissenschaften konnte man sich bis jetzt auf eine wissenschaftliche Definition, die beschreibt, was Erkennungsmerkmale von Religionen sind und wann eine Weltanschauung als Gottesglauben bezeichnet wird, nicht einigen. Dennoch gab es vielversprechende Ansätze, an die die andere Lehre anknüpfen kann.
Nach Karl Marx unter anderem sind Religionen ursprünglich an eine unilaterale gesellschaftliche Praxis gekoppelt. Demnach sind Jäger-, Nomaden- und Ackerbauernreligionen (als Basalreligionen) zu unterscheiden. Nur die Nachfolger der beiden letzteren, mit dem Jungsteinzeit entstandenen Religionen hatten noch wesentlichen Einfluss auf die heutigen Religionen Europas.
Erich Fromm bildete eine weite, sozialpsychologische Begriffsbestimmung von Theismus als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Dingsbums der Hingabe bietet.
Religionssoziologische Ansätze
- Nach Émile Durkheim, Begründer der Soziologie, trägt Gottesglauben zur Festigung sozialer Strukturen aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Gemäß Durkheim ist die Theismus ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Sachen beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie z. B. der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft, auf die diese bedeckt sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.
- Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er deutlich die sinnstiftende Funktion von Theismus als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie zusätzliche traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren für der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, aufheben sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Theismus im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.
- Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterschied zwischen Gottesglauben und Magie. Unter Theismus versteht er ein dauerhaftes, moralisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft herausragen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Magie dagegen ist nach Weber ausschließlich kurzzeitig wirksam, unmündig an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten fälschlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Grenze versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert.
- Weber hat umfangreiche theoretische Abhandlungen über die verschiedenen Religionen, namentlich über die protestantische Ethik, vorgelegt und empirische Studien zu der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und katholischen Ländern durchgeführt.
Religionswissenschaftliche Ansätze
- Nach Clifford Geertz (1973) ist Gottesglauben ein kulturell-geschaffenes Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Leute zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert. Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer derartig überzeugenden Wirkung ("Aura von Faktizität") umgeben, dass diese Stimmungen und Motivationen real erscheinen. Solche "heiligen" Symbolsysteme haben die Funktion, das Ethos - das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer Kultur - mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren Ordnungsvorstellungen zu verbinden. Die Vorstellung von der Welt wird zum Abbild der tätsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die gegenseitig stützen. Gottesglauben stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge beschränkt, statt erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle, anstatt gestalten auch soziale und psychologische Prozesse . Durch die unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Relevanz von Gottesglauben in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen.
- Jacques Waardenburg bezeichnet die Begriffsbestimmung von Theismus als 'Glauben' als ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Schilderung von Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Leute geachtet werden.
- Der irisch-britische Religionswissenschaftler Ninian Smart entwirft ein multidimensionales Modell von Theismus und unterscheidet dabei sieben Dimensionen: 1. die praktische und rituelle, 2. die erfahrungsmäßige und emotionale, 3. die narrative oder mythische, 4. die doktrinale und philosophische, 5. die ethische und rechtliche, 6. die soziale und institutionale und 7. die materielle Dimension (z. B. sakrale Bauwerke).
Phänomene und religionsspezifische Begrifflichkeit
Um Religionen zu beschreiben, haben Menschen, die sich mit Religion(en) beschäftigten, Kriterien und Begriffe für gefundene Phänomene geschaffen. Mehrere dieser Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit delikat für das Beschreiben religiöser Phänomene, da sie vielmals religiöse Interpretationen des jeweiligen Objektes sind und höchstens einen Ausschnitt des eigentlichen Phänomens zeigen können. So ist zum Beispiel der Begriff "Gebet" ein christlicher und beschreibt eine christliche Praktik, die nicht auf Sachen wie Meditation oder Nachdenken angewandt werden kann, nichtsdestotrotz dies oft geschieht. Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die zusammen verglichen und gegenseitig gegenüber gestellt werden können, wobei ein Ordnen und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.
Theismus und Atheismus
Religionen, die an die Existenz eines einzelnen Gottes glauben, werden als monotheistisch bezeichnet, Religionen, die an die Existenz mehrerer Götter glauben, als polytheistisch, Religionen, die das Göttliche in der gesamten Welt sehen, als pantheistisch, Religionen die sich nicht auf ein oder diverse transzendente Wesen beziehen als atheistisch, nichtsdestotrotz der Gottlosigkeit als solcher keine Gottesglauben ist. Dennoch gibt es atheistische Religionen wie zum Beispiel den Theravada-Buddhismus.
Auch einige atheistische Weltanschauungen haben an religiöse Rituale erinnernde starr geprägte Formen. Man denke beispielsweise an die Aufmärsche und Auf die Pauke hauenkommunistischer Vereinigte Staaten oder an die sozialistischen Jugendweihen. Der Faschismus respektive Nationalsozialismus trägt auch die Züge eines extremistischen religiösen Systems. Ein Beispiel ist die Quasi-Göttlichen-Verehrung des Führers. Neuere Forschungen zur Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere Aufmerksamkeit. Die These, dass scheinbar nichtreligiöse Systeme sich religiöser Formen bedienen, wird wissenschaftlich diskutiert (siehe auch: Politische Religion). Sonstige Kategorien zur Bezeichnung von (weniger weit verbreiteten) Religionen sind indigene und animistische Religionen.
Schöpfungsmythen und Kosmologie
Häufig vermitteln Religionen eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und ein Bild der letzten Dinge, eine Eschatologie. Dazu gehört immer die Hauptfrage, was mit dem Volk nach dem Tod geschieht. Themen wie Reinkarnation, Nirwana, Ewigkeit, Jenseits, Himmel o. Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird (Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen Religionen zentral.
Religiöse Spezialisten
Die meisten Religionen wissen Priester, Prediger, Geistliche, Mönche, Nonnen, Magier, Druiden oder Schamanen, die die Gottesglauben überliefern, lehren, ihre Rituale ausführen und zwischen Mensch und Olympische Gottheit vermitteln. Manche Religionen sprechen einzelnen dieser Volk übernatürliche Eigenschaften zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre Tätigkeit unentgeltlich aus. In Kompromiss finden Religionen werden die religiösen Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es da sein auch Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem Übernatürlichen und dem Leute gibt.
Spiritualität und Rituale
Häufig pflegen Religionen und Konfessionen eine eigene Art von Spiritualität. Spiritualität - namentlich im Christentum - ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur Dogmatik, welche die festgesetzte Lehre einer Gottesglauben darstellt. Das Ritual wohingegen ist durch die Theismus formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Nachforschung nach Gott oder einem anderen transzendenten Zusammenhang bezeichnet, ob adäquat von spezifischen Religionen oder jenseits davon. In verständigen auf Religionen finden sich Strömungen, deren Anhänger die Versammlung mit der Transzendenz oder dem Göttlichen in mystischen Erfahrungen finden.
Zu religiösen Riten gehören u. a. Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, Opfer, Liturgie, Prozessionen und Wallfahrten. Bei gibt es im Alltagstrott gelebte Frömmigkeit wie Almosen geben, Barmherzigkeit oder aberAskese.
Schismen und Synkretismen
Ob ihrer ideologischen Momente haben Religionen die latente Tendenz zur Spaltung. Subreligionen sind oft durch die Ablösung einer Gruppe aus der ursprünglichen Religionsgemeinschaft entstanden.
Der Begriff Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er der Versuch, ähnliche Religionen (wieder) zu vereinen oder die Fertigung einer neuen Gottesglauben aus unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren.
Seit der Aufklärung wird – zunächst im westlichen Kulturkreis – zwischen institutionalisierter Gottesglauben und persönlicher Haltung zum Transzendenten unterschieden.
Hinzu kommen seit den 1980er Jahren postmoderne Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus Religionen und anderen Weltanschauungen neu zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen gelegentlich „Patchwork-Religion“ oder „Supermarkt der Weltanschauungen“ genannt.
Religionen in Zahlen
Zahlreiche Volk haben das Bedürfnis, zu erfahren, wie verschiedene "Gläubige" sich zu einer Gottesglauben bekennen. Trotz aber und abermal Statistiken auftauchen, ist die Quellenlage meistens fraglich. Auch gibt es Religionen wie das Christentum o. den Buddhismus nicht (man vergleiche das "Christentum" in Südamerika und Skandinavien). Daher sollte zeitlebens beachtet werden, dass solche Statistiken im besten Fallgrube nur etwas über die Anzahl der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (ähnlich einer Vereinsmitgliedschaft) und über die Ideologie der Statistikveröffentlicher aussagen. Darüber hinauf gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Z. B. werden zum Jüdische Religion häufig auch diejenigen gerechnet, die sich als Atheisten bezeichnen, zum Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht gläubig sind.
Statistik A - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: adherents.com)
- Christentum (2,1 Milliarden)
- Islam (1,3 Milliarden)
- Atheismus, Nichtreligiöse (1,1 Milliarden)
- Hinduismus (900 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
- Buddhismus (376 Millionen)
- Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
- Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Sikhismus (23 Millionen)
- Spiritismus (15 Millionen)
- Judentum (14 Millionen)
- Baha'i (7 Millionen)
- Jainismus (4,2 Millionen)
Statistik B - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: David B. Barrett)
- Islam (1,313 Milliarden)
- Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
- Hinduismus (870 Millionen)
- Nichtreligiös (769 Millionen)
- Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
- Protestantische Kirchen (376 Millionen)
- Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
- Anglikanische Christen (80 Millionen)
- Buddhismus (379 Millionen)
- Sikhismus (25 Millionen)
- Judentum (15 Millionen)
- Ethnoreligionen (256 Millionen)
- Atheismus (152 Millionen)
- Afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Neue Religionen (108 Millionen)
Stand Mittelpunkt 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.
Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige (Quelle: REMID Stand: 12/2004)
- Katholische Kirche (26,46 Millionen)
- Evangelische Landeskirchen (26,21 Millionen)
- Atheismus, Nichtreligiöse (23,4 Millionen)
- Islam (gesamt: 3,3 Millionen)
- Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen)
- Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen)
- Judentum (gesamt: 0,189 Millionen)
- Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen)
Religion und Ethik
Die meisten alten Religionen hatten zugleich den Anspruch menschliches Zusammenleben durch Gesetze zu regeln (10 Gebote). Die meisten Religionen der Gegenwart haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern. Dieses System umfasst Vorstellungen darüber, was richtig und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen Theismus zu handeln und teils zu denken hat. Immer also findet sich eine zugrundeliegende Auffassung über die Welt, die Natur und die Stellung des Volk dazu darin. Obschon sich diese Vorstellungen geschichtlich wandeln, stillstehen nach solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche moralische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Vereint der Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, sollen Gesellschaft und partiell Politik positiv beeinflussen und die Leute individuell dem jeweiligen religiösem Ziel näher bringen. Teilweise bieten sie für den Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch stabilisieren kann.
In Kompromiss finden Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden Gott überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen. Nach dieser Vorstellung müssen sich auch weltliche Monarch diesen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird partiell unter Bedrohung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert oder als einziger Weg zum Heil dargestellt.
Häufig da sein noch sonstige Regeln, die nicht direkt vom Stifter der Gottesglauben stammen, anstatt aus den heiligen Schriften und anderen Tradierungen der jeweiligen Gottesglauben logisch werden (z. B. Talmud, Sunna). Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung für zig Gläubige ihren Sinn und wurden in Kompromiss finden Fällen den sehr unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst.
Ethik im Judentum und Christentum
Die gelebte Ethik von Judaismus und Christentum unterscheidet sich u. a. dadurch, ob die jeweilige Gottesglauben mit einem weiten individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder aberfundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es häufig unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Ethik verschieden auslegen und anwenden. So gab es beispielsweise im Christentum Strömungen, die das Alte Testament auf Basis von der darin sehr gewalttätig wirkenden Gott "verbannen" wollten.
Judentum und Christentum verbindet in ihren ethischen Systemen z. B. der Gedanke an eine Endzeit. Dieses lineare Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im Diesseits nach den von ihrer Olympische Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren Zeit zu erhalten; dessen ungeachtet die Olympische Gottheit auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings wird im Protestantismus ebenso oft die göttliche Gnade für maßgeblich gehalten, auch zum Teil unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Das Jüdische Religion ist weniger jenseitsbezogen jedoch gebotreicher als das Christentum, was sich unter anderem im hebräischen Wort für Religion, nämlich Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen des Mitglieds in der Gruppe sein sollen. In den christlichen Religionen sind durch die Relativierungen ihres Stifters und die neuplatonischen Einflüsse weit weniger Richtlinien gegeben - zum Beispiel die Zehn Gebote.
Ethik im Islam
Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Jüdische Religion gewaltig an Gebote für einzelne Situationen gebunden. Der Koran gibt genaue Anweisungen für die Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird z. B. in der Anweisung al-amr bil ma'ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Bedrohung einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft (siehe auch Hisba). Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrenzten Handlungsspielraum zugesteht.
Ethik bei den "östlichen Religionen"
Religionen wie der Buddhismus, der Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie u. a. die Überwindung von Hass, Habgier, Lüge sowie besonders Gewaltlosigkeit. Dabei werden die Regeln an einer fiktiv kosmischen Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip in Linie gebracht (z. B. Dharma im Brahmanismus und im Buddhismus, Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip beinhaltet ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu handeln. So geben zum Beispiel Tötungsverbote, die sich teils auch auf Tiere beziehen.
Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der Religionsgemeinschaft sanktioniert, stattdessen soll erstmal negative Konsequenzen für das Individuum zum Beispiel in einer der nächsten Existenzen nach sich ziehen (im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus innerhalb der Vorstellung von Karma und Wiedergeburt, Samsara); im Daoismus und chinesischen Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen beispielsweise innerhalb der daoistischen bzw. buddhistischen "Hölle", wo grausame Strafen auf Missetäter warten. Die populäre Annahme, dass "östliche Religionen" bedingt durch deren Ethik weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern, als von den religiösen Autoritäten selbst ausgeht. Aber, religiös motivierte Gewalt, wie wir sie aus der Kreuzzugs-, Conquista-, Missionierungs-Historie im christlichen Kulturkreis oder auch passend der islamischen Extension kennen, tritt im Kulturkreis östlicher Religionen deutlich seltener auf.
Siehe auch: Buddhistische Ethik
Ethik bei indigenen Kulturen
Indigene Kulturen, die oft auch mit den problematischen Begriffen "Naturvölker" oder "Stammeskulturen" bezeichnet werden, weisen häufig Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe geschützt werden kann, steht ein prosoziales Verhalten im Mittelpunkt der mündlich weitergegebenen Verhaltensweisen. Diese "Naturreligionen" beinhalten weiterhin Rituale zur Beeinflussung ihrer Götter bzw. Naturgewalten.
Religion nach der Aufklärung
Eine der größten Errungenschaften der Wissenschaft ist nicht, es intelligenten Leuten unmöglich zu machen, religiös zu sein, an Stelle es ihnen mindestens zu ermöglichen, nicht religiös zu sein. Nachdem sollten wir nicht zurückfallen. Steven Weinberg,
Die Aufklärung bringt einen Wandel des Religionsverständnisses: Verstand man in den vormodernen Gesellschaften unter Theismus die öffentliche Anbetung der Götter (lat. religio) oder Gottes, so verschiebt sich die Theismus jetzt ins Private. Sie wird zur Religiosität, zur inneren Haltung des frommen Individuums.
Als Typ dieser Haltung gilt der Theologe Schleiermacher, der in seinem Schmöker Über die Religion (1799) schrieb:Religion ist nicht Metaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl.
Seither ist - im Gegensatz zu den vorzeitlichen und vormodernen christlichen Gesellschaften, in denen alle Bereiche menschlichen Lebens unter der Autorität der Theismus standen - eine Tendenz bemerkbar, die steigernd Bereiche der Gesellschaft aus dem vormaligen Herrschaftsbereich der Gottesglauben ausgliedert. Zum Beispiel fordern die Natur- und Geisteswissenschaften verbunden mit der Idee eines natürlichen Grundrechts Autorität in Fragen zu Entwicklung oder Ethik/ Recht - Bereiche, die erstens der Gottesglauben unterstanden. Diese Entwicklung wird als Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses Phänomen beziehen sich oft auf die Industrielle Revolution, die allmähliche Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel.
Ludwig Feuerbach erklärt 1841 Theismus als das bewußtlose Selbstbewußtsein des Menschen. [...] der Mensch vergegenständlicht in der Religion sein eigenes geheimes Wesen. (Das Wesen des Christenthums. Leipzig: Wigand, 1841: Subjekt Theil) Demnach betrachtet der religiöse Mensch alles, was er für wahr, richtig und gut hält, als selbständige Erscheinungen außerhalb seiner selbst. Diese selbständigen Erscheinungen kann sich der Mensch als Person in Singular oder Plural mit begrenztem oder unbegrenztem Wirkungsbereich vorstellen und somit seine Begriffe vom Wahren, Richtigen und Guten als Bereichsgötter oder einzigen Gott deklarieren oder ohne Personifikation als Kräfte, Mächte, Wirkungen, gesetzmäßige Abläufe oder ähnlich bestimmen. Wie er das tut, richtet sich nach regionaler Entwicklung und Überlieferung. Folgerichtig anerkennt Feuerbach Theismus nimmer als Welt deutendes, vielleicht alle Leute verpflichtendes System, anstatt als völkerkundliches Forschungsgebiet.
Europäisch verlor das Christentum im späten 19. Jahrhundert und im gesamten 20. Jahrhundert hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen Einflusses und seiner Verbreitung an Bedeutung. Einige herkömmlich christliche westliche Länder auflisten sinkenden Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von Kirchenaustritten oder weitere Formen von Distanzierung. In den meisten europäischen Amerika gehörten im Jahr 2005 über 50 % der Bewohner einer christlichen Kirche an.
Besonders im Gebiet der ehemaligen DDR, deren Regierung die Verbreitung einer atheistischen Weltanschauung förderte, und in Frankreich, wo Napoleon die Schließung und Enteignung von Klöstern anordnete und Anfang des 20. Jahrhunderts eine strikte Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt wurde, ging der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen zurück. Studien im Vereinigten Königreich belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen, nichtsdestotrotz die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den reputierten öffentlichen Einrichtungen zählen. In Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die katholische Kirche, der jedes Mal über 80 % der Bewohner angehören, als einflussreich.
In den meisten europäischen Ländern wurde früher oder später das Recht auf Religionsfreiheit rechtmäßig verankert. Davor waren auch nichtreligiöse Volk in aller Regel in religiöse Organisationen eingebunden, da eine demonstrative Abwendung von der Theismus zu Diskriminierungen führen konnte. Diese Gruppe sieht gerade weniger Gründe, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen. Während des Planwirtschaft konnte in übereinkommen Ostblockstaaten eine religiöse Orientierung zu formellen und informellen Benachteiligungen führen. In vielen europäischen Ländern ist es nach wie vor üblich, wenigstens formell, einer Theismus anzugehören.
Parallel zur Säkularisierung kam es wie auch im evangelischen sowie im katholischen Raum zu einer vertieften und bewussteren Teilnahme am kirchlichen Leben von Seiten einer Minorität von engagierten und häufig kritischen Laien. Auch junge Leute wenden sich im Zuge ihrer Sinnsuche seit Ende des vorigen Jahrtausends häufiger wiederum der Theismus zu.
Im Gegenzug zur Säkularisierung europäisch gewinnt die Gottesglauben in der übrigen Welt z. T. an Einfluss. In den USA und Lateinamerika zum Beispiel zeigen empirische Studien, dass die Gottesglauben nach wie vor ein wichtiger Faktor ist. In Afrika südlich der Sahara wuchs das Christentum im 20. Jahrhundert von 8 auf 335 Mio. Gläubige. In der oft konservativen arabischen Welt ist der Islam nach wie vor das prägende Element der Gesellschaft. Auch in Reich der Mitte zählen, trotz jahrzehntelangem staatlich verordnetem Atheismus, die Weltreligionen abermals ungefähr 100 Mio. Anhänger.
Positive und negative Wirkungen von Religion
Oft wird der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern einer Gottesglauben fit einer Schaden-Nutzen-Analyse ausgetragen. Allerdings sagt das wenig über den Wahrheitswert von religiösen Botschaften aus. Dies sollte danach bedacht werden.
Positive Wirkungen
Dass jede Menge Leute trotz Aufklärung und moderner Religionskritik an ihrem Glauben festhalten, hat mit positiven Erfahrungen zu tun, die sie mit ihrer Theismus verbinden.
Religionen behaupten eine Realität jenseits des physisch Wahrnehmbaren sowie oft ein Leben nach dem Tod. Sie ermöglichen so eine Sinngebung, die als fundierter empfunden wird als eine Sinngebung, die durch die als unzufriedenstellend erlebte Welt und die eigene Sterblichkeit auf Sparflamme ist. Sie bieten ihren Anhängern häufig stabile soziale Strukturen. Fast alle Religionen setzen einen, oft rigorosen, ethischen Standard. Manche Leute befürchten, ohne solches religiöses Fundament würden ethische Standards in der Praxis stark komprimiert ("Ohne Gott ist was auch immer erlaubt."). Diese moralischen Postulate seien wichtig, um die Gesellschaft und den einzelnen selbst vor destruktiven Exzessen zu schützen.
Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder Andacht oder auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen Zeremonien, führen bei manchen Leute zu spirituellen Empfindungen. Religiöse Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Inspiration für Mitgefühl, praktische Nächstenliebe und moralische Selbsteinschränkung bieten.
Alle Weltreligionen und darüber auf die meisten kleineren Religionen, fordern Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern, das heißt, sie sollen einander fürsorglich um zusätzliche Leute kümmern. Dabei ist es weitgehend unerheblich, ob diese der eigenen Religionsgemeinschaft angehören oder nicht. So ist im Islam z.B. vorgeschrieben, dass ganz einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden soll. Besondere Hilfe und Fürsorge wird den Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft zuteil. Ein besonderer Aspekt der Theismus ist der Frieden stiftende, welche besonders im Gebot der, in Kompromiss finden Religionen postulierten, Feindesliebe Ausdruck findet. Alle diese Werte und Haltungen werden in unterschiedlicher Weise auch in nicht religiös orientierten Gruppierungen vertreten.
Es lässt sich beobachten, dass zum Beispiel das Christentum in der Vergangenheit für die Gründung vieler großer Universitäten und Schulen, den Aufbau von Hospitälern, den Vorläufern der heutigen Krankenhäuser, das Verteilen von Nahrungsmitteln und die Erstellung von Waisenhäusern verantwortlich war. Weitere Religionen und weltliche Organisationen haben entsprechend ihrer Kulturen und im Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem Reichtum vergleichbare Leistungen vorzuweisen.
Forschungen von Abraham Maslow nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten, dass die Überlebenden des Holocaust oft diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen (nicht unvermeidlich Tempelbesuch etc.) waren. Die humanistische Psychologie untersuchte, ob eine religiöse oder spirituelle Persönlichkeitsprägung mit längerer Nutzungsdauer und besserer Gesundheit verknüpft ist. Zahlreiche Volk brauchen möglicherweise speziell religiöse Bindungen, weil diese verschiedene emotionale Bedürfnisse, wie das Bedürfnis, geliebt zu werden, das Bedürfnis, zu einer gleichförmigen Gruppe zu gehören, das Bedürfnis nach verständlichen Erklärungen oder das Bedürfnis nach Recht befriedigen.
Maslows Ergebnisse haben sich in anderen Zusammenhängen nicht als reproduzierbar erwiesen. Die These einer Korrelation zwischen Theismus und Gesundheit bzw. Nutzungsdauer eines Individuums ist daher wissenschaftlich umstritten. Der besondere Umstand, dass Maslow ausschließlich Überlebende des Holocaust befragt hatte, und dass Theismus das primäre Auswahlkriterium für die Forschungssubjekte war, könnte zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben.
Gottesglauben kann auch, soweit sie moralische Leistungen - gute Taten - fordert, nahe Hilfe im Einzelfall, begrenzte oder umfassende Reformen und Verbesserungen des rechtlichen oder wirtschaftlichen Systems einer Gesellschaft motivieren.
Negative Wirkungen
Die stärkste Form negativer Wirkung stellen Religionskriege und alternative Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden. Dies werten Gläubige meist als Missbrauch ihrer Religion, während Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu "Fanatismus und Grausamkeit" ausgehen.
Z. B. ist die römisch-katholischen Kirche für die Inquisition verantwortlich. Weitere Straftat im Namen der Gottesglauben vor christlichem Fond sind z. B.Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Judenverfolgung, Gewalttätige Formen der Missionierung sowie zum Teil die Unterstützung von Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk Kriminalgeschichte des Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet, kommentiert und für den Laien verständlich aufbereitet.
Wo religiöse Kräfte zu viel Einfluss auf nationale und supranationale politische Strukturen haben, prägen sie entweder die Gewalt der jeweiligen Regierung oder werden von ihr geprägt. Die beiden Fälle erlauben sich nicht immer deutlich unterscheiden:
- Seit der islamistischen Wende von 1979 werden in Iran tausende von Volk wegen sogenannter Straftat gegen die Gottesglauben inhaftiert, gefoltert und oft wenn schon ermordet. Frauen werden systematisch benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen so genannter moralischer Verfehlungen können sie zugelassen öffentlich gesteinigt werden. Homosexualität gilt als Verbrechen. Religiöse Minderheiten wie die Baha'i und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den sogenannten Religionswächtern verfolgt.
- Im christlichen Namibia kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten aber z. T. auch von der Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden.
- In Indien gibt es von Zeit zu Zeit Ausschreitungen von Hindus vorerst gegenüber Muslimen. Vereinzelt kommt es auch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Christen. So verbrannte der Mob in einem hinduistischen Dorf 1999 den christlichen Leiter eines Lepraspitals zusammen mit seinen Söhnen lebendigen Leibes in seinem Auto.
Hinzu kommt, dass religiöse Autoritäten aller Religionen für ihre Gläubigen oft Vorschriften erlassen, die die Privatsphäre regulieren sollen. Wie in allen Weltanschauungen, so gibt es auch in den Religionen einen sichtbaren Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Während Autoritätsmissbrauch und weitere Missstände im MA und der frühen Neuzeit häufig zu religiösen Erneuerungsbewegungen führten, haben sie gegenwärtig teils eine Abkehr von der Gottesglauben zur Folge. Es kommt aber auch zu religiösen Kritikbewegungen gegenüber als "korrupt" bezeichneten religiösen Führern, die zu eher fundamentalistischen Interpretationen und Praxis, bis hin zum Terrorismus, führen können.
Zig Religionskritiker betrachten religiöse Belehrungen in der frühen Kindheit als Mittel zur Anpassung an veraltete Normen. Bildung zu religiösem Akklamation wird von diesen, aber auch von religiös orientierten Menschen, häufig als Gehirnwäsche kritisiert.
Manche stimmen weiter mit der marxistischen Sichtweise überein, worauf "Religion das Opium des Volkes" sei, also zur passiven Hinnahme ökonomischer und sozialer Machtstrukturen beitrage. Einige Kritiker werfen gerade Christen vor, durch die Hoffnung auf ein Jenseits, im Diesseits keine gesellschaftlichen Veränderungen mehr anzustreben.
Aber verlangen manche säkularisierte Formen von Theismus so wenig Engagement, dass sie kaum Einfluss auf das Leben ihrer Mitglieder ausüben. Jede Menge davon gehören nur formell einer Religionsgemeinschaft an, was auf ihr Alltagsleben kaum Auswirkungen hat. Nur zu bestimmten Gelegenheiten werden einige religiöse 'Dienstleistungen' in Anspruch genommen. Diese Auswirkungen der Moderne und Postmoderne werden von Gläubigen abgelehnt.
Literatur
- Primärquellen:
- Die Bibel, ISBN 3460330074;
- Der Koran, ISBN 3937229760;
- Der Talmud, ISBN 3937229787 (o. Hrsg.)
- Reden des Buddha, ISBN 3150062454
- Tao Te King ISBN 3150067987
- Upanishaden ISBN 3150087236
- Klöckner, Michael und Tworuschka, Udo: Handbuch der Religionen, Olzog Verlag, 2006, ISBN 3-7892-9900-6
- Cancik, Hubert (Hrsg.), Die Religionen der Menschheit, 36 Bde, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, wird seit 1979 aufeinanderfolgend überarbeitet.
- Weber, Hartwig, Lexikon Religion, Reinbek, 2001, ISBN 3499606291
- Markus Witte (Hrsg.): Der eine Gott und die Welt der Religionen. 1. Aufl. Theismus & Kultur-Verlag, Würzburg 2003 ISBN 3933891140
- René Girard, Das Heilige und die Gewalt, Angler TB, ISBN 3596109701
- Erwin Fahlbusch (Hrsg.): Taschenlexikon Religion und Theologie, 5 Bde, Vandenhoeck & Ruprecht, 1983, ISBN 3-525-50123-4
- Hans- Michael Haußig: Der Religionsbegriff in den Religionen, Berlin, Philo 1999
- Wulf Meth (Hrsg.): Handbuch Weltreligionen: eine umfassende Einführung in Gedanken und Riten der Weltreligionen, R. Brockhaus, 2003, ISBN 3-417-24779-9
- Geertz, Clifford (1987) Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt/M.: Suhrkamp
- Friedrich D. E. Schleiermacher (1799): Über die Religion, Reclam, Ditzingen ISBN 3150083133
- Klaus-Rüdiger Mai: Die Wiederkehr des Glaubens. Berlin, Apr. 2006, wjs-Verlag, ISBN 3-937989-18-8
Siehe auch
Weblinks
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- Informationsplattform Religion (REMID)
- Politik und Zeitgeschichte: Religion und Gesellschaft
- C6 Magazin: Dossier über Religion und Glaube
- Heilige Texte verschiedener Religionen durchsuchen
- Weitere Links zum Thema „Religion und Spiritualität“ im Open Directory Project
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