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Ren

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Bild:Disambig-grau2.png Dieser Artikel erläutert das Tierisches LebewesenRen für sonstige Bedeutungen siehe Ren (Begriffsklärung)

(TID 537469)


Ren
Bild:Rentier fws 1.jpg
Ren (Rangifer tarandus) in Nordamerika
Systematik

(TID 100226)

Ordnung

(TID 99966)

|| Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung

(TID 100071)

|| Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie

(TID 99968)

|| Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie

(TID 99979)

|| Trughirsche (Odocoileinae)
Gattung

(TID 99970)

|| Rangifer
Art

(TID 99974)

|| Ren
Wissenschaftlicher Name
Rangifer tarandus
(Linnaeus, 1758)

Das Ren oder Rentier (Rangifer tarandus) lebt in den Tundren von Nord-Eurasien, Nord-Nordamerika, Grönland und anderen arktischen Inseln. Es ist dieser Tage ein arktisches Tier, war aber seinerzeit auch in Teilen der gemäßigten Zonen verbreitet. Bemerkenswert ist es, weil es als einziger Vertreter der Hirsche in großem Stil domestiziert wurde, und weil nur bei dieser Art auch die Weibchen ein Geweih tragen. In Nordamerika werden Rentiere als caribou bezeichnet, was im Deutschen oft Karibu geschrieben wird. Das Wort entstammt der Sprache der Mi'kmaq-Indianer.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Größe schwankt sehr mit dem Verbreitungsgebiet. Die Kopfrumpflänge hinlänglich von 120 bis 220 Zentimeter, die Schulterhöhe von 90 bis 140 Zentimeter, das Gewicht von 60 bis 300 Kilogramm. Das Fell ist dicht und lang, dunkel-graubraun oder auch hell, besonders bei gezähmten Tieren; im Winterzeit dabei sehr viel heller als im Sommer. Die Peary-Karibus aus dem arktischen Kanada sehen selbst ganzjährig fast rein weiß aus. Durch die helle Farbe sind Rentiere auf die Entfernung vor Fressfeinden getarnt. Eine dichte Unterwolle schützt das Ren im harten arktischen Klima vor dem Frost.

Unter den Hirschen tragen nur beim Ren alle beide Geschlechter ein Geweih. Die Geweihe sind in hohem Maße unregelmäßig und ungleichförmig und bei keinen zwei Tieren identisch. Sie sind stangenförmig und weit verzweigt; nur die tiefste Sprosse bildet am Ende einer Pfahl eine kleine Schaufel, die man auch als „Schneeschaufel“ bezeichnet, da man früher glaubte, das Ren räume mit ihr den Schnee beiseite. Das Geweih des Männchens ist mit einer Länge von 50 bis 130 Cm deutlich größer als das des Weibchens, welches nur 20 bis 50 Cm lang wird. Das Geweih des Männchens wird im Jahreszeit abgestoßen -das den Weibchens im Frühjahr; gegebenenfalls nicht alle beide Seiten zugleich, sodass das Ren vorübergehend nur eine Geweihhälfte hat.

Die Hufe der Rentiere sind sehr stockbesoffen und durch eine Spannhaut weit spreizbar. Außerdem sind lange Nebenhufe ausgebildet. Dies ermöglicht den Tieren selbst in steinigem oder schlammigem Gelände einen sicheren Tritt.

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Verbreitung

Bild:Rentier fws 2.jpg
Nordamerikanisches Rentier

Das heutige Verbreitungsgebiet umfasst die Tundra, wobei Rener weiter nördlich leben als die meisten anderen Großsäuger. Selbst auf hocharktischen Inseln wie Spitzbergen und der Ellesmere-Insel gibt es Rentiere. Wo das Verbreitungsgebiet es zulässt, unternehmen Rener große Wanderungen, um den arktischen Wintern zu entkommen. Der bei diesen jährlichen Wanderbewegungen zurückgelegte Weg kann so weit wie 5000 Kilometer betragen; damit handelt es sich um die längste Migration eines Landsäugetiers überhaupt. Am Ende ihres Weges erreichen sie die Taiga und boreale Nadelwälder, wo sie vor dem Frost Schutz suchen.

Südlich des Polarkreises gibt es einige versprengte Populationen, die zu Beginn in Gebirgen leben, so in der norwegischen Hardangervidda. Die weiteste Verbreitung hatte das Ren in der letzten Eiszeit, als es bis nach Mitteleuropa und an die heutige mexikanische Nordgrenze vordrang. Nach dem Ende des Pleistozäns begann der allmähliche Rückzug nach Norden. Dabei überlebte das Rentier erstaunlich lange in Teilen der gemäßigten Zone. In Norddeutschland gab es noch zur römischen Antike wilde Rener, und in Polen überlebten sie wenn schon bis ins Mittelalter. Der Mensch dürfte letztlich eine Mitschuld an ihrem Abhauen aus diesen Gegenden tragen. Es ist aber anzunehmen, dass die Bestände in gemäßigten Klimazonen eh im Abnehmen begriffen waren, so dass der Mensch den Vorgang des Aussterbens alleinig beschleunigte.

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Lebensweise

Bild:Rentier fws 3.jpg
Nordamerikanische Rentierherde

Rentiere sind Herdentiere. Die Herden finden sich zu den jahreszeitlichen Wanderungen zusammen und können dann gebietsweise viele 100.000 Tiere umfassen; aus Alaska ist eine Schwarm mit 500.000 Tieren bekannt. Außerhalb der Wanderungen lösen sich diese Herden in kleinere Verbände zu zehn bis hundert Tieren auf. Diese kleineren Gruppen bestehen des Öfteren entweder nur aus Männchen oder nur aus Weibchen. Eine Hierarchie, die sich nach der Geweihgröße richtet, besteht in den Verbänden. Gelegentlich wird die Hierarchie durch ritualisierte Kämpfe entschieden.

Zur Paarungszeit versuchen Männchen, einen Frauengemach um sich zu sammeln. Sie decken lassen sich mit so vielen Weibchen wie möglich. Nach einer Tragzeit von 230 Tagen bringt das Weibchen ein einziges Junges zur Welt. Die Paarung findet im Oktober statt, die Geburt im Mai oder Juni. Das Jungtier ist zwei Paar Schuhe als die meisten Hirschkälber nicht scheckig und schon kurz nach der Geburt sehr selbstständig. So kann es schon eine Stunde nach der Geburt auf eigenen Füßen laufen. Ihr aus luftgefüllten Haaren bestehendes Fell schützt sie vor der Kälte, sofern es trocken bleibt. Bei naßkaltem Wetterlage ist die Sterblichkeit der Kälber sehr hoch, dennoch Rentierkälber ihre Wärmeerzeugung um das Fünffache an Fahrt gewinnen können und damit über außergewöhnliche thermoregulatorische Fähigkeiten verfügen. Fruchtbar werden die Tiere nach etwa zwei Jahren, und sie werden etwa 12 bis 15 Jahre alt, in Extremfällen auch gut 20 Jahre.

Rentiere sind hauptsächlich Grasfresser, die im Saison aber fast jede pflanzliche Kost zu sich nehmen, die sie finden können. Im Saison sind sie durch die Umstände oft auf Rentierflechten, Moose und Pilze beschränkt. Als natürliche Feinde können Wölfe, Vielfraße, Luchse und Eisbär betrachtet werden, außerdem verschiedene Innen- und Außenparasiten.

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Menschen und Rentiere

In Höhlenzeichnungen der Steinzeit findet man Rener häufig dargestellt. Sie gehörten wohl schon für die Neandertaler zu einer begehrten Jagdbeute. Bis zum heutigen Tag werden Rentiere in vielen Teilen der Welt gejagt, da man ihr meist sehr mageres Nahrung und ihr Fell schätzt. In den Regionen, in denen Großwild, Faserpflanzen und Baustoffe spärlich sind, haben Volk so gut wie jedes Körperteil des Rentiers genutzt: ihre Haut für Leder, ihr Geweih und ihre Bein zur Werkzeugherstellung.

Bild:Rentierschlitten in Russische Förderation um 1900.jpg
Rentierschlitten in Russische Förderation um 1900

Es ist unbekannt, welches Volk zuerst Rentiere domestizierte. Die Urbarmachung des Rens verbreitete sich um etwa 1000 v. Chr. von Sibirien bis nach Skandinavien. In Nordeuropa übten die Sámi diese Kunstgriff aus. Noch in diesen Tagen wird Rentierzucht in Lappland von den Sámi betrieben. Die Herden können frei umherwandern, die Volk folgen ihnen. Die Rentiere werden zu festgelegten Zeiten zusammengetrieben, um sie zu scheren oder ausgewählte Tiere zu schlachten. Rentiere können mühelos mitten in der Trupp geschlachtet werden, ihre Artgenossen stören sich nicht daran. Das Zusammentreiben großer Herden wird in diesen Tagen gewöhnlich mithilfe Hubschraubern und/oder Motorschlitten erledigt.

Da Rentiere Temperaturen aushalten können, bei denen jedes weitere Viech sterben würde, hat man noch im 20. Jahrhundert domestizierte Rentiere in Grönland, Alaska und Kanada eingeführt, wo die einheimischen Völker zu Beginn nur Wildrener gejagt und zu keiner Zeit selbst domestiziert hatten. Auch auf einigen subantarktischen Inseln wie Südgeorgien oder den Kerguelen hält die (hauptsächlich aus Forschern bestehende) Einwohnerschaft dieser Tage kleine Rentierherden.

Im Volksglauben wird der Fahrzeug von Santa Claus von Rentieren gezogen, er soll die Sprache dieser Tiere verstehen.

Rentiere sind nicht unbedingt scheu; im nördlichen Finnland oder Schweden laufen sie häufig auf den Landstraßen und verlassen sie auch nicht sofort, wenn ein Auto kommt. Man kann daher auf etwa ein bis zwei M an sie heranfahren, ohne dass die Tiere fliehen. Zu Fuß ist ein Abstand von weniger als fünf bis zehn Metern allerdings nur bei solchen Tieren möglich, die Volk vertraut sind.

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Unterarten

Bild:Reindeer at the roadside.jpg
Europäisches Ren im Norden Finnlands

In verschiedenen Teilen der Welt ist das Ren durch die Bejagung indessen sehr selten geworden. Dieser Tage gibt es global etwa 4 Mio. wilde und 3 Mio. domestizierte Rentiere. Drei Viertel der wilden Rentiere leben in Nordamerika, und über drei Viertel der domestizierten Rentiere sind in Sibirien beheimatet.

Man unterscheidet je nach Lehrmeinung zehn bis zwanzig Unterarten des Rentiers. Dazu gehören:

  • Europäisches Ren (R. t. tarandus) in Lappland und Nordrussland abendländisch des Ural; dieser Tage fast nur noch in seiner domestizierten Form vorhanden
  • Sibirisches Tundra-Ren (R. t. sibericus) im Norden Sibiriens
  • Sibirisches Wald-Ren (R. t. valentinae) in verschiedenen russischen Gebirgen, beispielsweise im Ural und im Altai
  • Mandschurisches Ren (R. t. phylarchus), von der Mandschurei über Sacha bis Kamtschatka und Sachalin
  • Spitzbergen-Ren (R. t. platyrhynchus), Spitzbergen, Bestand etwa 11.000 Tiere
  • Nowaja-Semlja-Ren (R. t. pearsoni), Nowaja Semlja
  • Grönland-Ren (R. t. groenlandicus), Grönland, Nordwest-Territorien und Nunavut, Kanada
  • Kanadisches Karibu (R. t. caribou), Kanada von British Columbia bis Neufundland; eine Schar gelangt bei ihren Wanderungen auch nach Idaho und Washington
  • Alaska-Karibu (R. t. granti), Alaska
  • Peary-Karibu (R. t. pearyi), kanadische arktische Inseln; von der IUCN als bedroht eingestuft; diese Abart ist wegen ihres annähernd rein weißen Fells berühmt
  • Queen-Charlotte-Karibu (R. t. dawsoni), Queen-Charlotte-Inseln vor der westkanadischen Küste; ausgestorben

Die Unterarten unterscheiden sich voneinander in Fellfärbung und Größe. Zum Beispiel ist das Kanadische Karibu dunkelbraun, das Europäische Rentier eher graubraun gefärbt. Die kleinsten Rener sind die inselbewohnenden Unterarten. So ist das Spitzbergen-Ren durchschnittlich um 15 Prozent weniger als das Europäische Ren.

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Namen und Aussprache

Die Sámi nennen ein Rentiermännchen sarves, ein kastriertes Männchen hierke und ein Weibchen vaia. Diese Begriffe wurden weltumspannend überall dort übernommen, wo dieser Tage Rener als Haustiere gezüchtet werden. Der englische Name ist „reindeer“.

Als Pluralformen von Ren sind „Rens“, „Rene“ und „Rener“ möglich. Fachsprachlich wird nur die Form „Rener“ gebraucht.

Der aus dem Nordischen stammende Begriff "Ren" (schwed. Ren, norw. rein) ist in der deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert belegt.

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Literatur

  • Tom Walker: Caribou: Wanderer of the tundra. Graphic Arts Center Publishing Company, 2000 ISBN 1558685243
  • Rangifer (Zeitschrift für Rentierbiologie und Rentierzucht, erscheint jährlich) ISSN 0333256X

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Siehe auch

Bild:Wiktionary-ico-de.png

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Wiktionary: Ren – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

(TID 222120)

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Weblinks

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da:Rensdyr el:Τάρανδος en:Reindeer eo:Boaco es:Rangifer tarandus fi:Poro fr:Renne gl:Reno hu:Rénszarvas io:Rentiro it:Rangifer tarandus ja:トナカイ lt:Šiaurinis elnias nl:Rendier nn:Reinsdyr no:Rein pl:Renifer pt:Rena ru:Северный олень

sv:Ren

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