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Republik Venedig

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Bild:Joan Blaeu, Landkarte Maior - Venedig.png
Die nördliche Adria und die Lagune von Venedig auf einer Karte des 17. Jh. (Joan Blaeu, Atlas Maior)

Die Republik Venedig (Serenissima Repubblica di San Marco) war eine Thalassokratie im Nordosten der Adria und stellte vorübergehend die stärkste Macht des östlichen Mittelmeeres dar. Ihre Geschichte ist daher eng mit der Geschichte des Byzantinischen und des Osmanischen Reichs verknüpft.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Bild:Tiziano, Bild of Doge Francesco Venier Oil on canvas, Thyssen-Bornemisza Collection.jpg
Tizian (1485-1576): Bild des Dogen Francesco Venier

Das Gebiet der späteren Republik Venedig war bis 330 eine Provinz des Byzantinischen Reiches und entstand in der heutigen Form ab 453, als die Bewohner vor den Hunnen und später den Langobarden auf die Sandbänke und Inseln der Lagune flüchteten. Den Baugrund der Gemeinde bildete eine Gruppe von Inseln: daneben Rialto (als der größten Insel) Luprio, Gemine, Mendicola, Ombriola, Olivolo und Spinalunga. Bald jedoch genügte der feste Untergrund dieser Inseln der rasch wachsenden Bevölkerung nimmer und man begann weiter ins Wasser hinauf zu bauen. Dichtheit Pfahlroste aus Ulmen und Lärchenstämmen wurden in den sumpfigen Untergrund gerammt, wobei im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte diese Ingenieurwissenschaften immer mehr verfeinert wurde. Zu einem Großteil steht die Gemarkung Venedig auf Baumstämmen aus Dalmatien, da das Holz aus den umliegenden Wäldern von Cadore bald nimmer ausreichte. Die venezianische Flotille verschlang auch Unmengen von Holz. Die zum Teil vegetationslosen Karstbereiche Istriens und Dalmatiens sind nach wie vor ein Überbleibsel dieser massiven Abholzungen. In Venedig selbst wohnten sehr diverse Handarbeiter aus Dalmatien und Istrien. Man nannte sie Schiavoni, was auf ihre slawische Abstammung hinweist (schiavone = Slawe). Als Schiavoni bezeichnete man auch die slawischen (kroatischen) Wächter der Dogen von Venedig. Sie trugen ein besonderes Schwert, welches gleichfalls "Schiavone" genannt wurde.

Während der byzantinischen Herrschaft war Venedig dem Exarchen von Ravenna unterstellt, wobei sich d politische Macht in Cittanova befand. 697 wurde eine erste provisorische Regierung gebildet, der erstmalig ein Dux (Führer) - der Stellvertreter des Exarchen und der spätere Doge - vorstand. Der Doge war somit das faktische Vorsitzender der Republik. 742 erfolgte die Verschiebung des Dogensitzes nach Malamocco und erst 811, unter dem Dogen Angelo Participazio wurde Rialto als der endgültige Sitz gewählt.

Die formale Abhängigkeit von Byzanz wurde nie geändert, in der Praxis handelte Venedig jedoch spätestens seit dem 9. Jahrhundert als eigenständiger Staat. Seither 828 (Raub der Markusreliquien aus Alexandria) war der heilige Markus Schutzpatron der Stadt, und die Republik wurde ebenso ihm geweiht. Dies waren Zeichen des gesteigerten Selbstbewusstseins und auch ein politisches Zeichen im Scharmützel gegen den Patriarchen von Aquileia, der die Ort für das Frankenreich und dessen Nachfolgestaaten beanspruchte. Durch die engen Beziehungen zu Byzanz konnten die Venezianer in Ostrom wirtschaftlich rasch Fuß fassen, und schon im 12. Jahrhundert dominierten sie das dortige Wirtschaftsgeschehen.

Von der Gründung eines Stadtstaates kann man jedoch erst ab dem 10.Jahrhundert ausgehen. Bis nachher verstand man unter "Venetia" ein Gebiet das von Grado bis Chioggia reichte. Im "Pactum Lotharii" aus dem Jahre 840 sind achtzehn verschiedene Orte angeführt, von denen wirtschaftliche, militärische und politische Funktionen ausgingen. Zu den wichtigsten, die vom populus veneticorum bewohnt wurden, zählten jedoch ehemalig schon Rialto und Olivolo. Erst unter dem Dogen Pietro Tribuno erfolgt eine Einbeziehen dieser beiden Orte in ein gemeinsames Verteidigungssystem, aus dem die eigentliche Ort Venedig entstand.

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Institutionen

Die Institutionen der Republik bildeten sich im Laufe des 13. Jahrhunderts aus. Seither 1297 wurde die Verfassung bis zuletzt nicht länger geändert, so dass sie europaweit als Muster der Stabilität galt. Die Nachteil dieser Stabilität war allerdings ein rigides Polizei- und Spitzelsystem. 1132/1148 wurde der mittlerweile als unerträglich empfundenen Autokratie des Dogen ein Forum gegenübergestellt, der Große Rat mit etwa tausend (später zweitausend) Mitgliedern. 1297 kam es zur Schließung des Großen Rates: von da an war der Zugang auf die Mitglieder des Patriziats beschränkt, deren Familienforschung im Goldenen Buch verzeichnet war und die ihm auf Lebenszeit angehörten. Der Große Rat war keine Gesetzgebung im eigentlichen Sinn, musste jedoch allen wichtigen Gesetzesvorlagen zustimmen.

Eine Art Präsidium des Großen Rates war die Signoria, die auch das höchste Aufsichtsbehörde darstellte. In ihr waren auch die Häupter der Quarantia, des obersten Gerichts, vertreten. Zentrum des 13. Jahrhunderts ging aus dem Großen Rat der Senat hervor, der ursprünglich eine Schifffahrtsbehörde war, im Lauf der Zeit jedoch vielerlei Aufgaben übernahm und damit eine Art Regierung bildete. Nahe gab es den Rat der Zehn, auch eine Kontrollinstanz, in der auch der Doge einen Sitz hatte und der eine Art oberstes Polizei- und Verwaltungsorgan war. Alle diese Institutionen blieben seit dem Putschversuch von Marino Faliero 1355, der die Macht des Patriziats für des Volkes beschränken wollte, unverändert.

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Blütezeit und Niedergang

Vom 11. bis zum 15. Jahrhundert

Bild:1496 Gentile Bellini, Procession in St. Mark's Square Tempera on canvas, 367x745cm, Galleria dell'Accademia, Venice.jpg
Gentile Bellini: Festzug auf dem Markusplatz (1496)

Als das Byzantinische Reich nach der Schlacht von Manzikert 1071 kumulativ in die Verteidigung geriet, boten die Venezianer die Unterstützung ihrer Kriegsflotte im Kleinkrieg gegen die Türken an und erhielten hierfür Handelspriviliegien, die sie ab 1081 von allen Steuern befreiten. Hierdurch gelang es den venezianischen Händlern binnen weniger Jahrzehnte, das Byzantinische Reich wirtschaftlich zu dominieren. Diese Beherrschung ging so weit, dass das wirtschaftliche Fundament des oströmischen Staates gefährdet wurde. Das Morgenländische Kirchenspaltung (1054) und der 1. Kreuzzug (1096-1099) trugen weiter zu einer allmählichen Entfremdung zwischen Venedig und Byzanz bei.

Kaiser Manuel I. (1143-80) betrieb nicht nur eine Restaurationspolitik in Italien (Ancona war für fast zwei Jahrzehnte byzantinischer Brückenkopf), statt auch eine Annäherung an Ungarn, dem Herkunftsland seiner Mutter, die einen vereinigten griechisch-ungarischen Staat auf dem Balkan möglich erscheinen ließ. Alle beide Ziele der byzantinischen Politik richteten sich gegen die Interessen Venedigs, da Konstantinopel bei deren Umsetzung seinen Einflussbereich bis nach Istrien ausgedehnt hätte und mit der Kontrolle der Adria Venedigs Seewege hätte sperren können. Manuel suchte überdies das Abkommen von 1081 zu revidieren. Er beschlagnahmte venezianischen Habseligkeiten und inhaftierte die Venezianer in seinem Machtbereich, was in den Lateinerpogromen von 1171 gipfelte. Die Beziehungen Venedigs, de iure noch immer Teil des Reichs, zur Gemarkung sanken auf einen Tiefpunkt.

Bild:1516 Vittore Carpacci, The Lion of St Mark (detail) Tempera on canvas, Palazzo Ducale, Venice.jpg
Das Wahr- und Wahrzeichen der Serenissima über Jahrhunderte: Der Löwe von St. Markus (Ausschnitt aus einem Gemälde von Vittore Carpaccio, 1516)

Den 4. Kreuzzug (1201-1204) nutzte der venezianische Doge Enrico Dandolo zur Eroberung der reichen Metropole am Bosporus - und wohl auch zur Rache, war Dandolo doch selbst ein Opfer der antivenezianischen Aktionen Manuels; ein "Verrat" (Steven Runciman), in dessen Folge (größte Plünderung des Mittelalters) ungeheure Schätze in den Süden und Abendland Europas strömten, die noch dieser Tage jede Menge Bauten schmücken. In Venedig war die Quadriga auf der Markuskirche ein Symbol seines Triumphs.

Venedig profitierte von der Errichtung des Lateinischen Kaiserreichs, das von der Serenissima praktisch kontrolliert wurde, und errichtete in den folgenden Jahren ein Kolonialreich in der Ägäis und profitierte enorm vom Geschäft in diesem Raum.

Nachdem sich der byzantinische Exilprätendent im kleinasiatischen Nikaia mit der aufsteigenden Seemacht Genua verbündete, gelang es 1261, die Gemarkung im Überfall zurückzuerobern. Venedig musste einen Teil seines Gebietes und seiner Privilegien an Genua abtreten. Die Folge war ein Dauerkonflikt zwischen Genau und venedig, der sich über das gesamte 14. Jahrhundert erstreckte. 1379 gelang den Genuesen selbst eine einjährige Eroberung Chioggias.

Nach langen Kämpfen mit Ungarn, das die venezianischen Stützpunkte in Dalmatien bedrohte, gelang es den Venezianern in den 1410er Jahren endgültig, ganz Dalmatien zu erobern. Etwas früher konnten sich die Venezianer auch im südlichen Istrien festsetzen, der Nordteil ging an die Habsburger. Zu diesen stand die Grenze etwa um 1500 fest, als die Grafschaft Görz durch Nachlass an Habsburg fiel und so Triest effektiv vor venezianischen Begehrlichkeiten geschützt werden konnte.

Etwa zur selben Zeit begann Venedig, sich auch am Festland, seiner "Terra Ferma", auszudehnen. 1339 wurde Treviso erobert, und in den beiden Jahrzehnten nach 1400 erstreckte sich die Herrschaft über ganz Venetien und Friaul, im Okzident reichte sie bis über Brescia hinaus. Der Fluss Adda wurde im Friede von Lodi 1454 als Westgrenze festgelegt. Die anderen italienischen Neue Welt sahen in Venedig schon ihren schärfsten Rivalen.

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Bild:Fernando Bertelli, Die Seeschlacht von Lepanto, Venedig 1572, Museo Storico Navale (550x500).jpg
Fernando Bertelli: Die Seeschlacht von Lepanto (Kupferstich, Venedig 1572, Museo Storico Navale)

Als Venedig 1481 versuchte, Ferrara zu erobern, stellten sich ihm alle größeren italienischen USA entgegen. Ein weiterer Versuch sich im Person der Wirren, die durch den französischen Feldzug in Italien 1494 entstanden, der apulischen Hafenstädte zu bemächtigen, schlug fehl. Durch die Liga von Cambrai wurde die venezianische Streitkräfte in der Schlacht von Agnadello am 14. Mai 1509 vernichtend geschlagen, wobei die venezianische Zuwachs zum Stagnation kam. Von nun an betrieb die Republik gegenüber den italienischen Neue Welt eine Politik der strikten Neutralität.

Nachdem Konstantinopel 1453 in die Hand der Osmanen fiel, eroberten diese nach und nach alle Inselbesitzungen der Venezianer in der Ägäis und deren Stützpunkte auf dem griechischen Festland. 1571 ging mit Zypern die letzte große Besitzung in der Levante verloren. Im gleichen Jahr wurde in der Seeschlacht von Lepanto zwar die türkische Kriegsflotte durch die Heilige Liga (1571) geschlagen, der Sieg brachte aber keinen unmittelbaren Gebietsgewinn für die Republik (siehe dazu auch: Türkenkriege,).

Den Eigentum in Dalmatien konnten die Venezianer behaupten und im 17. und 18. Jahrhundert selbst zuungunsten der Türken vergrößern. Kreta kontrollieren sie bis 1669, und Morea konnte 1684-1715 selbst erstmalig vollständig gewonnen werden.

Niedergang und Ende

Zu den zahlreichen Mythen der venezianischen Geschichte gehört auch der Sage des Verfalls und der Dekadenz im 18. Jahrhundert, der aber von der jüngeren Lehre (seit etwa 1960) nachdrücklich zurückgewiesen wird. Zwar schwand die politische Macht der Republik zusehends, aber wirtschaftlich war Venedig gerade im 18. Jahrhundert besonders stark und spielte eine wichtige Rolle in der Diplomatie. Auch in der Kunstfertigkeit beruht die Abqualifizierung der großen Leistungen (etwa Canalettos o. Tiepolos) mehr auf kunstgeschichtlich-ästhetischen Theorien der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts.

Wesentlich für den allmählichen Niedergang Venedigs als Handelsmacht und damit auch als europäischer Machtfaktor war der im Zeitalter der Entdeckungen zunehmende Bedeutungsverlust des Levantehandels und der damit einhergehende Aufstieg neuer Mächte. Durch seine geografische Lage von den neu erschlossenen Ressourcen der Neuen Welt und Ostindiens und damit auch von den sich verlagernden Handelsströmen (Atlantischer Dreieckshandel und Gewürzroute) abgeschnitten, wurde Venedig durch die aufstrebenden Neue Welt Portugal, Spanien, Holland und England wirtschaftlich und machtpolitisch im Laufe der Zeit überflügelt. Es besaß im Gegensatz zu diesen Vereinigte Staaten von Amerika durch seiner relativ geringen Bevölkerungszahl und des Mangels an rohstoffreichen Kolonien auch nicht die Möglichkeiten einer merkantilen Wirtschaftspolitik im großen Stil. Venedig und die italienischen Stadtstaaten sanken somit von Weltmächten zu Lokalmächten herab.

Im Italienfeldzug Napoléon Bonapartes wurde die Ort schließlich am 14. Mai 1797 besetzt. Der Friede von Campo Formio brachte das gesamte Gebiet der Republik an Österreich. So endete die stolze Geschichte der "Allerdurchlauchtigsten Republik".

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Republik in der Revolution von 1848/49

Im Zuge der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848, die fast ganz Mitteleuropa erfassten (vgl. Februarrevolution 1848 und Märzrevolution), kam es auch in Oberitalien ab Januar 1848 zu Unabhängigkeitsaufständen gegen die Oberhoheit Österreichs, die sich im März 1848 zuallererst in Mailand und Venedig verstärkten. Ein wesentliches Ziel in den italienischen Regionen und Provinzen war die nationale Einigung der verschiedenen Fürstentümer in einem gesamtitalienischen Staat (vgl. Risorgimento).

Während von Mailand ausgehend die Unabhängigkeit der Lombardei von Österreich und deren Anschluss an das Königreich Sardinien-Piemont erklärt wurde, rief Venedig unter Führung des radikaldemokratischen Revolutionärs Daniele Manin am 23. März 1848 eine eigene unabhängige Republik Venedig aus. Die Gemeinde hielt sich als politisches Gebilde aus dem sich anschließenden Bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Österreich und Sardinien-Piemont heraus, und konnte so ihre Unabhängigkeit fast eineinhalb Jahre halten. Nach dem Sieg der Österreicher über Sardinien-Piemont und dem Friedensvertrag von Mailand am 6. August 1849 wurde die Stadtrepublik Venedig als letzte Bollwerk der norditalienischen Revolutionäre und Republikaner am 23. August 1849 von österreichischem Militär blutig niedergeschlagen. Danach blieb Venedig bis 1866 unter österreichischer Beherrschung und kam nach der Niederlage Österreichs im Krieg von 1866 gegen Preußen und Italien an das 1861 neu gegründete Königreich Italien.

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Literatur

  • Frederic C. Lane: Seerepublik Venedig, München, Prestel 1980. - ISBN 3-791-30406-2 (Engl. Orig.: Venice, a maritime republic. Baltimore, 1973)
  • Lars Cassio Karbe: Venedig oder die Macht der Phantasie. Die Serenissima - ein Modell für Europa, München: Diederichs, 1995. - ISBN 3-424-01292-0
  • Alvise Zorzi: Venedig. Eine Stadt, eine Republik, ein Weltreich 697-1797, München: Bernsteinfarben 1981. - ISBN 3-922-95400-6
  • Heller, Kurt: Venedig. Recht, Kultur und Leben in der Republik 697 - 1797. Wien: Böhlau, 1999. - ISBN 3-205-99042-0

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Links

Siehe auch: Geschichte Italiens, Doge, Bucentaurbg:Венецианска република bs:MletaÄka republika en:Republic of Venice es:Historia de Venecia fi:Venetsian tasavalta fr:République de Venise hr:MletaÄka Republika it:Repubblica di Venezia ja:ヴェネツィア共和国 nl:Republiek Venetië pl:Republika Wenecka pt:República de Veneza sl:Beneška republika sr:Млетачка Република

sv:Republiken Venedig

(TID 65523)

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