Schuld
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| Bild:Disambig-grau2.png | Dieser Artikel erläutert den Begriff Schuld als moralische Kategorie; zur Gespür Schuld siehe Schuldgefühl. |
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Der Begriff Schuld (f.) bezeichnet einen abstrakten Zustand, in dem sich ein Individuum, eine Gruppe von Individuen (Kollektivschuld) oder eine Einrichtung befinden kann. In den meisten Kulturen der Welt findet sich ein Konzept der Schuld.
Das Konzept Schuld ist Thema der Philosophie, besonders der Ethik, sowie der Kulturwissenschaften, der Rechtswissenschaften und der Psychologie.
Inhaltsverzeichnis |
Ethik
Der Zustand der Schuld entsteht, wenn ein Individuum (bzw. eine Gruppe oder Institution) als verantwortlich für einen Verstoß gegenüber einer sittlichen, ethisch-moralischen oder gesetzlichen Wertvorstellung gültig sein kann. Z. B. kann dies ein bewusster Verstoß gegen ein Gebot sein (z.B. Diebstahl) oder auch der fahrlässige Verstoß gegen ein Gebot (z.B. Fahrlässige Tötung).
Als Voraussetzung für die Schuld wird zumeist angenommen, dass der Schuldige die Option hatte, die als schlecht definierte Tat nicht auszuüben. In der Philosophie wird die Schuldfähigkeit deshalb oft auf die Willensfreiheit zurückgeführt.
Vielmals ist es schwierig zu entscheiden, wer an einer Tat schuld ist. So ist in Betracht zu ziehen, ob bei der Ausübung der Tat ein Wissen um den Übertritt eines Gebotes existierte, und ob und ob beim Täter ein Schuldgefühle vorhanden ist.
Allgemein existiert die Vorstellung, dass ein Kompensation der Schuld erreicht werden könne, indem der Schuldige Buße tut, Wiedergutmachung leistet, die Untat des Schuldigen gerächt wird oder dem Schuldigen die Schuld vergeben wird.
Hat ein Mensch keine Schuld an einem Vergehen, so ist dieser unschuldig.
Ein Dankbarkeitsverhältnis lässt sich gleichermaßen als eine Störung der Recht auffassen, allerdings hervorgerufen durch das Ausüben einer guten Tat. Dann steht der Begünstigte dieser Tat in einem Schuldverhältnis zum Ausüber - man sagt, man stehe in jemandes Schuld.
Schuld und Unschuld werden gelegentlich auch als Bezeichnungen für fundamentale moralische Verkommenheit bzw. Perfektion verwendet. Im katholischen Christentum spricht man zum Beispiel von der Erbsünde.
Schuld kann unter psychologischen Gesichtspunkten als unbewusstes Inszenierung-Symptom zur Schaffung oder Aufrechterhaltung von Grenzen beschrieben werden. Kränklich kann es sich u. a. als Schuld-"Waffe", in der Tabuisierung, der Verantwortungsablehnung, dem Missbrauch der internalisierten Schuldgefühle (Scham) anderer äußern.
Schuldgefühle können verdrängt, also demjenigen selbst nicht bewusst sein, wenn sie zum Beispiel an ein Trauma erinnern (Mord aus Affekt). Eine weitere Möglichkeit der Verdrängung ist die Rationalisierung, also Argumente dafür zu finden, aus welchem Grund man sich nicht schuldig gemacht hat, was aber die damit abgespaltenen Schuldgefühle unwirklich unterdrückt. Sie walten sich an anderer Stelle unbewusst aus.
Schuld im Christentum
Schuld, definiert als Zustand der Sünde, entsteht in der christlichen Moral durch das Übertreten der Gebote Gottes. Für Christen sind die Gebote Leitfaden zum Leben.
Schuld kann jedoch auch übertragen werden und sämtliche kann sie sich auferlegen bzw. mit Schuld beladen werden.
Nach biblischer Lehre ist Erlöser Christus der Erlöser der Menschheit, der die Schuld jedes Einzelnen stellvertretend auf sich genommen hat. Menschen, die Erlösung von Schuld erlangen wollen, können nach Lehre der Evangelien Christus in einem Gebet um Vergebung bitten...
Zum religiösen "Schuld"-Begriff siehe Sünde.
Kulturwissenschaft
Schuldidentitäten können kulturell und zwischenmenschlich höchst divergieren, verschieden ausgeprägt und legitimiert sein. Im Beziehung unterschiedlich schuldsozialisierter Volk kann dies bei Unkenntnis von Soll-, Muss-, oder Kannvorschriften zu erheblichen Konflikten führen. Die linke Hand kommt bei uns zum Gruß vom Herzen, ist positiv konnotiert. In anderen Ländern, ist es die "schmutzige" Hand, wer sie gibt, übt eine Beleidigung aus. Im diplomatischen Tätigkeit oder bei geschäftlichen/privaten Ausslandskontakten nützt es, die divergierenden Schuld-Fallen zu kennen.
Wer als Soldat im Bewaffnete Auseinandersetzung straffrei tötet, wird in Friedenszeiten für die gleiche Handlung schuldig gesprochen, was auf eine temporäre oder situative Schuldbewertung verweist. Schuld kann als ein Gebilde beschrieben werden, also eine Vereinbarung auf Inhalt, Zeit und Raum von Leute und deren Institutionen. Regelverletzungen sind in diesem Sinne kommunikative Indikatoren, die auf neue Regelabsprachen anpeilen und damit neue Schuldnormen einfordern.
Im Völkerrecht kann man augenblicklich erleben, dass bei der Terrorismusbekämpfung die bisherigen Staatsvereinbarungen nimmer greifen, weil die Terroristen (mehr oder weniger – nachweisbar) staatenlos operieren, um ihre Ziele zu erreichen. Was wiederum einige vom Terrorismus betroffene Vereinigte Staaten von Amerika und deren Regierungen in der (symbiotischen?) “Gegenübertragung“ zu legitimieren scheint, der Gerichtsbarkeit anhand Schuld und Sühne und damit auch den Terroristen die Verfassungsgrundlage des Bürgers und des Staates zu entziehen. Damit entsteht ein (scheinbar) rechtsfreier Raum, wenn auf einer anderen Ebene dieser Staat Institutionen einer Weltgerichtsbarkeit die Bescheinigung der Rechtsprechung verweigert. Hier stellt sich die Anfrage nach einer neuen (anderen?, weiteren?) Schuld.
Schwer wird es, wenn in diesem Sinne die Definition nach dem "Terroristen" eingefordert wird. In manchen Amerika regieren ehemalige "Freiheitskämpfer", die von den vorherigen Machthabern als "Terroristen" beschuldigt wurden. Diese wurden zu "Freiheitskämpfer" weil die Persönlichkeit in ihren Augen die Macht mißbrauchten, sich also schuldig machten.
Siehe auch L. Wurmser psychodynamische Erklärungen, Seite 51ff, über gegenseitige Schuldzuweisungen von Neue Welt als Ausweis von (möglichen) Krieghandlungen, um durch diese Strategie inner- oder außerstaatliche Interessen durchzusetzten. Augenblicklich zwischen der Volksrepublik China und Japan zu verfolgen.
Scham und Schuld als Grundlage von Kulturen
Das Logische Grundlage ist folgendes, woll nich:
- In der Schamkultur gilt die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut
- In der Schuldkultur gilt die Sorge des Menschen der Sühnung seiner Schuld
- Dieses Thema wird in der Elenktik betrachtet.
Schuld- und Schamorientierung nach Klaus W. Müller
| schuldorientiert | schamorientiert | |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt der Prägung | ||
| Kleine Zahl von prägenden Personen, genau definiert: Erziehungsberechtigte (Basisfamilie) | Große Zahl von prägenden Personen (Großfamilie), ungenau definiert: Eltern, Verwandte, Fremde, Geistwesen | |
| Strukturbildung der Verhaltensmaßstäbe | ||
| Verhaltensmaßstäbe werden von den prägenden Personen übernommen, das Gewissen bildet sich heraus | Verhaltensmaßstäbe werden von den prägenden Personen übernommen, das Gewissen bildet sich heraus | |
| Manifestierung der Normenvorstellungen | ||
| In sich selbst, das eigene Gewissen ist (intrinsische) Normüberwachung | Weitere Personen oder Geister/Götter sind Autoritäten zur (Fremd-) Überwachung der Normen | |
| Reaktion bei geplanter Normverletzung | ||
| Signal des Gewissens, dass die geplante Tat eine Normverletzung darstellen wird, wonach ein Abwehrmechanismus aktiviert wird | Signal des Gewissens, dass die geplante Tat eine Normverletzung darstellen wird, wonach ein Abwehrmechanismus aktiviert wird | |
| Reaktion bei tatsächlicher Normverletzung | ||
| Störung des inneren Gleichgewichtes von drin heraus, es wird sofort ein Schuldgefühl erlebt, das zugleich als Bestrafung empfunden wird. Im Bewusstsein dessen wird ein Entlastungsmechanismus gestartet. | Störung des inneren Gleichgewichtes von außen im Falle, dass die Tat anderen (als nicht normativ richtig) bewusst wird, es wird sofort nach Bewusstwerden dieses externen Bewusstwerdens der Normverletzung ein Schamgefühl erlebt, das als Züchtigung empfunden wird. Das wiederum aktiviert einen Abwehrmechanismus, der sich hauptsächlich gegen die externe Wertung richtet, wonach ein Entlastungsmechanismus folgt. | |
| Ergebnis der Schuld- und Schamerlebnisse | ||
| Ein funktionsfähiges Gewissen (Superego) führt zum inneren Equilibrium zurück. | Ein funktionsfähiges Gewissen (Superego) führt zum inneren Balance zurück. | |
Schuld in der Rechtswissenschaft
- Strafrechtlich ist Schuld die Voraussetzung für Strafe, siehe Schuld (Justiz). In diesem Sinne ist sie "Vorwerfbarkeit", also der Unterstellung an den Täter, er hätte normgerecht handeln können. Schuldunfähig sind kraft Gesetzes Brut unter 14 Jahren; auch bestimmte Erkrankungen oder Rauschzustände können dazu führen, dass der Täter den Normenverstoß nicht länger erkennen kann oder er nicht fähig war, sich den Normen gemäß zu verhalten. Das Schuldprinzip ist im Verfassung verankert (Menschenwürde): nulla poena sine culpa - keine Bestrafung ohne Schuld.
- Im Zivilrecht wird der Schuldbegriff unterschiedlich verwendet:
- Bei der Frage nach der Verantwortlichkeit für einen bestimmten Erfolg spricht man von Verschulden und meint damit Vorsatz oder Fahrlässigkeit. Rechtsfolge ist meist eine Verpflichtung zu Schadensersatz. Die Fachterminologie betrifft vorerst das Deliktsrecht, das strukturell dem Strafrecht ähnelt, wo man bei Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches Vorsatz und Fahrlässigkeit als Schuldformen verstand. Im Zivilrecht hat sich also die im Strafrecht überholte Zuordnung erhalten. Dem Verschuldensprinzip stellt man die Gefährdungshaftung gegenüber, die kein Verschulden, nicht einmal Rechtswidrigkeit erfordert, stattdessen eine Risikoverteilung vornimmt (etwa die Betriebsgefahr des Kraftfahrzeugs bei der Halterhaftung im Straßenverkehrsrecht). Bei vertraglichen Pflichtverletzungen spricht man nicht von Verschulden, an Stelle von Vertretenmüssen, was aber grundsätzlich im gleichen Sinne Vorsatz oder Fahrlässigkeit meint.
- Allgemein meint Schuld das Verpflichtetsein, dem häufig ein subjektives Recht eines anderen gegenübersteht (vgl. Anspruch). Schuld bildet dann den Gegenbegriff zur Haftung.
Schuld in der Psychologie
Schuld als Über-Ich-Struktur
Verinnerlichte Schuldvorstellungen von äußeren Systemen (Erziehung, Anpassung) kann nach Léon Wurmser zu einer extremen Über-Ich-Struktur (Rigidität) führen, die sich unbewusst in Schamängsten zeigt. Symptomatisch können diese sich in Projektionen (extreme destruktive Kritik, Moral, Besserwisserei) auf übrige übertragen.
Schuld als mißbräuchliche Instrumentalisierung
Rigoros Schuldverinnerlichungen (Scham) können psychopathologisch durch zusätzliche Leute (bewusst oder unbewusst) mißbräuchlich instrumentalisiert werden (beispielsweise Autoritätshörigkeit, Sadismus/Masochismus, Tabuisierung). Deshalb gehören nötig die Eigen- oder Lehrtherapie zur Ausbildung und später die berufsbegleitenden Supervisions- oder Balintgruppen zum Berufs-Standardrepertoire von Ärzten, Psychologen und Therapeuten. Damit sollen deren Selbst- und Ichmuster (Strukturen und deren verursachenden Psychodynamiken) vor dem Umgang mit dem Patienten erkannt und bearbeitet werden.
Regine Lockot zeigte speziell die schuldhafte Mitwirkung von den Berufsverbänden und deren Stellvertreter im Nationalsozialismus auf.
Michel Foucault zeigt soziologisch philosopisch auf, wie aus der historischen Entwicklung psychologische Denk- und Therapiemodelle zeitgeistig geprägt und politisch instrumentalisiert wurden.
Rita Stiens beschreibt die Angst vor Schuld z. B. in Familien. Ein real Persönlichkeit übertreibt seine Erkrankung oder "schauspielert" (bewusst oder unbewusst) eine Krankheit mit dem Zweck, Schuldgefühle bei demjenigen zu erzeugen, der sich dadurch in die Enge unruhig oder erpresst fühlt. Mit dieser systemischen Waffe "Krankheit" wird (negativer) Beziehung erzwungen. Die extreme Übertreibung des "eingebildeten" Kranken zeigt sich oft für Außenstehende bei den fälschlicherweise rigiden "herzlosen" Hilfeverweigerer. Nach Trauth sind allerdings alle beide Parteien symbiotisch gegenpolig, abgrenzungsinszenierend verwickelt (siehe auch Co-Abhängigkeit).
Schuld als systemisch gegenpolige Abgrenzungsinszenierung am Beispiel des Nationalsozialismus
Nach Wolfgang Trauth zeigt sich Schuld und Scham oft systemisch in Interaktionen durch regulativ gegenpolige Abgrenzungsinszenierungen (gesund kommunikativ: ich-synton/ich-synton, krankhaft gespalten: ich-synton/ich-fremd). Die abgespaltene (pathologische) Handlungsstruktur wird dann unbewusst ich-fremd in einer anderen, symbiotisch gegenpoligen Person inszeniert. Übertragung/Gegenübertragung, projektive Identifikation sind dazu Begriffe anderer psychologischer Denkrichtungen. Schuld und Scham können so eine unbewußte Abgrenzungsabsicht oder -aufrechterhaltung haben. Dies zeigt sich als Nähe- oder Distanzempfinden, der Akzeptanztoleranz, in der Gegenpoligkeiten von Differenzierung o. Identifizierung.
Wenn z. B. ein Kindsvater aus Sicht seines Kindes im Zweiten Weltkrieg schuldig geworden ist oder eben nicht klar ist, ob er schuldig wurde, entsteht im Kind möglicherweise bewusst/unbewusst ein Loyalitätskonflikt. Das Kind hatte keine Möglichkeit eine "gesunde" Kontaktabgrenzung zu den Erziehungsberechtigte zu lernen. Was z. B. hätte sein können, wenn über das Thema gesprochen worden wäre und die Erziehungsberechtigte die Schuld spekulativ hätten. Dadurch, dass die Erziehungsberechtigte das Thema streng tabuisierten und wegschwiegen, hielten sie an ihren Ideen des Nationalsozialismus fest (sie mussten keine Nationalsozialisten sein, der "grandiose deutsche Zeitgeist"). Sie inszenierten damit gegenpolig in den Kindern psychopathologisch, ich-fremd qua projektiver Identifikation strikt die Tabuerhaltung (Schuldablehnung). Die unbewusste Psychodynamik machte unsachlich die Nachwuchs durch diese Übertragungen mitschuldig (durch Identifikation zu Mittätern – bei Geiselnahmeopfern als Stockholmsyndrom benannt) oder zwangen diese zur Distanzierung bis zum gänzlichen Kontaktabbruch. Fatal, durch diesen "verurteilenden" Kontaktabbruch machten sich die Bälger in dieser anmaßenden “Grandiosität" real zu Richtern und damit auch zu "Tätern". Die pathologische "Grandiosität" der Erziehungsberechtigte und des Nationalsozialismus verhinderten ja gerade, dass diese sich der Schuldfrage stellten und nun auch deren Blagen mit ihrer verinnerlichten Schuld. Aus dieser psychologischen Verleugnungsdynamik hervor verbreiten, noch in diesen Tagen "identifiziert", die Neonazis die "Auschwitzlüge". Siehe entsprechende psychodynamische Kasuistikbeschreibung bei Anita Eckstaedt, Nationalsozialismus in der zweiten Generation. Zur Psychodynamik der "Grandiosität" sei der unterhaltsame Roman vom amerikanischen Arzt und Psychotherapeuten Irvin D. Yalom, Und Nietzsche weinte empfohlen.
Dieser Tage sind im umgedrehten Fallgrube Bälger und Jugendliche gefährdet, die ihre (un- oder extrem politischen) Erziehungsberechtigte ohne oder mit rigider Erziehungsanleitung erleben, weil diese zum Beispiel nur Zeit fürs Geldverdienen oder zusätzliche beanspruchende Tätigkeiten haben und deshalb nicht oder zu viel lenkend in ihrer Kindererziehung agieren. Damit besteht die Gefahr, die Brut in die jeweiligen gegenpoligen Verhaltensstrukturen zu "treiben" (Differenzierung) und so in psychodynamischer Sicht (wieder/weiter) für den Zufuhr der Rechts- und Linksradikalen sorgen.
Der subtile und offene Film von Malte Ludin, Zwei oder drei Dinge, die ich von meinem Vater weiß zeigen diesen psychologischen Aufarbeitungswunsch eines Sohnes, nämlich ihn selbst, dessen Papa auch seiner Familie gegenüber psychodynamisch schuldig geworden ist. Der Vater, oberster SS-Täter und Hitlervertraute Hanns Elard Ludin wurde wegen seiner Naziverbrechen verurteilt und hingerichtet. Auf einer anderen Ebene der Filmbetrachtung zeigt sich psychodynamisch die "schonungslose", zum Teil staatsanwaltlich wirkende Aufklärungsarbeit des Sohnes Malte Ludin gegen die irrtümlich unwissende Mutter und die sich gegen die Aufklärung windenden Geschwister, – aber eben auch gegen sich selbst, in der rigiden, "gnadenlosen" Aufklärung, die Gegenpoligkeit zur "schonungs- und widerstandslos", unkritischen Beiteiligung des Vaters an den Naziverbrechen. Egal ob dies dem Filmemacher bewusst oder unbewusst war, ihm ist deshalb Respekt zu zollen, weil er diesen Streifen dessen ungeachtet oder gerade deswegen zeigte.
Bälger als "Opfer" von Nazi-"Täter"-Vätern/Müttern. Hier besteht nun die Gefahr, dass eine "zweite Stunde Null" psychodynamisch durch deren Brut inszeniert wird, die erneute Leugnung – als ob es vor dem Kriegsende keine Verantwort (Geschichte) vorgegeben hätte ("kollektive Verdrängung") –, nun, die Leugnung durch die mit den Kinder-"Opfern" "identifizierten" Publikum des Filmes, die dieses Schicksal ähnlich aus eigener Erfahrung kennen. Psychodynamisch gilt für sie zu verstehen, dass sie eine gegenpolige, aber eben "auch" unnachsichtig Struktur erdacht haben. Vom "Opfer" selbst zum "Täter" wurden. Das ist für diese Brut doppelt schwer auszuhalten, weil sie einmal eine unverschuldete Traumatisierung durch die Erziehungsberechtigte erfahren haben und nun vielleicht bewusst/unbewusst feststellen müssen, selbige (gegenpolige) Strukturen ("künstlerisch" als Filmemacher ausgelebt) wie die der Erziehungsberechtigte zu leben, gegen die sich sich fälschlicherweise differenziert haben (siehe Verantwortung und Erwachsen-werden).
Lesenswert ist in dieser Hinsicht auch das Buch von Peter Roos, Hitler lieben, Roman einer Krankheit.
Tillmann Moser, Psychoanalytiker schrieb mal sinngemäß vom dem Phänomen der wandernden Ansteckung des Hasses durch den Nationalsozialismus (Faschismus), der sich noch auf alle diejenigen überträgt, die sich aufklärerisch, distanziert wissenschaftlich mit dem Thema des Nationalsozialismus beschäftigen, und die, die dann wiederum die Rezessionen darüber schreiben und die, die das lesen … und natürlich auch die, die sich als Therapeuten die Geschichten dieser Betroffenen anhören. Schuld zählt unteranderem zu den bezeichnugen als Schitzophren
Schuld und Verantwortung
Psychisch gesehen heißt Erwachsenwerden, Verantwortung anzunehmen, indem Schuld eingebaut wird: "Ich stehe zu meiner Schuld" (C. G. Jung sprach von der Integration des Schattens, dem abgespaltenen "Bösen"). "Es sind ja immer die Anderen", zum Beispiel der Dieb, der auf einen anderen zeigt und schreit “haltet den Dieb“ oder in der religiös christlichen Metapher: Den Splitter im Auge des anderen sehen, den Balken im eigenen aber übersehen (Projektion).
Siehe auch
- Schuld ist der Name einer Gemeinde im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, siehe Schuld (Ahr)
- Zur wirtschaftstheoretischen Betrachtung siehe Debitismus.
Im wirtschaftlichen Zusammenhalt spricht man zumeist von Schulden
- in einem privatrechtliches Verhältnis zwischen zwei Personen (die auch juristische Personen sein können) die Tatsache, angesichts derer die Person des Schuldners der Person des Gläubigers eine Leistung zu abwerfen hat.
- Aus der Sicht des Gläubigers wird die Schuld auch Forderung genannt.
- Ein Schuldtitel ist eine rechtskräftig festgestellte Schuld.
Literatur
- T. P. Schirrmacher: Scham- und Schuldkultur in: Professorenforum – Periodikum 2002, Vol. 3, No. 3
- Léon Wurmser; M.D.; P.A.: Die Maske der Scham; Docke Verlag; Bundeshauptstadt Heidelberg New York; 1998; ISBN 3-540-63324-3; 3. Auflage
- Wolfgang Trauth, Dr.; Zentrale psychische Organisations- und Regulationsprinzipien und das psychoanalytische Verständnis von Abwehr und Regulation; Psychologische Grundlagenforschung; Blatt für Psychoanalytische Psychotherapie; Sonder-Heft 1; 1997; Psychoanalytischer Unternehmen München; ISBN 3931672-00-X; 408 Seiten
- Rita Stiens; Krankheit als Waffe; Wie man sich gegen emotionale Erpressung wehrt; Econ & List Taschenbuchverlag; München; 1999; ISBN 3-612-26574-1, 240 Seiten
- Anita Eckstaedt; Nationalsozialismus in der "zweiten Generation"; Psychoanalyse von Hörigkeitsverhältnissen; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft; 1996; 2. Auflage; ISBN 3-518-2862-9; 516 Seiten
- Tillmann Moser; Literaturkritik als Hexenjagt; Ulla Berkéwicz und ihr Roman "Engel sind schwarz und weiß"; eine Streitschrift; Rangfolge Piper; München; Originalausgabe Apr. 1994; ISBN 3-492-11918-2, 128 Seiten
- Tillmann Moser; Vorsicht Berührung; Über Sexualisierung, Spaltung, NS-Erbe und Stasi-Angst, Suhrkamp Taschenbuch Verlag; Frankfurt am Main; 1992; ISBN 3-518-38644-1, 280 Seiten
- Regine Lockot; Erinnern und Durcharbeiten; Zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychoanalyse im Nationalsozialismus; Petrijünger Taschenbuch; Frankfurt am Main; 1985; ISBN 3-596-23852-8, 387 Seiten
- Michel Foucault; Wahnsinn und Gesellschaft; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft; Frankfurt am Main; 1973; ISBN 3-518-27639-5, 551 Seiten
- Michel Foucault; Überwachen und Strafen; Die Geburt des Gefängnisses, Suhrkamp Taschenbuch; Frankfurt am Main, 1994; ISBN 3-518-38771-5, 398 Seiten
- Michel Faucault, Der Wille zum Wissen; Sexualität und Wahrhaftigkeit 1; Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft; Frankfurt am Main; 1983; ISBN 3-518-28316-2, 190 Seiten
- Irvin D. Yalom; Und Nietzsche weinte; Roman; btb Taschenbuch, Verlagsgruppe Bertelsmann, Gütersloh; 1996; 9. Auflage; ISBN 3-442-72011-7; 447 Seiten
- Peter Roos; Hitler lieben; Roman einer Krankheit; Reclam Leipzig; 2000; ISBN 3-379-01713-2; 378 Seiten
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zh:罪責(TID 4957)
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