Skagerrakschlacht
Aus Schlauweb
| |||||||||||||||||
| Skagerrakschlacht | |||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Konflikt | Erster Weltkrieg | ||||||||||||||||
| Zeitangabe | 31. Mai - 1. Juni 1916 | ||||||||||||||||
| Ort | vor Jütland, Nordsee | ||||||||||||||||
| Ergebnis | deutscher taktischer Sieg, britischer strategischer Sieg | ||||||||||||||||
| |||||||||||||||||
(TID 407973)
Die Seeschlacht am Skagerrak war eine militärische Auseinandersetzung der Hochseeflotte der deutschen Kaiserlichen Marine und der Grand Fleet der Royal Navy vom 31. Mai 1916 bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland.
Die Seeschlacht wird im Englischen als Battle of Jutland (deutsch: Schlacht von Jütland) bezeichnet. Es war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkriegs. Betrachtet man alleinig die Anzahl der beteiligten Schiffe, war es wahrscheinlich wenn schon die größte Seeschlacht der Weltgeschichte. Außerdem war es die größte Flottenschlacht zwischen Großkampfschiffen, die am Tag ausgefochten wurde.
Die deutsche Flotille plante einen Vorstoß gegen die Handelsschifffahrt an der Südküste Norwegens, um dabei einzelne britische Einheiten wie das Schlachtkreuzergeschwader aufzuspüren. Das Skagerrak ermöglichte dabei einen alternativen Rückzugsweg in die Ostsee. Der britische Nachrichtendienst las die deutschen Befehle mit und plante daraufhin, die deutsche Kriegsflotte zwischen der Grand Fleet und dem Schlachtkreuzergeschwader einzuschließen. Am Tageszeit des 31. Mai trafen die Schlachtkreuzergeschwader aufeinander. Der Schlacht verlagerte sich nach Süden, bis es zum Zusammentreffen mit dem deutschen Gros kam. Das britische Geschwader wendete folglich nach Norden zur britischen Hauptstreitmacht. Zwischen 19:30 und Einbruch der Düsterheit um 21:30 Uhr bekämpften sich dann alle beide Flotten mit zusammen etwa 250 Schiffen. Im Schutz der Dunkel gelang der deutschen Kriegsflotte der Rückzug zum Heimathafen. Die britische Führung nutzte die Gelegenheit nicht, die deutsche Kriegsflotte zu vernichten.
Der Ausgang der Scharmützel war unentschieden: Die Briten hatten wesentlich höhere Verluste an Menschenleben und Schiffen zu beklagen. Auf dem Front waren sie jedoch überlegen und konnten ihre strategische Vortritt verteidigen, was es ihnen ermöglichte, die Seeblockade bis zum Ende des Krieges aufrecht zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis |
Die Flotten
| Grand Fleet | Hochseeflotte | |
|---|---|---|
| Schlachtschiffe | 28 | 16 |
| Schlachtkreuzer | 9 | 5 |
| Panzerkreuzer | 8 | - |
| Ältere Linienschiffe | - | 6 |
| Kleine Kreuzer | 26 | 11 |
| Kleinere Fahrzeuge (Zerstörer, Torpedoboote o. ä.) | 79* | 61 |
| Schwere Artillerie (Kaliber) | 48 - 38,1 cm 10 - 35,6 cm 142 - 34,3 cm 144 - 30,5 cm 36 - 23,4 cm | 144 - 30,5 cm 100 - 28,0 cm |
| Breitseitengewicht | 151 t | 61 t |
| Geschütze (aller Kaliber) | 1850 | 1194 |
| verfeuerte Geschosse | 4598 Schwere keine Angabe | 3597 Schwere 9252 Leichte |
| erzielte Treffer | 100 Schwere 42 Leichte | 120 Schwere 107 Leichte |
| Trefferquote (nur SA) | 2,17 % | 3,33 % |
| Torpedorohre | 382 - 53,3 cm 75 - 45,7 cm | 362 - 50 cm 107 - 45 cm |
| *77 Zerstörer / 1 Seeflugzeugmutterschiff / 1 Minenleger | ||
Deutsche Hochseeflotte
Der deutsche Flottenchef war Vizeadmiral Reinhard Scheer, Führer der Schlachtkreuzer war Vizeadmiral Franz Ritter von Hipper. Es waren 16 Schlachtschiffe, 5 Schlachtkreuzer, 6 veraltete Vor-Dreadnoughts, 11 Kleine Kreuzer und 61 Torpedoboote beteiligt. Dabei ist jedoch anzumerken, dass die deutschen Torpedoboote annähernd die Größen der britischen Zerstörer erreichten.
Britische Grand Fleet
Der britische Flottenchef war Admiral Sir John Jellicoe, der 52 zum Großteil schwere Einheiten in seinem Verband hatte. Geschwaderchef der Schlachtkreuzer war Vizeadmiral Sir David Beatty, der 99 Einheiten befehligte. Es waren zusammenfassend 28 Schlachtschiffe, 9 Schlachtkreuzer, 8 Panzerkreuzer, 26 Kleine Kreuzer und 71 übrige britische Schiffe beteiligt.
Wichtige Faktoren
Die Grand Fleet war etwa im Verhältnis 8:5 überlegen. Vergleicht man das veraltete Breitseitengewicht, war die britische "Überlegenheit" bei 151 zu 61 Tonnen. Dies liegt u. a. daran, dass die britischen Schiffe insgesamt mit größeren Kalibern bestückt waren, die darüber hinaus eine höhere Reichweite hatten. Die am späten Nachmittag herrschende gute Sicht ermöglichte es den britischen Schiffen, diesen Vorteil auch auszuspielen und die Kampfentfernung bis auf 14 Kilometer auszudehnen. Eine wirkungsvolle Feuerleitung setzte zur damaligen Zeit voraus, dass man die eigenen Granateinschläge beobachten konnte, um so die Anpassung der eigenen Geschütze entsprechend zu korrigieren.
Damit war die deutsche Hochseeflotte benachteiligt, denn ihre Führung hatte auf die insgesamt nur mäßige Sicht - etwa 7 Kilometer - auf der Nordsee gebaut und erst einige Schiffe mit großen, weittragenden Geschützen bestückt. Diesen Nachteil kompensierte die Hochseeflotte mit durchschlagskräftigeren Granaten, besseren Entfernungsmessgeräten und einer besseren Panzerung. Folgerichtig war die deutsche Trefferquote mit 3,3 % deutlich höher als die britische mit 2,1 %. Bei den Briten kam erschwerend hinzu, dass die Granaten fehlerhaft waren und teils zu früh explodierten.
Die Absicht des deutschen Flottenchefs
Bis zum Jan. 1916 verhielt sich die deutsche Hochseeflotte, in Übereinstimmung mit ihren Operationsbefehlen, gemäß ihrer Inferiorität defensiv. Einzelne Vorstöße gegen die britische Küste durch Beschießung von Küstenstädten blieben weitgehend ergebnislos. Als Vizeadmiral Scheer im Januar 1916 den erkrankten Admiral von Pohl als Flottenchef ablöste, erreichte er beim deutschen Kaiser Wilhelm II. die Genehmigung für eine offensivere Seekriegführung.
Der Plan sah vor, einzelne britische Flottenteile durch Angriffe der Schlachtkreuzer auf die Küstenstädte zu anheizen und sie mit der zahlenmäßig überlegenen Hochseeflotte, die in einer Aufnahmestellung wartete, zu vernichten. Dies sollte von U-Booten und Minen vor den britischen Stützpunkten unterstützt werden. Nach einem so erzielten Kräfteausgleich sollte eine Seeschlacht zwischen den Hauptkräften der Grand Fleet und der Hochseeflotte herbeigeführt werden.
Der schon vorbereitete Flottenvorstoß gegen die britische Küste wurde wegen schlechten Wetters jedoch abgesagt, da keine Luftaufklärung durch Zeppeline geschehen konnte. Anstelle entschloss sich der deutsche Flottenchef zu einem Handelskriegsunternehmen vor der norwegischen Küste, um die Briten aus ihren Stützpunkten zu locken.
Britische Lagebeurteilung
Im Gegensatz zum Deutschen Reich war Großbritannien auf seine Flotille unbedingt angewiesen, um seine Seewege zu schützen und konnte deshalb bei einer Niederlage was auch immer verlieren. Außerdem war bekannt, dass es deutsche Taktik war, mit U-Booten und Minen auf den Rückzugswegen zu arbeiten. Eine Hetze fliehender deutscher Kräfte wurde deshalb ausgeschlossen.
Ablauf
Aufmarsch
Die britischen Flottenkräfte waren schon am Vorabend der Schlacht, am 30. Mai, gegen 21:30 Uhr vermöge verstärkter Aktivität auf deutscher Seite ausgelaufen. Der britische Nachrichtendienst war gut studiert und konnte so die deutschen Aktionen vorhersagen. Die deutsche Kriegsflotte lief tatsächlich manche Stunden später am Morgen des 31. Mai gegen 2:00 Uhr aus ihren Stützpunkten aus. (Alle Zeitangaben in damals geltender deutscher Kriegssommerzeit, GMT + 2 Stunden)
Die Grand Fleet war auf drei Stützpunkte verteilt:
- in Rosyth am Firth of Forth ein Schlachtgeschwader unter Evan-Thomas und das Schlachtkreuzergeschwader unter Beatty
- im Cromarty Firth zwei Schlachtgeschwader
- in Scapa Flow vier Schlachtgeschwader unter Jellicoe
Geplant war, dass Jellicoe der Hochseeflotte den Weg verlegte und Beatty den Rückweg blockieren sollte.
Um 15:20 Uhr sichtete der Kreuzer Galatea als nordöstlichstes Boot der britischen Aufklärungslinie ein von deutschen Torpedobooten gestopptes dänisches Schiff. Der leichte britische Kreuzer hielt die deutschen Torpedoboote B 109 und B 110, die zur deutschen Aufklärungsgruppe um den Kleinen Kreuzer Elbing gehörten, für Kreuzer und eröffnete das Feuer.
Auf deutscher Seite näherte sich die Elbing, nachdem ihr von den Torpedobooten der gegnerische Verband gemeldet wurde. Elbing und Galatea eröffneten sofort das Feuer aufeinander. Die Elbing konnte den Vorteil der besseren Treffsicherheit ausnutzen und trotz der extremen Entfernung schnell Tor auf der Galatea anbringen. Alle britischen Kreuzer auf der Ostseite der britischen Schlachtkreuzerformation zogen sich folglich zurück, und Beatty änderte den Kurs nach Nordost, um das deutsche Geschwader abzufangen. Damit befand sich zwischen den Großkampfschiffen beider Flotten kein weiteres Boot mehr.
Zu diesem Zeitpunkt stand das deutsche Gros noch über 50 sm weiter südlich. Der britische Schlachtplan sah vor, zwischen die Hochseeflotte und deren Heimathafen Wilhelmshaven zu gelangen. Dies gelang nicht mehr, da die britischen Geheimdienstinformationen das Auslaufen der Hochseeflotte auf einen etwa neun Stunden späteren Zeitpunkt geschätzt hatten und diese deshalb schon entsprechend weiter in die Nordsee vorgedrungen waren.
Die Grand Fleet war außerdem auf drei Stützpunkte auseinander getrieben und traf sich erst im Kampfgebiet. Die relative Position der einzelnen Flottenteile war hinsichtlich der Ungenauigkeiten der Koppelnavigation nicht genau zu bestimmen. Jellicoe war damit bis zum letzten Zeitpunkt über die Position des Schlachtkreuzergeschwaders und der Hochseeflotte im unklaren. Im gesamten Verlauf der Gefecht war immer nur ein Teil der Flotten in Sichtweite der Schiffe.
Beatty ging nach dem Untersuchen von Hippers Geschwader zunächst auf einen südöstlichen Kurs, um ihm den Weg abzuschneiden.
Das Schlachtkreuzergefecht
Um 16:25 Uhr kamen die Schlachtkreuzer in Sichtweite. Admiral Hipper befahl im Folgenden eine Kehrtwendung nach Südost, um das britische Geschwader zum deutschen Gros zu führen. Beatty, der dieses Manöver nicht voraussah, befahl eine Kursänderung nach Osten, um die deutschen Schlachtkreuzer abzufangen. Um 16:48 Uhr war die Entfernung auf 15.088 M gesunken, und die deutschen Schlachtkreuzer eröffneten das Feuer. Wegen des Sonnenstandes und durch den vom Wind verblasenen Qualm waren die Sichtbedingungen für die englischen Schiffe schlechter, so dass sie den Vorteil der größeren Reichweite nicht ausspielen konnten. Nochmal zeigte sich der Vorteil der deutschen Feuerleitung, denn zwischen den sich rasch einstellenden deutschen Treffern und den ersten britischen vergingen über zehn Minuten. Innerhalb der nächsten Stunde wurden zunächst die Indefatigable (durch von der Tann), dann die Queen Mary von mehreren deutschen Salven (der Derfflinger und Seydlitz) getroffen und explodierten. Bei ersterer schlug die Detonation eines Turmtreffers in die Munitionskammer durch, im Vorhinein diese geflutet werden konnte, Die Queen Mary wurde dagegen direkt in die Munitionskammer getroffen. Auf der Indefatigable überlebten nur zwei, auf der Queen Mary im gleichen Sinne nur einige Mitglieder der jeweilig etwa 1000 Mann starken Besatzungen. Die deutschen Schlachtkreuzer erhielten zwar ebenso schwere Treffer, aber auf ihnen konnten die Munitionsräume noch rechtzeitig geflutet werden. Die britische Lion entging auch nur knapp dem Schicksal ihrer Schwesterschiffe.
Das Geschwader von Evan-Thomas war wegen verzögerter Signalübermittlung von Beatty getrennt worden und griff erst nach der Nachdenken der Indefatigable in den Kleinkrieg ein und erzielte zahlreiche Tor auf der von der Tann. Nach dem Untergang der Queen Mary waren Evan-Thomas' neue Schlachtschiffe nah ausreichend herangekommen, um ganz in das Schlacht einzugreifen. Diese Super-Dreadnoughts der neuesten Generation, die noch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden, waren im Vergleich zu den Schlachtkreuzern massiver gepanzert, und so richteten die deutschen Granaten wesentlich weniger Schaden an. Zusätzlich lieferten sich jetzt Torpedoboote und Zerstörer einen Nahkampf zwischen den Schlachtlinien. Der britische Zerstörer Nestor versenkte ein deutsches Torpedoboot, vor er selbst aufgegeben werden musste. Sein Schwesterschiff Nomad brach nach Treffern auseinander, deutsche Torpedoboote bargen die Überlebenden beider Zerstörer. Der Schlachtkreuzer Seydlitz wurde von einem britischen Unterwassergeschoss des Zerstörers Petard getroffen, der zu Beginn schon das Torpedoboot V29 versenkt hatte. Als dann das deutsche Gros von den Briten gesichtet wurde, drehten diese ab, um die Hochseeflotte ihrerseits auf Jellicoes Gros zu ziehen. Zwischen dem Geschwader von Evan-Thomas und dem Führungsgeschwader der Hochseeflotte wurden jetzt im gleichen SinneSalven ausgetauscht, die jedoch keine größeren Schäden verursachten.
Die Verfolgung
Admiral Jellicoe brachte währenddessen sein Gros, das in sechs Kolonnen gruppiert war, in den Fahrtweg der Hochseeflotte. Die Bündelung in sechs Kolonnen ermöglichte die Zubereitung einer Schlachtlinie in beliebiger Neigung in kurzer Zeit. Während der Hatz dauerte das Fernduell zwischen Evan-Thomas und der Hochseeflotte an, aber die schwere Panzerung der Schlachtschiffe verhinderte größere Schäden.
Beatty gab eine Positionsmeldung per Funk durch, die aber um etwa 20 Seemeilen falsch war. Jellicoe war deshalb bis demnach unsicher, ob die Kiellinie nach rechts oder linke Seite gebildet werden musste.
Währenddessen drehte das dritte Schlachtkreuzergeschwader unter Konteradmiral Hood auf die deutschen Schlachtkreuzer zu. Zuerst wurde der Aufklärungskreuzer Wiesbaden außer Scharmützel gesetzt, und Hipper setzte seine Torpedoboote zur Entlastung ein. Beatty stellt um 18:30 Uhr mit den Aufklärungseinheiten von Jellicoe Sichtkontakt her und drehte wiederum auf das deutsche Geschwader zu, um dieses von Jellicoe wegzuzwingen. Da die Torpedoboote anderweitig beschäftigt waren, wendete Hipper, um direkt als Vorhut von Scheers Gros zu kämpfen.
Das Hauptgefecht
Um 19:14 Uhr lag eine definitive Positionsmeldung bei Jellicoe vor, und er bildete seine Schlachtlinie nach Backbord. Währenddessen versuchten die Panzerkreuzer Warrior und Defence die manövrierunfähige Wiesbaden endgültig zu versenken, gerieten dabei aber in das konzentrierte Feuer der Lützow und Derfflinger aus 6000 Metern. Die Defence explodierte mit ihren 903 Mann Besatzung, die Warrior wurde manövrierunfähig und sank am nächsten Tag (8:25 Uhr)(beim Abschleppen, nachdem die Schlepptrossen des Seeflugzeugmutterschiffs Engadine rissen (743 Überlebende).
Evan-Thomas reihte sich jetzt an das Ende der britischen Schlachtlinie ein. Bei diesem Manöver verklemmte sich das Ruder der Warspite, die eine Zeit lang Kreise fuhr. Jedes in Sicht befindliche deutsche Boot feuerte auf die Warspite, die schwere Tor einstecken musste. Dies rettete zahlreiche Seeleute auf der Warrior, die jetzt nimmer vorrangig beschossen wurde. Die schwere Panzerung der Warspite verhinderte jedoch die Vernichtung. Allerdings waren die Schäden so schwer, dass sie zum Heimathafen entlassen wurde.
Admiral Scheer behielt seinen Nordostkurs zunächst bei, bis zuerst Hood in Kampfreichweite der deutschen Schlachtkreuzer kam. Hoods Flaggschiff Invincible erhielt einen Turmtreffer durch die 3. Salve der Lützow, der eine Munitionskammer zur Schlag brachte und das Wasserfahrzeug in zwei Teile teilte, die anschließend noch eine halbe Stunde aus der See ragten. Mit Admiral Hood gingen über tausend Mann unter, nur sechs wurden gerettet. Im Gegenzug erhielt die Lützow ihren 20. Tor (und einen Torpedotreffer) und wurde außer Kampf gesetzt.
Jellicoes Schlachtlinie bildete nun das Crossing the T vor der deutschen Linie. Innerhalb weniger Minuten sahen die Deutschen im Norden nur noch eine große Reihe aufblitzender Geschütze. Außerdem hoben sich die britischen Schiffe kaum noch gegen den dunklen Horizont ab. Um 19:33 Uhr befahl Scheer deshalb seine erste Gefechtskehrtwendung, bei der alle Schiffe gleichzeitig um 180° wendeten.
Wegen der fortgeschrittenen Zeit sowie dank des Dunstes und des Nebelvorhangs, den die Torpedoboote zogen, gelang es ihm, sich zu lösen. Um 19:50 Uhr befahl er jedoch eine zweite Kehrtwendung, die die übel zugerichteten Schlachtkreuzer nochmals an die Spitze brachte (Scheer: "Schlachtkreuzer ran an den Feind, voll einsetzen."). Er hoffte, sich durch dieses überraschende Offensivmanöver den Rückweg freizumachen. Durch eine zwischenzeitliche Kursänderung nach Süden lag die Grand Fleet nochmals vor der deutschen Vormarschrichtung. Der zunächst eingeleitete Torpedobootangriff verpuffte jedoch wirkungslos. Dreizehn Torpedoboote schossen 31 Torpedos auf 6800 Meter, ohne einen einzigen Tor zu erzielen. Die deutsche Vorhut, die kaum noch kampfbereiten Schlachtkreuzer, geriet in einen Hagel britischer Geschosse, ohne das Feuer in gleichem Maße erwidern zu können. Im Weiteren befahl Scheer um 20:18 Uhr seine dritte Kehrtwendung. Währenddessen wurde das Spitzenschiff Derfflinger aus 6.000 Metern fatal getroffen. Da aber Jellicoe den Torpedobootangriff mit dem üblichen Gegenmanöver, nämlich Abdrehen, beantwortet hatte, brachte dies ihn außer Sicht und gab Scheer zusätzliche Zeit zum Absetzen. Beatty konnte den Beziehung halten, verfehlte es aber, seinen Oberkommandierenden entsprechend zu unterrichten. Gegen 21 Uhr wurden vereinzelt noch Salven ausgetauscht. Jellicoe, der einen Nachtkampf unter allen Umständen vermeiden wollte, drehte nach Süden ab, in der Hoffnung, das Kleinkrieg am nächsten Tag wieder aufgreifen zu können.
Nachtgefecht und Durchbruch
Eine deutsche Umkehr nach Süden hätte alle beide Flotten abermals aufeinander geführt, wurde aber erst mit Verzögerung ausgeführt, so dass alle beide Flotten den gleichen Kurs verfolgten. Für den Perforation wählte Scheer, der einen erneuten Tageskampf vermeiden musste, den einfachsten Weg und hielt direkt auf Horns Riff zu. Er passierte dabei den britischen Kreuzerschirm, den Jellicoe als Decken gegen ein deutsches Entkommen zur Jade abkommandiert hatte.
Die Nachtgefechte waren sehr verwirrend, da eine einheitliche Führung der Verbände auf beiden Seiten unmöglich war und so alle beide Flotten nur die noch bei Tageslicht gegebenen Befehle starr zu befolgen versuchten, während ihre Formationen sich bei Dunkel teilweise aufzulösen begannen und ihre Kurse sich in übereinkommen Fällen gar kreuzten.
Zunächst traf die deutsche IV. Aufklärungsgruppe auf das II. britische Kreuzergeschwader. Dabei wurde der leichte Kreuzer Frauenlob durch die Kreuzer Southampton und Dublin, die im Gegenzug auch schwer beschädigt wurden, versenkt. Der britische Panzerkreuzer Black Prince, der erneut Anschluss an die eigene Flotille suchte, hielt unbeabsichtigt die abgeblendet fahrenden deutschen Schiffe für eigene Einheiten, näherte sich zu weit an und explodierte nach Treffern des Linienschiffes Thüringen, ohne selbst noch zum Kopfschuss gekommen zu sein. Einige britische Zerstörer fuhren einen Angriff auf die deutsche Formation. Der Kreuzer Rostock erhielt einen Torpedotreffer in die Kessel- und Heizräume und machte nur noch wenig Fahrt. Er wurde um 4 Uhr 45 bei Insichtkommen britischer Kreuzer mit eigenen Torpedos versenkt. Die zuerst erwähnte Elbing musste ein Ausweichmanöver fahren und wurde durch die Posen gerammt und musste um 3 Uhr nächtlich von der Besatzung mit Sprengpatronen selbst versenkt werden. Eine Stunde später sank dann schließlich auch der kleine Kreuzer Wiesbaden - nur ein Mann überlebte.
Ihren eigenen Torpedoangriff überstanden drei der britischen Zerstörer jedoch nicht - Tipperary (Zerstörer-Flottillenführerschiff), Ardent und Fortune wurden auf 1000 M Entfernung von den Suchscheinwerfern der deutschen Schiffe (Westfalen, Nassau und Rheinland) erfasst und durch Geschützfeuer versenkt. Drei sonstige wurden schwer beschädigt. Das Linienschiff Pommern wurde von Torpedos getroffen und sank mit 844 Mann. Der beschädigte Schlachtkreuzer Lützow wurde, weit nach der deutschen Kriegsflotte zurückgeblieben und immer darunter liegend sackend, durch zwei eigene Torpedos um 2 Uhr 45 versenkt, nachdem die Besatzung von 4 Torpedobooten übernommen worden war. Das Nachtgefecht wurde zwar von britischen Schlachtschiffen beobachtet, sie meldeten dies aber nicht ans Flaggschiff weiter, da "das Scharmützel in Sichtweite des Flaggschiffes erfolgte". So gelang der deutsche Durchbruch.
Verluste
Verluste der deutschen Hochseeflotte
Von den Großen Kreuzern ging die SMS Lützow verloren. Aber auch die anderen Schlachtkreuzer, die die Hauptlast des Kampfes aus zweiter Hand hatten, waren angeschlagen, so konnte die SMS Seydlitz nur mit viel Mühe zurück nach Deutschland gebracht werden. Darüber aufwärts gingen die Kleinen Kreuzer Wiesbaden, Frauenlob, Elbing, Rostock sowie das ältere Linienschiff Pommern und fünf Torpedoboote (V4, V27, V29, V48 und S35) verloren. Es waren 2.551 Gefallene und 507 Verwundete zu beklagen. Unter den Gefallenen war auch der Autor Gorch Fock, der auf der Wiesbaden diente. Für die Aufnahme der Kampf in der Bevölkerung war jedoch wichtig, dass es unter den Großkampfschiffen keinen Totalverlust gab, denn die Besatzung der Lützow und anderer Schiffe konnte gerettet werden. Außerdem gab es keine direkten Versenkungen durch feindliche Artillerie; es waren hauptsächlich die Torpedos, die letztlich deutsche Schiffe versenkten. Deshalb war die direkte Reaktion wirklich positiv, denn man hatte einer deutlich überlegenen Flotille standgehalten.
Verluste der britischen Grand Fleet
Bei den Schlachtkreuzern musste die britische Kriegsflotte empfindliche Verluste hinnehmen; die drei Schlachtkreuzer Queen Mary, Indefatigable und Invincible gingen allesamt durch Artilleriebeschuss samt ihrer Besatzung verloren. Sie waren nur unzulänglich gepanzert, so dass die deutschen Granaten in die Munitionskammern einschlugen und damit das gesamte Boot zur Explosion brachten. Von den Panzerkreuzern gingen Defence, Warrior und Black Prince verloren, alle drei ebenso durch Artilleriebeschuss und Explosionen. Darüber auf wurden das Zerstörer-Flottillenführerschiff Tipperary und sieben Zerstörer (Ardent, Fortune, Nestor, Nomad, Shark, Sparrowhawk und Turbulent) vernichtet. Die versenkten britischen Panzerkreuzer sowie das deutsche Linienschiff Pommern waren veraltete Schiffe, deren Verlust auf das Kräfteverhältnis keinen Einfluss hatte.
Es waren 6.094 Gefallene und 674 Verwundete zu beklagen. Außerdem nahmen die Deutschen 177 schiffbrüchige Briten gefangen.
Alle Explosionen hatten zum einen einen Grund in der unzulänglichen Panzerung der Schlachtkreuzer, andererseits auch in den Vorschriften der Flotte, die die Feuergeschwindigkeit über die Treffsicherheit stellte. Um dies zu ermöglichen, wurden sehr etliche Kartuschen in den Türmen vorgehalten und die schützenden Schotts geöffnet. Außerdem staute man hochexplosive Munition an ungenügend geschützten Orten, um den Munitionsvorrat zu vergrößern. Hatten die deutschen Schiffe metallene Kartuschen, so waren es bei britischen Schiffen wesentlich empfindlichere Beutel. Das Kordit als Treibladung war zwar nicht ganz so explosionsgefährdet wie die brisanten Granatfüllungen, doch dies verleitete zu unvorsichtigem Umgang. Erst nach der Kampf wurden dann die Vorschriften und Sicherheitsschotts so geändert, dass vergleichbare Katastrophen nicht länger vorkommen sollten.
Schlussbetrachtungen
Alle beide Seiten reklamierten den Sieg für sich:
- Die Deutschen hatten den Briten die schwereren Verluste beigebracht, insbesondere bei den Schlachtkreuzern. Außerdem gelang es den Briten nicht, wie geplant den Rückzug der Hochseeflotte zu verhindern. Man warf Jellicoe später vor, die Gelegenheit zur völligen Zerstörung der gegnerischen Flotille nicht genutzt zu haben.
- Die Britische Grand Fleet war nach wie vor deutlich überlegen. Nach der Kampf waren noch 24 britische und zehn deutsche Schlachtschiffe einsatzfähig, was die anfängliche Überlegenheit der britischen Flotille gegenüber der deutschen Schlachtflotte exakt widerspiegelt. An der Gesamtsituation änderte sich damit nichts, und die britische Seeblockade konnte einbehalten werden.
- Der Rückzug bei Nacht war noch verwirrender als die Schlacht bei Tageslicht. Die Briten versuchten vergeblich, die deutschen Kräfte von den Heimatbasen abzuschneiden. Durch das Fehlen verlässlicher Kommunikationsmittel kam es in der Nacht zu zahlreichen Scharmützeln. So wurde der alte englische Panzerkreuzer HMS Black Prince von deutschen Schlachtschiffen versenkt, als er sich irrtümlich einem deutschen Verband anschließen wollte. Die Verfolgungsjagd der angeschlagenen deutschen Kriegsflotte wurde dann abgebrochen, als die Risiko zu groß wurde, dass die britischen Geschwader auf die deutsche Minensperre, die weiträumig die deutsche Küste schützte, auflaufen könnten.
Auch nach der Gefecht konnte die Hochseeflotte die englische Hegemonie auf See nicht nachhaltig gefährden, und alle beide Seiten suchten nicht weiter die Entscheidungsschlacht. So näherten sich alle beide Flotten z.B. am 19. Aug. 1916 bis auf 30 Seemeilen, ohne das es zu einem Kampf kam. Zwei britische Kreuzer wurden durch Torpedos deutscher U-Boote versenkt, was zu der deutschen Taktik eines Kräfteausgleichs gehörte. Im Oktober 1916 gab es einen deutschen Vorstoß zur Doggerbank, ohne dass eine englische Reaktion erfolgte. Ein Grund dafür war der mögliche Prestigeverlust von Großkampfschiffen, die jedes für sich so saftig waren wie eine komplette Armeedivision und in den Gedanken der Menschen, gefördert durch die Vorkriegspropaganda beider Seiten, das Übertragener Ausdruck von Staatsmacht alles einschließend waren. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg der Kaiserlichen Marine, der die Entscheidung zur See herbeiführen sollte, band große Teile der Kriegsflotte für Geleit- und Minensuchoperationen. Im April 1918 gab es einen deutschen Vorstoß bis zur Höhe Bergen-Shetlands. Eine im Oktober 1918 von deutscher Seite geplante Entscheidungsschlacht im Englischen Kanal führte zu einer Meuterei der Matrosen, die folglich Matrosenräte bildeten. Dieser Matrosenaufstand war Ausgangspunkt der Novemberrevolution.
Die Skagerrakschlacht hatte alle beide Seiten vor große Herausforderungen gestellt: Wegen der hohen Geschwindigkeiten und geringen Sichtweiten, praktisch vollständig fehlender Luftaufklärung und der oft auftretenden Abweichungen beim Bestimmen der eigenen Position war das Zusammentreffen der Flottenteile eher Glücksache. Außerdem musste sich der kommandierende Admiral ein Bild der Lage aus Nachrichten machen, die durch die genannten Widrigkeiten recht selten und ungenau sein konnten. Möglichkeiten zur Luftaufklärung durch das Flugzeugmutterschiff Engadine und die deutschen Luftschiffe wurden nicht genutzt. Zu einem Schlagabtausch, wie ihn moderne Führungs- und Sprache berechtigt hätten, konnte es demnach 1916 nicht kommen.
Die Hochseeflotte war an Großkampfschiffen unterlegen, zeigte jedoch in den ersten beiden Phasen der Schlacht, dass bei etwa gleicher Kräfteverteilung ein Sieg möglich war. Wäre es Jellicoe nicht gelungen, in die "Crossing the T"-Position zu gelangen, hätte die Hochseeflotte ihre Kräfte gegen gleichstarke Feindkräfte durchkneten können und der Ausgang wäre offen gewesen. So aber war die britische Seeherrschaft in dieser Kleinkrieg nie in Gefahr.
Die Skagerrakschlacht bleibt die letzte Flottenschlacht unter artilleristisch bewaffneten Schiffen. Spätere Gefechte zwischen Schlachtschiffen, wie im zweiten Weltkrieg, wurden nur noch nächtens ausgetragen, wie in den Schlachten um Guadalcanal (1942) und in der Schlacht in der Surigao-Straße (1944), oder es waren nur manche Schiffe damit zu tun haben (Hood und Prince of Wales gegen Bismarck & Prinz Eugen).
Exkurs: Claus Bergen, Maler der Skagerrakschlacht
Bei der Rückkehr der Deutschen Hochseeflotte von der Seeschlacht vor dem Skagerrak hielt sich der Marinemaler Claus Bergen zufällig in Wilhelmshaven auf. Er sprach als erster Marinemaler mit Besatzungsmitgliedern, empfand die Stimmung und sah „stolze“ und zusammengeschossene Schiffe. Sein hervorragender Verhältnis zu Admiral Hipper, dem Kommandeur der Aufklärungsstreitkräfte, ergab für Zurück holen die Möglichkeit, bei Übungen der Flotte mitzufahren. Claus Zurück holen setzte danach seine Eindrücke in zahlreichen Gemälden um und gilt seit als der Maler der Skagerrakschlacht.
Literatur
- Massie, Robert K.: Castles of Steel - Britain, Germany, and the Winning of the Great War at Sea, Random House, 2003, ISBN 0-345-40878-0
- Bruce, George: Seeschlachten des 20. Jahrhunderts, Flechsig Unternehmen 2004, ISBN 3-88189-506-X
- Potter, E. B., Nimitz,Ch. W., Rohwer, J.: Seemacht - Eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, Bernhard & Graefe Verlag, München 1982, ISBN 3-88199-082-8
- Schmalenbach, Paul: Die Geschichte der deutschen Schiffs-Artillerie, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1968, ISBN 3-7822-0107-8
- Ruge, Friedrich: Scapa Flow 1919, Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg und Hamburg 1969, ISBN B-0000B-TBF-9
- Macintyre, Donald, Bathe, Basil W.: Kriegsschiffe in 5000 Jahren, Betrieb Delius, Klasing & Co., Bielefeld 1974, ISBN 3-7688-0184-5
- John Costello/Terry Hughes: Skagerrak 1916. Deutschlands größte Seeschlacht, Heyne Verlag, ISBN 3-21700-863-4
- Marine-Archiv (Hrsg.): Der Krieg zur See 1914-1918. Der Krieg in der Nordsee. 5. Bd.: Von Januar bis Juni 1916. E.S. Mittler & Sohn, Berlin, 1925.
- Howarth, David (Hrsg.): Die Schlachtschiffe, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-030-2
- Bennett, Geoffrey: Die Skagerrakschlacht, Wilhelm Heyne Verlag, ISBN 3-45300-618-6
Weblinks
| (TID 646251) | Commons: Skagerrakschlacht – Bilder, Videos und/oder Audiodateien |
(TID 269231)
- http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/skagerrak/
- http://www.deutsche-schutzgebiete.de/seeschlacht_skagerrak.htm
- http://www.kaiserliche-marine.de/
- Die Wracks (englisch)
- http://www.navweaps.com/index_oob/OOB_WWI/OOB_WWI_Jutland.htm
| Bild:Sound-icon.png | Dieser Artikel existiert als Audiodatei: Artikel laden oder anhören (TID 518005) . Eine größere AnzahlInformationen zum WikiProjekt Gesprochene Wikipedia. |
(TID 233286)
U-Boot-Krieg - Seegefecht bei Helgoland - Seegefecht bei Coronel - Seegefecht bei den Falklandinseln - Gefecht auf der Doggerbank - Skagerrakschlacht - Zweites Seegefecht bei Helgoland - Marineoperationen während des Dardanellenfeldzuges
(TID 389950)
| (TID 646251) | Dieser Artikel wurde in die Liste exzellenter Artikel aufgenommen. |
(TID 107786)
ca:Batalla naval de Jutlàndia
da:Søslaget ved Jylland
el:Ναυμαχία της Γιουτλάνδης
en:Battle of Jutland
fi:Skagerrakin meritaistelu
fr:Bataille du Jutland
he:קרב יוטלנד
ja:ユトランド沖海戦
ms:Pertempuran Jutland
nl:Zeeslag bij Jutland
no:Slaget ved Jylland
pl:Bitwa jutlandzka
pt:Batalha da Jutlândia
sv:Slaget vid Jylland
(TID 80523)
4685/182