Stratifikation (Soziologie)
Aus Schlauweb
Soziale Stratifikation oder Schichtung ist ein Konzept der Soziologie. Basierend auf der Idee, dass Gesellschaften grundsätzlich Hierarchien bilden, werden diese nach bestimmten Kriterien in vertikale Anhäufen eingeteilt.
Verschiedene Ansätze, wie diese soziostrukturellen Hierarchien ausgestaltet sind, haben sich im Laufe der Soziologiegeschichte gebildet. Die Lehre wissensdurstig sich dabei speziell für die Erklärung der (Macht-)Beziehungen zwischen den Anhäufen und ihren Angehörigen, für die Soziale Mobilität, d.h. den Wechsel der Individuen zwischen verschiedenen Anhäufen (sozialer Auf- und Abstieg), für die Entstehung und Reproduktion dieser hierarchischen Strukturen, aber auch für ihre Veränderung (→ Sozialer Wandel). Auch oft untersucht werden die Auswirkungen sozialer Schichtung auf die Akteure (→ Soziale Ungleichheit).
Benutzt werden die Hierarchien nicht nur, um Gesellschaften zu typologisieren und zu kategorisieren, statt auch als Werkzeug, um komplexe Gesellschaften per einiger weniger Kriterien vereinfacht darzustellen und sie so untersuchen und erklären zu können.
Inhaltsverzeichnis |
Soziale Schichtung im Bewusstsein
Laut dem französischen Soziologen Georges Balandier gibt es keine Gesellschaft ohne Macht und keine Macht ohne Hierarchie. Diese Vorstellung existiert nicht nur in der Soziologie, anstelle hat sich tief in den sozialen Repräsentationen westlicher Gesellschaften verankert. Die Strukturierung der Gesellschaft in Anhäufen findet sich schon in der Veda, der Bibel und dem Koran, auch in vielen Mythen von Naturvölkern; Mythen die die gesellschaftliche Schichtung gleichzeitig erklären sowohl .... als auch legitimieren. Weitere religiöse/spirituelle Texte versprechen eine Umkehrung der auf der Erde existierenden Verhältnisse (z.B. Lukas 6, 20).
Max Weber, der Begründer der Religionssoziologie, hat in seiner Analyse feudaler Gesellschaften auf den Zusammenhang zwischen Religion und Klasse hingewiesen. Bei Weber reflektiert die Theismus auf der einen Seite die existierenden gesellschaftlichen Hierarchien, andererseits drückt das Individuum durch seine religiöse Praxis auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht aus.
Objektive vs. subjektive Schichtung
Diverse der klassischen Schichtungsmodelle (Klassen, Stände usw.) vererben den Eindruck, die Stratifikation wäre in einer Gesellschaft objektiv vorhanden. Schon Karl Marx wies jedoch mit seinem konzeptuellen Begriff Klassenbewusstsein und der Trennung von Klasse an sich und Klasse für sich auf den subjektiven Aspekt sozialer Schichtung hin.
Unabhängig davon, ob Hierarchien objektiv vorliegen oder nicht, haben Individuen immer das Bedürfnis, ihre soziale Umwelt zu ordnen und zu ordnen (→ Kategorisierung). Ein Sparte der soziologischen Lehre befasst sich deswegen mit den sozialen Repräsentationen gesellschaftlicher Schichten. Mythen und religiöse Texte stellen einen Fokus der Analyse dar. So hat Stanislas Ossowski darauf hingewiesen, dass Mythen in den meisten Fällen eine vereinfachte Darstellung unserer Sicht des sozialen Raumes sind und diese erstaunlich häufig einfache Dichotomien aufweisen.
Auf die Schwierigkeiten, die objektive soziale Schichtung einer Gesellschaft zu untersuchen, hat u.a. der US-amerikanische Gesellschaftswissenschaftler W. Lloyd Warner hingewiesen. Warners Ziel war es, eine Typologie des gesellschaftlichen Raumes in US-amerikanischen Städten zu erstellen. Er legte jedoch anstelle eine Typologie der subjektiven Vorstellungen der Ami über ihren sozialen Raum vor. Warner schloss daraus, das Klasse/Schicht nur dann vorhanden sein kann, wenn sich die Individuen ihr zugehörig fühlen und sich mit anderen Mitgliedern derselben Klasse/Schicht identifizieren. Diese Identifikation beruht auf der Vorstellung, die das Individuum von der bestehenden Gesellschaftssystem hat. Dort ordnet der Schauspieler sich und übrige ein und weist Positionen zu.
Pierre Bourdieu verband das Konzept objektiver sozialer Einordnung mit dem der subjektiven Klassifizierung. Er untersuchte mithilfe einer umfangreichen empirischen Studie mit neu entwickeltem theoretischem Werkzeug, wie diese Einteilung vorzunehmen ist. Er stellte dabei fest, dass die Machtverhältnisse zwischen Individuen und Klassen bzw. Anhäufen ständigem Wandel unterworfen sind und jedes Mal neu ajustiert werden müssen. Dieser Vorgang ermöglicht es, dass die "hierarchisierte soziale Ordnung innerhalb einer sozialen Formation eine objektive Existenz" bekommt. Diese wird wiederum von den Individuuen verinnerlicht und die "soziale Ordnung brennt sich mit der Zeit in die Hirne ein. So werden soziale Unterschiede zur Grundlage der sozialen Unterscheidung, die die Wahrnehmung der sozialen Welt organisiert" (Bourdieu, 1979, S. 549).
Schichtung als Analysewerkzeug
Schichtung als Kategorisierungswerkzeug
- Klassengesellschaft
- Ständegesellschaft
- Kastengesellschaft
Quellen und weiterführende Literatur
- Georges Balandier: Stratifications sociales. In: Georges Balandier und Roger Bastide (Hrsg.): Perspectives de la sociologie contemporaine. PUF, Paris 1968, S. 3–20
- Reinhard Bendix und Seymour Martin Lipset: Class, Status and Power, a Reader in Social Stratification. The Free Press, New York 1966
- Katharina Bleuer: Les inégalités sociales – Définitions, articulations et conséquences. Université de Neuchâtel 1995
- Pierre Bourdieu: La Distinction. Editions de Minuit, Paris 1979
- Roger Cornu und Janina Lagneau (Hrsg.): Hiérarchie et classes sociales. Armand Colin, Paris 1969
- W. Lloyd Warner: The study of social stratification. In Review of Sociology. New York 1957, S. 221–258.
- Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. 1921
Siehe auch
- Sozialstruktur
- Arbeiter, Arbeiterklasse, Arbeiterkindercs:Sociálnà stratifikace
en:Social stratification fr:Stratification sociale lt:SocialinÄ— stratifikacija nl:Sociale stratificatie
pl:Stratyfikacja (socjologia)(TID 606750)
791/38