Wirtschaft
Aus Schlauweb
| Bild:Disambig-grau2.png | Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für zusätzliche Bedeutungen siehe Wirtschaft (Begriffsklärung). |
(TID 537110)
Der Begriff Wirtschaft (Wortbedeutung: "Wert schaffen") umschreibt alle Einrichtungen und Handlungen von Volk mit dem Ziel, die in der Umwelt vorhandenen Ressourcen und die vom Leute geschaffenen Ressourcen zur Befriedigung ihrer materiellen und immateriellen Bedürfnisse zu nutzen und zu fördern.
Wirtschaft ist das deutsche Wort für oikonomia (griech.), das im antiken Hellas und Rom die Verwaltung des Haushaltes bezeichnete. Wirtschaft wurde klassisch als übergreifende Bezeichnung für die Verbindung von Boden, Rohstoffen, Handel, Arbeit und Kapital verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichtliche Entwicklung
Als eigenständiges Wissensgebiet existiert die Wirtschaft erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als Adam Smith seine „Untersuchung zur Natur und dem Grund des Reichtums der Nationen“ (1776) veröffentlichte.
Grundlegende Wirtschaftstheorien entstanden im Impression der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, so von Karl Marx und Friedrich Engels; Urheber wie Emile Zola und Mark Twain schilderten Wirkungen des Kapitalismus. Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben Max Weber, Rudolf Steiner und Werner Sombart kritisch Folgen der Industrialisierung. Die Begriffe Entfremdung und Ausbeutung der Arbeit gehören seither zum Grundvorwurf gegen jede wirtschaftliche Entfaltung.
Daneben dem gerade von Milton Friedman vertretenen Wirtschaftsliberalismus stillstehen im Mittelpunkt der heutigen Wirtschaftsdiskussion Globalisierung, Ökologie und Massenarbeitslosigkeit sowie die Diskussion um das Grundeinkommen.
Das heutige Stadium der Wirtschaft in den westlichen Industrieländern, das durch eine geschichtlich singulär hohe Zufuhr mit Gütern charakterisiert ist, wird als „postindustriell“, „postmaterialistisch“ und „postmodern“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit Erscheinungen wie der sogenannten New Economy und der sogenannten Freeware (Waren und Software, die umsonst abgegeben werden) fanden u.a. in den Arbeiten von Norbert Bolz, Ulrich Beck und Peter Sloterdijk verschiedene umstrittene Interpretationen der heutigen Wirtschaft statt.
Wirtschaftsbereiche
Eine typologisierende Geschichte der Wirtschaft beginnt mit der Auswertung der in der Natur vorhandenen Güter, zum Beispiel der Nahrung und der Rohstoffe. Diese Bereiche der Wirtschaft - Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bergbau - bilden bis auf den heutigen Tag einen fundamentalen Element der Gesamtwirtschaft.
Darauf aufbauend wird eine Wirtschaft entwickelt, die schon vorhandene Güter in weitere Güter umwandelt. Dieser Bereich wird als "gewerbliche Wirtschaft" bezeichnet und umfasst Handwerk und Industrie.
Der Bereich der Dienstleistungwirtschaft umfasst ein weites Spektrum an immateriellen Gütern für Branche und Konsumenten. Zu diesem Punkt zählen auch die Wirtschaftsbereiche des Handels und die Verkehrswirtschaft. In der modernen Wirtschaft wird noch dazu häufig die Informationswirtschaft als neuer, eigenständiger Bereich aufgeführt, der die Zufuhr von Organisationen und Leute mit den richtigen Daten zur gewünschten Zeit sicherstellen soll. In jüngster Zeit ist bei der Bereich der Kultur- oder Kreativwirtschaft Gegenstand wirtschaftswissenschaftlicher Wissenschaft und wirtschaftspolitischer Initiativen.
Wirtschaftsformen
Die Subsistenzwirtschaft ist die geschichtlich ursprüngliche Wirtschaftsform, in der ganz Mensch oder Gruppen von Leute wie Familie, Sippe oder auchDorfgemeinschaft jedes Mal die Aufgaben übernehmen, die zur Befriedigung der Bedürfnisse und zur Selbstversorgung notwendig sind. Es ist eine Form des Austausches von Mitarbeiter innerhalb der sozialen Gruppe entsprechend den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen ohne draußen festgelegte Normen für Waren, Dienstleistungen und Regeln des Austausches. Ontogenetisch steht die Subsistenzwirtschaft bis zum heutigen Tag am Beginn des menschlichen Lebens im Geben und Entgegennehmen von Eltern und Kind und innerhalb der Familien und Lebensgemeinschaften.
Die Produktionsüberschüsse der Subsistenzwirtschaft wurden dem Tauschhandel zugeführt, z.B. auf einem Markt. Auf der Basis größerer sozialer Gemeinschaften können einzelne Leute durch Spezialisierung und Arbeitsteilung sich auf die Erstellung oder Veränderung bestimmter Güter konzentrieren und damit ihre Produktivität steigern. Die Befriedigung der Bedürfnisse verlagert sich dabei von der Selbständigkeit auf den gegenseitigen Austausch dieser Güter durch Handel. Das Prinzip dieser Tauschwirtschaft ist die Grundlage für praktisch alle Wirtschaftsformen, die über Subsistenzwirtschaft hinausgehen.
Die meisten modernen Wirtschaftsformen bewilligen sich grundsätzlich weiter in die Bereiche Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft aufteilen. Die ursprüngliche Naturalwirtschaft ermöglicht den Austausch von Gütern nur zwischen Personen, die gegenseitig über Güter zur Befriedigung der Bedürfnisse des jedes Mal anderen verfügen. Die Geldwirtschaft führt das neutrale Tauschmittel Geld ein, das die Retrieval nach einem geeigneten Tauschpartner erleichtert.
Die Realität zeigt in diesen Tagen in den meisten großen Wirtschaftsnationen einen überwiegenden Anteil an Geldwirtschaft. Dabei ist jedoch in den meisten Fällen auch ein häufig nicht unbedeutender Teil an Naturalwirtschaft zu beobachten, der auf dem Austausch von gegenseitigen Leistungen basiert. Speziell in Vereinen, sozialen Organisationen, aber auch im Bereich der Schwarzarbeit erlauben sich noch dieser Tage häufig Tauschgeschäfte ohne Verwendung von Geld feststellen.
Der Bereich der Geldwirtschaft kann auch grob weiter unterteilt werden in Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Dabei überlässt die Bürgerliche Gesellschaft den Beteiligten das eigenverantwortliche Handeln. Am freien Markt soll ein optimaler Kompensation zwischen Bedürfnissen und Gütern erreicht werden.
In der Bolschewismus im Kontrast dazu soll mit Hilfe einer zentralen Planung die gerechte Verteilung der produzierten Güter entsprechend den ermittelten Bedürfnissen der Volk erfolgen. Der private Hab und Gut von Produktionsmitteln ist dabei nicht zulässig.
In der Realität ermöglichen sich in den meisten Wirtschaftssystemen Elemente beider Ansätze finden. So sind auch in den westlichen Dienstleistungsnationen immer einzelne Wirtschaftsbereiche planwirtschaftlich abgedeckt worden, z. B. das Postwesen. Auch Gültigkeit besitzen in diesen Tagen in praktisch allen modernen Wirtschaften die Güter "Sicherheit" und wenigstens in großen Teilen "öffentlicher Verkehr" als Aufgabe des Staates und werden zentral verwaltet. Um trotz des planwirtschaftlichen Ansatzes die Vorteile der Kapitalismus zur Verbesserung des Mitteleinsatzes zu nutzen, wird verstärkt zur Form des regulierten Marktes gegriffen, in dem die maßgeblichen Kreise weitgehende wirtschaftliche Ungezwungenheit genießen, aber gewissen staatlichen Kontrollen, z.B. der Erbringung von Mindestleistungen zu festgelegten Preisen, unterworfen sind.
In Westeuropa ist vielmals von sozialer Marktwirtschaft die Rede. Dieser Begriff wurde weitgehend von Ludwig Erhard, dem ersten deutschen Bundeswirtschaftsminister nach dem Zweiten Weltkrieg und späteren Bundeskanzler, in den 1950er Jahren geprägt.
Wirtschaftswissenschaften
Zur Untersuchung wirtschaftlichen Handelns, der Gesetze der wirtschaftlichen Entwicklung und zur wissenschaftlichen Unterstützung staatlichen und betrieblichen Entscheidens haben sich die Wirtschaftswissenschaften (Ökonomik) entwickelt. Sie werden üblicherweise in zwei Bereiche aufgeteilt: die Volkswirtschaftslehre und die Betriebswirtschaftslehre.
Die VWL untersucht gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in der Mikroökonomie als Resultat rationaler Entscheidungen individueller Akteure (Haushalte, Unternehmen) und in der Makroökonomie als Ergebnis des systematischen Zusammenspiels gesamtwirtschaftlicher Aggregate (gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Investitionen, Preisniveau etc.).
Die BWL befasst sich mit dem Verhalten einer wirtschaftlichen Einheit, dem Unternehmen, angebracht ihrer begrenzten Möglichkeiten und Mittel.
Als Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft wird meistens der Schotte Adam Smith angesehen, der 1776 sein Bd. An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations veröffentlichte. Dort kritisierte Smith den bis nachher in der Regel vorherrschenden Merkantilismus. Sein weit verbreitetes Werk fand in Großbritannien und den USA große Anerkennung und vermittelte erstmalig die Idee einer neuen Wissenschaftsrichtung zur Untersuchung des wirtschaftlichen Handelns. Smith brachte besonders schon existierende Ideen der Gewaltenteilung von Montesquieu und die Ideen des Historikers David Hume über menschliche Motive und Handlungsweisen zusammen.
Die moderne VWL beruht auf der einen Seite auf den Untersuchungen und Veröffentlichungen von John Maynard Keynes, der in seinem umstrittenen Werk The Economic Consequences of the Peace die Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg als Ruin für die Ökonomie Deutschlands kritisierte. Zuvor seine Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes dominierte über diverse Jahrzehnte die makroökonomische Diskussion. Benachbart dieser nachfrageorientierten (keynesianischen) VWL hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kumulativ eine angebotsorientierte Orientierung (Monetarismus) Verbreitung und Anerkennung gefunden, die auf den Ökonomen Milton Friedman zurückgeht. Im wirtschaftspolitischen Bereich wurden diese angebotsorientierten Sichtweisen am deutlichsten in England von der Premierministerin Margaret Thatcher (Thatcherismus) und in den USA von dem Präsidenten Ronald Reagan (Reaganomics) umgesetzt.
In den Ökonomik wird in diesen Tagen meist davon ausgegangen, dass die Bedürfnisse des Volk spekulativ unbegrenzt sind. Da die Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse jedoch begrenzt sind, können zwangsläufig nicht alle Bedürfnisse zufrieden werden. Die Güter zur Befriedigung der Bedürfnisse sind also knapp (Prinzip der Güterknappheit), die Wirtschaft umschreibt in dieser Sicht die Aufgabe, die vorhandenen Güter ideal zu nutzen.
Wirtschaftsethik
Die Wirtschaft hat eine Verantwortung als eine der gestaltenden Kräfte in der Gesellschaft. Mit dieser Dimension der Gestaltung ist die Wirtschaftsethik befasst. Mehrere Unternehmensberater weisen auf die Gefahren hin, in die sich Unternehmen begeben, wenn sie offensichtlich von sich selbst eingenommen handeln und dadurch ihr Reputation bei potenziellen Kunden und Geschäftspartnern schädigen.
Die christliche Soziallehre
Unter kritischer Abkehr von libertären Wirtschaftstheorien entwickelten die Kirchen ein alternatives, weniger "marktfundamentalistisches" Wirtschaftskonzept, welches, aufbauend auf die christlichen Grundüberzeugungen, das Leben der Leute solidarischer und nachhaltiger gestalten helfen soll. Dieses Leitbild verbindet die ökologische Fragestellung mit der sozialen und ökonomischen Fragestellung und dem Thema des Überlebens der Menschheit.
"Dauerhafte Entwicklung" bzw. "Nachhaltigkeit" vernetzt folgende Gesichtspunkte:
- Gerechtigkeit und Frieden: ein weltweites Entwicklungskonzept für alle Menschen - besonders in den wirtschaftlich schwachen und armen Ländern - in ihrem staaten- und länderübergreifenden Zusammenleben
- Ökologie: die Rückkopplung der weltweiten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsprozesse an die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen
- Gegenwart: die Sicherung der Grundversorgung für alle heute lebenden Menschen und die Teilhabe aller Menschen an den Gütern der Erde
- Zukunft und Vorsorge: die Sicherung der Existenzvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben künftiger Generationen, also der vorsorgliche Umgang mit Natur und Umwelt zugunsten der Lebensmöglichkeiten der Menschen in der Zukunft.
Siehe auch
| (TID 646251) | Wikinews: Wirtschaft – aktuelle Nachrichten |
(TID 342006)
Literatur
- Norbert Bolz, Das konsumistische Manifest, 2002, ISBN 3770537440
- Milton Friedman, Capitalism and Freedom (1962), (deutsch: Kapitalismus und Unabhängigkeit ISBN 3821839600)
- John Kenneth Galbraith, The Affluent Society (1958), deutsch: Gesellschaft im Überfluß, 1959, ISBN B0000BIBY8
- Napoleon Hill, Think and Grow Rich, (1928),deutsch: Denke nach und werde reich, 2002, ISBN 372051935X
- John Maynard Keynes, The General Theory of Employment, Interest and Money, 1936
- Nicholas Gregory Mankiw, Grundzüge der VWL (3. Auflage), Schäffer-Poeschel Unternehmen Stuttgart 2004, ISBN 379102163X
- Karl Marx, Das Kapital, Paderborn 2004, ISBN: 3937229345
- Richard Sennett, Der flexible Mensch, 2000, ISBN 344275576X
- Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals, 2005, ISBN 3518416766
- Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (1776), deutsch: Der Wohlstand der Nationen, 1999, ISBN 342330149X
- Werner Sombart, Liebe, Pracht und Kapitalismus (1902),1967,ISBN B0000BTCP6
- Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 2005,ISBN: 3899964284
Weblinks
- Telepolis special: Ökonomie
- [1] - Wirtschaftswiki des Handelsblatt
- ZUM-Wiki Wirtschaft für Pauker (Wirtschaft als Unterrichtsfach)
| (TID 646251) | Wiktionary: Wirtschaft – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
(TID 222120)
| (TID 646251) | Wikiquote: Wirtschaft – Zitate |
(TID 223246)
af:Ekonomie
an:Economía
ast:Economía
bg:Икономика
bn:অর্থনীতি
bs:Ekonomija
ca:Economia
cs:Ekonomie
cy:Economeg
da:Økonomi
el:Οικονομικά
en:Economics
eo:Ekonomiko
es:Economía
et:Majandusteadus
fa:اقتصاد
fi:Kansantalous
fr:Économie
fy:Ekonomy
gl:Economía
he:כלכלה
hr:Ekonomija
hu:Közgazdaságtan
ia:Economia
id:Ekonomi
it:Economia
ja:経済学
ko:경제학
li:Ikkenomie
lb:Economie
lt:Ekonomika
lv:Ekonomika
mg:Toe-Karena
nds:Wertschap
nl:Economie
no:Økonomi
oc:Economia
pl:Ekonomia
pt:Economia
ro:Economie
ru:Экономика
scn:Econumia
simple:Economics
sl:Ekonomija
sr:Економија
sv:Ekonomi
th:เศรษฐศาสตร์
tl:Ekonomiya
tr:Äktisat
uk:Економіка
(TID 5573)
1813/109