Zeitung
Aus Schlauweb
Das Wort Zeitung war ursprünglich der Begriff für die beliebige Nachricht, veränderte sich jedoch während des 17. und 18. Jahrhunderts in seiner Bedeutung und wurde zu einem Nachrichtenblatt.
Inhaltsverzeichnis |
Definitionen
Definitionskriterium der Blatt ist weniger ihr Erscheinungsrhythmus als ihr physisches Erscheinungsbild: Zeitungen pflegen auf speziellem minderwertigem Zeitungspapier in ineinandergelegter zwanglos bleibenden Bögen zu erscheinen – ein Kriterium, das mit neueren Projekten wie der Netzeitung sich im Augenblick relativiert.
Die Inhalte werden mit journalistischen Stilmitteln präsentiert und sind in der Regel unbegrenzt, meldungsaktuell und allgemein gesellschaftlich, jedoch nicht fachlich oder professionell bestimmt.
Eine Periodikum ist im Gegensatz zur Zeitschrift ein dem Tagesgeschehen verpflichtetes Presseorgan und gliedert sich meist in zahlreiche inhaltliche Teile wie Politik, Lokales, Wirtschaft, Sport, Feuilleton und Immobilien. Die einzelnen Segmente einer Zeitschrift heißen Bücher.
Zeitungen bestehen inhaltlich aus dem so genannten redaktionellen Teil, der durch die Redaktion oder einzelne Autoren verantwortet wird, und dem Anzeigenteil. Anzeigen werden in ihrem Inhalt von demjenigen verantwortet, der die Anzeige „schaltet“, d.h. bei der Anzeigenredaktion aufliefert und für ihr Erscheinen bezahlt. Der Firma kann bestimmte Anzeigen dagegen auch ablehnen. Die Anzeigenpreise richten sich erstmal nach der Auflagenhöhe der jeweiligen Zeitung.
Geschichte der Zeitung
Ursprünge
Mit dem Druckmarkt waren im späten 15. Jahrhundert Einblattdrucke aufgekommen - mit Holzschnitten illustrierte, einseitig bedruckte Kettenfäden (mehr dazu im Aufsatz Flugblatt). „Newe Heft von …“ – Neue Nachricht über … – verkündete regulär die Titelzeile, was im Geschäft mit Zeitungen den Impression davon, wofür das Wort stand, auf Spanne verschob: Zeitung, so die Wahrnehmung der Zeitungsleser des 17. und 18. Jahrhunderts, war das mit Nachrichten bedruckte Blatt, das seit dem 17. Jahrhundert in den meisten größeren Städten Westeuropas drei Mal wöchentlich Nachrichten aus aller Welt kolportierte.
Nahe den Flugblättern sind ab dem 15. Jahrhundert sog. Flugschriften nachweisbar, die sich schon stärker um Objektivität und fundierte Nachrichten bemühten (siehe auch zu diesem Punkt mehr im Kapitel "Flugblatt").
Erste Zeitungen
Der Begriff Heft tauchte als „zidunge“ mit der Bedeutung „Kunde“ oder „Nachricht“ im Raum Köln schon am Anfang des 14. Jahrhunderts auf. Die Pressegeschichte im Folgenden Sinne hinlänglich zurück so weit wie den Kaufmannsbriefen, die seither 1380 feststellbar erschienen. Die erste gedruckte Ausgabe namens Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien (häufig in der Lehre auch nur als „Relation“ bezeichnet) erscheint vermutlich Mittelpunkt des Jahres 1605 in Straßburg im Elsass. Gegründet wurde sie von Johann Carolus und erschien wahrscheinlich wöchentlich.
Ein indirekter Hinweis dafür ist die auf den Oktober 1605 datierte Eingabe des Herausgebers an den Straßburger Stadtrat, in der er um Schutz vor skrupellosen Kopisten ersucht. Er schreibt, nachdem er jetzt das zwöhlffte Mahl Woche für Woche ein gedrucktes Blatt herausgebracht habe, benötige er Unterstützung bei der Verteidigung der Raubdrucker. Rückgerechnet muß die erste Ausgabe also im Juli 1605 erschienen sein. Die älteste erhaltene Ausgabe dieser Blatt stammt jedoch aus dem Jahre 1609.
Als zweite regelmäßig und in Teutonisch erschienene Wochenzeitung gilt der „Aviso, Relation oder Zeitung“, dessen erste Nummer am 15. Januar 1609 in Wolfenbüttel erschien.
Im Anno 1650 erscheint in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Auflageziffern pro Woche. Die älteste noch erscheinende Periodikum ist die seitdem 1645 in Schweden erscheinende Post-och Inrikes Tidningar. Die Tagesblatt blieb eine Ausnahme, ihre interessanteste Funktion gewann sie vor dem 19. Jahrhundert mit der seit 1702 in London erscheinenden Daily Courant, dem Blatt, das die Funktionen des Veranstaltungskalenders der Großstadt übernahm (in kleineren Städten wurden die lokalen Veranstaltungen rascher durch den Ausruf vermeldet).
Zeitungen in den 20er Jahren
Die große Zeit der Zeitungen war vor der Erfindung des Radios, als Verlagsobjekte aus den Berliner Mosse-, Scherl- und Ullstein-Verlagen partiell viermal am Tag erschienen: Morgenausgabe, Mittagsausgabe, Abendausgabe, Nachtausgabe. Die global schnellsten Zeitungs-Rotationspressen standen einmal an der Spree.
Die reiche Zeitungskultur der Zwanziger Jahre wurde benachbart den Neuen Medien Radio und Fernsehen in Deutschland auch durch Konzentrationsprozesse (Hugenberg-Konzern) und so genannte Arisierungen (Amann-Verlag) während der Zeit des Dritten Reiches ab- und aufgelöst.
Konzentrationsprozesse und Zusammenschlüsse der Presse halten aus meist wirtschaftlichen Gründen bis auf den heutigen Tag an (Mantelzeitungen).
Seit Zentrum der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ergänzen diverse Zeitungsverlage ihre gedruckten Auflage durch Internet-Präsenzen, übrige nutzen die Neuen Medien mehr oder weniger geschickt zur Cross Promotion.
Heutige Einteilung
- Erscheinungsweise
- Tageszeitung
- Wochenzeitung
- Sonderausgabe
- Verbreitungsgebiet
- Stadtteilzeitung (meist von Bürgerinitiativen erstellt)
- Lokalblatt (häufig als Anzeigenblatt)
- Regionalzeitung
- überregionale Zeitung
teils beinhalten die beiden letzteren Regional-, Lokal-, und/oder Stadtteilteile.
- Vertriebsart
- Abonnementzeitung (durch Zusteller oder per Post)
- Boulevardzeitung (Straßenverkauf)
- Anzeigenblatt (wird gebührenfrei an alle Haushalte verteilt)
- Offertenblatt (wird über den Pressevertrieb vertrieben)
- Mitgliederzeitung (wird kostenlos oder gegen Kosten an Verbands-, Vereins- bzw. Parteimitglieder verteilt)
- Firmenzeitung (Herausgeber ist meist die PR-Abteilung des Unternehmens oder eine separate Abteilung für die unternehmensinterne Kommunikation)
- Betriebszeitung (DDR)
- Kiosk
- Pressevertrieb (Presse-Großhandel)
- Zeitungsantiquariat (Lieferung alter Zeitungen für Museen, Archive, als Filmrequisiten oder als Geschenke)
- Pendlerzeitung (kostenlose, durch Annonce finanzierte, Zeitungen die an Bahnhöfen, Tram- oder Bussstationen diversifiziert werden)
- Straßenzeitung Zeitungsprojekte die meist von obdachlosen Leute im Straßenverkauf vertrieben (manchmal auch geschrieben) werden
- Spezielle Zeitungsformen
- Schülerzeitung
- Abiturzeitung
- Studentenzeitung
- Parteizeitung
- Kirchenzeitung
- Hochzeitszeitung
- Amtsblatt
- Berufsgruppenzeitung
- Unternehmens- oder Betriebszeitung (Betriebs- oder Unternehmensinterne Zeitung)
Ausstellungen zum Jubiläumsjahr
- 400 Jahre Zeitung, 10. Juli bis 30. Dez. 2005 im Gutenberg-Museum, Mainz
- Gutenberg-Museum, 10. Juli bis 30. Dez. 2005 im Gutenberg-Museum, Mitarbeiter, Termine etc. des Gutenberg-Museums, konkomitierend zur Panoptikum in Mainz
- Das Neueste von gestern … 400 Jahre Zeitungsgeschichte in Bremen und Nordwestdeutschland, bis 23. Juni 2005 in der Bremer Bürgerschaft, danach in Oldenburg in Oldenburg und Hamburg
Siehe auch
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(TID 223246)
- Chronologie deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften
- Liste deutscher Zeitungen, Liste von Zeitungen
- Chronologie englischsprachiger Medien
- Pressegeschichte, Antiquarische Zeitung, Fuggerzeitungen, Newe Zeytung
- Zeitungsformate
- Journalist, Journalistische Darstellungsformen
- Verlag, Verleger, Liste von Verlagen in Deutschland, Österreich und Schweiz
- Zeitschrift, Gazette, Magazin
- Zeitungsmuseum, Zeitungsantiquariat
Literatur
- Faulstich, Werner: Grundwissen Medien. 2004
- Faulstich, Werner: Medien zwischen Herrschaft und Revolte. Die Medienkultur der frühen Neuzeit. (1400-1700), Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1998
- Fischer, Heinz-Dietrich: Die grossen Zeitungen - Porträts der Weltpresse. Dtv, 1966
- Groth, Otto: Die unerkannte Kulturmacht. Grundlegung der Zeitungswissenschaft. 7 Bände, Berlin 1960-72.
- Hartwig, Stefan: Deutschsprachige Medien im Ausland - fremdsprachige Medien in Deutschland. 2003. (ISBN 3825854191)
- Heinrich, Jürgen: Medienökonomie, Bd.1, Mediensystem, Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt. 2001 (ISBN 3531326368)
- Kutsch, Arnulf & Weber, Johannes: 350 Jahre Tageszeitung, Forschungen und Dokumente. Bremen 2002. Paperback, 220 Seiten. ISBN 3-934686-06-0
- Schröder, Thomas: Die ersten Zeitungen. Textgestaltung und Nachrichtenauswahl. Tübingen: Gunter Narr 1995.
- Schuster, Hans & Sillner, Leo: Die Zeitung . Wie sie uns informiert, wie sie sich informiert, mit einem Lexikon für ihren Leser. München, Günter Olzog Verlag, 1968
Weblinks
| (TID 646251) | Wiktionary: Zeitung – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
(TID 222120)
- Deutsche und Internationale Zeitungen Übersicht
- ANNO AustriaN Newspapers Online
- Compact Memory Jüdische Zeitungen des 18.–20. Jahrhunderts.
- Institut für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen
- Jubiläumsausstellung anlässlich des 400. Geburtstags der Zeitung im Gutenberg-Museum Mainz, 10.7-29.1.2006
- Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum
- Institut für Zeitungsforschung, Dortmund
- Suchmaschine für Zeitungen - Paperballaf:Koerant
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